Hauptinhalt

Bangladesch

Situation und Zusammenarbeit

Stadtansicht von Dhaka, Bangladesch

In Bangladesch leben rund 156 Millionen Menschen auf einer Fläche von nur 148.000 Quadratkilometern (etwa 40 Prozent der Fläche Deutschlands). Mit durchschnittlich mehr als 1.200 Menschen pro Quadratkilometer ist Bangladesch der Flächenstaat mit der weltweit höchsten Bevölkerungsdichte. Das jährliche Bevölkerungswachstum liegt aktuell bei etwa 1,2 Prozent und ist damit zu hoch für die begrenzten natürlichen Ressourcen des Landes.

Wirtschaft

Kurz vor dem Jahrestag der Gründung des Textilbündnisses hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller Bangladesch besucht, den weltweit zweitgrößten Exporteur von Textilien. Dort engagiert sich das Entwicklungsministerium gemeinsam mit seinen Partnern dafür, die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilproduktion zu verbessern. Ein Beispiel für das Engagement ist die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung. Im Bild von links nach rechts: Mikail Shipar, Staatssekretär im bangladeschischen Ministerium für Arbeit, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Srinivas B. Reddy, Landesdirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Im Hintergrund der Parlamentarische Staatssekretär im BMZ, Hans Joachim Fuchtel und Deutschlands Botschafter in Bangladesch, Thomas Prinz.
Bildergalerie öffnen gallery27069197_2../../../../service/zusatzbildergalerien/20151007_Ministerreise_Bangladesch/0200_bangladesh_thumb.jpgMichael Gottschalk/photothek.net Bildergalerie öffnen

Kurz vor dem Jahrestag der Gründung des Textilbündnisses hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller Bangladesch besucht, den weltweit zweitgrößten Exporteur von Textilien. Dort engagiert sich das Entwicklungsministerium gemeinsam mit seinen Partnern dafür, die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilproduktion zu verbessern. Ein Beispiel für das Engagement ist die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung. Im Bild von links nach rechts: Mikail Shipar, Staatssekretär im bangladeschischen Ministerium für Arbeit, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Srinivas B. Reddy, Landesdirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Im Hintergrund der Parlamentarische Staatssekretär im BMZ, Hans Joachim Fuchtel und Deutschlands Botschafter in Bangladesch, Thomas Prinz.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Mit Unterstützung des BMZ wurden 19 sogenannte Frauen-Cafés eingerichtet, um Arbeitnehmervertreterinnen einen Raum zur Selbstorganisation zu geben und den Textilarbeiterinnen juristische Beratung anzubieten.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller sprach in einem Frauen-Café mit Überlebenden des Rana-Plaza-Unglücks. 2013 kamen beim Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in der Nähe der Hauptstadt Dhaka mehr als 1.000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen waren Textilarbeiterinnen. Deutschland hat sich seitdem für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen stark gemacht und vor knapp einem Jahr das Textilbündnis gegründet. Es soll die Arbeits- und Umweltstandards in der gesamten Lieferkette für Textilprodukte verbessern und faire Arbeits- und Einkommensbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter schaffen.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Entwicklungsminister Müller beim Besuch einer Textilfabrik in Bangladesch, die Mitglied im Textilbündnis ist: In der Fabrik wird auch für zahlreiche deutsche Marken produziert. Der Leiter der Textilfabrik, Abdul Jabbar (rechts) führte die deutschen Besucher, darunter auch der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links), über das Gelände.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller in einer Textilfabrik, die dem Textilbündnis angehört. Seit der Gründung des Bündnisses im Herbst 2014 sind fast 160 Unternehmen beigetreten, darunter rund die Hälfte der deutschen Textilindustrie und des Handels. Auch namhafte Unternehmen in Bangladesch sind dabei.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller im Gespräch mit einer Textilarbeiterin in einem Betrieb, das dem Textilbündnis angehört

