Unser Engagement

Fluchtursachen mindern

Fluchtursachen mindern

Kriege und Konflikte haben in den vergangenen Jahren Millionen Menschen dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Neben diesen akuten Ursachen für Flucht gibt es auch strukturelle, langfristig entstandene Fluchtursachen wie Armut, Ungleichheit, schlechte Regierungsführung, Menschenrechtsverletzungen, Ressourcenknappheit oder Ernährungsunsicherheit. Unabhängig von ihrer Entstehung können Fluchtursachen, wenn überhaupt, nur durch ein langfristiges Engagement behoben werden.

Deutsches Engagement

Deutschland unterstützt seine Partnerländer dabei, strukturelle Ursachen für Flucht zu beseitigen. Arbeits- und Ausbildungsprogramme bieten zum Beispiel vor allem jungen Menschen Perspektiven und fördern den sozialen Zusammenhalt.

Krisenländer werden auch dabei unterstützt, ihre politische und wirtschaftliche Situation zu stabilisieren, zerstörte Strukturen wiederaufzubauen und die Bildungs- und Beschäftigungschancen ihrer Bevölkerung zu verbessern. Die Bundesregierung setzt sich für regionale und internationale Friedensprozesse ein. Sie unterstützt den konstruktiven, gewaltfreien Umgang mit Konflikten.

Aufnahmeregionen stabilisieren

Aufnahmeregionen stabilisieren

Die Mehrzahl der Flüchtlinge flieht in die an ihre Heimat angrenzenden Länder. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Entwicklungsländer, rund 85 Prozent der Menschen auf der Flucht suchen dort Schutz.

Zu den Ländern, die besonders viele Menschen aufnehmen, gehören die Türkei, Pakistan, Uganda, der Libanon, Iran, Bangladesch, Sudan, Äthiopien und Jordanien. Der kurzfristige Zuzug von sehr vielen Menschen führt in den Aufnahmeländern oft zu massiven Problemen: Es fehlt an Unterkünften und Arbeitsmöglichkeiten, die Schulen können nicht alle Kinder aufnehmen, Wasser und Nahrungsmittel werden knapp.

Lebensgrundlagen sichern

Um die Situation in den Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen, zu stabilisieren, investiert Deutschland in die Infrastruktur vor Ort – zum Beispiel in die Wasserversorgung und Gesundheitsversorgung – sowie in einkommensfördernde Maßnahmen.

Außerdem werden staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen dabei unterstützt, ihre Angebote aufrechtzuerhalten und auszuweiten.

Deutschland fördert auch den Dialog zwischen den Neuankömmlingen und der ansässigen Bevölkerung. Ziel ist, die Flüchtlinge gesellschaftlich zu integrieren, Konflikte zu vermeiden und die Lebensgrundlagen für alle zu sichern.

Flüchtlinge unterstützen

Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Rückkehrer unterstützen

Auf der Flucht verlieren Menschen nicht nur ihr Hab und Gut – viele erleben auch Gewalt, Erniedrigung und Ausbeutung. Deutschland macht sich für den Schutz der Rechte von Flüchtlingen stark und finanziert Maßnahmen, die die Folgen von traumatischen Erlebnissen während der Flucht lindern.

Perspektiven schaffen

Sehr viele Flüchtlinge wissen, dass sie vermutlich jahrelang nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Gleichzeitig ist es oft sehr schwierig für sie, im Aufnahmeland Arbeit zu finden. Auch zu Bildungsangeboten und medizinischer Versorgung haben sie häufig keinen ausreichenden Zugang.

Das Gefühl, keine Perspektiven mehr zu haben, kann zu großen Problemen führen. Selbst wenn eine Rückkehr möglich ist, stehen die Heimkehrer vor enormen Herausforderungen: Der Alltag muss neu organisiert und gestaltet werden. Zudem haben die meisten Rückkehrer auf der Flucht alles verloren und müssen sich eine neue Existenzgrundlage schaffen.

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, sowohl für die Flüchtlinge im Aufnahmeland als auch für die Rückkehrer Perspektiven zu schaffen. Dazu investiert Deutschland unter anderem in den Wiederaufbau von Schulen und Gesundheitszentren.

Außerdem werden jährlich etwa 3.000 Migranten, die sich in Deutschland aufhalten, bei ihrer freiwilligen Rückkehr in ihre Heimat beraten. Neben dem Wissenstransfer in die jeweiligen Herkunftsländer steht dabei die Förderung der Reintegration im Vordergrund, Migranten werden zum Beispiel bei der Existenzgründung unterstützt.

