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Biodiversität schützen – Überleben sichern

Beispiel Tansania

Ohne Vielfalt keine Entwicklung

Biologische Vielfalt gilt als Voraussetzung für intakte und funktionsfähige Ökosysteme. Diese bieten Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und bilden unsere natürliche Existenzgrundlage: Sie liefern Nahrungsmittel, Baumaterialien, Energiequellen und Wirkstoffe für Arzneimittel. Sie regulieren das Klima und sind wichtig für Bodenbildung, Nährstoffkreislauf und sauberes Trinkwasser. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist daher unverzichtbar für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung heutiger und künftiger Generationen. In Übereinstimmung mit den Zielen der Biodiversitätskonvention fördert die Bundesregierung deshalb in mehr als 30 Partnerländern Programme und Projekte zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf den Themen Meeresschutz und nachhaltige Fischerei.

Die Meeresökosysteme sind gefährdet

Die Weltmeere bedecken mehr als 70 Prozent unseres Planten. Sie prägen unser tägliches Leben. Die Ozeane erfüllen wichtige klimaregulierende Funktionen, sie sind der weltweit wichtigste Sauerstoffproduzent und binden einen erheblichen Teil des Kohlendioxids, das die menschliche Zivilisation erzeugt. Fisch ist ein Schlüsselelement bei der globalen Ernährungssicherung und der Bekämpfung von Mangelernährung und die Meere sind ein Motor der Weltwirtschaft. Zudem haben vergangene Katastrophen gezeigt, dass Mangrovenwälder und Korallenriffe Küstenbewohner vor den Auswirkungen des Klimawandels, wie Sturmfluten und Taifunen schützen. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Küstenregionen, im Jahr 2020 werden es voraussichtlich knapp zwei Drittel sein.

Überfischung, Verschmutzung und Klimawandel

Dennoch steuert die Welt im Bereich Meere auf eine weitere Krise zu. Gründe sind eine unkontrollierte Küstenentwicklung, Überfischung, Verschmutzung und der Klimawandel.

Artenreiche Meeres- und Küstenlebensräume wie Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe werden durch Abholzungen, zerstörerische Fischereipraktiken und andere Eingriffe massiv beeinträchtigt. Dazu kommt, dass weltweit nur 3,4 Prozent der Meeresgebiete unter Schutz gestellt sind – und dieser Schutz existiert oft nur auf dem Papier. Dies reicht bei Weitem nicht aus, um das im Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt vereinbarte Ziel zu erreichen, mindestens zehn Prozent der Meeresgebiete bis 2020 wirksam zu schützen.

Neben der Artenvielfalt sind auch die Fischbestände und damit die Lebensgrundlage vieler Fischerfamilien bedroht. Heute gelten 90 Prozent der weltweiten Fischbestände als überfischt oder bis an die Grenze der Nachhaltigkeit ausgebeutet.

Zudem nimmt die Verschmutzung der Meere durch Müll weltweit dramatisch zu. Riesige Mengen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Meeren. Darunter leiden Ökosysteme auf hoher See ebenso wie an der Küste und beeinträchtigt Fischerei und Tourismus.

Die durch den Klimawandel bedingte Erwärmung und Versauerung der Meere belastet empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe. Bereits heute sind 67 Prozent der Korallenriffe weltweit ernsthaft gefährdet. Zusätzlich sind der Anstieg des Meeresspiegels und häufiger auftretende Extremwettereignisse eine ernstzunehmende Gefahr für die Küste und ihre Bewohner.

10-Punkte-Aktionsplan zum Meeresschutz

Um dieses hoch aktuelle Thema weiter voran zu bringen hat das BMZ einen 10-Punkte-Aktionsplan zum Thema Meeresschutz erstellt, der als Leitlinie des Deutschen Engagements im Bereich Meere fungieren soll.

Wir wollen:

  1. Mehr und besser verwaltete Meeresschutzgebiete schaffen
  2. Nachhaltige handwerkliche Fischerei und Aquakultur fördern
  3. Nachhaltige und sozialverantwortliche Verarbeitung und Vermarktung von Fisch fördern
  4. Partnerländer bei der Bekämpfung illegaler, ungemeldeter und unregulierter Fischerei unterstützen
  5. Strategische Partnerschaften mit der Wirtschaft aufbauen
  6. Partnerländer bei der Reduzierung der Meeresverschmutzung unterstützen
  7. Strategien zum Umgang mit möglichen irreversiblen Schäden von Meeres-Ökosystemen entwickeln
  8. Küstenregionen bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen
  9. Frühwarnsysteme für die Folgen des Klimawandels ausbauen
  10. Länder- und themenübergreifende Kooperationen unterstützen

10-Punkte-Aktionsplan: Meeresschutz und nachhaltige Fischerei - jetzt lesen (PDF 1 MB, barrierefrei)

Deutsches Engagement für Meeresschutz und nachhaltige Fischerei

Deutschland liegt mit diesem Engagement auch in der internationalen Debatte am Puls der Zeit, denn das Thema Meere ist in der globalen Agenda immer stärker vertreten: Den Ozeanen und Meeren ist in der Agenda 2030 ein eigenständiges Ziel, das SDG 14, gewidmet. Darüber hinaus spielen die Meere und Küsten eine entscheidende Rolle für die Erreichung weiterer Nachhaltigkeitsziele wie das Ziel zur Beseitigung der Armut und das Ernährungssicherungsziel.

Das BMZ hat die Relevanz der Problematik ebenfalls als besonderes Thema gewählt und fördert darum Vorhaben im Bereich Meeres- und Küstenschutz und nachhaltiger Fischerei mit aktuell rund 180 Millionen Euro (Stand: Mai 2016). Damit leistet das BMZ einen Beitrag zur Lösung der beschriebenen Probleme, und damit zur Umsetzung wichtiger internationaler Politikziele und -instrumente wie zum Beispiel dem Kodex für verantwortungsvolle Fischerei der Welt-Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation (FAO), der Konvention über die biologische Vielfalt, den Zielen der Klimarahmenkonvention wie die Anpassung an den Klimawandel und den unter deutscher Präsidentschaft getroffenen Vereinbarungen des G7-Aktionsplans zu Meeresmüll. Auch der G20-Gipfel – ebenfalls unter deutscher Präsidentschaft – wird sich im Juni 2017 mit diesem Thema beschäftigen.