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Beim Besuch einer Textilfabrik, die Mitglied im Textilbündnis ist, übergab Bundesentwicklungsminister Müller symbolisch den Schlüssel für eine kleine Feuerwache. Deutschland unterstützt die Ausbildung von Inspektoren für Sicherheit und Arbeitsschutz in Bangladesch.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Zum Abschluss seiner Reise traf Bundesminister Müller die Premierministerin von Bangladesch, Sheikh Hasina, zu Gesprächen.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Kurz vor dem Jahrestag der Gründung des Textilbündnisses hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller Bangladesch besucht, den weltweit zweitgrößten Exporteur von Textilien. Dort engagiert sich das Entwicklungsministerium gemeinsam mit seinen Partnern dafür, die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilproduktion zu verbessern. Ein Beispiel für das Engagement ist die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung. Im Bild von links nach rechts: Mikail Shipar, Staatssekretär im bangladeschischen Ministerium für Arbeit, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Srinivas B. Reddy, Landesdirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Im Hintergrund der Parlamentarische Staatssekretär im BMZ, Hans Joachim Fuchtel und Deutschlands Botschafter in Bangladesch, Thomas Prinz.

Mit Unterstützung des BMZ wurden 19 sogenannte Frauen-Cafés eingerichtet, um Arbeitnehmervertreterinnen einen Raum zur Selbstorganisation zu geben und den Textilarbeiterinnen juristische Beratung anzubieten.

Minister Müller sprach in einem Frauen-Café mit Überlebenden des Rana-Plaza-Unglücks. 2013 kamen beim Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in der Nähe der Hauptstadt Dhaka mehr als 1.000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen waren Textilarbeiterinnen. Deutschland hat sich seitdem für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen stark gemacht und vor knapp einem Jahr das Textilbündnis gegründet. Es soll die Arbeits- und Umweltstandards in der gesamten Lieferkette für Textilprodukte verbessern und faire Arbeits- und Einkommensbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter schaffen.

Entwicklungsminister Müller beim Besuch einer Textilfabrik in Bangladesch, die Mitglied im Textilbündnis ist: In der Fabrik wird auch für zahlreiche deutsche Marken produziert. Der Leiter der Textilfabrik, Abdul Jabbar (rechts) führte die deutschen Besucher, darunter auch der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links), über das Gelände.

Minister Müller in einer Textilfabrik, die dem Textilbündnis angehört. Seit der Gründung des Bündnisses im Herbst 2014 sind fast 160 Unternehmen beigetreten, darunter rund die Hälfte der deutschen Textilindustrie und des Handels. Auch namhafte Unternehmen in Bangladesch sind dabei.

Minister Müller im Gespräch mit einer Textilarbeiterin in einem Betrieb, das dem Textilbündnis angehört

Beim Besuch einer Textilfabrik, die Mitglied im Textilbündnis ist, übergab Bundesentwicklungsminister Müller symbolisch den Schlüssel für eine kleine Feuerwache. Deutschland unterstützt die Ausbildung von Inspektoren für Sicherheit und Arbeitsschutz in Bangladesch.

Zum Abschluss seiner Reise traf Bundesminister Müller die Premierministerin von Bangladesch, Sheikh Hasina, zu Gesprächen.

Seit den 1990er Jahren wächst die Wirtschaft Bangladeschs. In den vergangenen zehn Jahren lag die jährliche Wachstumsrate nahezu konstant bei sechs Prozent. Auch für 2015 rechnet die Weltbank mit einem Wachstum in dieser Größenordnung. Träger des Wirtschaftswachstums sind vorrangig die Städte.

Mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet der Dienstleistungssektor, die Industrie etwas mehr als ein Viertel. In Bangladesch entwickeln sich zurzeit neben der Textilindustrie neue exportorientierte Wirtschaftssektoren mit Wachstumspotenzial wie Schiffbau, Keramikproduktion, Pharmaindustrie und der IT-Sektor.

Die wichtigsten Absatzmärkte des Landes sind die Mitgliedsstaaten der EU und die USA. Bangladesch bemüht sich außerdem um die Ausweitung seiner Exporte in neue Märkte wie die Türkei, Brasilien, Südafrika, Japan, Australien und Russland.

Neben den Erlösen aus dem Export sind die Transferleistungen von bangladeschischen Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten (vor allem in den Golfstaaten), die zweitwichtigste Devisenquelle des Landes.


