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Indien

Situation und Zusammenarbeit

Ein indisches Schulmädchen in einem Slum in Delhi

Indien ist ein Land extremer Gegensätze. Trotz boomender Zentren wie Mumbai, Neu-Delhi oder Bangalore leben immer noch fast 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, das sind rund 400 Millionen Menschen, von umgerechnet weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag. Fast ein Sechstel der Inder sind unterernährt und 15 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind untergewichtig. Die Kindersterblichkeit liegt höher als in den Nachbarländern Nepal und Bangladesch, die zu den "least developed countries", den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gehören. Obwohl die Situation in Indien im Welthunger-Index 2016 nicht mehr als "sehr ernst", sondern als "ernst" eingestuft wird, leben in Indien weiterhin mehr chronisch unterernährte Kinder als irgendwo sonst auf der Welt. Mehr als ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren leiden an Wachstumsverzögerungen.

Die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit reichen bislang nicht aus, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen. Auch die Qualität der Angebote ist oft noch zur gering. Eine der Folgen: Etwa ein Viertel der Erwachsenen können weder lesen noch schreiben. Mängel bestehen auch in der Infrastruktur: So haben rund 280 Millionen Menschen keinen Stromanschluss, etwa 790 Millionen Inderinnen und Inder verfügen über keine sanitären Einrichtungen.

Konflikte und Protestbewegungen

Im Vielvölkerstaat Indien kommt es immer wieder zu teilweise gewaltsam ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bundesstaaten, Volksgruppen, Religionsgemeinschaften, politischen Gruppierungen und Kasten.

In den vergangenen Jahren wurden die verantwortlichen Politiker wiederholt mit Massendemonstrationen konfrontiert, die von der jüngeren städtischen Mittelschicht getragen wurden. Obwohl die Geschlechtergleichheit in der Verfassung verankert ist, werden Mädchen und Frauen in der indischen Gesellschaft weiterhin erheblich benachteiligt. Ihr Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen hat sich zwar deutlich verbessert. In vielen Familien werden die männlichen Mitglieder jedoch bei der Ernährung, medizinischen Versorgung und Bildung immer noch bevorzugt. Immer wieder kommt es zu Gewalt gegen Frauen.


Wirtschaft

Eine Mitarbeiterin eines Pharmaunternehmens im indischen Bangalore bei der Arzneimittelherstellung

In den vergangenen 20 Jahren konnte Indien ein stabiles Wirtschaftswachstum verzeichnen. In einigen Bereichen gehört das Land inzwischen zur Weltspitze – zum Beispiel in der Informationstechnik, der Pharmazie, der Raumfahrt und der Biotechnologie.

Doch weite Teile der Bevölkerung sind von der positiven Entwicklung bislang ausgeschlossen. Die Regierung will daher unter dem Motto "inclusive growth" deutlich mehr Menschen als bisher an der günstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung teilhaben lassen. Sie strebt in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mehr als acht Prozent an. In den vergangenen Jahren hatte die indische Wirtschaft diese Zielmarke verpasst, doch zuletzt gewann die wirtschaftliche Entwicklung wieder an Dynamik. 2015 lag das Wachstum bei 7,9 Prozent.

Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, hatte die Regierung 2012 und 2013 eine Reihe von Gesetzen reformiert. Unter anderem wurde beschlossen, das Land stärker ausländischen Investoren zu öffnen und Genehmigungsprozesse zu vereinfachen. Ausländische Direktinvestitionen sind nach einigen Jahren der Zurückhaltung deutlich angestiegen und erreichten zwischen April 2015 und März 2016 eine Rekordhöhe von 40 Milliarden US-Dollar. Auch die Einführung einer einheitlichen Mehrwertsteuer, die im Rahmen einer großen Steuerreform im Jahr 2016 beschlossen wurde, soll der indischen Wirtschaft zu Wachstumsimpulsen verhelfen.

Seit Mai 2014 regiert die als wirtschaftsfreundlich geltende, hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) nach einem klaren Wahlsieg mit absoluter Mehrheit im Parlament. Die Regierung unter Narenda Modi führt den Reformkurs fort, und forciert die Bemühungen um Investitionsfreundlichkeit noch. Allerdings besteht durch die verstärkte Ausrichtung auf ein gutes Investitionsklima wiederum die Gefahr, dass Umwelt- und Sozialstandards an Bedeutung verlieren.

