Cash for Work

Cash for Work: Job-Offensive schafft neue Perspektiven

Herausforderung: Mangelnde Zukunftsperspektiven

Wegen anhaltender Krisen und Konflikte sowie fehlender Bleibe- und Zukunftsperspektiven verlassen viele Menschen ihre Heimatregionen. Etwa 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer sind inzwischen vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflüchtet – die meisten von ihnen in Nachbarländer. Dort mangelt es jedoch insbesondere an Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. Viele, die dort zunächst Zuflucht gefunden haben, setzen daher ihre Flucht in Richtung Europa fort.

Das tun wir: Schnell verfügbares Einkommen schaffen

Über die unmittelbare Sicherstellung der Grundversorgung hinaus unterstützt das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die Menschen in den betroffenen Regionen deshalb unter anderem durch Arbeitsmöglichkeiten, Bildungsangebote und den Aufbau von Infrastruktur, um so Bleibe-, Rückkehr- und Zukunftsperspektiven zu schaffen.

Die Bundesregierung hat auf der Syrienkonferenz vom 4. Februar 2016 eine "Beschäftigungsoffensive Nahost" gestartet. Über sogenannte Cash-for-Work-Maßnahmen (wörtlich übersetzt: "Bargeld gegen Arbeit", also direkt entlohnte Beschäftigungsmaßnahmen) können Flüchtlinge und Bewohner der aufnehmenden Gemeinden ein schnell verfügbares Einkommen erzielen.

Sie erhalten so die Möglichkeit, sich selbst und ihre Familien zu versorgen. Die finanzielle Notlage der Menschen wird gemindert, die soziale Anerkennung der Flüchtlinge im Gastland wächst und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird gestärkt, denn an den Programmen kann auch die lokale Bevölkerung teilnehmen.

Cash-for-Work-Maßnahmen

Mit der Initiative "Cash for Work" schafft das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) in Jordanien Arbeit und Einkommen für Flüchtlinge und für die einheimische Bevölkerung. "Die Idee ist, durch diese Maßnahmen, die von Flüchtlingen und Jordaniern gemeinsam umgesetzt werden, auch in der Aufnahmegemeinde eine bleibende Verbesserung zu schaffen, sei es im Bereich Müllentsorgung,  im Bereich Straßenbau oder im Bereich der Wasserversorgung", so Nina Lutter, Auslandsreferentin des BMZ

Beispiel Jordanien: Abfall beseitigen und recyceln

In vielen Gemeinden im Norden Jordaniens hat sich die Einwohnerzahl seit Beginn der Syrienkrise verdoppelt. Die Kommunen stehen vor enormen Herausforderungen – insbesondere die Abfallentsorgung ist ein großes Problem. Im Rahmen eines Cash-for-Work-Vorhabens wurden – durch das BMZ finanziert – bis Ende 2017 rund 13.800 syrische Flüchtlinge und Jordanier eingestellt, um in zahlreichen jordanischen Gemeinden und dem Flüchtlingslager Za'atari Abfall zu sammeln und zu recyceln. Parallel dazu entstehen Wertstoffhöfe mit dauerhaften Arbeitsplätzen.

"Es macht Spaß, gemeinsam zu arbeiten und sauber zu machen."

Armani (aus Sicherheitsgründen wird hier nur der Vorname genannt) lebt in der jordanischen Gemeinde Wasattyah und nimmt gemeinsam mit syrischen Flüchtlingen freiwillig an der Müllentsorgungsaktion teil.

"Ich bin geflohen, weil in Syrien kein Leben mehr möglich war. Meine Freunde und ich wollen unbedingt arbeiten und Geld für uns und unsere Familie verdienen. Kann ich hier nicht arbeiten, muss ich dahin gehen, wo ich Arbeit finden kann."

