Kooperative Wasserwirtschaft

Niger: Kooperative Wasserwirtschaft

Mehr als 100 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet des Niger, dem größten Flusssystem Westafrikas. Im Verlauf des 4.200 Kilometer langen Stroms von seiner Quelle in den Bergen Guineas bis zur Mündung im riesigen Flussdelta an der Küste Nigerias durchfließt der Niger fünf Länder, sein Einzugsgebiet umfasst vier weitere Staaten.

Für viele westafrikanische Völker gilt der gewaltige Strom als Heimat von magischen Geistern und Göttern. Mit seinen unerschöpflich scheinenden Wassermassen ist er aber vor allem eines: eine unverzichtbare Lebensgrundlage für die Menschen, Tiere und Pflanzen in seinem Einzugsgebiet. Die immensen Wasserressourcen des Niger zu bewahren und möglichst gleichberechtigt auf alle Anrainerstaaten zu verteilen, das ist Aufgabe der Nigerflussgebietsbehörde (ABN) mit Sitz in Niamey.

Grenzüberschreitender Interessenausgleich

Seit 2007 unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die ABN bei der grenzüberschreitenden Bewirtschaftung der Wasserressourcen im Nigereinzugsgebiet. Ziel des Projekts ist es, die nachhaltige und kooperative Nutzung der Ressourcen auf Grundlage eines von allen ABN-Mitgliedsstaaten anerkannten und völkerrechtlich bindenden Regelwerks zu erreichen.

Dafür wurde die Wassercharta geschaffen: "Die Verabschiedung der Wassercharta ist ein wichtiger Meilenstein der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit", bestätigt Drissa Naman Keita, juristischer Berater der ABN. "Sie gibt uns die notwendigen Instrumente für einen Interessenausgleich zwischen den Staaten an die Hand und trägt dazu bei, Konflikten entgegenzuwirken."

Wichtigste Errungenschaften

In den vergangenen zehn Jahren ist es der ABN mit Unterstützung der Bundesregierung und anderen Gebern gelungen, einen kontinuierlichen Dialog zwischen den neun Mitgliedsstaaten der ABN zu etablieren. Außerdem wurde ein regionaler Investitionsplan für grenzüberschreitende wasserwirtschaftliche Projekte entwickelt, der 350 größtenteils klimarelevante Entwicklungsmaßnahmen vorsieht.

Auch das Observatorium der ABN, eine für die Auswertung hydrologischer Daten zuständige Einrichtung, wurde vorangetrieben. Es ermöglicht effiziente Risikobewertungen innerhalb von 24 Stunden und ist damit ein wichtiges Frühwarnsystem, das die Bevölkerung an den Ufern des Niger vor Überschwemmungen schützt.