Noch ist die indische Volkswirtschaft durch ein deutliches Missverhältnis geprägt: Der Anteil einzelner Sektoren am Bruttoinlandsprodukt (BIP) spiegelt sich nicht in der Zahl der Arbeitsplätze wider. Fast die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt – die aber nur noch rund 17 Prozent zum BIP beiträgt. Wachstum und Wohlstand sind vor allem dem Dienstleistungssektor zu verdanken (BIP-Anteil: 56 Prozent). Er bietet jedoch nur etwa einem Viertel der Bevölkerung eine Beschäftigung.

Um die Armut im Land zu überwinden, müssen sehr viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden – vor allem für nicht oder gering qualifizierte Arbeitskräfte. Dies könnte aus Sicht der Regierung am ehesten im Industriesektor (insbesondere im verarbeitenden Gewerbe) erfolgen. Nach Regierungsangaben haben nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter eine berufliche Qualifikation. Für die jährlich bis zu 12 Millionen jungen Menschen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, gibt es bisher zu wenige Ausbildungsangebote, zumeist auch nur von sehr geringer Qualität.


Landwirtschaft

Der indische Agrarsektor ist zu einem Großteil auf Selbstversorgung ausgerichtet. Aufgrund des Bevölkerungswachstums werden in vielen Regionen die Betriebsflächen immer kleiner, immer mehr Menschen besitzen kein eigenes Land mehr. Viele Kleinbauern sind überschuldet.

Konfliktpotenzial liegt auch in der zunehmenden Zerstörung der Böden und in den erheblichen Auswirkungen des Klimawandels. Nach Angaben der indischen Regierung sind bereits ein Drittel der Landoberfläche Indiens von Bodenerosion und Desertifikation betroffen. Die vorliegenden Modellrechnungen zum weltweiten Klimawandel deuten auf zunehmende Schwankungen von Temperaturen und Niederschlägen auf dem indischen Subkontinent hin. Dürren und Überschwemmungen könnten demnach in Zukunft weiter zunehmen und mit ihnen die Auseinandersetzungen um die knappen Ressourcen Wasser und Boden.

Nach dem Willen der Regierung sollen die Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land verringert werden. Im Agrarsektor sollen durch bessere Anbau- und Verarbeitungsmethoden die Erträge steigen. Außerdem sollen in den ländlichen Räumen neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen werden.


Umweltbelastung

Im ostindischen Puri suchen Menschen im Müll nach verwertbaren Dingen.

Die schnelle Wirt­schafts­ent­wick­lung und der hohe Rohstoff­verbrauch Indiens belasten die Umwelt zunehmend: Die Luft­qualität in indischen Ballungs­zentren gehört zu den schlechtesten der Welt, die Gewässer des Landes sind stark verschmutzt, in weiten Landes­teilen gibt es keine geregelte Müll- und Abwasser­entsorgung.

Zwar verfügt Indien über eine Umwelt­gesetzgebung, doch bei ihrer Anwendung fehlt es häufig an lokaler Fach­kompetenz, eindeutig definierten Zuständig­keiten und an finanziellen Mitteln. Es wird von entscheidender Bedeutung für die nach­haltige Entwicklung des Landes und auch für das globale Klima sein, inwieweit Indiens Wachstum umwelt­verträglich gestaltet werden kann.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Indien


Entwicklungsminister Gerd Müller traf sich anlässlich der deutsch-indischen Regierungskonsultationen mit dem indischen Finanzminister Jayant Sinha. Ganz im Zeichen der neuen UN-Nachhaltigkeitsziele steht die künftige Zusammenarbeit des BMZ mit Indien. So unterstützt Deutschland die indische Regierung bei dem Ziel, die Stromerzeugung aus Solarenergie zu verfünffachen. Außerdem investiert das BMZ in den Ausbau der Energienetze sowie in nachhaltige Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Verstärkt wird auch die Kooperation bei der beruflichen Bildung und in der Landwirtschaft.
Bildergalerie öffnen gallery27058165_2../../../../service/zusatzbildergalerien/20151006_RV-Indien/0010_rv_indien_thumb.jpgMichael Gottschalk/photothek.net Bildergalerie öffnen

Am 05.10.2015 fanden die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi statt – die ersten mit der neuen Regierung von Premierminister Narendra Modi. Entwicklungsminister Gerd Müller traf sich anlässlich der Konsultationen mit dem indischen Finanzminister Jayant Sinha. Die künftige Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien wird ganz im Zeichen der neuen UN-Nachhaltigkeitsziele stehen. So unterstützt Deutschland die indische Regierung bei dem Ziel, die Stromerzeugung aus Solarenergie zu verfünffachen. Außerdem investiert das BMZ in den Ausbau der Energienetze sowie in nachhaltige Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Verstärkt wird auch die Kooperation bei der beruflichen Bildung und in der Landwirtschaft

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

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Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie stand im Mittelpunkt der Konsultationen. Unter anderem wurde eine Solarpartnerschaft auf den Weg gebracht. Bis 2030 will die indische Regierung die Wirtschaft wesentlich energieeffizienter machen und dabei auch den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von heute fünf auf 25 Prozent steigern. Die Solarpartnerschaft zielt vor allem auf Solardachanlagen ab, die in Indien noch wenig verbreitetet sind.

