Hintergrund

Hintergrund: Wasser ist Leben

Auf den ersten Blick scheinen die Wasservorräte unseres Planeten unerschöpflich, schließlich bedecken Ozeane und Meere über 70 Prozent der Erdoberfläche. Doch nur 2,5 Prozent davon ist Süßwasser, das zum größten Teil in Eis und Gletschern mehr oder weniger unzugänglich gebunden ist. So bleibt nur knapp ein Prozent der weltweiten Wasserressourcen übrig, das vom Menschen genutzt werden kann.

Die Bevölkerung im vergleichsweise wasserreichen Deutschland hat Glück, hier fließt das Trinkwasser das ganze Jahr über aus der Wasserleitung. In vielen Ländern sieht das anders aus: Starke regionale und saisonale Schwankungen im Wasserhaushalt sorgen dafür, dass Millionen von Menschen nur sehr eingeschränkt Zugang zu dem lebenswichtigen Gut haben.

In den Entwicklungsländern stellen Bevölkerungswachstum und rapide Urbanisierung die Wasserversorgung und die Entsorgung von Abwasser vor große Herausforderungen. Weltweit wuchs die Nachfrage nach sauberem Wasser in den vergangenen Jahrzehnten doppelt so stark wie die globale Bevölkerung. Schon heute übersteigt der Verbrauch die vorhandenen Ressourcen. 1,6 Erden wären nötig, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. In Indien, China, den USA und Pakistan sind die Grundwasserspiegel im letzten Jahrzehnt deutlich gesunken, im Nordwesten Indiens allein innerhalb der letzten drei Jahre um einen Meter.

Eine weitere Herausforderung ist die Verschmutzung von Wasser. Noch immer gelangen 80 Prozent der weltweiten Abwässer ungeklärt in die Umwelt. Vielerorts leitet die Industrie Abwässer direkt in Flüsse ein. Auch Düngemittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, gelangen in den Wasserkreislauf. Zudem verschmutzen menschliche Fäkalien das Grundwasser, da mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu angemessenen Sanitäreinrichtungen haben.

Ohne Wasser keine Ernte

Ohne Wasser können Menschen ihre Ernährung nicht sichern. Ob Getreide, Mais oder Gemüse – alle landwirtschaftlichen Kulturen brauchen Wasser. Bleibt der Regen längere Zeit aus, kommt es schnell zu Ernteausfällen, die vor allem die Existenz der Menschen in ärmeren Ländern bedrohen. Wasserknappheit bedeutet immer auch weniger Nahrung und kann besonders in strukturschwachen, unterversorgten Regionen zu schweren Hungersnöten führen, wie zurzeit in Somalia, Nigeria und dem Jemen.

Da die Landwirtschaft der größte Wassernutzer weltweit ist, entscheidet sie maßgeblich über den Erhalt der Wasserressourcen. Die Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung bestimmt, ob Wasser in Ökosystemen, unter- oder überirdisch gespeichert wird oder schnell und wenig nutzbringend abfließt. Der Anteil an bewässerten Feldern hat in den letzten Jahren stark zugenommen, viele Entwicklungsländer setzen auf Investitionen in Bewässerungstechnologien. Das kann die Ernteerträge zwar deutlich steigern, verbraucht aber noch mehr der ohnehin knappen Ressource. Wird dem Boden zu viel Wasser entzogen, sinkt der Grundwasserspiegel.

Diese Wechselwirkung zwischen Landbewirtschaftung und Ressourcenmanagement zeigt, dass ein Bereich ohne den anderen nicht existieren kann. Produktionssteigerungen in Ackerbau, Vieh- und Forstwirtschaft müssen deshalb immer auch eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung und damit weniger wasserintensive Bewässerungsmethoden berücksichtigen.

Dreckiges Wasser macht krank

Verschmutztes Wasser ist die Ursache für Krankheiten wie Typhus, Cholera und Durchfall. Täglich sterben weltweit über 1.200 Kinder an den Folgen von verunreinigtem Wasser. Für Kinder unter fünf Jahren zählen Durchfallerkrankungen zu den häufigsten Todesursachen. Sauberes Trinkwasser ist deshalb eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.

In Deutschland ist eine sichere und hygienisch einwandfreie Trinkwasser- und Sanitärversorgung selbstverständlich, in vielen Entwicklungsländern dagegen ist verunreinigtes Wasser ein großes Problem. Industrieabwässer, Düngemittelrückstände und menschliche Ausscheidungen gelangen vielerorts ungeklärt in Flüsse und das Grundwasser. Ist das Wasser erst einmal verschmutzt, braucht es viel Energie und Geld, um es wieder zu reinigen.

