Aus der Praxis

Ernährung sichern

Wir wollen, dass sich alle Menschen gut ernähren können

Die Hauptursache von Hunger ist nicht, dass es zu wenig Nahrungsmittel gibt: Es ist die Armut. Den Menschen fehlt das Geld, um sich Essen zu kaufen. In vielen Entwicklungsländern ist davon die Landbevölkerung besonders betroffen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt sich dafür ein, dass jedes Kind, jede Frau und jeder Mann Zugang zu den Nahrungsmitteln erhält, die für eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung erforderlich sind. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir dabei den Frauen. Sie sind in vielen Ländern die Hauptverantwortlichen für die Ernährung ihrer Familie und werden trotz dieser überlebenswichtigen Aufgabe in vielen Ländern benachteiligt. Wenn Frauen bessere Bildungschancen, Zugang zu Saatgut, Wasser, Dünger und Finanzierung und mehr Rechte auf Landbesitz bekommen, verbessert sich die gesamte Situation der Familien.

Alexandra Ditti, Agraringenieurin aus Benin

Alexandra Ditti hat in Benin das Unternehmen Sahel Enterprise gegründet. In Zusammenarbeit mit einem deutschen Programm zur Förderung der Landwirtschaft gibt die Agraringenieurin ihr Wissen über Ernährung und Landwirtschaft an heimische Frauen weiter:

"Frauen nehmen für die Verbesserung der Ernährungssituation eine Schlüsselposition ein: Sie entscheiden, was die Familie zu Essen bekommt und geben Ernährungsgewohnheiten an andere Frauen und an ihre Kinder weiter. Es macht mich glücklich, sie dabei zu unterstützen und zu sehen, wie sich mit ihrem Wissen auch ihre gesellschaftliche Stellung und ihr Selbstvertrauen verbessern."

So arbeitet Alexandra Ditti

Widerstandsfähigkeit stärken

Wir arbeiten daran, dass es keine Hungersnöte mehr gibt

Menschen, die hungern, sind politischen Krisen und gewaltsamen Konflikten, Dürren, Überschwemmungen und dem Klimawandel besonders schutzlos ausgesetzt. Unsere Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützt sie dabei, sich auf diese Herausforderungen besser einzustellen und sich an neue Bedingungen anzupassen. Dazu werden zum Beispiel Ackerflächen wieder fruchtbar gemacht, Bewässerungsmethoden verbessert, Lagerkapazitäten für Getreide und Reis ausgebaut und unterschiedliche Einkommensquellen für Familien gefördert, aber auch Gemeinden dabei unterstützt, in Hungerkrisen politisch angemessen und vorausschauend reagieren zu können. So können Hungerkrisen vermieden oder zumindest besser bewältigt werden.

Ernährungssicherung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit

Mit einem neuen Programm der Sonderinitiative tragen wir in zwölf Ländern dazu bei, dass den Menschen genügend nährstoffreiches Essen zur Verfügung steht. Aber das allein reicht nicht aus: Für eine gesunde Ernährung sind auch Kenntnisse über die richtige Verwertung, Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel und zu Hygiene wichtig. Wir unterstützen unsere Partner bei der Vermittlung dieser Kenntnisse. Außerdem helfen wir dabei, die Trinkwasser- und Gesundheitsversorgung vor Ort zu verbessern und soziale Sicherungssysteme aufzubauen.

Unser Programm konzentriert sich auf Haushalte mit besonders schlechter Ernährungssituation, speziell auf Familien mit Schwangeren und Kleinkindern. Denn fehlende Nährstoffe in den ersten 1.000 Tagen des Lebens haben Folgen für die gesamte körperliche und geistige Entwicklung eines Menschen.

Innovationen fördern

Wir nehmen den gesamten Weg der Nahrungsmittel in den Blick

Um die Ernährungslage in einem Land dauerhaft zu verbessern und Einkommen und Beschäftigung für die Menschen im ländlichen Raum zu erhöhen, muss die Landwirtschaft produktiver und nachhaltiger werden. Außerdem müssen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ihre Produkte besser verkaufen können. Das allein reicht aber nicht: Ein großer Teil der heute in Entwicklungsländern produzierten Nahrungsmittel verdirbt wegen falscher Lagerung oder während des Transports zur Weiterverarbeitung und zum Verbraucher.

Darum nehmen wir den gesamten Weg der Nahrungsmittel in den Blick. Wir unterstützen Innovationen in allen Teilbereichen der Ernährungswirtschaft – vom Acker über die Lagerung und Verarbeitung bis zum Teller des Konsumenten.

Grüne Innovationszentren

Eine produktive und umweltschonende Landwirtschaft ist ein Entwicklungsmotor für ländliche Regionen. Voraussetzung dafür sind Bildung, Beratung, Forschung, der Einsatz angepasster Techniken und leistungsfähige staatliche Institutionen.

Mit unserer Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützen wir den Aufbau von 14 "Grünen Innovationszentren". Damit schaffen wir Einkommen für Bäuerinnen und Bauern und Arbeitsplätze in der Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln. Die Innovationszentren unterstützen Ertragssteigerungen, die Integration von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Märkte, die Selbstorganisation von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Kooperativen und Genossenschaften und den Schutz von Wasser und Boden. Sie fördern landwirtschaftliche Ausbildung, angewandte Agrarforschung und landwirtschaftliche Beratung und vernetzen Menschen und Institutionen. Regierungsstellen werden zentral und dezentral bei Programmen beraten, die die Landwirtschaft nachhaltig fördern.

