Hauptinhalt

Indien

Situation und Zusammenarbeit

Ein indisches Schulmädchen in einem Slum in Delhi

Indien ist ein Land extremer Gegensätze. Trotz boomender Zentren wie Mumbai, Neu-Delhi oder Bangalore leben immer noch fast 60 Prozent der Gesamtbevölkerung, das sind rund 750 Millionen Menschen, von umgerechnet weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Etwa 300 Millionen Menschen gelten sogar als extrem arm. Fast ein Sechstel der Inder sind unterernährt und 31 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind untergewichtig. Die Kindersterblichkeit liegt höher als in den Nachbarländern Nepal und Bangladesch, die zu den "least developed countries", den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gehören. Obwohl die Situation in Indien im Welthunger-Index 2014 nicht mehr als "sehr ernst", sondern als "ernst" eingestuft wird, leben in Indien weiterhin mehr chronisch unterernährte Kinder als irgendwo sonst auf der Welt. Beinahe jedes zweite Kind unter fünf Jahren leidet an Wachstumsverzögerungen.

Die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit reichen bislang nicht aus, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen. Auch die Qualität der Angebote ist oft noch zur gering. Eine der Folgen: Etwa ein Drittel der Erwachsenen können weder lesen noch schreiben. Mängel bestehen auch in der Infrastruktur: So haben rund 310 Millionen Menschen keinen Stromanschluss, etwa 800 Millionen Inderinnen und Inder verfügen über keine sanitären Einrichtungen.

Konflikte und Protestbewegungen

Im Vielvölkerstaat Indien kommt es immer wieder zu teilweise gewaltsam ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bundesstaaten, Volksgruppen, Religionsgemeinschaften, politischen Gruppierungen und Kasten.

In den vergangenen Jahren wurden die verantwortlichen Politiker auch wiederholt mit Massendemonstrationen konfrontiert, die von der jüngeren städtischen Mittelschicht getragen wurden. So bildete sich 2011 eine breite Protestbewegung gegen die allgegenwärtige Korruption im Land. Aus ihr ging die Aam Aadmi Party (AAP) als Anti-Korruptionspartei hervor, der es zwischenzeitlich gelang, die Regierung im Unionsterritorium Delhi – in etwa vergleichbar mit einem deutschen Stadtstaat wie Berlin – zu stellen. Im Dezember 2012 löste die äußerst brutale Gruppenvergewaltigung einer Studentin eine Protestwelle und eine intensive öffentliche Diskussion zum Thema Frauenrechte und sexuelle Selbstbestimmung aus.

Obwohl die Geschlechtergleichheit in der Verfassung verankert ist, werden Mädchen und Frauen in der indischen Gesellschaft weiterhin erheblich benachteiligt. Ihr Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen hat sich zwar deutlich verbessert. In vielen Familien werden die männlichen Mitglieder jedoch bei der Ernährung, medizinischen Versorgung und Bildung immer noch bevorzugt. Immer wieder kommt es zu Gewalt gegen Frauen, bis hin zum Mord wegen mangelnder Mitgift.


Wirtschaft

Eine Mitarbeiterin eines Pharmaunternehmens im indischen Bangalore bei der Arzneimittelherstellung

In den vergangenen 20 Jahren konnte Indien ein stabiles Wirtschaftswachstum verzeichnen. In einigen Bereichen gehört das Land inzwischen zur Weltspitze – zum Beispiel in der Informationstechnik, der Pharmazie, der Raumfahrt und der Biotechnologie.

Doch weite Teile der Bevölkerung sind von der positiven Entwicklung bislang ausgeschlossen. Die Regierung will daher unter dem Motto "inclusive growth" deutlich mehr Menschen als bisher an der günstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung teilhaben lassen. Sie strebt in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mehr als acht Prozent an. 2012 hat die indische Wirtschaft diese Zielmarke verpasst – das Wachstum lag bei nur etwa fünf Prozent und damit auf einem Zehnjahrestief. Auch 2013 wurde nur ein Wachstum unter fünf Prozent (4,7 Prozent) erzielt. Für 2014 rechnen Analysten mit fünf bis sechs Prozent Zuwachs.

