Projekte

Ein Bild eine Geschichte

Schutz vor Wilderei

Morgan Mupenda ist Polizist und leitet die Nashorn-Monitoring Gruppe der Wildtierbehörde im Nord-Luangwa Nationalpark in Sambia. Mit seiner Handantenne peilt er nach den mit Sendern markierten Spitzmaulnashörnern, um ihre Bewegungen verfolgen und sie besser vor Wilderern schützen zu können.

Von Nashörnern und Medizin

Von den stattlichen Tieren gab es einst 12.000 Exemplare in Sambia. Heute sind sie vor allem durch Wilderei fast ausgerottet. Besonders stark ist die Nachfrage nach Nasenhorn in Asien, wo das gemahlene Horn unter anderem als Statussymbol und als vermeintliches Mittel gegen Krebs verwendet wird – obwohl keine Wirkung nachgewiesen ist.

Deutschland setzt sich zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt seit vielen Jahren für den Schutz der Nashörner im Nationalpark ein. Nachdem die Tiere zwischenzeitlich ausgerottet waren, konnten inzwischen über zwei Dutzend Nashörner wieder angesiedelt werden. Der Ausbau der Infrastruktur, die Wiederaufforstung und der aufkommende Tourismus schaffen dabei auch Arbeitsmöglichkeiten und Perspektiven für die Bevölkerung vor Ort. Morgan Mupenda arbeitet seit seinem Schulabschluss vor neun Jahren für den Schutz der Tiere.

Parallel unterstützt Deutschland Maßnahmen, um die Nachfrage nach gewildertem Horn zu senken. In Vietnam, dem größten Abnehmerland, tritt die Bundesregierung über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die Nichtregierungsorganisation Wildlife Monitoring Network TRAFFIC in den Dialog mit der für traditionelle Medizin im vietnamesischen Gesundheitsministerium zuständigen Behörde, um gemeinsam die Bevölkerung über die Wilderei und Bedrohung der Nashörner sowie über alternative Behandlungsmethoden zu informieren.

Erhalt der Wälder

Die Fähigkeit, CO2 zu speichern, ist eine der wichtigsten Funktionen von Wäldern, die den Klimawandel bremsen. Deshalb misst Forststudent Shofan Nasrullah den Durchmesser eines Baumes in Ostkalimantan in Indonesien: um zu errechnen, wie viel Kohlendioxid das Waldgebiet speichern kann.

Ein neues Einkommen aus nachhaltiger Waldnutzung

Ziel ist es, dem gespeicherten Kohlendioxid einen finanziellen Wert zu geben. So wird für die Anwohnern die Möglichkeit geschaffen, sich durch Waldschutz und schonende Waldnutzung ein zusätzliches Einkommen zu verdienen.

Zu den konkreten klimaschutzrelevanten Aktivitäten der Indonesischen Regierung gehören umfangreiche Reformen im indonesischen Forstsektor wie die Einführung von Forstämtern, die die Landrechte ordnen und Dienstleistungen für die lokale Bevölkerung erbringen werden. Sie sollen den Zugang zum Wald und seinen Ressourcen gerecht regulieren und gleichzeitig den Wald überwachen, um illegale Aktivitäten zu verhindern.

Diese Reformen sind Ergebnis der Zusammenarbeit der Bundesregierung mit Indonesien in dem Programm zur Vermeidung von Entwaldung und Walddegradierung (REDD+) im Rahmen der Klimarahmenkonvention. Das Programm soll zum Umdenken führen: intakte, nicht abgeholzte Wälder haben einen wirtschaftlichen Wert im Klimaschutz und können darüber hinaus ihre vielfältigen Aufgaben weiterhin erfüllen und Erosion vermeiden und Wasser speichern, biologische Vielfalt erhalten und ihren Bewohnern als Wohnraum und Lebensgrundlage dienen.

Nachhaltige Nutzung der Meere

Moulaye Wagne ist Wissenschaftler am mauretanischen Institut für ozeanografische Forschung und Fischerei (IMROP). Zusammen mit einem Team des Banc d’Arguin Nationalparks untersucht er eine Muschel auf Veränderungen durch Schadstoffe.

