Beispiele

Südostasien: Fit for School

Südostasien: Fit for School

Viele Kinder in Südostasien leiden an Krankheiten, die durch mangelnde Hygiene entstehen, wie Durchfall, Wurmbefall oder Karies. Schlechte Hygienebedingungen in Schulen tragen zur Krankheitsverbreitung bei. Durch das Regionalprogramm "Fit for School" werden Bildungsministerien in Indonesien, Kambodscha, Laos und den Philippinen bei der Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung und der Hygiene in Schulen unterstützt.

Präventionsmaßnahmen

Im Rahmen des Programms werden einfache Präventionsmaßnahmen in den Schulalltag integriert. Dazu gehören Händewaschen, Zähneputzen und das tägliche Reinigen von Sanitäranlagen. Die Maßnahmen beinhalten ein klares Regelwerk für routinemäßige Gruppenaktivitäten, einfache strukturelle Maßnahmen wie Gruppenwaschgelegenheiten und Begleitmaßnahmen wie Reinigungspläne.

Pilotprojekt

Seit 2011 wird Fit for School gemeinsam mit SEAMEO, dem Dachverband der Erziehungsministerien in Südostasien, erfolgreich umgesetzt. Nachdem Fit for School als Pilotprojekt in Tansania durchgeführt wurde, wird der Ansatz derzeit als Komponente in einem Programm zur Förderung der Grundbildung in Guinea umgesetzt. Dies sind erste Schritte für eine weitere Verbreitung von Fit for School in Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Klempnerinnen in Jordanien

Als Klempnerin unterwegs in Jordanien

Als Narja vor einigen Jahren nach Jordanien kam, hätte sie sich nicht träumen lassen, einmal Klempnerin zu werden. Jetzt hat die junge Frau, die vor dem Krieg in Syrien geflohen ist, ihre Ausbildung abgeschlossen und freut sich auf ihren ersten Einsatz: "Ich habe viel gelernt in dem Lehrgang und fühle mich jetzt fit, diesen Beruf auch wirklich auszuüben."

Qualifizierte Fachkräfte gesucht

In Jordanien unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ein Projekt zur Ausbildung von Klempnerinnen und Klempnern, um neue Beschäftigungsperspektiven zu bieten.

Als eines der wasserärmsten Länder der Welt leidet Jordanien unter chronischer Wasserknappheit, die durch den Zustrom von Flüchtlingen aus den Nachbarländern noch verstärkt wird. Derzeit beherbergt das Land über 630.000 registrierte syrische Flüchtlinge. Die meisten von ihnen leben außerhalb der Flüchtlingslager in jordanischen Gemeinden. Das erhöht den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und stellt die kommunale Infrastruktur und die völlig überlastete Wasserversorgung vor große Herausforderungen.

Rund 40 Prozent des Wassers gehen in Jordanien auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Der Grund sind marode, nicht fachgerecht verlegte und schlecht gewartete Leitungen. Zudem fehlt es an qualifizierten Fachkräften, die Wasserleitungen installieren, warten und reparieren können.

Frauen im Vorteil

Mit der Ausbildung von Klempnerinnen und Klempnern will das Projekt dazu beitragen, die Wasserverluste in privaten Haushalten einzudämmen. Es konzentriert sich auf die von der Flüchtlingskrise am stärksten betroffenen Gemeinden und richtet sich gleichermaßen an die jordanische Bevölkerung wie auch an syrische Flüchtlinge.

Frauen bietet die Ausbildung eine reelle Chance, ihren neu erlernten Beruf auch wirklich auszuüben. Denn die herrschende Tradition in der jordanischen Gesellschaft verbietet es männlichen Klempnern, Haushalte zu betreten, wenn kein Mann im Haus ist. Eine Klempnerin erhält dagegen leicht Eintritt und kann die Hausfrauen zudem beraten, wie sie Wasser sparen und kleine Reparaturen selbst durchführen können.

Afrika: Menstruationshygiene

Afrika: Menstruationshygiene

Gute Menstruationshygiene ist Voraussetzung für Gesundheit, Bildung und Berufschancen von Frauen und Mädchen. Die UNESCO schätzt, dass jedes zehnte Mädchen in Afrika während ihrer Periode nicht zur Schule geht. Obwohl Menstruation ein ganz normaler biologischer Prozess ist, ist das Thema in den meisten Ländern noch immer ein großes Tabu. Frauen und Mädchen werden stigmatisiert und ausgegrenzt, das Thema Menstruationshygiene auf allen Ebenen vernachlässigt.

Sport- und spielbasierte Menstruationshygieneaufklärung

Ein Beispiel für das deutsche Engagement in Afrika zum Thema Menstruationshygiene ist das vom BMZ kofinanzierte Projekt "WASH Capacity Building" der deutschen Nichtregierungsorganisationen WASH United und streetfootballworld, das 2016 und 2017 in Kenia, Ruanda, Uganda und Tansania durchgeführt wurde. Im Rahmen des Projekts entwickelten WASH United und streetfootballworld zusammen mit lokalen Mitgliedsorganisationen des streetfootballworld-Netzwerks innovative sport- und spielbasierte Aufklärungsinhalte für Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren, welche dann mit lokalen Partnern umgesetzt wurden.