Hauptursache sind nachlassende Unternehmensinvestitionen. Geringerer Konsum, massive Infrastrukturmängel, insbesondere bei der Energieversorgung, und der Reformstau der vergangenen Jahre sorgen für Zurückhaltung in der Privatwirtschaft.

Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, hat die Regierung 2012 und 2013 eine Reihe von Gesetzen reformiert. Unter anderem wurde beschlossen, das Land stärker ausländischen Investoren zu öffnen und Genehmigungsprozesse zu vereinfachen. Importe und Exporte sind seitdem leicht angestiegen, doch die Investitionstätigkeiten sind immer noch zurückhaltend. Seit Mai 2014 regiert die als wirtschaftsfreundlich geltende, hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) nach einem klaren Wahlsieg mit absoluter Mehrheit im Parlament. Die neue Regierung unter Narenda Modi führt den Reformkurs fort, und forciert die Bemühungen um Investitionsfreundlichkeit noch. Allerdings besteht durch die verstärkte Ausrichtung auf ein gutes Investitionsklima wiederum die Gefahr, dass Umwelt- und Sozialstandards an Bedeutung verlieren.

Noch ist die indische Volkswirtschaft durch ein deutliches Missverhältnis geprägt: Der Anteil einzelner Sektoren am Bruttoinlandsprodukt (BIP) spiegelt sich nicht in der Zahl der Arbeitsplätze wider. Mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt – die aber nur noch knapp 14 Prozent zum BIP beiträgt. Wachstum und Wohlstand sind vor allem dem Dienstleistungssektor zu verdanken (BIP-Anteil: 60 Prozent). Er bietet jedoch nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung eine Beschäftigung.

Um die Armut im Land zu überwinden, müssen sehr viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden – vor allem für nicht oder gering qualifizierte Arbeitskräfte. Dies könnte aus Sicht der Regierung am ehesten im Industriesektor (insbesondere im verarbeitenden Gewerbe) erfolgen, dessen Anteil an der indischen Wirtschaftsleistung 2013/14 bei etwa 19 Prozent lag. Nach Regierungsangaben haben nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter eine berufliche Qualifikation. Nur zwei Prozent der unter 30-Jährigen haben eine formale Berufsausbildung absolviert.


Landwirtschaft

Der indische Agrarsektor ist zu einem Großteil auf Selbstversorgung ausgerichtet. Aufgrund des Bevölkerungswachstums werden in vielen Regionen die Betriebsflächen immer kleiner, immer mehr Menschen besitzen kein eigenes Land mehr. Viele Kleinbauern sind überschuldet.

Konfliktpotenzial liegt auch in der zunehmenden Zerstörung der Böden und in den erheblichen Auswirkungen des Klimawandels. Nach Angaben der indischen Regierung sind bereits ein Drittel der Landoberfläche Indiens von Bodenerosion und Desertifikation betroffen. Die vorliegenden Modellrechnungen zum weltweiten Klimawandel deuten auf zunehmende Schwankungen von Temperaturen und Niederschlägen auf dem indischen Subkontinent hin. Dürren und Überschwemmungen könnten demnach in Zukunft weiter zunehmen und mit ihnen die Auseinandersetzungen um die knappen Ressourcen Wasser und Boden.

Nach dem Willen der Regierung sollen die Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land verringert werden. Im Agrarsektor sollen durch bessere Anbau- und Verarbeitungsmethoden die Erträge steigen. Außerdem sollen in den ländlichen Räumen neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen werden.


Umweltbelastung

Im ostindischen Puri suchen Menschen im Müll nach verwertbaren Dingen.

Die schnelle Wirt­schafts­ent­wick­lung und der hohe Rohstoff­verbrauch Indiens belasten die Umwelt zunehmend: Die Luft­qualität in indischen Ballungs­zentren gehört zu den schlechtesten der Welt, die Gewässer des Landes sind stark verschmutzt, in weiten Landes­teilen gibt es keine geregelte Müll- und Abwasser­entsorgung.