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Im Anschluss an die Regierungskonsultationen besuchte Bundesminister Gerd Müller mehrere Vorhaben in Delhi, die von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt werden. In einem Slum, in dem die Bewohner hauptsächlich davon leben, Müll zu sammeln und zu trennen, sortieren zwei Frauen Plastikmüll.

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Minister Müller besuchte ein Projekt, das den Einsatz moderner, energieeffizienter Herde fördert. Sie sollen helfen, die Luftqualität in Slumgebieten zu verbessern.

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Entwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Bewohnern einer Siedlung in Delhi, in der die Bewohner hauptsächlich vom Müllsammeln leben. Das BMZ unterstützt die Urbanisierungsstrategie der indischen Regierung, da der Zustrom von Menschen in die großen Ballungszentren anhält.

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Eine indische Schülerin, die in einem Slum in Neu-Delhi lebt. Die Förderung der beruflichen Bildung ist einer der Schwerpunkte der deutsch-indischen Zusammenarbeit.

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Das Mathematikheft einer Schülerin aus Delhi. Eine der großen Herausforderungen für Indien ist die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für junge Menschen.

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Schüler einer Koranschule in einem Slum in Delhi. Schätzungen zufolge wird im Jahr 2030 mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung in Großstädten leben und fast 70 dieser Städte werden eine Bevölkerung von mehr als einer Million Einwohnern haben.

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Eine weitere Station auf der Reise von Bundesminister Müller war das Green College in Rukka im Bundesstaat Jharkhand. Das College gehört zu den sogenannten "Grünen Innovationszentren", die das BMZ im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" fördert.

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Die Grünen Innovationszentren sollen dabei helfen, landwirtschaftliche Produktionsmethoden zu modernisieren, um so die Erträge zu steigern und die Ernährungssituation zu verbessern. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen des Green College eine neue Anbaumethode für Reis.

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Das Green College in Rakka wird von Deutschland im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützt. Die Sonderinitiative will Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern, die zu höherer Produktivität und damit zu steigenden Einkommen führen und dazu beitragen, dass neue Arbeitplätze entstehen – und das im gesamten landwirtschaftlichen Verarbeitungsprozess vom Acker bis zum Teller.

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Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Innovationszentren spielt die Aus- und Weiterbildung von Bäuerinnen und Bauern in den Partnerländern. Sie müssen dabei unterstützt werden, ihre betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnisse auszuweiten, Erzeuger- und Vertriebsgemeinschaften zu gründen und so ihre Marktanbindung zu verbessern. Um die Teilnahme an solchen Ausbildungsangeboten zu erleichtern, gibt es im Green College eine Schule für die Kinder der Mitarbeiter und Kursteilnehmer.

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Bundesminister Müller im Gespräch mit Prashant Jhawar, dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie Green College

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Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsminister des Bundesstaates Jharkhand, Shri Randhir Kumar Singh und dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie, Prashant Jhawar, zeichnete Bundesminister Gerd Müller Absolventen eines Lehrganges am Green College aus.

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Am 05.10.2015 fanden die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi statt – die ersten mit der neuen Regierung von Premierminister Narendra Modi. Entwicklungsminister Gerd Müller traf sich anlässlich der Konsultationen mit dem indischen Finanzminister Jayant Sinha. Die künftige Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien wird ganz im Zeichen der neuen UN-Nachhaltigkeitsziele stehen. So unterstützt Deutschland die indische Regierung bei dem Ziel, die Stromerzeugung aus Solarenergie zu verfünffachen. Außerdem investiert das BMZ in den Ausbau der Energienetze sowie in nachhaltige Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Verstärkt wird auch die Kooperation bei der beruflichen Bildung und in der Landwirtschaft

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie stand im Mittelpunkt der Konsultationen. Unter anderem wurde eine Solarpartnerschaft auf den Weg gebracht. Bis 2030 will die indische Regierung die Wirtschaft wesentlich energieeffizienter machen und dabei auch den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von heute fünf auf 25 Prozent steigern. Die Solarpartnerschaft zielt vor allem auf Solardachanlagen ab, die in Indien noch wenig verbreitetet sind.

