Hintergrund

Auf der Flucht

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) waren Ende 2017 weltweit mehr als 68 Millionen Menschen auf der Flucht.

Flüchtlinge und Binnenvertriebene

Von den mehr als 68 Millionen Menschen auf der Flucht waren mehr als 40 Millionen Binnenvertriebene, also Menschen, die innerhalb ihrer Landesgrenzen fliehen oder vertrieben werden. Sie stehen laut Genfer Flüchtlingskonvention nicht unter völkerrechtlichem Schutz. Da ihre Heimatstaaten ihre Versorgung oft nicht gewährleisten können oder wollen, ist die Not von Binnenvertriebenen häufig genauso groß wie die der laut Genfer Konvention offiziell anerkannten Flüchtlinge.

25,4 Millionen Menschen haben außerhalb ihres Landes Zuflucht gesucht. Von ihnen gelten 19,9 Millionen als Flüchtlinge unter dem Mandat des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR). Dazu kamen 3,1 Millionen Asylsuchende. 5,4 Millionen Personen waren Ende 2017 beim UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) registriert.

Herausforderungen für Aufnahmeländer

Viele der Länder, die eine große Zahl Flüchtlinge aufnehmen, sind selbst sehr arm. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Flüchtlingskrise überfordern die Leistungsfähigkeit ihrer Infrastruktur – besonders Krankenhäuser und Schulen sind dem Ansturm nicht gewachsen, auch die Wasserversorgung ist überlastet. Darunter leiden sowohl die Flüchtlinge als auch die lokale Bevölkerung.

Beispiel Syrienkrise: Besonders groß ist die Belastung in den Hauptaufnahmeländern Türkei, Libanon, und Jordanien. Im Libanon beispielsweise leben inzwischen mehr als eine Million syrische Flüchtlinge. Das ist eine enorme Herausforderung für das kleine Land. Mittlerweile ist jeder sechste Einwohner im Libanon ein Flüchtling aus Syrien.

Flucht ist ein Langzeitproblem: Zwei Drittel aller Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat leben bereits mehr als fünf Jahre im Exil. Deshalb braucht es weitsichtige Lösungen, um die Menschenrechte von Flüchtlingen zu schützen und ihre Integration im Aufnahmeland nachhaltig zu fördern.

Entwicklungszusammenarbeit schafft neue Perspektiven

In Not- und Krisenlagen sichert die humanitäre Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft das Überleben der Flüchtlinge. Das ist aber nur als kurzfristige Soforthilfe gedacht – beispielsweise werden Essensrationen ausgegeben, Zelte aufgebaut oder Kleidung verteilt. Im Anschluss an die Soforthilfe und als Ergänzung dazu ist Entwicklungszusammenarbeit auf längere Zeiträume angelegt. Sie trägt dazu bei, Regionen zu stabilisieren, unterstützt den Wiederaufbau zerstörter Gebiete und verbessert die Lebensbedingungen vor Ort. Entwicklungszusammenarbeit leistet einen Beitrag, neue Perspektiven zu entwickeln und verhindert somit neue Krisen.

Deutschland unterstützt mit seiner Entwicklungszusammenarbeit sowohl die geflohenen Menschen als auch die aufnehmenden Gemeinden. Unter anderem fördert das BMZ den Auf- und Ausbau von Infrastruktur, zum Beispiel der Wasserversorgung. Über Solaranlagen kann eine langfristige Stromversorgung sichergestellt werden. Auch Projekte im Bildungs- und Gesundheitsbereich oder zur Einkommensförderung entlasten die Aufnahmegemeinden und verhindern die Ausgrenzung der Flüchtlinge in ihrer neuen Umgebung.