Zwar verfügt Indien über eine Umwelt­gesetzgebung, doch bei ihrer Anwendung fehlt es häufig an lokaler Fach­kompetenz, eindeutig definierten Zuständig­keiten und an finanziellen Mitteln. Es wird von entscheidender Bedeutung für die nach­haltige Entwicklung des Landes und auch für das globale Klima sein, inwieweit Indiens Wachstum umwelt­verträglich gestaltet werden kann.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Indien


Entwicklungsminister Gerd Müller traf sich anlässlich der deutsch-indischen Regierungskonsultationen mit dem indischen Finanzminister Jayant Sinha. Ganz im Zeichen der neuen UN-Nachhaltigkeitsziele steht die künftige Zusammenarbeit des BMZ mit Indien. So unterstützt Deutschland die indische Regierung bei dem Ziel, die Stromerzeugung aus Solarenergie zu verfünffachen. Außerdem investiert das BMZ in den Ausbau der Energienetze sowie in nachhaltige Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Verstärkt wird auch die Kooperation bei der beruflichen Bildung und in der Landwirtschaft.
Bildergalerie öffnen gallery27058165_2../../../../service/zusatzbildergalerien/20151006_RV-Indien/0010_rv_indien_thumb.jpgMichael Gottschalk/photothek.net Bildergalerie öffnen

Am 05.10.2015 fanden die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi statt – die ersten mit der neuen Regierung von Premierminister Narendra Modi. Entwicklungsminister Gerd Müller traf sich anlässlich der Konsultationen mit dem indischen Finanzminister Jayant Sinha. Die künftige Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien wird ganz im Zeichen der neuen UN-Nachhaltigkeitsziele stehen. So unterstützt Deutschland die indische Regierung bei dem Ziel, die Stromerzeugung aus Solarenergie zu verfünffachen. Außerdem investiert das BMZ in den Ausbau der Energienetze sowie in nachhaltige Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Verstärkt wird auch die Kooperation bei der beruflichen Bildung und in der Landwirtschaft

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie stand im Mittelpunkt der Konsultationen. Unter anderem wurde eine Solarpartnerschaft auf den Weg gebracht. Bis 2030 will die indische Regierung die Wirtschaft wesentlich energieeffizienter machen und dabei auch den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von heute fünf auf 25 Prozent steigern. Die Solarpartnerschaft zielt vor allem auf Solardachanlagen ab, die in Indien noch wenig verbreitetet sind.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bild: ©

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bild: ©

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Im Anschluss an die Regierungskonsultationen besuchte Bundesminister Gerd Müller mehrere Vorhaben in Delhi, die von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt werden. In einem Slum, in dem die Bewohner hauptsächlich davon leben, Müll zu sammeln und zu trennen, sortieren zwei Frauen Plastikmüll.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller besuchte ein Projekt, das den Einsatz moderner, energieeffizienter Herde fördert. Sie sollen helfen, die Luftqualität in Slumgebieten zu verbessern.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Entwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Bewohnern einer Siedlung in Delhi, in der die Bewohner hauptsächlich vom Müllsammeln leben. Das BMZ unterstützt die Urbanisierungsstrategie der indischen Regierung, da der Zustrom von Menschen in die großen Ballungszentren anhält.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Eine indische Schülerin, die in einem Slum in Neu-Delhi lebt. Die Förderung der beruflichen Bildung ist einer der Schwerpunkte der deutsch-indischen Zusammenarbeit.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Das Mathematikheft einer Schülerin aus Delhi. Eine der großen Herausforderungen für Indien ist die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für junge Menschen.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Schüler einer Koranschule in einem Slum in Delhi. Schätzungen zufolge wird im Jahr 2030 mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung in Großstädten leben und fast 70 dieser Städte werden eine Bevölkerung von mehr als einer Million Einwohnern haben.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Eine weitere Station auf der Reise von Bundesminister Müller war das Green College in Rukka im Bundesstaat Jharkhand. Das College gehört zu den sogenannten "Grünen Innovationszentren", die das BMZ im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" fördert.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Die Grünen Innovationszentren sollen dabei helfen, landwirtschaftliche Produktionsmethoden zu modernisieren, um so die Erträge zu steigern und die Ernährungssituation zu verbessern. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen des Green College eine neue Anbaumethode für Reis.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Das Green College in Rakka wird von Deutschland im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützt. Die Sonderinitiative will Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern, die zu höherer Produktivität und damit zu steigenden Einkommen führen und dazu beitragen, dass neue Arbeitplätze entstehen – und das im gesamten landwirtschaftlichen Verarbeitungsprozess vom Acker bis zum Teller.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Innovationszentren spielt die Aus- und Weiterbildung von Bäuerinnen und Bauern in den Partnerländern. Sie müssen dabei unterstützt werden, ihre betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnisse auszuweiten, Erzeuger- und Vertriebsgemeinschaften zu gründen und so ihre Marktanbindung zu verbessern. Um die Teilnahme an solchen Ausbildungsangeboten zu erleichtern, gibt es im Green College eine Schule für die Kinder der Mitarbeiter und Kursteilnehmer.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bundesminister Müller im Gespräch mit Prashant Jhawar, dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie Green College