Ohne Toiletten keine Bildung

Fehlende Wasserversorgung und Sanitäranlagen behindern den Zugang zu Bildung, vor allem für Mädchen. In vielen Regionen der Welt müssen sie ihren Müttern von klein auf bei der Hausarbeit helfen und oft lange Wege zum Wasserholen zurücklegen. Das kostet viel Zeit, die sie stattdessen mit Lernen verbringen könnten. Wenn sie ihre Periode bekommen, bleiben junge Mädchen dem Unterricht oft fern, unter anderem weil es in den Schulen keine sauberen, geschlechtergetrennten Toiletten und Handwaschgelegenheiten mit Seife gibt.

Sauberes Wasser und Toiletten sind Grundvoraussetzungen für ein angemessenes Lernumfeld. Umgekehrt sind Schulen geeignete Orte, um neue Routinen einzuüben und Verhaltensänderungen zu bewirken. In Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit lernen Schüler, wie wichtig Hygiene und die Nutzung von Toiletten sind und integrieren das regelmäßige Händewaschen mit Wasser und Seife in ihren Schulalltag. Mehr dazu erfahren Sie in der Projektbeschreibung "Fit for School".

Läuft Wasser, fließt Geld

Wasserholen gehört zur Hausarbeit und ist damit in vielen Regionen der Welt Aufgabe der Frauen. Oftmals beeinträchtigen lange und teils unsichere Wege zu Wasserquellen und Toiletten die Lebensbedingungen von Mädchen und Frauen. Denn die Zeit, die Frauen täglich zur Wasserbeschaffung aufwenden, fehlt ihnen zum Gelderwerb. Das schränkt ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit ein und verhindert Fortschritte in der Gleichberechtigung.

Die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser ist auch eine notwendige Voraussetzung für ökonomische Entwicklung. Eine mangelnde Trinkwasserversorgung hemmt Produktivkräfte und verschärft somit die Armut. Der neue Weltbank Report "Uncharted Waters" zeigt, dass die negativen Folgen von dauerhaftem Wassermangel über Generationen hinweg in Form von Mangelernährung und geringem Einkommen nachwirken. Jeder Dollar, der in Wasser- und Sanitärversorgung investiert wird, generiert 4,30 Dollar an wirtschaftlichen Erträgen durch gesteigerte Produktivität.

Wasser für Energie

Wasserkraftanlagen erzeugen Energie ohne klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen. Dennoch können sie sich negativ auf die Lebensbedingungen der Menschen auswirken. Denn wird Wasser am Flussoberlauf gestaut, kann es flussabwärts in geringerem Maße zur Bewässerung genutzt werden. Große Stauseen haben zudem Auswirkungen auf Ökosysteme, da Lebensräume von Menschen, Tieren und Pflanzen zerstört werden.

Andere Energieerzeuger wie Atom- und Kohlekraftwerke verbrauchen und verschmutzen wertvolle Wasserressourcen, die für die landwirtschaftliche Nutzung benötigt werden. Deshalb kommt es in der Entwicklungszusammenarbeit häufig zu Zielkonflikten zwischen den Bereichen Wasser, Energie und Landwirtschaft.

Um nachhaltige Gesamtlösungen zu schaffen, braucht es einen integrierten Ansatz zur Versorgungssicherheit. Das bedeutet, dass Nutzungsgruppen aus den drei Sektoren über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen und auch die Interessen der anderen Ressourcennutzer in ihre Planung miteinbeziehen.

Durch gemeinsame Planungsprozesse können so Lösungen gefunden werden, die für alle Nutzer akzeptabel sind. Deutschland hat sich mit der Agenda 2030 dazu verpflichtet, den integrierten Nexus-Ansatz zur Nutzung von Synergien in den Bereichen Wasser, Energie und Landwirtschaft anzuwenden. Mehr zur Nexus-Perspektive finden Sie in der "Querbezugsstrategie: Wasser, Energie, Landwirtschaft (Nexus-Perspektive)" (PDF 154 KB).

Artenvielfalt braucht Wasser

Die Ökosystems der Erde sind von Wasser abhängig. Geschädigte Ökosysteme büßen ihre natürliche Fähigkeit ein, Wasser zu speichern, zu reinigen und vor Hochwasser zu schützen. Der Artenverlust schreitet besonders in Feuchtgebieten rasch voran. Bereits heute sind diese so wichtigen Naturräume um die Hälfte dezimiert.