Das BMZ hat die bestehenden Angebote für Rückkehrerinnen und Rückkehrer Anfang 2017 erweitert und im BMZ-Rückkehrer-Programm "Perspektive Heimat" gebündelt.

ICT4Refugees-Konferenz in Berlin

Soziale Start-up-Unternehmer, Entwickler, Nichtregierungsorganisationen und andere Akteure der Entwicklungszusammenarbeit haben sich Ende Mai 2016 in Berlin zur Konferenz "ICT4Refugees" getroffen, um sich darüber auszutauschen, wie man Flüchtlingen mit digitaler Technik helfen kann. Das BMZ hat die Konferenz zusammen mit der GIZ, betterplace lab und Kiron Open Higher Education organisiert.


Diskussionsforen der ICT4Refugees-Konferenz in Berlin

Auf der ICT4Refugees-Konferenz diskutierten Expertinnen und Experten darüber, wie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) die Flüchtlingssituation verbessern können. Schwerpunkte der Diskussionsforen waren "IKT und Stabilisierung", "IKT und Flüchtlingscamps" und "IKT und Bildung".

Internationale Zusammenarbeit

Europäische Zusammenarbeit

Einige der aktuellen Flüchtlingskrisen ereignen sich in direkter europäischer Nachbarschaft. Darum ist ein gemeinsames Handeln der europäischen Länder sinnvoll und erforderlich: Die Europäische Union muss Fluchtursachen bekämpfen, Aufnahmeländer entlasten und Flüchtlingen neue Lebensperspektiven eröffnen.

Effektiv kooperieren

Deutschland arbeitet im Rahmen der Europäischen Union aktiv an der Ausgestaltung von EU-Migrationspartnerschaften, vorwiegend mit afrikanischen Partnerländern. Langfristiges Ziel des BMZ ist, mit Hilfe von Bildung und Beschäftigung Bleibeperspektiven zu schaffen, sowie das Prinzip der geteilten Verantwortung zwischen Herkunfts-, Transit- und Aufnahmeländern zu verankern.

Das BMZ setzt sich dafür ein, dass die EU-Mitgliedsstaaten ihr Engagement für Flüchtlinge ausbauen und dabei effektiv miteinander kooperieren. Dazu sollte die kurzfristige Nothilfe eng mit langfristig wirkender Entwicklungszusammenarbeit verzahnt werden. Außerdem sind weitere finanzielle Anstrengungen seitens der EU nötig.

Weltweite Zusammenarbeit

Das Engagement der Bundesregierung für Flüchtlinge, Binnenvertriebene und aufnehmende Gemeinden ist Teil der internationalen Hilfsbemühungen und erfolgt in enger Abstimmung mit den Vereinten Nationen. Das BMZ unterstützt zum Beispiel das Flüchtlingskommissariat (UNHCR), die Arbeit des Welternährungsprogramms (WFP), des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) und des Kinderhilfswerks UNICEF mit erheblichen finanziellen Beiträgen, die in akuten Flüchtlingskrisen regelmäßig aufgestockt werden.

New Yorker Erklärung

Mit der New Yorker Erklärung der Vereinten Nationen bekräftigte die Weltgemeinschaft im September 2016 ihren Willen, Verantwortung gegenüber Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten weltweit zu übernehmen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen hat sich die internationale Staatengemeinschaft zu einem gemeinsamen Handeln verpflichtet. Dies soll durch die Umsetzung des Umfassenden Rahmenplans für Flüchtlingshilfe (Comprehensive Refugee Response Framework, CRRF) und den bis 2018 zu erarbeitenden Globalen Pakt für Flüchtlinge (Global Compact on Refugees) erzielt werden.

 

No lost generation

UNICEF leistet umfangreiche Hilfe für syrische Flüchtlingskinder. Das BMZ fördert unter anderem die Initiative "No lost generation". Durch Bildungsangebote und psychosoziale Hilfe will die Initiative verhindern, dass in Syrien und den Nachbarländern eine "verlorene Generation" ohne Schulbildung heranwächst, die nur Krieg und Zerstörung erlebt hat und als Mittel zur Konfliktlösung nur Gewalt kennengelernt hat.

Solutions Alliance

Das BMZ beteiligt sich zudem an der "Solutions Alliance". Die internationale Initiative entwickelt Lösungen für Flüchtlinge in langanhaltenden Krisen. Unter dem Dach der "Solutions Alliance" kooperieren die betroffenen Staaten, Geberstaaten wie Deutschland, UN-Organisationen wie das das Flüchtlingskommissariat (UNHCR) sowie Vertreter der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.