Im Anschluss an die Regierungskonsultationen besuchte Bundesminister Gerd Müller mehrere Vorhaben in Delhi, die von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt werden. In einem Slum, in dem die Bewohner hauptsächlich davon leben, Müll zu sammeln und zu trennen, sortieren zwei Frauen Plastikmüll.

Minister Müller besuchte ein Projekt, das den Einsatz moderner, energieeffizienter Herde fördert. Sie sollen helfen, die Luftqualität in Slumgebieten zu verbessern.

Entwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Bewohnern einer Siedlung in Delhi, in der die Bewohner hauptsächlich vom Müllsammeln leben. Das BMZ unterstützt die Urbanisierungsstrategie der indischen Regierung, da der Zustrom von Menschen in die großen Ballungszentren anhält.

Eine indische Schülerin, die in einem Slum in Neu-Delhi lebt. Die Förderung der beruflichen Bildung ist einer der Schwerpunkte der deutsch-indischen Zusammenarbeit.

Das Mathematikheft einer Schülerin aus Delhi. Eine der großen Herausforderungen für Indien ist die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für junge Menschen.

Schüler einer Koranschule in einem Slum in Delhi. Schätzungen zufolge wird im Jahr 2030 mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung in Großstädten leben und fast 70 dieser Städte werden eine Bevölkerung von mehr als einer Million Einwohnern haben.

Eine weitere Station auf der Reise von Bundesminister Müller war das Green College in Rukka im Bundesstaat Jharkhand. Das College gehört zu den sogenannten "Grünen Innovationszentren", die das BMZ im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" fördert.

Die Grünen Innovationszentren sollen dabei helfen, landwirtschaftliche Produktionsmethoden zu modernisieren, um so die Erträge zu steigern und die Ernährungssituation zu verbessern. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen des Green College eine neue Anbaumethode für Reis.

Das Green College in Rakka wird von Deutschland im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützt. Die Sonderinitiative will Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern, die zu höherer Produktivität und damit zu steigenden Einkommen führen und dazu beitragen, dass neue Arbeitplätze entstehen – und das im gesamten landwirtschaftlichen Verarbeitungsprozess vom Acker bis zum Teller.

Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Innovationszentren spielt die Aus- und Weiterbildung von Bäuerinnen und Bauern in den Partnerländern. Sie müssen dabei unterstützt werden, ihre betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnisse auszuweiten, Erzeuger- und Vertriebsgemeinschaften zu gründen und so ihre Marktanbindung zu verbessern. Um die Teilnahme an solchen Ausbildungsangeboten zu erleichtern, gibt es im Green College eine Schule für die Kinder der Mitarbeiter und Kursteilnehmer.

Bundesminister Müller im Gespräch mit Prashant Jhawar, dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie Green College

Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsminister des Bundesstaates Jharkhand, Shri Randhir Kumar Singh und dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie, Prashant Jhawar, zeichnete Bundesminister Gerd Müller Absolventen eines Lehrganges am Green College aus.


Die deutsch-indische Entwicklungszusammenarbeit verläuft sehr vertrauensvoll und erfolgreich. Sie hat sich zu einem anspruchsvollen Dialog zwischen gleichberechtigten Partnern entwickelt.

Die Kooperation der Bundesrepublik mit globalen Entwicklungspartnern (GEP) wie Indien konzentriert sich weniger auf lokale Einzelprojekte als vielmehr auf strukturbildende Programme: Die Vorhaben knüpfen an indische Eigenanstrengungen und Reformprogramme an. Sie zeigen modellhafte Lösungen auf und qualifizieren die beteiligten Partner, die Vorhaben eigenständig weiterzuführen und auszuweiten.

Für 2016 wurden Indien im Rahmen der deutsch-indischen Entwicklungszusammenarbeit Mittel in Höhe von 1,109 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Davon entfallen mehr als 1,1 Milliarden Euro auf die finanzielle und 29 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit. Die Mittel der finanziellen Zusammenarbeit werden zum weit überwiegenden Anteil als Darlehen mit marktnahen Konditionen gewährt und von Indien verzinst zurückgezahlt.

Folgende Arbeitsschwerpunkte wurden vereinbart:

  • Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
  • Nachhaltige Stadtentwicklung
  • Umwelt- und Ressourcenschutz

Deutschland engagiert sich auch im Rahmen der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger in Indien und unterstützt unter anderem ein Grünes Innovationszentrum und Maßnahmen zum Bodenschutz und zur Ernährungssicherung.


Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Stromleitungen in Neu-Delhi, Indien

Bei der indischen Energieversorgung zeigt sich eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage: Der Energieverbrauch steigt unaufhaltsam, doch die meisten vorhandenen Kraftwerke sind veraltet und ineffizient. Die Bevölkerung – vor allem in den ländlichen Räumen – ist stark unterversorgt, und auch die wirtschaftliche Entwicklung wird durch den Strommangel erheblich gebremst. Andererseits ist Indien bereits heute der drittgrößte Kohlendioxid-Emittent der Welt, nach den USA und China. Seine Wirtschafts- und Umweltpolitik hat dadurch direkten Einfluss auf die Entwicklung des Weltklimas.

In der Entwicklungszusammenarbeit steht daher die Förderung der erneuerbaren Energien im Mittelpunkt. So beteiligte sich Deutschland mit einem zinsverbilligten Entwicklungskredit maßgeblich an der Finanzierung eines der derzeit größten Photovoltaik-Kraftwerks der Welt, das im indischen Bundesstaat Maharashtra gebaut wurde und Ende 2013 ans Netz ging. Im Oktober 2015 wurde im Rahmen der Regierungskonsultationen in Neu-Delhi die deutsch-indische Solarpartnerschaft mit einem Kooperationsvolumen von einer Milliarde Euro über fünf Jahre auf den Weg gebracht. Im Rahmen dieser Partnerschaft sollen vor allem Solardachanlagen, die in Indien noch wenig verbreitet sind, sowie die dezentrale Stromversorgung ländlicher Gebiete durch Solaranlagen und Solarparks gefördert werden. Außerdem wird ein Wasserkraft-Projekt im Himalaya von Deutschland unterstützt.

Indien hat die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren bereits signifikant gesteigert. Ein Engpass besteht aber mittlerweile bei deren Einspeisung in das stark belastete indische Stromnetz. Mit einem weiteren umfangreichen Darlehen fördert die Bundesrepublik mit den "Green Energy Corridors" den Ausbau von Übertragungsleitungen, um die Anbindung der erneuerbaren Energien an das nationale Stromnetz zu verbessern. Ziel ist es, "grüne Energiekorridore" für die effiziente Verteilung des aus erneuerbaren Quellen erzeugten Stroms zu schaffen.

Ein wichtiges Ziel ist zudem, die Effizienz bei der Energiegewinnung und -übertragung sowie beim Stromverbrauch zu erhöhen.


Nachhaltige Stadtentwicklung

Ein Mitarbeiter auf der Baustelle der neuen U-Bahn in Neu Delhi, Indien

2016 wurde "nachhaltige Stadtentwicklung" als neue Arbeitsschwerpunkt der Kooperation von Indien und Deutschland vereinbart. Zurzeit leben rund 30 Prozent der Bevölkerung in Städten, davon ein Viertel unter schlechten Bedingungen in Slums. In den kommenden 15 Jahren wird der Anteil der städtischen Bevölkerung voraussichtlich auf 40 Prozent steigen. Die indische Regierung hat darum zahlreiche Initiativen im Bereich Stadtentwicklung angestoßen, darunter eine "Smart Cities Mission" und eine Initiative zur Reinigung des Ganges.

Deutschland engagiert sich im Bereich der Sanitärversorgung und beim Management von Abwasser und Abfall in Haushalten und Industrie, bei der Stadtplanung, in der städtischen Governance und für klimafreundliche urbane Mobilität.

Beispielhaft für Letzteres ist ein Vorhaben zum "integrierten Wassertransport" in der Stadt Kochi: Durch die Wiederbelebung von traditionellen Wassertransportmitteln und -routen und die Einbindung dieser Strecken in einen Gesamtfahrplan kann der sonstige Individualverkehr reduziert werden. Dadurch werden Unfälle vermieden und die umweltfreundlichen Boote helfen, die Luftverschmutzung zu reduzieren.


Umwelt-und Ressourcenschutz

Indien steht vor massiven Herausforderungen hinsichtlich des städtischen und industriellen Umweltschutzes. Außerdem sieht sich das Land mit der Notwendigkeit konfrontiert, Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu entwickeln und Maßnahmen zum Ressourcenschutz zu ergreifen: Der Schutz der Böden, des Wassers und der Luft sowie der Erhalt der Artenvielfalt auf dem indischen Subkontinent sind Fragen von nationaler wie globaler Bedeutung. Internationale Initiativen wie "Economics of Landdegradation" (ELD) und "The Economics of Ecosystems and Biodiversity" (TEEB) gewinnen auch in der deutsch-indischen Zusammenarbeit an Bedeutung.


Weitere Informationen

CHECK [D]EINEWELT

Holi-Fest in Indien mit der Frage "Welchen Weltrekord knackt Indien bald?"

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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