So arbeitet Samuel Ntim aus Ghana

Ländliche Entwicklung unterstützen

Wir schaffen Perspektiven für die Menschen auf dem Land

Der Schlüssel zur Sicherung der weltweiten Ernährung liegt in den ländlichen Regionen der Schwellen- und Entwicklungsländer. Hier leben die meisten Armen, hier hungern die meisten und hier gibt es die größten Probleme mit Mangelernährung. Gemeinsam mit unseren Partnerländern arbeiten wir daran, dass die ländlichen Räume lebenswert, attraktiv und zukunftsfähig werden.

Im Zentrum unseres Engagements stehen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Wichtig ist, dass möglichst viel Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln in ländlichen Gebieten erfolgt. Das schafft Arbeitsplätze und Einkommen auch außerhalb der Landwirtschaft. Für eine erfolgreiche Entwicklung der ländlichen Regionen muss die Infrastruktur ausgebaut werden, es braucht Schulen, Gesundheitsstationen, Straßen, Energie- und Wasserversorgung. Das unterstützen wir.

Abebech Mideksam, Bienenzüchterin aus Äthiopien

Abebech Mideksam hat einen Kurs in moderner Bienenhaltung absolviert, der mit Hilfe der deutschen Entwicklungszusammenarbeit finanziert wurde.

"Ich züchte Bienen, wie mein Vater. Die Bienenhaltung hat in Äthiopien lange Tradition, doch deshalb ist sie nicht altmodisch. Auch auf dem Land kann man Schritt halten mit neuen Trends, beispielsweise dem Einsatz moderner Rauchbläser, durch die der Honig nicht mehr nach Mist riecht wie früher. Neben technischen Fähigkeiten habe ich in speziellen Kursen auch alles Wichtige in unternehmerischen Fragen gelernt, zum Beispiel wie man Honig in bester Qualität herstellt und gleichzeitig die Gewinnspanne erhöht. Jetzt bringe ich meinem Vater und den anderen Imkern die Tricks und Kniffe der modernen Imkerei bei."

So arbeitet Abebech Mideksam

Lebensgrundlagen erhalten

Wir schützen Böden, damit sie fruchtbar bleiben

Damit die wachsende Weltbevölkerung mit ausreichend Nahrung versorgt werden kann, muss die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern produktiver werden. Gleichzeitig müssen aber die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und geschützt werden: Wasser, Boden und Artenvielfalt.

Bisher verlieren pro Jahr weltweit rund sechs Millionen Hektar Boden ihre Fruchtbarkeit. Die Äcker vertrocknen, versalzen, werden abgetragen oder laugen aus, weil sie falsch oder zu intensiv genutzt werden. Man nennt diesen Vorgang Bodendegradation. Der Klimawandel verstärkt das Problem.

Im Rahmen unserer Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" haben wir ein Programm zum Schutz von Böden gestartet. In fünf Ländern erproben wir neue Ansätze, wie die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder wiederhergestellt werden kann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen auf andere Regionen übertragen werden.

Ackerflächen wieder nutzbar machen

Im Zentrum unseres Programms "Bodenschutz und Bodenrehabilitierung" steht das Ziel, Ackerflächen von kleinbäuerlichen Betrieben zu schützen und wieder nutzbar zu machen. Dabei geht es zum Beispiel um Themen wie Bewässerung, organische Düngung und Fruchtwechsel.

Auf politischer Ebene setzten wir uns im Rahmen des Programms dafür ein, finanzielle Anreize für eine verantwortungsvolle Bodennutzung zu schaffen.

Existenz sichern

Wir fördern sichere und faire Landnutzungsrechte

Der Zugang zu Acker- und Weideflächen ist die Existenzgrundlage der Landbevölkerung in Entwicklungsländern. Doch das Interesse an Land ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen: Investoren kaufen oder pachten riesige Flächen, um Nahrungsmittel für den Export anzubauen oder nachwachsende Rohstoffe für Bioenergie oder Biokraftstoffe zu gewinnen.

Die Interessen dieser Investoren stehen häufig im Konflikt mit denen von Bauern und Hirten, die das Land bisher genutzt haben. Oft sind deren Landrechte nicht offiziell anerkannt und daher nicht ausreichend geschützt.

Wir unterstützen unsere Partnerländer dabei, Landeigentum und -nutzung und den Zugang zu Wasser fair zu regeln und dabei die Rechte benachteiligter Gruppen wie Kleinbauern, Hirten und Frauen besonders zu berücksichtigen.

Ausbildung von afrikanischen Experten für Landpolitik

Für eine umfassende, gerechte und nachhaltige Landpolitik benötigen die afrikanischen Partnerländer Fachpersonal. Bei der Aus- und Weiterbildung dieser Experten arbeitet unsere Sonderinitiative eng mit der Afrikanischen Union, afrikanischen und internationalen Universitäten sowie mit der Weltbank zusammen. Unter anderem unterstützen wir den Aufbau eines Afrikanischen Exzellenzzentrums für Landmanagement und Landpolitik.