Ein nachhaltiger Umgang mit Wasserressourcen wirkt sich positiv auf die Umwelt und somit auch auf die Artenvielfalt aus. Der Schutz von Gewässern und die Sicherung der Wasserqualität können dazu beitragen, Feuchtgebiete und Flussauen zu erhalten und zu regenerieren. Davon profitiert das gesamte Ökosystem, denn intakte Feuchtgebiete wie Sümpfe und Moore sind natürliche Speicher für Kohlendioxid und sind Heimat der unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Sonderseite zum Thema Biodiversität.

Mangelnde Wassersicherheit als Konfliktursache

Dürren und Hungersnöte, Hochwasser und extreme Wetterereignisse gefährden die Existenzgrundlagen vieler Menschen in den Entwicklungsländern. Wiederkehrende Überflutungen waren die Fluchtursache für ein Drittel der 8,3 Millionen Binnenflüchtlinge, die 2015 ihre Heimat verlassen mussten.

Ebenso wie Flutkatastrophen kann Wassermangel Existenzen zerstören und Konfliktpotenzial schaffen. Denn wo Wasser immer knapper wird, verstärkt sich die Konkurrenz unter den Wassernutzern. Während die Bauern Wasser für ihre Felder und das Vieh benötigen, erhebt die städtische Bevölkerung Anspruch auf Wasser zum Kochen und Waschen. Wirtschafszweige wie die Stahl- und Textilindustrie können ohne ausreichend Wasser nicht produzieren. Sie sind auf eine verlässliche Wasserversorgung angewiesen.

Interessengegensätze der Wassernutzer bergen ein hohes Risiko für gewaltsame Konflikte. Deshalb spielen die nachhaltige Bewirtschaftung und die Verteilung der Wasserressourcen eine wichtige Rolle, besonders in wasserarmen Regionen wie Nordafrika und dem Nahen Osten. Um Konflikten vorzubeugen, stärkt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Institutionen, die ein integriertes grenzüberschreitendes Wassermanagement ermöglichen, wie zum Beispiel die Mekong River Commission und die Niger Basin Authority. Mehr dazu erfahren Sie in der Projektbeschreibung "Niger: Kooperative Wasserwirtschaft"

Auswirkungen des Klimawandels

Bereits heute haben etwa vier Milliarden Menschen mindestens einen Monat im Jahr zu wenig Wasser zum Leben. Länder wie Vietnam und Bangladesch kämpfen hingegen regelmäßig mit Hochwasser und Teile von Mittelamerika und Asien leiden unter extrem starken Regenfällen.

Der Klimawandel wird die bereits bestehenden Probleme noch verschärfen. Fachleute gehen davon aus, dass extreme Wetterlagen wie Dürren und Starkregenfälle vielerorts noch häufiger und intensiver auftreten werden als bislang.

Die Eiskappen an den Polen schmelzen und die Ozeane erwärmen sich und dehen sich dadurch aus, beides führt zum Anstieg des Meeresspiegels. Dieser bedroht insbesondere die Existenz kleiner Inseln. In Teilen der Hochgebirges schmilzt das Eis von Gletschern, zum Beispiel in den Anden und im Himalaya. Das Verschwinden der Gletscher kann dort auf lange Sicht die Versorgung mit Trinkwasser gefährden. Hinzu kommen in einigen Gebieten häufigere und intensivere Starkregenereignisse und Überschwemmungen. Meist sind arme Menschen am stärksten davon betroffen. Sie leben häufig in besonders gefährdeten Gebieten, an Berghängen, Flussläufen oder in dürreanfälligen Landstrichen.

Im Klimaabkommen von Paris haben sich fast alle Staaten der Welt dazu verpflichtet, den Anstieg der globalen Temperaturen auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Ziel soll in den einzelnen Staaten durch Nationale Klimabeiträge (NDCs) umgesetzt werden. In den NDCs formulieren die Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens ihre Emissionsminderungs- und Anpassungsziele. Wasser ist bei den Anpassungszielen der am häufigsten priorisierte Sektor. Dies zeigt, wie wichtig die Berücksichtigung des Klimawandels für die zukünftige Versorgung mit Wasser ist.

Doch nicht nur die Folgen des Klimawandels zeigen sich beim Wasser besonders deutlich. Die Aufbereitung und Versorgung mit Trinkwasser sowie die Klärung der Abwässer benötigen viel Energie und setzen so große Mengen an Treibhausgasen frei. Durch fehlendes oder unzureichendes Abwassermanagement werden außerdem die extrem klimaschädlichen Treibhausgase Methan und Lachgas ausgestoßen.