Mohamed (aus Sicherheitsgründen wird hier nur der Vorname genannt) ist vor vier Jahren allein aus Syrien geflohen und lebt nun in Wasattyah, Jordanien. Dort nimmt er an der Cash-for-Work-Maßnahme des BMZ zur Abfallentsorgung teil.

Weitere Cash-for-Work-Maßnahmen in Jordanien

Berufsbildungsangebote: Gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fördert das BMZ in Jordanien Berufsbildungsangebote für junge Menschen. Experten beraten sie bei ihrer beruflichen Orientierung, bieten ihnen Qualifizierungsmaßnahmen und unterstützen sie bei der Vermittlung in den Arbeitsmarkt.

Zusätzliche Lehrkräfte: Der Bedarf an Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die aus Syrien fliehen mussten, ist groß. Deshalb finanziert das BMZ in Jordanien die Gehälter von 7.200 Lehrern und administrativem Personal. Dadurch erhalten bis zu 63.000 Flüchtlingskinder einen Schulplatz.

Instandsetzung und Bau von Infrastruktur: Bis Ende 2017 haben etwa 1.300 syrische Flüchtlinge und Jordanier durch die Instandsetzung oder den Bau von Infrastruktur einen Job erhalten. Sie setzen Wege und ländliche Straßen instand, legen Grünflächen an und säubern öffentliche Einrichtungen, zum Beispiel Parks und Straßen. Von diesen Maßnahmen werden die jordanischen Gemeinden auch langfristig profitieren. Zusätzlich werden bedürftige jordanische Landwirte durch den Bau von Zisternen und die Errichtung von Gewächshäusern unterstützt.

Beispiel Irak: Infrastruktur wiederaufbauen

In Flüchtlingscamps befestigen etwa 6.000 irakische und syrische Flüchtlinge Straßen und Abwasserkanäle und bauen Spielplätze und Sportanlagen. Außerdem setzen sie dort wie auch in Gemeinden, die Flüchtlinge aufnehmen, Klassenzimmer instand. Dadurch kann Ergänzungsunterricht für syrische Flüchtlinge stattfinden.

In den von der Terrororganisation "Islamischer Staat" befreiten Gebieten unterstützt das BMZ den Wiederaufbau von Krankenhäusern, Schulen und Einrichtungen der Elektrizitäts- und Wasserversorgung. So wird der vertriebenen Bevölkerung die Rückkehr erleichtert. In diesen Gebieten sind durch das Cash-for-Work-Programm rund 4.400 Jobs entstanden.

Beispiel Türkei

Zusätzliche Lehrkräfte: Um möglichst viele syrische Kinder in türkischen Flüchtlingslagern und Aufnahmegemeinden unterrichten zu können, werden zusätzliche Lehr- und Betreuungskräfte benötigt. Das Cash-for-Work-Programm des BMZ hat rund 11.000 Stellen für die Schuljahre 2016/2017 sowie 2017/2018 geschaffen. Dadurch konnten 2016/2017 bis zu 280.000 Kinder unterrichtet werden.

Fortbildungen: Durch berufsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen, beispielsweise in der Textilverarbeitung oder in Handwerksberufen, werden syrische Flüchtlinge und türkische Bedürftige für den lokalen Arbeitsmarkt ausgebildet. Durch diese Maßnahmen sind etwa 2.300 Jobs entstanden.

Abfallentsorgung und Instandsetzung kommunaler Infrastruktur: In vier türkischen Kommunen werden durch das Cash-for-Work-Programm Parks und Waldflächen gesäubert. Außerdem setzen syrische Flüchtlinge und türkische Bedürftige Schulen und Moscheen instand. Im Rahmen des Projekts sind 4.200 Jobs entstanden. Durch die gemeinsamen Tätigkeiten wird zugleich das gesellschaftliche Miteinander gestärkt.