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsminister des Bundesstaates Jharkhand, Shri Randhir Kumar Singh und dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie, Prashant Jhawar, zeichnete Bundesminister Gerd Müller Absolventen eines Lehrganges am Green College aus.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Am 05.10.2015 fanden die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi statt – die ersten mit der neuen Regierung von Premierminister Narendra Modi. Entwicklungsminister Gerd Müller traf sich anlässlich der Konsultationen mit dem indischen Finanzminister Jayant Sinha. Die künftige Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien wird ganz im Zeichen der neuen UN-Nachhaltigkeitsziele stehen. So unterstützt Deutschland die indische Regierung bei dem Ziel, die Stromerzeugung aus Solarenergie zu verfünffachen. Außerdem investiert das BMZ in den Ausbau der Energienetze sowie in nachhaltige Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Verstärkt wird auch die Kooperation bei der beruflichen Bildung und in der Landwirtschaft

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie stand im Mittelpunkt der Konsultationen. Unter anderem wurde eine Solarpartnerschaft auf den Weg gebracht. Bis 2030 will die indische Regierung die Wirtschaft wesentlich energieeffizienter machen und dabei auch den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von heute fünf auf 25 Prozent steigern. Die Solarpartnerschaft zielt vor allem auf Solardachanlagen ab, die in Indien noch wenig verbreitetet sind.

Im Anschluss an die Regierungskonsultationen besuchte Bundesminister Gerd Müller mehrere Vorhaben in Delhi, die von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt werden. In einem Slum, in dem die Bewohner hauptsächlich davon leben, Müll zu sammeln und zu trennen, sortieren zwei Frauen Plastikmüll.

Minister Müller besuchte ein Projekt, das den Einsatz moderner, energieeffizienter Herde fördert. Sie sollen helfen, die Luftqualität in Slumgebieten zu verbessern.

Entwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Bewohnern einer Siedlung in Delhi, in der die Bewohner hauptsächlich vom Müllsammeln leben. Das BMZ unterstützt die Urbanisierungsstrategie der indischen Regierung, da der Zustrom von Menschen in die großen Ballungszentren anhält.

Eine indische Schülerin, die in einem Slum in Neu-Delhi lebt. Die Förderung der beruflichen Bildung ist einer der Schwerpunkte der deutsch-indischen Zusammenarbeit.

Das Mathematikheft einer Schülerin aus Delhi. Eine der großen Herausforderungen für Indien ist die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für junge Menschen.

Schüler einer Koranschule in einem Slum in Delhi. Schätzungen zufolge wird im Jahr 2030 mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung in Großstädten leben und fast 70 dieser Städte werden eine Bevölkerung von mehr als einer Million Einwohnern haben.

Eine weitere Station auf der Reise von Bundesminister Müller war das Green College in Rukka im Bundesstaat Jharkhand. Das College gehört zu den sogenannten "Grünen Innovationszentren", die das BMZ im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" fördert.

