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Nepal

Situation und Zusammenarbeit


Schulmädchen in Nepal

Nepal zählt zu den ärmsten Ländern Südasiens. Das jährliche Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt 730 US-Dollar (2015). Nur etwa 65 Prozent der Erwachsenen können lesen und schreiben. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) von 2014 liegt Nepal auf Platz 145 der 188 aufgeführten Länder.

Der langjährige Bürgerkrieg hat die Entwicklung des Landes massiv behindert. Obwohl bereits 2006 ein Friedensprozess eingeleitet wurde, haben sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft bisher nur wenig verbessert. In den vergangenen Jahren hat Nepal zwar deutliche Fortschritte in der Armutsbekämpfung erzielt. Doch die schweren Erdbeben im April und Mai 2015 haben das Land erheblich zurückgeworfen: Mindestens 700.000 Menschen wurden durch die Naturkatastrophe zusätzlich in Armut gestürzt. Besonders betroffen sind Frauen, Kinder und Angehörige von Minderheiten sowie traditionell benachteiligte Gruppen wie die Dalits. Diese sogenannten Unberührbaren machen rund 20 Prozent der Bevölkerung aus.

Auch ein Jahr nach dem schweren Erdbeben in Nepal im April 2015 sind die Zerstörungen vielerorts noch nicht beseitigt, hier ein Dorf im Distrikt Dolakha.

Konfrontiert mit einer Vielzahl von Streiks und Störungen des öffentlichen Lebens sind die staatlichen Institutionen bislang nicht in der Lage, landesweit für Recht und Ordnung zu sorgen. Insbesondere im Terai, dem südlichen Tiefland an der Grenze zu Indien, kommt es immer wieder zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen politischen und ethnischen Gruppierungen, der lokalen Bevölkerung und staatlichen Sicherheitskräften. So lösten 2015 Streitfragen zur neuen Verfassung Unruhen im Terai aus. Von September 2015 bis Februar 2016 wurden die Handelswege von und nach Indien blockiert. Die Blockade verschärfte die nach den Erdbeben ohnehin schwierige Lage – es kam zu einer schweren Versorgungskrise.


Regierungsführung

2014 hat die nepalesische Regierung eine Territorialreform angestoßen, in deren Rahmen zahlreiche neue Kommunen gebildet wurden. Die neue Verfassung von 2015 legt zudem einen föderalen Staatsaufbau mit sieben Provinzen fest. Der dadurch erforderliche Umbau des Staates stellt die Regierung vor immense Herausforderungen: Unter anderem müssen die neuen Gebietskörperschaften mit ausreichenden Haushaltsmitteln ausgestattet und lokale Wahlen abgehalten werden.

Deutliche Mängel sind bei der Rechtsstaatlichkeit zu verzeichnen. Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Kaste, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion sind weit verbreitet. Immer wieder werden auch Fälle von Folter und anderen Misshandlungen durch die Polizei bekannt. Die Betroffenen haben kaum Möglichkeiten, sich juristisch zu wehren. Die zuständigen Behörden verfolgen Menschenrechtsverstöße oft nur schleppend oder gar nicht, Gerichtsurteile werden häufig nicht umgesetzt.

Ein weiteres Problem ist die weit verbreitete Korruption. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex der Nichtregierungsorganisation Transparency International von 2015 steht Nepal auf Platz 130 von 168 ausgewerteten Staaten.


Gebremstes Wirtschaftswachstum

Kleinbäuerliche Landwirtschaft im Kathmandutal

Alle Regierungen der vergangenen Jahre bemühten sich um eine Liberalisierung der Wirtschaft, ein armutsorientiertes und beschäftigungsförderndes Wachstum, die Abmilderung des starken Stadt-Land-Gefälles sowie den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur. Doch die politische Instabilität mit ständig wechselnden Regierungskoalitionen, eine schwerfällige Bürokratie, erhebliche Energieengpässe, ein unzureichendes Bildungssystem und der Mangel an Fachkräften behindern die Entwicklung Nepals und schrecken Investoren ab.