Natürliche Reichtümer erhalten

Moulaye erforscht in einem Programm in Mauretanien mit Unterstützung der Bundesregierung, wie man giftige Substanzen in lebenden Organismen nachweisen kann. Da Muscheln sehr viel Wasser filtern, reagieren sie besonders stark auf Veränderungen und sind ein guter Indikator für im Wasser befindliche Schadstoffe.

Die Forschungen von Moulaye sind Teil des ersten Frühwarnsystems in Afrika, mit dem negative Auswirkungen des Erdöl- und -gasabbaus vor der Küste Mauretaniens auf die Meereslebewesen überwacht werden. Das Projekt kann dabei auch indirekt nachweisen, ob seitens der Industrie geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Verschmutzung und Beschädigung des marinen Ökosystems umgesetzt werden.

Eine Million Menschen, ein Drittel der Bevölkerung des Landes, lebt an der Küste Mauretaniens. Der Erhalt der Fischerei ist wesentlich für die Ernährung dieser Menschen. Der Schutz der Meere vor Schadstoffen ist ebenso wie die nachhaltige Nutzung der Ressourcen ein entscheidender Faktor für die Zukunft des Landes. Neben dem Forschungsprojekt unterstützt die Bundesregierung darum auch das nachhaltige Management der natürlichen Ressourcen und die nachhaltige Fischerei.

Vorteile für alle

Seit dem 13. Jahrhundert kultivieren die Berberfrauen in Marokko den Arganbaum. Sie sammeln die Früchte, entfernen das Fruchtfleisch und pressen aus den kleinen Samen ein hochwertiges Öl, das in der traditionellen Medizin und in der Kosmetik verwendet wird.

Fortschritt aus uraltem Wissen

Dieses Öl wird inzwischen auch in Europa immer stärker nachgefragt, nicht zuletzt, nachdem neue Forschungsergebnisse  zeigen, dass das Öl sowohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch Falten vorbeugen könnte.

Damit die Berberfrauen, andere indigenen Völker und lokale Gemeinschaften weltweit von dem Gewinn aus der Vermarktung der natürlichen, genetischen Ressourcen ihres Landes und ihres Wissens über deren Nutzung profitieren, wurde das Access and Benefit Sharing (ABS) Konzept, übersetzt „Zugang und Vorteilsausgleich“, entwickelt. Ziel ist es, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, die den Zugang zu den natürlichen Ressourcen regeln und die lokale Bevölkerung gleichzeitig an den erzielten Gewinnen und dem durch weitere Forschung gewonnenen Wissen teilhaben zu lassen. ABS will damit auch Wege aus der Armut ermöglichen.

Den Frauen in Marokko ist es gelungen, das Arganöl auch in Europa anzubieten. Deutschland unterstützt die Frauenkooperativen mit Weiterbildungen und auf nationaler Ebene bei der Entwicklung einer Gesetzgebung, die diesen Zugang regelt.

Mekongdelta: Der Wald kehrt zurück

Der Wald kehrt zurück ins Mekongdelta

Der Steg aus Bambus ist nur einen halben Meter breit. Bei jedem Schritt quietscht und schwankt er ein wenig. Thach Soal geht den hölzernen Weg entlang und zeigt auf den Boden. "Bis 1992 standen hier Häuser", so der 66-jährige Bauer, "doch sie sind bei einem schweren Sturm zerstört worden."

Nichts deutet mehr darauf hin, dass es an dieser Stelle einmal Gebäude gab. Stattdessen wächst ein dichter Mangrovenwald mit bis zu zwei Meter hohen Pflanzen. Ihre fächerartigen Wurzeln haben sich tief in den Boden gegraben. Der etwa kniehohe Steg soll verhindern, dass Dorfbewohner auf dem Weg zum Meer die Wurzeln beschädigen.

Das Dorf Au Tho B in Vietnams Mekongdelta ist Schauplatz eines Feldversuchs. Dabei sollen Mangroven das Voranschreiten des Meeres stoppen und das dahinterliegende Land schützen. Nationale und lokale Behörden sowie die Anwohner der betroffenen Küstendörfer sind daran beteiligt. Die Region ist vom Klimawandel besonders stark bedroht. Der Weltklimarat hat Vietnam sogar als eines der am stärksten betroffenen Länder überhaupt identifiziert.

Vom Klimawandel bedrohte Region

Weite Teile des Mekongdeltas liegen weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel. Sein Ansteigen und die immer häufiger auftretenden Wetterextreme gefährden die Region zunehmend. Wenn bei hohen Fluten oder Stürmen Meerwasser auf die Felder spült, werden diese auf Jahre hin unbrauchbar – und das in der drittgrößten Wirtschaftsregion Vietnams, einem wichtigen Anbaugebiet für Reis. Auch die Bevölkerungsdichte ist hoch: Rund ein Fünftel der Einwohner des Landes lebt hier, etwa 17 Millionen Menschen.

Die schützenden Mangroven endeten häufig als Brennholz. Vietnams Behörden sind sich des Problems seit langem bewusst. Bereits in den 1990er Jahren begannen sie, zerstörte Mangrovenwälder entlang der Küste wiederaufzuforsten. In Au Tho B war von dem natürlichen Wald, der sich in diesem Teil Vietnams einmal nahezu entlang der gesamten Küste erstreckte, seinerzeit nichts mehr übrig. Doch die neu angepflanzten Mangroven hatten es schwer. "Die Leute haben damals keine Rücksicht genommen", sagt Thach Soal. Viele von ihnen hätten, obwohl es verboten war, die Mangroven gefällt und als Brennholz genutzt oder auf dem Markt verkauft. Die Folge: Der Mangrovenwald blieb dünn und konnte dem immer weiter voranschreitenden Meer kaum etwas entgegensetzen.

Deutsches Engagement

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verfolgt seit 2011 einen anderen Ansatz: Die lokale Bevölkerung wird in die Bewirtschaftung der Mangroven direkt eingebunden.

Die Bewohner der Küstendörfer, die an der Wiederaufforstung beteiligt sind, erhalten privilegierten Zugang zu dem Mangrovenwald. Nur sie dürfen in ihm totes Holz sammeln und Krabben, Fische und andere Meerestiere fangen. Gleichzeitig ist es die kostengünstigste Art, den Wald zu bewirtschaften.

In Au Tho B hat dieser Ansatz offensichtlich funktioniert: "Uns ist jetzt klar, dass wir davon profitieren, wenn wir den Wald gemeinsam schützen, daher machen wir das von uns aus", sagt Thach Soal, der wie viele Bauern der Region auf seinem Land unter anderem Zwiebeln und Chilischoten anbaut. Er ist Sprecher einer Gruppe, die sich mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gegründet hat, um die Bewirtschaftung der Mangrovenwälder zu organisieren. Die Gruppe ist offen für alle Dorfbewohner. Um Mitglied zu werden, müssen Interessierte sich allerdings verpflichten, an den regelmäßigen Treffen teilzunehmen und die Regeln für den Mangrovenschutz einzuhalten.

Erfolge

"Seit dem Beginn des Projekts hat sich unser Einkommen um etwa 60 Prozent erhöht", sagt Thach Soal. Der Erlös aus dem Verkauf der Fische und Krabben und des gesammelten Holzes ist deutlich gestiegen.

An den Herausforderungen durch den Klimawandel wird sich so schnell nichts ändern. Zwar habe es in der Region schon seit 1997 keinen schweren Sturm mehr gegeben, erzählt Thach Soal. Starke Fluten kämen aber immer wieder vor. Die Sorge der Bauern, dass dabei Salzwasser auf die Felder drängt und den Boden schwer beschädigt, ist nun deutlich kleiner. "Wir hören nachts manchmal, wie die Wellen gegen die Mangroven schlagen – das ist richtig laut. Angst vor dem Wasser haben wir aber nicht mehr."

Im Fokus: Karibik

Erhalt der biologischen Vielfalt in der Karibik – an Land und zur See

Der natürliche Reichtum in der Karibik ist einzigartig. Die Vereinten Nationen nennen die Staaten der Region eine "Supermacht der biologischen Vielfalt". Aber diese Vielfalt ist in Gefahr, denn ihr Erhalt findet oft nicht genug Beachtung. Durch ihre Lage am Rand des stürmischen Atlantiks ist die Inselwelt zudem von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen.

Ein ehrgeiziges Projekt mit Unterstützung der Bundesregierung setzt sich für den Erhalt dieser Vielfalt ein.

Eine gefährdete Region

Extreme Wetterereignisse nagen buchstäblich an den Küsten der vielen, oft kleinen Inseln. Unwetter und Überflutungen zerstören nicht nur Straßen und Häuser, sondern auch landwirtschaftliche Flächen. Seit 1980 sind zudem ein Drittel der Korallenriffe vor den Inseln verschwunden, eine wichtige natürliche Barriere gegen Brandung und Sturmfluten.

Einkommen aus dem Wasser

Auch einer der traditionellen Haupterwerbsquellen der Inselwelt, die Fischerei, ist von der Zerstörung der Riffe betroffen. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Doch Überfischung und ungeklärtes Abwasser gefährden diese einzigartige Unterwasserwelt, die vielen Menschen dort als wichtige Lebensgrundlage dient und Touristen aus aller Welt anlockt. Eine intakte Natur ist eine der wichtigsten Attraktionen der Karibik und sichert vielen Menschen Arbeit und Auskommen.

Ganzheitlich handeln

Land und See bilden in der Karibik eine Einheit. Deshalb verfolgt das Vorhaben Caribbean Aqua-Terrestrial Solutions (CATS), auf Deutsch "Karibische Wasser- und Landlösungen", das Ziel, die Natur ganzheitlich zu schützen. Das Ridge-to-Reef-Konzept – von den Regenwäldern in den Bergen bis zu den Korallenriffen im Meer – berücksichtigt die Wirkung von nachhaltiger Landwirtschaft und Waldnutzung einschließlich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung auf die Ökosysteme an Land und im Meer.

Gemeinsam biologische Vielfalt schützen

Die Regierungen von acht karibischen Ländern arbeiten gemeinsam mit Vertretern der einheimischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft und mit Unterstützung der Bundesregierung an diesem Programm. Gemeinsames Handeln zum Schutz der biologischen Vielfalt ist dringend nötig, aber auch nicht einfach herzustellen. Denn die karibischen Staaten verteilen sich über fast drei Millionen Quadratkilometer, die achtfache Fläche Deutschlands. Rund 40 Millionen Menschen leben hier auf über 7.000 Inseln, mit ganz unterschiedlichen Traditionen, Verwaltungsstrukturen und wirtschaftlichen Interessen.

Meer und Land gehören zusammen

Der wichtigste Wirtschaftszweig in der Karibik war traditionell die Landwirtschaft, die heute Nummer zwei nach dem Tourismus und deshalb immer noch zentral für die Menschen dort ist. Gleichzeitig spielen Land- und Forstwirtschaft eine Schlüsselrolle für die biologische Vielfalt. Sie schützen vor Bodenerosion und sind dafür verantwortlich, wenn schädliche Düngemittel über Bäche und Flüsse in die vorgelagerten Küstenzonen und marine Schutzgebiete gelangen. Die Bundesregierung unterstützt die Gegend deshalb auch dabei, die Praktiken in der Landwirtschaft auf Nachhaltigkeit umzustellen, einschließlich wassersparender Bewässerungsmethoden oder Maßnahmen für eine höhere Wasserqualität.

Meeresschutzgebiete

Als Teil des Programms entstehen gemeinsam mit Anwohnern und Behörden auch Meeresschutzgebiete. Im Inselstaat Saint Lucia begann 2014 ein gemeindebasiertes Pilotprojekt zum Schutz von Lederschildkröten, die an der Atlantikküste ihre Eier ablegen. Neben dem Artenschutz erhalten die Menschen vor Ort neue Perspektiven: Wenn sie vorher von der Wilderei lebten, widmen sie sich nun als ausgebildete Wildhüter dem Schutz der Schildkröten.

Mit Erfolg: Es wird deutlich weniger gewildert, die Schutzgebiete ziehen umweltbewusste Touristen an und die Bevölkerung vor Ort erschließt sich neue Einkommensquellen: in Hotels, der Gastronomie, in Transportunternehmen oder in der Landwirtschaft, weil die Besucher auch versorgt sein wollen.

Vielfalt kennen und schätzen lernen

Damit das Programm langfristig Erfolge zeigt, sind auch die Jüngsten beteiligt: Schulen greifen das Thema Nachhaltigkeit im Unterricht auf. In "Summer School Camps" werden Schülerinnen und Schüler mit dem Konzept von marinen Schutzgebieten vertraut gemacht. Dazu gehören auch Schwimm- und Schnorchelkurse im Korallenriff. Das ist ein großes Vergnügen – und vermittelt wertvolles Wissen um die Schätze der Natur vor der eigenen Haustür.