Unsere Strategie

Die neue BMZ-Wasserstrategie

Im Juli 2017 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seine neue Wasserstrategie veröffentlicht. Sie leistet einen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie des Pariser Klimaabkommens.

Schlüssel zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklungs- und Klimaziele

Die BMZ-Wasserstrategie erzeugt eine neue Dynamik im Wassersektor, denn mit ihr verpflichtet sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, ihr Engagement für eine größere Sicherheit der Wasserversorgung um ein Drittel auszubauen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser und nachhaltiger Sanitärversorgung für alle bis zum Jahr 2030 durchzusetzen – die Vereinten Nationen haben sich dazu im Ziel 6 der Agenda 2030 verpflichtet.

Die BMZ-Wasserstrategie unterstützt die Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in diesen Bereichen:

  1. Zugang zu Sanitär- und Trinkwasserversorgung schaffen und Hygiene sicherstellen
  2. Wasserressourcensicherheit fördern
  3. Emissionsminderung und Anpassung an den Klimawandel
  4. Wasser als Friedensressource und Mittel gegen Fluchtursachen nutzen

Angesichts der gemeinsamen Verantwortung aller Akteure für eine ökonomisch nachhaltige, integrative und klimaschützende Entwicklung wird es immer wichtiger, Zusammenhänge zwischen einzelnen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit zu berücksichtigen. So gibt es zahlreiche Wechselwirkungen zwischen den Themenfeldern Wasser, Energie und Landwirtschaft. Sechs Querbezugsstrategien stellen dort, wo Wasserfragen berührt werden, die notwendigen Bezüge zu anderen Sektoren her. Als wichtiger Teil der BMZ-Wasserstrategie bieten sie einen konkreten und verbindlichen Orientierungsrahmen.

BMZ-Wasserstrategie | Schlüssel zur Umsetzung der Agenda 2030 und des Klimaabkommens jetzt lesen (PDF 312 KB, barrierefrei)

Querbezugsstrategie: Wasser, Energie, Landwirtschaft (Nexus-Perspektive) jetzt lesen (PDF 154 KB)

Querbezugsstrategie: Wasser, Umwelt, Klimawandel jetzt lesen (PDF 112 KB)

Das Thema Wasser in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Der Wassersektor rückt international immer mehr in den Fokus. Das ist auch an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015 abzulesen. Sie nennt die Verfügbarkeit von Wasser- und Sanitärversorgung für alle Menschen als eigenständiges Ziel für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal 6, SDG 6). Auch andere der insgesamt 17 SDGs der Agenda 2030 haben Querbezüge zum Wasser, etwa die Ziele zu Gesundheit, Ernährung oder Umwelt.

Die Unterziele des SDG 6 legen fest, was bis zum Jahr 2030 erreicht werden soll: Neben sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung für alle stehen eine verbesserte Abwasserbehandlung und bessere Wasserqualität in Oberflächen- und Grundwasser, besseres Wassermanagement und die Bekämpfung von Wasserknappheit auf der Agenda. All dies soll sicherstellen, dass genug Wasser für die Menschen, die Wirtschaft und die Umwelt zur Verfügung steht. Das ist unter anderem für die Gewinnung von Energie (SDG 7) und die Produktion von Nahrungsmitteln (SDG 2) von zentraler Bedeutung.

Einen ersten Überblick zum Stand der Umsetzung des nachhaltigen Entwicklungsziels 6 liefert der Synthesebericht des "World Water Assessment Programme" der UNESCO. Er wurde vom BMZ angeregt und finanziert und wird Grundlage der Diskussionen des "Hochrangigen Politischen Forums für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu Wasser" im Juli 2018. Eine Vorabversion des Syntheseberichts finden Sie hier (PDF 1,5 MB, englisch).

Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung verwirklichen

Sauberes Trinkwasser und eine angemessene Sanitärversorgung zur Verfügung zu haben, sind Menschenrechte und darüber hinaus Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung und die Verminderung der Armut. Ohne sauberes Trinkwasser können wir nicht gesund bleiben, wir brauchen es zur Zubereitung von Nahrung und für die Körperhygiene. Eine Toilette benutzen zu können, ist über die hygienischen Aspekte hinaus auch für die Wahrung der Privatsphäre und Menschenwürde unverzichtbar.