Die Grünen Innovationszentren sollen dabei helfen, landwirtschaftliche Produktionsmethoden zu modernisieren, um so die Erträge zu steigern und die Ernährungssituation zu verbessern. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen des Green College eine neue Anbaumethode für Reis.

Das Green College in Rakka wird von Deutschland im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützt. Die Sonderinitiative will Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern, die zu höherer Produktivität und damit zu steigenden Einkommen führen und dazu beitragen, dass neue Arbeitplätze entstehen – und das im gesamten landwirtschaftlichen Verarbeitungsprozess vom Acker bis zum Teller.

Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Innovationszentren spielt die Aus- und Weiterbildung von Bäuerinnen und Bauern in den Partnerländern. Sie müssen dabei unterstützt werden, ihre betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnisse auszuweiten, Erzeuger- und Vertriebsgemeinschaften zu gründen und so ihre Marktanbindung zu verbessern. Um die Teilnahme an solchen Ausbildungsangeboten zu erleichtern, gibt es im Green College eine Schule für die Kinder der Mitarbeiter und Kursteilnehmer.

Bundesminister Müller im Gespräch mit Prashant Jhawar, dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie Green College

Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsminister des Bundesstaates Jharkhand, Shri Randhir Kumar Singh und dem Präsidenten der Landwirtschaftsakademie, Prashant Jhawar, zeichnete Bundesminister Gerd Müller Absolventen eines Lehrganges am Green College aus.


Die deutsch-indische Entwicklungszusammenarbeit verläuft sehr vertrauensvoll und erfolgreich. Sie hat sich zu einem anspruchsvollen Dialog zwischen gleichberechtigten Partnern entwickelt.

Die Kooperation der Bundesrepublik mit globalen Entwicklungspartnern wie Indien konzentriert sich weniger auf lokale Einzelprojekte als vielmehr auf strukturbildende Programme: Die Vorhaben knüpfen an indische Eigenanstrengungen und Reformprogramme an. Sie zeigen modellhafte Lösungen auf und qualifizieren die beteiligten Partner, die Vorhaben eigenständig weiterzuführen und auszuweiten.

Für 2014 wurden Indien im Rahmen der deutsch-indischen Entwicklungszusammenarbeit Mittel in Höhe von 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Davon entfallen mehr als 1,1 Milliarden Euro auf die finanzielle und 41 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit. Die Mittel der finanziellen Zusammenarbeit werden zum weit überwiegenden Anteil als Darlehen mit marktnahen Konditionen gewährt und von Indien verzinst zurückgezahlt.

Folgende Arbeitsschwerpunkte wurden vereinbart:

  • Energie
  • Nachhaltige Wirtschafts­entwicklung
  • Umwelt- und Klimaschutz

Energie

Stromleitungen in Neu-Delhi, Indien

Bei der indischen Energieversorgung zeigt sich eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage: Der Energieverbrauch steigt unaufhaltsam, doch die meisten vorhandenen Kraftwerke sind veraltet und ineffizient. Die Bevölkerung – vor allem in den ländlichen Räumen – ist stark unterversorgt, und auch die wirtschaftliche Entwicklung wird durch den Strommangel erheblich gebremst. Andererseits ist Indien bereits heute der drittgrößte Kohlendioxid-Emittent der Welt, nach den USA und China. Seine Wirtschafts- und Umweltpolitik hat dadurch direkten Einfluss auf die Entwicklung des Weltklimas.

In der Entwicklungszusammenarbeit steht daher die Förderung der erneuerbaren Energien im Mittelpunkt. So beteiligte sich Deutschland mit einem zinsverbilligten Entwicklungskredit der maßgeblich an der Finanzierung eines der derzeit größten Photovoltaik-Kraftwerks der Welt, das im indischen Bundesstaat Maharashtra gebaut wurde und Ende 2013 ans Netz ging.

Weitere Projekte im Bereich der Solarenergie sollen in den nächsten Jahren ausgebaut und neu angestoßen werden. Außerdem wird ein Wasserkraft-Projekt im Himalaya von Deutschland unterstützt.