Nachdem Nepal über mehrere Jahre Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent verzeichnete, ist die Wirtschaft in Folge der innenpolitischen Unruhen und der Blockade des Handels mit Indien deutlich eingebrochen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2016 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Für 2017 wird aber eine Erholung erwartet.

Etwa 90 Prozent aller nepalesischen Unternehmen sind Kleinbetriebe. Sie leisten zwar einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung, tragen aber nur wenig zum Bruttoinlandsprodukt bei. Etwa ein Drittel des Staatshaushalts wird von der internationalen Gebergemeinschaft im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert. Ein weiterer wichtiger Kapitalzufluss erfolgt durch die Rücküberweisungen der geschätzt sechs Millionen Nepalesen, die im Ausland arbeiten. Die Finanztransfers der Arbeitsmigranten machen etwa ein Drittel des nepalesischen Bruttoinlandsprodukts aus. Mit diesem Geld decken die Familien der Migranten jedoch in erster Linie ihre Lebenshaltungskosten – die Mittel fließen kaum in langfristig wirkende Investitionen.

Nepal ist ein von Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Obwohl sich nur ein geringer Teil des Landes für die landwirtschaftliche Nutzung eignet und eine große Abhängigkeit vom Monsun besteht, arbeiten zwei Drittel aller Erwerbstätigen in diesem Wirtschaftszweig. Durch die verstärkte landwirtschaftliche Nutzung auch ungeeigneter Böden kommt es vielerorts zu Erosionsschäden, die das Risiko von Erdrutschen und Flutkatastrophen erhöhen.

Verschärft wird die Situation durch den globalen Klimawandel. Nach einer 2010 veröffentlichten Studie gehört Nepal zu den Ländern in Asien, die besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden – etwa in Form von sich häufenden Unwettern, Dürren und Überschwemmungen.


Entwicklungspotenziale

Blick auf eine Gebirgsgruppe im zentralen Himalaya nahe dem Gletschersee Tsho Rolpa

Vor allem Nepals Gebirgslandschaft bietet große Potenziale, die bislang nicht ausgeschöpft werden: Mit der Wasserkraft der vom Himalaya südwärts fließenden Flüsse könnten große Energiemengen erzeugt werden, für die es vor allem in Indien eine große Nachfrage gibt.

Der Mount Everest und andere Achttausender wie Annapurna und Kangchendzönga sind außerdem beliebte Ziele von Bergsteigern und Trekking-Touristen. Ein wachsender sozial- und umweltverträglicher Naturtourismus könnte die Wirtschaft des Landes voranbringen.

Nepal setzt sich für eine verstärkte regionale Zusammenarbeit ein, unter anderem in der Südasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft (South Asian Association for Regional Cooperation, SAARC) und im Internationalen Zentrum für integrierte Entwicklung in Gebirgsregionen (International Centre for Integrated Mountain Development, ICIMOD), das einzige überregionale Klimaforschungsinstitut in der Himalaya-Hindukusch-Region. Beide Institutionen haben ihren Sitz in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Nepal

Deutschland gehört zu den wichtigsten bilateralen Gebern Nepals. Durch die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Land will die Bundesregierung einen Beitrag zur politischen Stabilität, zur Überwindung der Bürgerkriegsfolgen und zur Armutsbekämpfung leisten. Für den Zeitraum 2016/2017 wurden dafür Mittel in Höhe von insgesamt 36 Millionen Euro neu zugesagt.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

  • Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
  • Gesundheit
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Handel

Neben diesen Schwerpunktbereichen unterstützt die deutsche Entwicklungspolitik außerdem im Zuge der Territorialreform neu entstandene Gemeinden bei Themen wie kommunale Verwaltung, gute Regierungsführung und Katastrophenvorsorge.

Auch die weitere Unterstützung beim Wiederaufbau nach den Erdbeben wurde bei den Regierungsverhandlungen im November 2016 vereinbart. Für die Fortführung laufender Maßnahmen in den Distrikten Nuwakot, Rasuwa und Dhading stellt das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) zusätzliche drei Millionen Euro zur Verfügung.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in den betroffenen Regionen sichtbare Erfolge vorweisen. So wurde der Bau von 37 Gesundheitsstationen und eines temporären Distriktkrankenhauses im Distrikt Nuwakot abgeschlossen. Mehr als 1.250 Personen wurden in erdbebensicheren Bautechniken ausgebildet, davon 40 Prozent Frauen, die nun eine berufliche Qualifizierung vorweisen können. Gemeinsam mit Norwegen hat Deutschland außerdem mit dem Bau von bis zu elf Schulen begonnen.