Beispiel Syrien: Einkommensschaffende Maßnahmen

In Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und lokalen Nichtregierungsorganisationen hat das BMZ rund 25.000 Jobs in Syrien geschaffen. Binnenvertriebene beseitigen Trümmer, entsorgen Müll und reparieren Wasserleitungen. Menschen, die durch den Krieg Behinderungen erlitten haben, können sich in Kursen fortbilden: Reparatur von elektrischen Geräten, Fahrrädern und Motorrädern, Näherei, Friseurhandwerk und Schuhreparatur. Auf diese Weise leistet das BMZ einen Beitrag zur Grundversorgung und hilft den Menschen, mit der schwierigen Situation besser zurechtzukommen.

Die Beschäftigungsoffensive wirkt

Das BMZ hat für Beschäftigungsoffensive Nahost 2017 insgesamt 426 Millionen Euro zugesagt – 231 Millionen Euro für 2017 und 195 Millionen Euro für die Folgejahre.

Bis Ende 2017 wurden rund 85.000 Jobs geschaffen. Schließt man auch die Familienangehörigen der Arbeiterinnen und Arbeiter mit ein, dann wurden 2017 rund 425.000 Menschen dabei unterstützt, die Zeit bis zum Ende der Krise besser zu überbrücken.

Durch die Finanzierung von zusätzlichen Stellen für Lehr- und Assistenzkräfte erhalten mehr als 350.000 Kinder Unterricht.

Mehr als 8.750 Menschen erhalten eine berufliche Aus- oder Weiterbildung und damit mittelfristig eine berufliche Perspektive – auch im Hinblick auf den Wiederaufbau ihres Heimatlandes.

In Projekten zur Verbesserung der Infrastruktur wurden 1,7 Millionen Bäume gepflanzt, außerdem wurden Straßen und Abwasserkanäle ausgebessert.

2017 konnten durch Sanierungsprogramme mehr als 1.700 Wohnungen renoviert werden, in denen geflüchtete Familien leben können.

Das BMZ achtet in seinen Projekten besonders auf eine Beteiligung von Frauen. Der Anteil der beschäftigten Frauen liegt im Baugewerbe bei 10 Prozent, im Bildungsbereich sogar bei über 60 Prozent.

Mit all diesen Maßnahmen verbessern wir spürbar das Lebensumfeld in den Aufnahmeregionen. Die aufnehmenden Städte und Gemeinden werden entlastet und Spannungen verringert.

Die steigende Kaufkraft der Menschen mit Einkommen und die verbesserte Infrastruktur stärken zudem die lokale Wirtschaft. Die Beschäftigungsinitiative wirkt so auch als lokales Wirtschaftsförderprogramm.

Die Beschäftigungsoffensive Nahost wird vom BMZ auch 2018 fortgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Wiederaufbau im Irak.

Interview mit einer Lehrerin im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien

Die syrische Lehrerin Nadine (aus Sicherheitsgründen wird hier nur der Vorname genannt) ist aus Damaskus nach Jordanien geflohen und arbeitet im Rahmen eines Cash-for-Work-Programms des BMZ als Aushilfslehrerin im Flüchtlingslager Zaatari: "Ich arbeite seit der Gründung der Schule hier und freue mich darüber, ein Einkommen zu haben. Leider ist das aber auch das einzige Einkommen der Familie. Aber die Arbeit in der Schule hat mir ein Stück Normalität zurückgegeben."

Interview mit Hamed aus Syrien

Hamed (aus Sicherheitsgründen wird hier nur der Vorname genannt) aus Syrien lebt seit drei Jahren im Flüchtlingscamp Zaatari in Jordanien. In seiner Heimat hat er als Installateur für Trinkwasserleitungen gearbeitet. Im Flüchtlingscamp nimmt er an einer Cash-for-Work-Maßnahme des BMZ teil: "Wir installieren Abwasserleitungen für die Wohncontainer im Camp. Ich arbeite freiwillig hier und bekomme wenig bezahlt. Aber ich tue das gerne, weil es den Menschen im Lager hilft. Ich freue mich, wenn ich mit meiner Arbeit helfen kann."