Women in Tech Grazia Vittadini

Wenn man in der Luftfahrt arbeitet, ist der Himmel nicht die Grenze. Als junges Mädchen, das mit ihren Freunden Fußball spielte und über matschige Felder rutschte, hatte Grazia Vittadini keine Ahnung, dass sie eines Tages eine führende Rolle in einem Unternehmen spielen würde, das jährlich 67 Milliarden Euro verdient und die Luft- und Raumfahrtindustrie dominiert.

Gra­zia Vit­ta­di­ni, Tech­ni­sche Di­rek­to­rin Air­bus, Frank­reich/Ita­li­en

Grazia Vittadini, Technische Direktorin Airbus, Frankreich/Italien

Gra­zia Vit­ta­di­ni, Tech­ni­sche Di­rek­to­rin Air­bus, Frank­reich/Ita­li­en

Grazia Vittadini wuchs in Mailand auf und scherte sich wenig darum, was für junge Frauen als angemessen galt. Sie baute Flugzeugmodelle aus Holz, fuhr Motorräder und schraubte an ihnen herum. Zwar nahm sie später auch Ballett- und Musikunterricht, vergaß dabei aber nie die Worte ihrer Mutter: „Wenn du etwas wirklich willst, kannst du so gut wie alles erreichen.“

Grazia folgte ihren Träumen und griff buchstäblich nach den Sternen. Nach ihrem Studium an der Polytechnischen Universität Mailand arbeitete sie als Ingenieurin. Bei Airbus stieg sie die Karriereleiter stetig hinauf, bis sie das erste weibliche Vorstandsmitglied und Technische Direktorin der Firma wurde – in einer Branche, in der weltweit lediglich 17 Prozent aller beschäftigten Ingenieure Frauen sind.

Die einzigen Grenzen sind die, die wir uns selbst auflegen.
Grazia Vittadini

In einem Sitzungssaal mit 16 Anzugträgern „gibt es viele unterschiedliche Reaktionen auf die einzige weibliche Führungskraft“, erzählt sie. „Sei es, dass die anderen Führungskräfte dich für eine Assistentin halten, oder dass sie verunsichert sind, wie sie mit dir umgehen sollen.“

Überall würden starke, intelligente Frauen für ihren Ehrgeiz kritisiert. Durchsetzungsfähige Frauen gelten als emotional, dominant und herrisch, und man werfe ihnen vor, entweder zu weiblich zu sein oder eben nicht weiblich genug.

„Immer wieder kamen Frauen zu mir – Ingenieurinnen –, denen Coaches oder Kollegen gesagt hatten, sie seien 'zu freundlich' oder 'zu weiblich', dass sie weniger rosa und weniger Blümchen tragen sollten. Das hat man mir auch alles gesagt. Aber weißt du was? Wen schert es!“

Grazia sieht emotionale Verbundenheit als Stärke an und rät Frauen, derartiges Feedback nicht so ernst zu nehmen. Im Leben und auf der Arbeit „wird es immer Selbstzweifel und Angst geben. Es wird immer Leute geben, die dir sagen wollen, was du tun kannst und was nicht, und wie du dich ändern solltest. Ja, Feedback kann ein Geschenk sein, aber du kannst ein Geschenk auch ablehnen oder es beiseitelegen, ohne es dir zu sehr zu Herzen zu nehmen.“

Dass die Luft- und Raumfahrt nach wie vor eine Männerdomäne ist, sei nicht das Problem, meint Grazia. Die eigentliche Herausforderung liege darin, anders zu sein, und nicht dem „pale, male, Yale“-Stereotyp zu entsprechen. Das sollte junge Frauen aber niemals von einer Karriere in der Technikbranche abhalten: „Erfolg bedeutet, sich selbst besser zu kennen als jeder andere.“