Die Verwirklichung der Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung ist ein zentrales Ziel der BMZ-Wasserstrategie. Mit der Initiative "Sanitärversorgung für Millionen" wird das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bis zu vier Millionen Menschen erreichen und die Wasser- und Sanitärversorgung von mindestens 1.000 Schulen und 500 Gesundheitseinrichtungen ausbauen. Vor allem arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen sowie Menschen mit Behinderungen werden von dieser Initiative profitieren.

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, dass Sanitäranlagen und Trinkwasser für den persönlichen und häuslichen Gebrauch für alle Menschen ausreichend und in gesundheitlich unbedenklicher Qualität zur Verfügung stehen. Sie müssen in angemessener Entfernung und sicher zugänglich, bezahlbar und sozial und kulturell akzeptabel sein.

Versorgung mit Wasser, Energie und Nahrung ganzheitlich betrachten

Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit sind eng miteinander verknüpft. Für die Produktion von Nahrung beispielsweise ist die Ressource Wasser von entscheidender Bedeutung. Rund 70 Prozent des globalen Wasserbedarfs entfallen auf die Landwirtschaft. Auch für die Energieproduktion ist Wasser unverzichtbar – etwa bei der Nutzung von Wasserkraft zur Stromerzeugung oder für die Kühlung von Kraftwerken. Gleichzeitig wird für die Versorgung von Menschen mit Wasser Energie benötigt. So entfallen weltweit zwischen fünf und 30 Prozent der Gesamtkosten von Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmen auf die Energieversorgung.

Weil sich Maßnahmen in einem Bereich fast immer auf die anderen Bereiche auswirken, ist eine ganzheitliche Betrachtung der Sektoren Wasser, Energie und Landwirtschaft notwendig. Ein solcher Nexus-Ansatz (lateinisch "Nexus" = Verknüpfung, Verbindung) gewährleistet die Berücksichtigung von Synergieeffekten aber auch von Zielkonflikten, die Maßnahmen mit sich bringen können.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Regionaldialoge in Lateinamerika, Nordafrika und dem Nahen Osten, um den Nexus-Ansatz zu stärken. An diesen Dialogen sind verschiedene Akteure beteiligt, darunter nationale und regionale politische Entscheidungsträger, Hochschulen und die Zivilgesellschaft. So soll der Nexus-Ansatz verbreitet und konkrete Maßnahmen auf nationaler und regionaler Ebene sollen entwickelt werden. Das Globale Nexus-Sekretariat, das im Auftrag des BMZ von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geführt wird, fördert den Austausch von Informationen, unterstützt nationale und internationale Kooperationen zwischen Sektoren und gestaltet den Internetauftritt der Nexus-Plattform.

Klimabedingte Wasserrisiken minimieren

Eines der wichtigsten Anliegen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, dass auch unter veränderten klimatischen Bedingungen allen Menschen dauerhaft eine gute Wasser- und Sanitärversorgung zur Verfügung steht. Voraussetzung dafür ist, dass mit der Ressource Wasser nachhaltig gewirtschaftet wird.

Die BMZ-Wasserstrategie liefert einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele von Paris. Sie fördert eine effiziente und angepasste Bewirtschaftung der Wasserressourcen und hilft dadurch, klimabedingte Risiken für den Wassersektor zu reduzieren. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich aus den Wechselwirkungen zwischen den Bereichen Wasser, Umwelt und Klimawandel ergeben.

Jedes Jahr unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Projekte im Wasserbereich mit durchschnittlich 400 bis 450 Millionen Euro. Damit gehört die Bundesrepublik zu den wichtigsten bilateralen Gebern in diesem Sektor, in Afrika ist sie sogar der größte Geldgeber. Mehr als ein Drittel der bilateralen BMZ-Finanzierung für die Anpassung an den Klimawandel wurde im Jahr 2016 in Aktivitäten im Wassersektor investiert.

In vielen Entwicklungsländern spielt Wasser eine Schlüsselrolle zur Erreichung der eigenen Klimaziele. Das wird unter anderem durch die nationalen Klimabeiträge (auf Englisch: Nationally Determined Contributions, NDCs) dieser Länder deutlich. Sie bilden das Herzstück des Pariser Klimaabkommens und priorisieren Wasser häufiger als jeden anderen Sektor für Anpassung an den Klimawandel.