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Zusammenarbeit mit Regionalorganisationen

Afrikanische Union


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Die Afrikanische Union (AU) ist der wichtigste Zusammenschluss afrikanischer Staaten. Sie wurde 2002 als Nachfolgerin der Orga­ni­sa­tion für Afrikanische Einheit (OAU) gegründet. Heute gehören ihr alle in­ter­national anerkannten Staaten Afrikas an – einschließlich Westsahara und mit Ausnahme von Marokko. Sitz der Orga­ni­sa­tion ist die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba.

Die AU treibt die politische und wirt­schaft­liche Ent­wick­lung entscheidend voran. Ihr Hauptziel ist die Integration in Afrika, also die Einigkeit und solidarische Zu­sam­men­ar­beit der afrikanischen Staaten, um Frieden, Sicherheit und Wohlstand für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Kontinents zu erreichen. In diesem Sinne setzt sie sich ein für:

  • Men­schen­rech­te, Demokratie und gute Regie­rungs­führung
  • Frieden, Sicherheit und Stabilität
  • Berücksichtigung der afrikanischen Interessen auf internationaler Ebene
  • nach­hal­tige wirt­schaft­liche und soziale Ent­wick­lung
  • die Eindämmung von vermeidbaren Krankheiten
  • die Förderung von Forschung und Technologie auf dem afrikanischen Kontinent

Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit Deutsch­lands mit der Afrikanischen Union

Die Zu­sam­men­ar­beit mit Afrika ist ein Schwerpunkt der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik. Die Afrikapolitik der Bun­des­re­gie­rung ist auf die Chancen und Potenziale des Kontinents und seiner Menschen ausgerichtet. Ihr Ziel ist eine enge Partner­schaft mit Afrika in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Ge­sell­schaft.

Vor diesem Hin­ter­grund hat die Zu­sam­men­ar­beit Deutsch­lands mit der wichtigsten afrika­nischen Regionalorganisation – der Afrikanischen Union – eine große Bedeutung. Die Bun­des­re­pu­blik unterstützt die AU schon seit 2003. Sie ist heute einer ihrer engsten Partner und ihr drittgrößter Geber. Die Beziehungen sollen in Zukunft weiter intensiviert werden.

Deutsch­land unterstützt die AU dabei, ihre selbst gesetzten Ziele zu erreichen. Die Zu­sam­men­ar­beit konzentriert sich vor allem auf folgende Schwerpunkte:

  • Friedenssicherung und Konfliktprävention
  • Regionale wirt­schaft­liche Integration
  • Gute Regie­rungs­führung

Darüber hinaus unterstützt die Bun­des­re­pu­blik Entwicklungsvorhaben in den Bereichen ländliche Ent­wick­lung, Bildung und Anpassung an den Klimawandel.

Insgesamt hat Deutsch­land der Afrikanischen Union bisher 187 Millionen Euro zugesagt.

Chancen und Risiken der Kooperation

Ein politisch stabiler und wirtschaftlich attraktiver afrikanischer Kontinent ist nicht nur im afrikanischen, sondern auch im europäischen und deutschen Interesse. Eine starke und handlungsfähige Afrikanische Union kann auf dem Weg dorthin eine Schlüsselrolle übernehmen. Durch die Förderung der AU hilft Deutsch­land, entscheidende Fortschritte bei der politischen und wirt­schaft­lichen Inte­gration Afrikas zu erreichen.

Die Perspektiven der Zu­sam­men­ar­beit sind gut. Zurzeit wird die positive Ent­wick­lung allerdings noch durch schwache Kapazitäten und Ressourcen der AU-In­sti­tu­tionen gebremst.

Im Detail: Arbeitsschwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit mit der AU

Friedenssicherung und Konfliktprävention

Eine Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (African Peace and Security Architecture, APSA) ist das wichtigste Instrument der Afrikanischen Union zur Wahrung von Frieden und Sicherheit in Afrika. Deutsch­land unterstützt die AU beim Aufbau der APSA durch fachliche Beratung und Qualifizierungsmaßnamen im Bereich Management und Or­ga­ni­sa­tions­ent­wicklung.

Regionale wirt­schaft­liche Integration

Damit die schnell wachsende Bevölkerung Afrikas in steigendem Wohlstand leben kann, ist ein breitenwirksames Wirt­schafts­wachs­tum erforderlich. Deutsch­land unterstützt die regionale wirt­schaft­liche Integration, um größere Märkte und eine bessere Infra­struk­tur für die afrikanische Wirtschaft zu schaffen und so den innerafrikanischen Handel und das Wirt­schafts­wachs­tum zu fördern.