Förderung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz

Die wirtschaftliche Entwicklung Nepals wird massiv durch Engpässe in der Elektrizitätsversorgung behindert. Industrie, Gewerbe und Privathaushalte leiden unter ständigen Stromausfällen. Fast 30 Prozent der Landbevölkerung haben keinen Stromanschluss.

Doch Nepal verfügt über ein gigantisches Wasserkraftpotenzial – das ganze Land könnte störungsfrei mit klimafreundlichem Strom versorgt werden. Deutschland unterstützt Nepal bei der Nutzung dieses Potenzials. Unter anderem wurden in der Vergangenheit zwei Wasserkraftwerke am Marsyangdi, einem Fluss in Zentralnepal, gebaut.

Im Rahmen der Multi-Geber-Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) wird die Elektrifizierung ländlicher Gemeinden gefördert. Die Kommunen werden dabei unterstützt, lokale Versorgungsnetze zu betreiben und die Abrechnung mit dem nationalen Stromversorger und den einzelnen Verbrauchern zu übernehmen. Bislang wurden in 46 Gemeinden Haushalte mit fast 200.000 Bewohnern sowie 500 soziale Einrichtungen und mehr als 1.900 kleine und mittlere Unternehmen an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Abgelegene ländliche Regionen werden mit deutscher Unterstützung durch dezentrale Kleinwasserkraftanlagen versorgt. Um den Betreibern solcher Anlagen finanziellen Rückhalt zu bieten, wurde ein Schuldenfonds bei zwei örtlichen Geschäftsbanken eingerichtet. Betreiber von 27 Kleinwasserkraftanlagen haben bislang die neue Möglichkeit genutzt, ein Darlehen aufzunehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt des deutschen Engagements liegt auf der Verbesserung der Energieeffizienz. Die KfW Entwicklungsbank fördert den Neubau von Übertragungsleitungen, damit klimafreundlich erzeugte Energie ohne größere Verluste die wirtschaftlichen Zentren Nepals erreicht. Bei den Industrie- und Handelskammern werden sogenannte Energieauditoren ausgebildet. Diese beraten Industrieunternehmen dabei, wie sie ihre Produktionsprozesse energieeffizienter gestalten können.

In Regionen, die gar keinen Zugang zum Stromnetz haben, finanziert die KfW den Aus- und Aufbau von Solar- und Biogasanlagen.


Förderung des Gesundheitswesens

Krankenhaus in Kathmandu

Der Gesundheitszustand der nepalesischen Bevölkerung hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Insbesondere ist es gelungen, die Zahl der Todesfälle von Müttern und Neugeborenen deutlich zu senken. Doch noch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Armen und Wohlhabenden sowie zwischen Stadt und Land. Qualität und Verfügbarkeit grundlegender Gesundheitsdienstleistungen sind für weite Teile der Bevölkerung nach wie vor unzureichend.

Das BMZ unterstützt die nepalesische Regierung daher bei der Umsetzung ihrer Gesundheitssektorstrategie (2015–2020). Es geht darum, die Qualität von Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern, ihre nachhaltige und sozial gerechte Finanzierung zu sichern und eine bessere Versorgung benachteiligter Gruppen zu gewährleisten.

So hat ein Vorhaben der technischen Zusammenarbeit einen entscheidenden Beitrag zur politischen Debatte über die Gesundheitsfinanzierung und soziale Absicherung im Krankheitsfall geleistet. 2014 beschloss die nepalesische Regierung die Einführung einer nationalen Krankenversicherung. In 25 der 75 Distrikte soll die Krankenversicherung mittelfristig eingeführt, und bis 2022 auf das gesamte Staatsgebiet ausgeweitet werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des deutschen Engagements liegt im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Unter anderem werden in Geburtshilfeeinrichtungen neue Fortbildungsprogramme eingeführt. Außerdem wurde die politische Diskussion über die Einführung des Hebammenberufs erheblich vorangebracht. Um möglichst viele Menschen direkt zu erreichen, werden im Rahmen einer Informationskampagne regelmäßig Kurznachrichten zu Themen wie Aufklärung und Verhütung auf Mobiltelefone gesendet.