Durch das Projekt konnten insgesamt 131 Mitarbeiterinnen lokaler NROs mit dem Schwerpunkt Sport für Entwicklung zu Trainerinnen für Menstruationshygiene ausgebildet und über 7.300 Mädchen und Jungen über Menstruation und Menstruationshygiene aufgeklärt werden. Nach dem erfolgreichen Projekt in Kenia haben WASH United und streetfootballworld die Trainingsinhalte weiter verbessert und für Indien angepasst, wo sie aktuell umgesetzt werden. Pläne für eine Verbreitung in weitere Länder in Afrika und Asien sind in der Vorbereitung.

Wasserversorgung in Uganda

Uganda: Wasserversorgung garantieren

Die Region um die Stadt Gulu im Nordwesten Ugandas war lange Zentrum des bewaffneten Konflikts zwischen dem ugandischen Militär und der Rebellengruppe Lord Resistance Army. Durch die bewaffneten Auseinandersetzungen wurde die vorhandene Infrastruktur zerstört und kaum neue Investitionen getätigt.

Nach Beendigung des Konflikts kehrten die Binnenflüchtlinge in ihre Heimat zurück, was zu einem sprunghaften Bevölkerungswachstum insbesondere in den informellen Stadtgebieten führte, die ohnehin schon mit grundlegender Infrastruktur schlecht versorgt waren. Die vorherrschende Wasserknappheit verschlechtert die Versorgungslage zudem.

Bau eines Wasserdamms

Seit Ende 2016 fördert die deutsche Entwicklungspolitik über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die KfW Entwicklungsbank die Unterstützung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden in Norduganda auch bei der Wasser- und Sanitärversorgung.

In der Region um die Stadt Gulu engagiert sich die KfW Entwicklungsbank für eine zügige Verbesserung der Wasserversorgung. Insbesondere die informellen Siedlungsgebiete werden unter anderem durch den Bau eines Wasserdamms mit sicherem Trinkwasser zu angemessenen Preisen versorgt.

Toiletten sollen nicht nur im öffentlichen Raum zur Verfügung stehen, sondern im Privathaushalt. Zudem soll die Hygiene durch ein funktionierendes Abfallentsorgungssystem verbessert werden. Das Regenwasser, das in der Vergangenheit bei Starkregenereignissen zu Überschwemmungen geführt hat, wird gesammelt, aufbereitet und für die Wasserversorgung der Stadt genutzt. Die Planung der städtischen Infrastruktur findet dabei unter Mitsprache aller relevanten Stakeholder statt.

Peru: Wasserverluste reduzieren

Peru: Wasserverluste reduzieren

Peru leidet in weiten Teilen unter Wasserknappheit. Der Klimawandel verschärft die Lage. Hinzu kommt die ungleiche Besiedelung des Landes: An der pazifischen Küsten leben über der Hälfte der Peruaner, die gleichzeitig fast 90 Prozent des Trinkwassers im Land verbrauchen.

Allerdings ist ausgerechnet diese Region die mit Abstand trockenste in Peru. Weniger als fünf Prozent der nationalen Süßwasservorkommen finden sich dort. Um dem drohenden "Wasserstress" durch den Klimawandel vor allem in den Küstenstädten entgegenzuwirken, unterstützt die KfW Entwicklungsbank die Wasserversorgungsunternehmen in den Städten Tacna und Chimbote dabei, Wasserverluste zu reduzieren.

Sparsamen Umgang mit Wasser fördern

Zu den Maßnahmen zählen beispielsweise die Reparatur von undichten Stellen in Wasserverteilernetzen, die Installation von Hauswasser- und Großwasserzählern oder die Einführung von Katastern, die auf Geoinformationssystemen basieren.

Gleichzeitig sollen Kampagnen die peruanische Bevölkerung sensibilisieren, sich des Wertes von Wasser bewusst zu werden und die Wasserverschwendung in privaten Haushalten zu verringern. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden klimatischen Veränderungen sind solche Maßnahmen dringend notwendig, damit auch in Zukunft eine ausreichende Versorgung der peruanischen Bevölkerung mit Trinkwasser gesichert ist.

Trinkwasser für Namibia

Trinkwasser für Namibia

Wasser ist in Namibia ein kostbares Gut. Das Land im Südwesten Afrikas besteht zum großen Teil aus Wüste und Halbwüste. Vor allem im trockenen Norden von Namibia gibt es Wasserversorgungsprobleme. Doch diese könnten bald der Vergangenheit angehören.

Riesiges Grundwasservorkommen entdeckt

2012 sind deutsche Hydrogeologen im Norden von Namibia im Cuvelai-Etosha-Becken auf ein riesiges Grundwasservorkommen gestoßen, das Ohangwena-Grundwasser-System mit zwei Hauptgrundwasserleitern (Ohangwena I und Ohangwena II). Es könnte die Trinkwasserversorgung des Landes verbessern.

Damalige Schätzungen gingen bei dem Süßwasserreservoir Ohangwena II von einem Trinkwasser-Volumen von fünf Milliarden Kubikmetern aus. Heute wissen die Experten von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), dass mindestens viermal so viel Grundwasser unter dem verdorrten Boden darauf wartet, gefördert zu werden. Diese Menge hilft, um Namibias Wasserprobleme deutlich zu mildern.

Da im Reservoir neues Grundwasser durch den Zufluss von Wasser aus dem südlichen Teil Angolas gebildet wird, kann das Wasser nachhaltig gefördert werden. Vor allem während Dürreperioden, wenn Oberflächenwasser als Versorgung ausfällt, ist das Grundwasser eine sichere Alternative.

Nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen

"Das Wasser von Ohangwena II wird der ganzen Region einen immensen Entwicklungsschub geben", meint Projektleiter Martin Quinger. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet sein Team daran, die zuständigen Behörden in Namibia zu befähigen, die Grundwasserressourcen nachhaltig zu bewirtschaften.

In Eenhana, der Hauptstadt der Ohangwena-Region, sprudelt schon das erste Wasser des unterirdischen Reservoirs aus der Gemeindepumpe. Ein geplantes Brunnenfeld weiter im Norden könnte jährlich zehn Millionen Kubikmeter fördern und damit die ländlichen Gemeinden der gesamten Region mit Trinkwasser von einem Reinheitsgrad versorgen, der der Europäischen Mineralwassernorm entspricht.

Noch fehlen der Regierung Namibias allerdings Geld und Kapazitäten für eine großangelegte Förderung. Quingers Team unterstützt sie dabei, die notwendigen Instrumente zur verlässlichen Qualitätskontrolle des Ohangwena-Wassers zu entwickeln und namibische Fachleute für die geplanten Brunnenbohrungen auszubilden.

Kooperative Wasserwirtschaft

Niger: Kooperative Wasserwirtschaft

Mehr als 100 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet des Niger, dem größten Flusssystem Westafrikas. Im Verlauf des 4.200 Kilometer langen Stroms von seiner Quelle in den Bergen Guineas bis zur Mündung im riesigen Flussdelta an der Küste Nigerias durchfließt der Niger fünf Länder, sein Einzugsgebiet umfasst vier weitere Staaten.

Für viele westafrikanische Völker gilt der gewaltige Strom als Heimat von magischen Geistern und Göttern. Mit seinen unerschöpflich scheinenden Wassermassen ist er aber vor allem eines: eine unverzichtbare Lebensgrundlage für die Menschen, Tiere und Pflanzen in seinem Einzugsgebiet. Die immensen Wasserressourcen des Niger zu bewahren und möglichst gleichberechtigt auf alle Anrainerstaaten zu verteilen, das ist Aufgabe der Nigerflussgebietsbehörde (ABN) mit Sitz in Niamey.

Grenzüberschreitender Interessenausgleich

Seit 2007 unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die ABN bei der grenzüberschreitenden Bewirtschaftung der Wasserressourcen im Nigereinzugsgebiet. Ziel des Projekts ist es, die nachhaltige und kooperative Nutzung der Ressourcen auf Grundlage eines von allen ABN-Mitgliedsstaaten anerkannten und völkerrechtlich bindenden Regelwerks zu erreichen.

Dafür wurde die Wassercharta geschaffen: "Die Verabschiedung der Wassercharta ist ein wichtiger Meilenstein der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit", bestätigt Drissa Naman Keita, juristischer Berater der ABN. "Sie gibt uns die notwendigen Instrumente für einen Interessenausgleich zwischen den Staaten an die Hand und trägt dazu bei, Konflikten entgegenzuwirken."

Wichtigste Errungenschaften

In den vergangenen zehn Jahren ist es der ABN mit Unterstützung der Bundesregierung und anderen Gebern gelungen, einen kontinuierlichen Dialog zwischen den neun Mitgliedsstaaten der ABN zu etablieren. Außerdem wurde ein regionaler Investitionsplan für grenzüberschreitende wasserwirtschaftliche Projekte entwickelt, der 350 größtenteils klimarelevante Entwicklungsmaßnahmen vorsieht.

Auch das Observatorium der ABN, eine für die Auswertung hydrologischer Daten zuständige Einrichtung, wurde vorangetrieben. Es ermöglicht effiziente Risikobewertungen innerhalb von 24 Stunden und ist damit ein wichtiges Frühwarnsystem, das die Bevölkerung an den Ufern des Niger vor Überschwemmungen schützt.