In diesem Bereich wird zum Beispiel ein afrikanisches Infrastruktur-Ent­wick­lungs­programm gefördert. Zudem werden die Kapazitäten der AU-Kommission und des Rats der afrikanischen Wasserminister zur Ver­bes­se­rung des grenz­über­schreitenden Wasser­ressourcen­manage­ments verbessert, und es werden Zuschüsse für Probe­bohrungen und Ober­flächen­er­kundungen für Geothermie-Projekte gegeben.

Gute Regie­rungs­führung

Die AU hat 2010 die Afrikanische Governance Architektur (AGA) verabschiedet. Sie soll den vielen unterschiedlichen und wenig miteinander abgestimmten afrikanischen Regierungsinstitutionen einen übergeordneten Rahmen geben. Deutsch­land unterstützt den Aufbau der AGA mit dem Ziel, die Durchsetzung von demokratischen Standards und Menschenrechten in Afrika zu verbessern.

Dazu fördert die Bun­des­re­pu­blik eine grundlegende Reform der AU, um die Managementfähigkeiten, die betriebswirtschaftliche Planung und Rechnungs­legung und die politische und strategische Planung der Orga­ni­sa­tion zu verbessern. Die Maßnahmen sind direkt beim Vizepräsidenten der AU-Kommission angesiedelt.

Durch die Un­ter­stüt­zung wurde bereits eine wesentliche Ver­bes­se­rung der Funktionsfähigkeit der AU-Kommission und des Managements der Orga­ni­sa­tion erreicht.

Ländliche Ent­wick­lung

Ein umfassendes landwirtschaftliches Entwicklungsprogramm (Comprehensive Africa Agriculture De­vel­op­ment Programme, CAADP) der Afrikanischen Union soll dem Landwirtschaftssektor in Afrika neuen Auftrieb geben. Angestrebt wird ein jährliches Wachstum der Agrarwirtschaft um sechs Prozent. Außerdem sollen die afrikanischen Staaten zehn Prozent ihrer Haushaltsmittel für die Landwirtschaftsentwicklung einsetzen. Deutsch­land fördert das Programm durch Politikberatung, durch Förderung der beruflichen Qualifizierung in der Land­wirt­schaft und durch Un­ter­stüt­zung bei der Anpassung an den Klimawandel.

Mit deutscher Un­ter­stüt­zung ist das CAADP seinen Zielen bereits deutlich näher gekommen und hat sich als Referenzprogramm für die landwirtschaftliche Ent­wick­lung auf dem Kontinent etabliert. 30 afrikanische Staaten haben sich auf die Reformagenden geeinigt, 27 Staaten haben begonnen, nationale CAADP-Agrar­investitions­pläne umzusetzen.

Bildung

Afrika weist weltweit die niedrigsten Einschreibequoten an Hochschulen aus und hat im weltweiten Vergleich auch den geringsten Anteil an Wissen­schaftlern. 2008 schlug die Afrikanische Union darum die Gründung der Pan-Afrikanischen Netzwerkuniversität vor. Sie soll gravierende Lücken in der afrikanischen Hochschullandschaft schließen und hat Modellcharakter.

Am Standort Algerien (Tlemcen) ist der Aufbau eines pan-afrikanischen Instituts für Wasser, Energie und Klimawandel vorgesehen. Deutsch­land fördert den Aufbau dieses Instituts auf verschiedenen Ebenen – zum Beispiel im Bereich der Lehre und der anwendungsorientierten Forschung. Darüber hinaus werden mit Mitteln der finanziellen Zu­sam­men­ar­beit Gebäude saniert und Labore und Computerräume ausgestattet. Ergänzend dazu werden Stipendien für Master­studierende und Doktoranden sowie Personalkosten für Dozentinnen und Dozenten finanziert. Das Programm befindet sich noch im Anfangsstadium. Ehrgeiziges Ziel ist, den Studienbetrieb im Herbst 2014 aufzunehmen.

Anpassung an den Klimawandel

Durch einen AU-Gipfelbeschluss wurde 2012 die "African Risk Capacity" ins Leben gerufen – eine Dürreversicherung für afrikanische Länder, die den Folgen des Klimawandels ausgesetzt sind.

Damit soll angesichts des Klimawandels die zunehmende Abhängigkeit afrika­nischer Staaten von Nahrungsmittelhilfe und Nothilfe verringert werden. Eine BMZ-Treuhandbeteiligung in Höhe von 46 Millionen Euro (plus 4 Millionen Euro für Begleitmaßnahmen) hat gemeinsam mit britischer und schwedischer Un­ter­stüt­zung die Gründung des Versicherungsunternehmens ermöglicht. Es wird eng mit in­ter­na­ti­o­nalen Rückversicherungsunternehmen zusammenarbeiten.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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