Land­wirt­schaft

Reisbauer in Bangladesch

Rund die Hälfte der Erwerbstätigen in Bangladesch sind in der Landwirtschaft beschäftigt, die jedoch nur etwa 16 Prozent zur Wertschöpfung des Landes beiträgt. Das wichtigste landwirtschaftliche Produkt ist Reis. Das fruchtbare Tiefland wird regelmäßig überflutet und ermöglicht so mehrere Ernten im Jahr.

Bisher konnte die Nahrungsmittelproduktion mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt halten. Die instabilen klimatischen Bedingungen erhöhen in Bangladesch jedoch das Risiko von Nahrungsmittelkrisen. Der Umfang der Überflutungen nimmt zu und sie richten dadurch bisweilen große Schäden an: Ernten gehen verloren und Fortschritte der Infrastrukturentwicklung werden zunichte gemacht. Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel diese Probleme in Zukunft weiter verschärfen wird und die landwirtschaftliche Produktion sich dadurch verringern wird. Hinzu kommt, dass die nutzbare Ackerfläche durch zunehmende Besiedlung und Industrialisierung schrumpft.


Textilindustrie

Textilfabrik in Bangladesch. In der Fabrik wird besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet.

Die mit Abstand wichtigste Exportbranche Bangladeschs ist die Textilindustrie; auf sie entfallen mehr als 80 Prozent der gesamten Ausfuhren.

Wegen schlechter Sicherheitsbedingungen in Textilfabriken kommt es in Bangladesch immer wieder zu Unfällen: In Ashulia, am Rande der Hauptstadt Dhaka, geriet 2012 ein Fabrikgebäude in Brand, mehr als 100 Menschen starben. 2013 stürzte in Savar bei Dhaka das Rana Plaza, ein neunstöckiges Geschäfts- und Fabrikgebäude ein, mehr als 1.100 Menschen wurden getötet, mehr als 2.000 verletzt. Es war der schwerste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes.

Für medizinische und berufliche Rehabilitationsmaßnahmen stellte das BMZ den Opfern des Gebäudeeinsturzes und deren Angehörigen Sondermittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Durch internationalen Druck wurden inzwischen weitreichende Vereinbarungen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit für die mehr als 4,5 Millionen Beschäftigten im Textilsektor auf den Weg gebracht. Die in Bangladesch angestoßenen Initiativen können auch über das Land hinaus richtungsweisend werden, die Umsetzung kommt jedoch vielfach langsamer voran als erhofft.

Nach dem Unglück wurde die Einrichtung eines Entschädigungsfonds vereinbart, aus dem Zahlungen an Opfer und deren Familien geleistet werden sollen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) koordiniert den Fonds, Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, die Finanzierung sicherzustellen.

Deutschland unterstützt bereits seit 2005 Maßnahmen zur Förderung von Sozial- und Umweltstandards in der Industrie in Bangladesch. Für entsprechende Projekte hat das BMZ rund 16 Millionen Euro investiert. Seit 2010 haben rund 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Manager und Fabrikbesitzer an Weiterbildungsprojekten teilgenommen, Arbeitsinspektoren wurden ausgebildet und gefördert. Auch in Zukunft wird das Thema Sozial- und Umweltstandards in globalen Wertschöpfungsketten auf verschiedenen Ebenen für die Arbeit des BMZ eine wichtige Rolle spielen. Für zukünftige Vorhaben in diesem Arbeitsbereich plant das BMZ weitere Zusagen.

Ausführliche Informationen über das Engagement des BMZ im Textilsektor finden Sie hier.


Infrastruktur

Stadtverkehr in Tongi, Bangladesch

Ein besonderes Problem in Bangladesch ist der schlechte Zustand der Infrastruktur. Viele Straßen und Bahnstrecken sind überlastete und baufällig, auch versandete Flussläufe und Häfen behindern den Transport von Waren. Die veralteten und überforderten Anlagen im Energiesektor hemmen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.


Armut

Der Anteil der Menschen, die unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben, konnte von 40 Prozent im Jahr 2005 auf 31,5 Prozent im Jahr 2010 gesenkt werden. Trotz dieses Erfolges bleibt die Armutsbekämpfung weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben für die Regierung, denn Bangladesch gehört noch immer zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt und steht auf dem Index der menschlichen Entwicklung auf Platz 139 von 188 Ländern (HDI 2015).

Eine wichtige Ursache für die Armut in Bangladesch ist Unterbeschäftigung. Die Regierung will durch arbeitsintensive produktive Wirtschaftszweige mehr Arbeitsplätze schaffen und wirbt mit Steuer- und Zollerleichterungen um ausländische Investoren. Den vergleichsweise günstigen formalen und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen jedoch eine ineffiziente Bürokratie, mangelnde Transparenz und Korruption gegenüber. Auch die Energieknappheit und die schwache Verkehrsinfrastruktur schrecken Investoren ab. Das Volumen ausländischer Direktinvestitionen war deshalb in den vergangenen Jahren gering.

Die bangladeschische Regierung hat in ihrer Langzeitstrategie "Vision 2021" ein ambitioniertes Ziel festgelegt: Bangladesch soll bis zum 50. Unabhängigkeitstag im Jahre 2021 den Status eines "Middle-Income Country" erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen noch viele grundlegende Probleme und Entwicklungshemmnisse beseitigt werden. Seit Juli 2015 stuft die Weltbank das Land allerdings bereits als "Lower Middle-Income Country" ein.


Regie­rungs­führung

Das politische Klima in Bangladesch ist stark durch die konfrontative Politik der beiden großen Parteienblöcke Awami League (AL) und Bangladesh Nationalist Party (BNP) geprägt. Im Vorfeld der Parlamentswahlen, die Anfang Januar 2014 stattfanden, nahmen die Spannungen zwischen den Parteien zu und es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen, die das öffentliche Leben in weiten Teilen des Landes immer wieder lahmlegten.

Auslöser des Konflikts war die von der BNP geforderte Wiedereinsetzung einer Übergangsregierung als neutrale Instanz zur Durchführung der Wahlen. Dies war bei vorangegangenen Wahlen in Bangladesch gängige Praxis gewesen. Die regierende AL lehnte diese Forderung jedoch ab. Trotz intensiver Vermittlungsbemühungen der internationalen Gemeinschaft konnten sich die Konfliktparteien nicht auf einen beidseitig akzeptierten Durchführungsmodus für die Wahlen einigen.

Wegen befürchteter Wahlfälschungen kam es daraufhin zum Boykott der Wahlen durch die Opposition. Die regierende Awami League unter Führung von Sheikh Hasina stand so schon vor der Wahl als Sieger fest. Sowohl vor wie auch nach den Wahlen kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Insbesondere rund um den ersten Jahrestag der Wahl fanden erneut Straßenproteste der Opposition statt.

In ihrem sechsten Fünfjahresplan weist die bangladeschische Regierung auf den bestehenden Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Regierungsführung und insbesondere der Korruptionsbekämpfung hin. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex der Nichtregierungsorganisation Transparency International lag Bangladesch 2013 auf Platz 145 von 175 bewerteten Staaten.

Die fehlende politische Stabilität könnte langfristig negativ auf die Wirtschaftsentwicklung des Landes wirken.


Umwelt

Boot auf dem Banani-Lake, Bangladesch

Die zunehmenden Umweltschäden in Bangladesch sind unter anderem die Folge von Naturkatastrophen, Überbevölkerung und Armut. Durch Bodenerosion und Abholzung werden Wälder, Feuchtgebiete und landwirtschaftliche Nutzflächen zerstört. Hinzu kommt, dass ein Teil des Trinkwassers durch natürliche Arsenvorkommen belastet ist. Der Langzeitkonsum dieses Wassers verursacht teils schwerwiegende Krankheiten.

Bangladesch ist besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Die Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen wird nach Einschätzung von Experten weiter zunehmen. Das Wachstum der industriellen Produktion belastet die Umwelt zusätzlich. Das Wasser der Flüsse wird insbesondere durch Industrie- und Haushaltsabwässer verschmutzt.


Schwerpunkte der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit

Deutschland hat Bangladesch für die Jahre 2014 und 2015 insgesamt 234,1 Millionen Euro zugesagt. Die Kooperation der beiden Staaten konzentriert sich gegenwärtig auf die folgenden drei Schwerpunktbereiche:

  • Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
  • Gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte
  • Anpassung an den Klimawandel in städtischen Gebieten

Das Engagement der Bundesrepublik im Schwerpunkt Gesundheit läuft aus.