In zwei der entlegensten Regionen Nepals, wo die Gesundheitsversorgung besonders unzuverlässig war, hat die KfW Entwicklungsbank ein Pilotprojekt gefördert: Ein privater Fachbetrieb wurde damit beauftragt, die medizinischen Geräte in 56 Gesundheitseinrichtungen regelmäßig zu warten, bei Bedarf zu reparieren und das Personal im Umgang mit den Geräten zu schulen. Dafür installierte der Betrieb ein computerbasiertes Managementsystem und richtete in beiden Regionen kleine Werkstätten ein, von denen aus mobile Mechanikerteams die Einrichtungen anfahren.

Aus dem Pilotprojekt ist innerhalb kurzer Zeit ein Vorzeigeprogramm geworden. Es soll nun mit Unterstützung der KfW Entwicklungsbank auf das ganze Land ausgedehnt werden.


Nachhaltige Wirtschafts- und Handelsentwicklung

Straßenszene in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu

In seiner wirtschaftlichen Entwicklung kann Nepal nicht mit seinen erfolgreichen Nachbarn Indien und China mithalten. Die Wachstumsraten der vergangenen Jahre reichen nicht aus, um die Armut im Land nachhaltig zu verringern.

Ein wichtiges Ziel der deutsch-nepalesischen Zusammenarbeit ist, dass sich die Wirtschaft sozial ausgewogen entwickelt und damit zur Friedensbildung beiträgt. Berücksichtigt werden insbesondere die Bedürfnisse der sehr armen Einwohner Nepals. Im Mittelpunkt stehen Frauen, benachteiligte Kasten, ethnische und religiöse Minderheiten, vom Bürgerkrieg betroffene Menschen sowie Menschen mit Behinderung.

Deutschland unterstützt den Dialog zwischen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft und berät kleine und mittlere Unternehmen, Kammern, Wirtschaftsverbände und Genossenschaften auf lokaler und regionaler Ebene. Die wirtschaftliche Teilhabe der Zielgruppen wird durch die Stärkung ausgewählter Wertschöpfungsketten (zum Beispiel Honig, Milch, Heil- und Aromapflanzen) gefördert.

Um die Handelsleistung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes anzukurbeln, wird das nepalesische Handelsministerium dabei unterstützt, seine 2010 formulierte Handelsstrategie umzusetzen. So sollen insbesondere die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen verbessert werden, die das Potenzial haben, Waren zu exportieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

Das Steueraufkommen Nepals ist mit 18 Prozent des BIP eines der niedrigsten in Südasien. Deutschland berät mittels der GIZ die nepalesische Steuerbehörde bei der Verbesserung der Steuererhebungssysteme, das heißt bei der Erfassung aller Unternehmensgruppen, Verbesserung der Qualität von Service, Management, Verwaltung und Informationssystemen.

Der Handelsentwicklung dient auch die enge Zusammenarbeit mit der Welthandelsorganisation (WTO) und der Südasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft (SAARC). Unter anderem berät und schult Deutschland Mitglieder des SAARC-Netzwerks, um den Handel zwischen Nepal und anderen Staaten der Region auszubauen.


Kommunalverwaltung

Blick auf Jomsom, die Hauptgemeinde des Distriktes Mustang, Nepal

Aufgrund der hohen Urbanisierung hat die nepalesische Regierung 2014 zusätzlich zu den bis dato bestehenden 58 Kommunen 133 neue Kommunen geschaffen. Damit diese ihre Verwaltungsfunktion erfüllen können, unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Training und Ausbildung von Personal und Experten unter anderem bei der Nutzung von Planungs- und Baurichtlinien, kommunaler Verwaltung und öffentlichem Finanzmanagement.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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