Indien hat die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien in den vergangenen fünf Jahren bereits signifikant gesteigert. Ein Engpass besteht aber mittlerweile bei deren Einspeisung in das stark belastete indische Stromnetz. Mit einem weiteren umfangreichen Darlehen fördert die Bundesrepublik mit den "Green Energy Corridors" den Ausbau von Übertragungsleitungen, um die Anbindung der erneuerbaren Energien an das nationale Stromnetz zu verbessern. Ziel ist es, "grüne Energiekorridore" für die effiziente Verteilung des aus erneuerbaren Quellen erzeugten Stroms zu schaffen.

Ein wichtiges Ziel ist zudem, die Effizienz bei der Energiegewinnung und -übertragung sowie beim Stromverbrauch zu erhöhen. Unter anderem fördert Deutschland Vorhaben zur Verbesserung der Energieeffizienz von Wohngebäuden.


Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Eine Inderin lässt sich für das Krankenversicherungssystem registrieren. Die Einführung der neuen Gesundheitskarte wird von Deutschland unterstützt.

Ein wichtiger Schwerpunkt der deutsch-indischen Zusammenarbeit ist die Entwicklung eines sozialen Sicherungswesens für arme Menschen. Rund 90 Prozent aller Beschäftigten sind in Indien im informellen Sektor ohne jede Form der sozialen Absicherung tätig. Deutschland unterstützt deshalb die indische Regierung bei ihren Bemühungen, diesen Menschen Zugang zu Programmen der Altersvorsorge und der Kranken- und Arbeitsunfähigkeitsversicherung zu verschaffen.

Zur Stärkung der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung engagiert sich Deutschland außerdem im indischen Finanzsektor. Die Bundesrepublik unterstützt die Entwicklung von Förderinstrumenten für kleine und mittlere Unternehmen sowie den Ausbau des Mikrokreditwesens.


Umwelt

Indien steht vor massiven Herausforderungen hinsichtlich des städtischen und industriellen Umweltschutzes. Außerdem sieht sich das Land mit der Notwendigkeit konfrontiert, Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu entwickeln und Maßnahmen zum Ressourcenschutz zu ergreifen: Der Schutz der Böden, des Wassers und der Luft sowie der Erhalt der Artenvielfalt auf dem indischen Subkontinent sind Fragen von nationaler wie globaler Bedeutung. Internationale Initiativen wie "Economics of Landdegradation (ELD)" und "The Economics of Ecosystems and Biodiversity (TEEB)" gewinnen auch in der deutsch-indischen Zusammenarbeit an Bedeutung.

Deutschland engagiert sich in Indien außerdem für eine umweltfreundliche Stadtentwicklung. So sollen zum Beispiel Lösungen für die Abfall- und Abwasserentsorgung gefunden werden. Ausgewählte Städte werden zudem dabei unterstützt, klimafreundliche Mobilitätskonzepte zu entwerfen und umzusetzen.


Weitere Informationen

Publikationen

Die neue Asien-Politik des BMZ
Positionspapier

PDF 2 MB, barrierefrei

Klimaschutz - Zeit zu handeln

PDF 2,8 MB, barrierefrei

Klimaschutz konkret
Das Engagement der deutschen Entwicklungspolitik

PDF 2,4 MB, barrierefrei

Kinder- und Jugend­rechte konkret
Informationen zu den Rechten junger Menschen in der deutschen ent­wick­lungs­politischen Zu­sam­men­arbeit

PDF 3 MB, barrierefrei

Bevölkerungsdynamik und Ent­wick­lungs­zusammenarbeit
Faltblatt

PDF 2 MB, barrierefrei

Perspektiven der Urbanisierung – Städte nachhaltig gestalten

PDF 5 MB, barrierefrei

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Globalen Entwicklungspartnern | Gemeinsam Verantwortung wahrnehmen – nachhaltige Entwicklung gestalten
Positionspapier

PDF 550 KB, barrierefrei

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

Besuchen Sie auch weitere Angebote des BMZ: