Im Fokus: Karibik

Erhalt der biologischen Vielfalt in der Karibik – an Land und zur See

Der natürliche Reichtum in der Karibik ist einzigartig. Die Vereinten Nationen nennen die Staaten der Region eine "Supermacht der biologischen Vielfalt". Aber diese Vielfalt ist in Gefahr, denn ihr Erhalt findet oft nicht genug Beachtung. Durch ihre Lage am Rand des stürmischen Atlantiks ist die Inselwelt zudem von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen.

Ein ehrgeiziges Projekt mit Unterstützung der Bundesregierung setzt sich für den Erhalt dieser Vielfalt ein.

Eine gefährdete Region

Extreme Wetterereignisse nagen buchstäblich an den Küsten der vielen, oft kleinen Inseln. Unwetter und Überflutungen zerstören nicht nur Straßen und Häuser, sondern auch landwirtschaftliche Flächen. Seit 1980 sind zudem ein Drittel der Korallenriffe vor den Inseln verschwunden, eine wichtige natürliche Barriere gegen Brandung und Sturmfluten.

Einkommen aus dem Wasser

Auch einer der traditionellen Haupterwerbsquellen der Inselwelt, die Fischerei, ist von der Zerstörung der Riffe betroffen. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Doch Überfischung und ungeklärtes Abwasser gefährden diese einzigartige Unterwasserwelt, die vielen Menschen dort als wichtige Lebensgrundlage dient und Touristen aus aller Welt anlockt. Eine intakte Natur ist eine der wichtigsten Attraktionen der Karibik und sichert vielen Menschen Arbeit und Auskommen.

Ganzheitlich handeln

Land und See bilden in der Karibik eine Einheit. Deshalb verfolgt das Vorhaben Caribbean Aqua-Terrestrial Solutions (CATS), auf Deutsch "Karibische Wasser- und Landlösungen", das Ziel, die Natur ganzheitlich zu schützen. Das Ridge-to-Reef-Konzept – von den Regenwäldern in den Bergen bis zu den Korallenriffen im Meer – berücksichtigt die Wirkung von nachhaltiger Landwirtschaft und Waldnutzung einschließlich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung auf die Ökosysteme an Land und im Meer.

Gemeinsam biologische Vielfalt schützen

Die Regierungen von acht karibischen Ländern arbeiten gemeinsam mit Vertretern der einheimischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft und mit Unterstützung der Bundesregierung an diesem Programm. Gemeinsames Handeln zum Schutz der biologischen Vielfalt ist dringend nötig, aber auch nicht einfach herzustellen. Denn die karibischen Staaten verteilen sich über fast drei Millionen Quadratkilometer, die achtfache Fläche Deutschlands. Rund 40 Millionen Menschen leben hier auf über 7.000 Inseln, mit ganz unterschiedlichen Traditionen, Verwaltungsstrukturen und wirtschaftlichen Interessen.

Meer und Land gehören zusammen

Der wichtigste Wirtschaftszweig in der Karibik war traditionell die Landwirtschaft, die heute Nummer zwei nach dem Tourismus und deshalb immer noch zentral für die Menschen dort ist. Gleichzeitig spielen Land- und Forstwirtschaft eine Schlüsselrolle für die biologische Vielfalt. Sie schützen vor Bodenerosion und sind dafür verantwortlich, wenn schädliche Düngemittel über Bäche und Flüsse in die vorgelagerten Küstenzonen und marine Schutzgebiete gelangen. Die Bundesregierung unterstützt die Gegend deshalb auch dabei, die Praktiken in der Landwirtschaft auf Nachhaltigkeit umzustellen, einschließlich wassersparender Bewässerungsmethoden oder Maßnahmen für eine höhere Wasserqualität.

Meeresschutzgebiete

Als Teil des Programms entstehen gemeinsam mit Anwohnern und Behörden auch Meeresschutzgebiete. Im Inselstaat Saint Lucia begann 2014 ein gemeindebasiertes Pilotprojekt zum Schutz von Lederschildkröten, die an der Atlantikküste ihre Eier ablegen. Neben dem Artenschutz erhalten die Menschen vor Ort neue Perspektiven: Wenn sie vorher von der Wilderei lebten, widmen sie sich nun als ausgebildete Wildhüter dem Schutz der Schildkröten.

Mit Erfolg: Es wird deutlich weniger gewildert, die Schutzgebiete ziehen umweltbewusste Touristen an und die Bevölkerung vor Ort erschließt sich neue Einkommensquellen: in Hotels, der Gastronomie, in Transportunternehmen oder in der Landwirtschaft, weil die Besucher auch versorgt sein wollen.

Vielfalt kennen und schätzen lernen

Damit das Programm langfristig Erfolge zeigt, sind auch die Jüngsten beteiligt: Schulen greifen das Thema Nachhaltigkeit im Unterricht auf. In "Summer School Camps" werden Schülerinnen und Schüler mit dem Konzept von marinen Schutzgebieten vertraut gemacht. Dazu gehören auch Schwimm- und Schnorchelkurse im Korallenriff. Das ist ein großes Vergnügen – und vermittelt wertvolles Wissen um die Schätze der Natur vor der eigenen Haustür.