Um eine effiziente und koordinierte Arbeitsteilung zu gewährleisten, wurde im Juni 2010 eine gemeinsame Umsetzungsstrategie für den Zeitraum 2010 bis 2015 zwischen der Regierung von Bangladesch und 18 Entwicklungspartnern (darunter Deutschland) unterzeichnet. Sie bildet nun zusammen mit einem jährlich aktualisierten Aktionsplan die Grundlage für das internationale entwicklungspolitische Engagement in Bangladesch.

Auch die Vorbereitung für eine gemeinsame Programmplanung der EU in Bangladesch läuft. Ziel ist, die Entwicklungspolitik der EU und ihrer Mitgliedsstaaten besser abzustimmen und so die Synergien zwischen den Programmen und Projekten von EU-Gebern zu steigern.


Erneuerbare Energien und Ener­gie­ef­fi­zienz

Mit der zunehmenden industriellen Produktion in Bangladesch verschärft sich die bestehende ernste Energiekrise des Landes. Versorgungsengpässe führen zu häufigen Stromausfällen. Die überlastete und veraltete Infrastruktur im Energiesektor hemmt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Nach Weltbank-Schätzung könnte Bangladeschs Wirtschaft bei ausreichender Energieversorgung jährlich um bis zu zwei Prozent zusätzlich wachsen.

Deutschland unterstützt Bangladesch intensiv bei der Reform des Energiesektors. Ein wichtiges Anliegen ist dabei die bessere Versorgung in ländlichen Gebieten, die noch nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen sind. Hier spielen erneuerbare Energiequellen wie Sonnenlicht und Biogas eine wichtige Rolle. Aber auch Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz, zum Beispiel der Einsatz von effizienten Kochherden, werden gefördert.

Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt bilden Investitionen zur Verbesserung des Stromnetzes und zur Vermeidung von Übertragungsverlusten.

Die Maßnahmen umfassen außerdem die Beratung von Unternehmen zur Nutzung von Energieeinsparpotenzialen. Die Bemühungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Energiesektor tragen zu einem Bewusstseinswandel in allen gesellschaftlichen Bereichen bei.


Gute Regie­rungs­führung, Rechts­staat­lich­keit und Men­schen­rech­te

Kinder im Slum von Korail, Dhaka

Die Lage der Menschenrechte in Bangladesch gibt Anlass zur Sorge. Menschenrechtsverletzungen werden nicht hinreichend konsequent und effektiv verfolgt. Zudem sind die Bürgerinnen und Bürger noch nicht ausreichend über ihre Rechte informiert.

Fortschritte hat es bei den Rahmenbedingungen gegeben: Bangladesch hat alle internationalen Menschenrechtsabkommen ratifiziert, 2010 auch als erster Staat Südasiens das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs. "Watchdog"-Institutionen wie eine nationale Menschenrechtskommission und eine Antikorruptionskommission (ACC) sind eingerichtet.

Doch es gibt noch viele Schwächen im Justizsektor: Die Gerichte sind überlastet, die Gefängnisse überbelegt und die Haftbedingungen oft menschenunwürdig. Rund 70 Prozent aller Häftlinge sind nicht rechtskräftig verurteilt und warten teils seit Jahren in Untersuchungshaft auf ihr Gerichtsverfahren. Demgegenüber führen nur 25 Prozent aller Strafverfahren zu einer Verurteilung.

Deutschland unterstützt Bangladesch bei einer umfassenden Gefängnisreform. Die Kapazitäten der Gefängnisverwaltungen sollen erweitert und der Strafvollzug verbessert werden. Außerdem sollen Möglichkeiten zur Rehabilitierung von Häftlingen geschaffen werden. Das Justizministerium wird zudem bei der Überarbeitung veralteter Gesetze beraten. Ziel ist der gleichberechtigte Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu fairen Gerichtsverfahren. Auch die Antikorruptionskommission wird unterstützt.

