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Soziale und ökologische Aspekte

Reduktion von "Gas Flaring"

Das Abbrennen von Erdölbegleitgas durch eine horizontale Fackel

Im Tätigkeitsfeld „Reduktion von Gas Flaring“ bearbeitet das Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung einen Schwerpunkt im Spannungsfeld der Produktion fossiler Energierohstoffe, der Energieeffizienz und des Klimaschutzes: das Abfackeln von Erdölbegleitgas (EBG). Bei diesem Vorgang wird Erdgas im Rahmen der Erdölförderung und -veredelung beständig verbrannt. EBG tritt als Nebenprodukt bei der Produktion von Erdöl auf und bleibt oftmals technologisch wie ökonomisch ungenutzt. Dies ist meist eine Folge der Lage von Erdölförderstätten, die sich oft in abgelegenen Gebieten mit mangelhafter Infrastrukturanbindung oder auf offener See (engl. = „offshore“) befinden. Hohe Investitionskosten zum Aufbau der Infrastruktur behindern die wirtschaftliche und effiziente Nutzung des Erdölbegleitgases. Als Konsequenz gelangen durch Gas Flaring jährlich Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre.

Neben Flaring kann das EBL auch abgeblasen (engl. = „venting“) werden. Bei dieser Praxis wird das Gas unverbrannt in die Atmosphäre entlassen. Sowohl „Flaring“ als auch „Venting“ haben klimaschädigende Wirkungen, da EBG größtenteils aus Methan besteht, das bei der Verbrennung zum Großteil in CO2 umgewandelt und emittiert wird. Abblasen stellt in diesem Kontext jedoch einen noch stärkeren Einfluss dar, da die Treibhauswirkung des nicht verbrannten Methans im Vergleich zu CO2 um etwa das 25-fache höher liegt. Beim „Gas Flaring“ handelt es sich um die gängigere Praxis, während „Venting“ zumeist auf Ausnahmesituationen beschränkt bleibt. Neben CO2 und Methan gelangen durch Abfackeln von EBG winzige Rußpartikel (engl. = „Black Carbon Matter“) in die Atmosphäre, welche sich unter anderem in der Arktis absetzen. Studien zufolge wird geschätzt, dass über 42% der Rußpartikel in der Arktis durch Gas Flaring verursacht wurden. Dort trägt die durch Rußpartikel verursachte Absorption der Sonneneinstrahlung zur Erwärmung der Arktis bei.

Im Jahr 2016 wurden nach Angaben der Global Gas Flaring Reduction Partnership (GGFR) weltweit schätzungsweise 149 Milliarden m³ EBG abgefackelt. Damit überstieg die abgefackelte Menge den gesamten Erdgasverbrauch Afrikas (2015: 129,3 Milliarden m³). Gleichzeitig entstehen durch neue Technologien verbesserte Nutzungsmöglichkeiten, welche es erlauben kleine Mengen an EBG zur Stromerzeugung heranzuziehen und zur Versorgung von abgelegenen Gemeinden oder von energieintensiven Industrien einzusetzen. Neben der Stromproduktion könnte das Gas durch Re-Injektion in die Erdöllagerstätte, zur Herstellung von Flüssiggas genutzt werden oder als Ausgangsprodukt für die petrochemische Industrie Verwendung finden. Die Herstellung von Propangas aus EBG zum Kochen ist aus entwicklungspolitischer Sicht besonders interessant, da gleichzeitig ein Beitrag zur Reduktion des gesundheitsschädlichen Kochens über dem Feuer geleistet werden kann. Die Nutzung des EBG eröffnet somit neben einer Verringerung der Treibhausgasemissionen auch wirtschaftliche und entwicklungspolitische Chancen.

Das Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung identifiziert und quantifiziert im Themenbereich „Gas Flaring“ bestehende Fehlentwicklungen mit der Regulierung von Gas Flaring, um darauf aufbauend Wege aufzuzeigen, wie das Abfackeln durch anderweitige Nutzung des EBG reduziert werden kann. Im ersten Schritt werden Potentiale der Technischen Entwicklungszusammenarbeit erfasst, welche sich im Bereich Reduktion von Gas Flaring in Kooperation mit Partnerländern ergeben. Hierbei wird auf eine Vielzahl erprobter Verfahren und Methoden zurückgegriffen, die im technologischen, ökonomischen und regulatorischen Kontext erfasst und bewertet werden müssen. Das Projekt orientiert sich an dem bestehenden Rahmen der GGFR, der Weltbank und den individuellen klimaschutzpolitischen Zielen der möglichen Partnerländer im Zuge des Pariser Klimaschutzabkommens.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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