In Zusammenarbeit mit dem Arbeits- und Umweltministerium von Bangladesch und Fabrikmanagern unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ein Vorhaben zur Förderung von Sozial- und Umweltstandards in der Industrie. Es soll zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Sicherheit der Beschäftigten, zur Stärkung ihrer Organisationen und zum Schutz ihrer Rechte beitragen. Gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) fördert Deutschland unter anderem die Ausbildung von über 200 staatlichen Arbeitsinspektoren, die im Auftrag des Arbeitsministeriums künftig Fabriken kontrollieren sollen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt zudem die nationalen und internationalen Initiativen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch.

Darüber hinaus hat das BMZ mit der Gründung des Bündnisses für nachhaltige Textilien im November 2014 eine Plattform geschaffen, bei der Umwelt- und Sozialstandards innerhalb der gesamten Lieferkette verbessert werden sollen. Ausführliche Informationen darüber finden Sie hier.


Anpassung an den Klimawandel in städtischen Gebieten

Hochhäuser über den Hütten eines Slums nahe des Buriganga-Flusses, Dhaka, Bangladesh.

Da sich die Aktivitäten vieler Geber zur Anpassung an den Klimawandel vor allem auf die Küstengebiete und den ländlichen Raum konzentrieren, hat Deutschland sich dazu entschlossen, Anpassungsmaßnahmen in den Städten zu fördern.

Für Städte bedeutet der Klimawandel eine massive Herausforderung. Naturereignisse wie Überflutungen betreffen sehr viele Menschen auf engem Raum. Gleichzeitig wird der Zustrom von Menschen in die Städte durch den Klimawandel voraussichtlich noch verstärkt.

Die Folgen des Klimawandels sind für Bangladesch gravierend: Experten prognostizieren unter anderem Überflutungen durch extreme Niederschläge, Sturmfluten und Zyklone, einen Anstieg des Meeresspiegels mit Versalzung von Grundwasser und zunehmende Dürre im Norden des Landes.

Nach einer Studie der amerikanischen Agentur für internationale Entwicklung (USAID) könnte Bangladesch bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter bis zu 20 Prozent seiner Landmasse verlieren. Kurz- oder auch langfristig werden viele Menschen ihren Wohnort aufgeben müssen und in die Städte abwandern. Schon jetzt wächst der Anteil der städtischen Bevölkerung jedes Jahr um etwa einen Prozentpunkt (Anteil 2013: 33 Prozent). Viele Bewohner ländlicher Regionen wandern auf der Suche nach Arbeit in die großen Städte Dhaka und Chittagong ab. Der Anteil armer Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung wird voraussichtlich weiter steigen.

Der Zustrom stellt die Städte vor große Probleme. Die Nutzung der Ressourcen muss verändert werden, damit dauerhaft ausreichend Wohnraum, Wasser, Energie und Nahrung vorhanden sind. Auch Formen der Bürgerbeteiligung müssen an die neuen Bedingungen angepasst werden, um frühzeitig sozialen Spannungen vorzubeugen. Städte bieten aber auch Chancen bei der Anpassung an den Klimawandel. Mit der Urbanisierung vollzieht sich ein Strukturwandel in der Wirtschaft des Landes, weg von der Landwirtschaft, hin zu den weniger anfälligen Sektoren wie Industrie und Dienstleistungen.

Neben einer effizienten Ressourcenpolitik konzentriert sich das deutsche Engagement insbesondere auf die Stärkung der Widerstandsfähigkeit städtischer Bewohner in besonders anfälligen Risikogebieten. Gemeinsam mit den betroffenen Bewohnern, vor allem auch ärmeren Bevölkerungsgruppen, werden zunächst Strategien zur Anpassung an den Klimawandel erarbeitet. Im zweiten Schritt unterstützt Deutschland die Umsetzung dieser Strategien, beispielsweise den weiteren Ausbau von Frühwarnsystemen und eine flutsichere Infrastruktur.


Weitere Informationen

Video

Loading the player...

Der Klimawandel ist in Bangladesch bereits deutlich spürbar. Deutschland unterstützt das Land gemeinsam mit der Asiatischen Entwicklungsbank dabei, die Folgen des Klimawandels zu mildern, zum Beispiel durch den Bau von Brücken, Dämmen und Uferbefestigungen.

Publikationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen