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Umwelt- und Sozialstandards
in der Textilproduktion verbessern

Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, in der besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet wird
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

"Ein paar Cent Stundenlohn, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, das ist nicht nachhaltig. Oder mit anderen Worten: das kann so nicht weitergehen."

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Weltweit arbeiten mehr als 60 Millionen Menschen in der Textil- und Bekleidungsbranche, die meisten von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Wirtschaftszweig ist international stark verflochten, die Lieferketten sind komplex.

Der Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zur Entwicklung ist groß. Jedoch entsprechen in manchen Ländern die Produktions- und Arbeitsbedingungen noch nicht international definierten Umwelt- und Sozialstandards. (Siehe auch: Arbeitsbedingungen in der globalisierten Textilwirtschaft)

In vielen Produktionsländern gibt es noch immer 16-Stunden-Arbeitstage, Löhne, die kaum zum Leben reichen, Kündigung bei Schwangerschaft oder Krankheit und Verschmutzung von Luft und Wasser.

Die Sicherheitsmaßnahmen in den Textilfabriken sind oft ungenügend, was mit dem Einsturz der maroden Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch 2013 mehr als deutlich wurde. Damals starben über 1.000 Näherinnen und Näher. Eine solche Tragödie darf sich nicht wiederholen.

Deutsches Engagement

Deutschlands Entwicklungspolitik hat das Ziel, wirtschaftliches Wachstum zu fördern und zugleich weltweit menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen und den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Umwelt durchzusetzen.

Im Bereich der Textilwirtschaft setzt sich die Bundesrepublik auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Maßnahmen für Umwelt- und Sozialstandards ein:

Der Grüne Knopf – das Siegel für sozial und ökologisch produzierte Textilien

Der Grüne Knopf

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst nachhaltige Kleidung kaufen können, gibt es jetzt den Grünen Knopf: das staatliche Textilsiegel. Der Grüne Knopf zeichnet Textilien wie Kleidung, Bettwäsche oder Rucksäcke aus, die nach besonders anspruchsvollen Sozial- und Umweltstandards hergestellt wurden. Er wurde vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) ins Leben gerufen. 

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (rechts) stellt gemeinsam mit (von links) Christiane Schnura, Koordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), Antje von Dewitz, Geschäftsführerin der VAUDE Sport GmbH & Co. KG und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), den Aktionsplan des Textilbündnisses vor.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien

Am 16. Oktober 2014 wurde auf Initiative von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller der offizielle Startschuss für das Bündnis für nachhaltige Textilien gegeben. Es soll dazu beitragen, die soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit entlang der gesamten Textil-Lieferkette kontinuierlich zu steigern. Mit über 100 Mitgliedern, davon zwei Drittel Unternehmen, deckt das Textilbündnis rund die Hälfte des deutschen Textileinzelhandels ab.

Fabrikhalle in Bangladesch

Internationale Organisationen unterstützen

Deutschland setzt sich dafür ein, dass internationale Organisationen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds (IWF) und das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) im Dialog mit den Entwicklungsländern Umwelt- und Sozialstandards fördern. Insbesondere die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) wird von Deutschland unterstützt. Sie ist die federführende Institution zur weltweiten Durchsetzung der Kernarbeitsnormen.

Schulung von Näherinnen und Nähern in Bangladesch

Dialog mit den Partnerländern führen

Das BMZ fördert die Einführung und Anerkennung von Umwelt- und Sozialstandards in den Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Im Bereich der Textilproduktion gibt es entsprechende Programme zum Beispiel in Bangladesch, Pakistan und Kambodscha. Unter anderem werden die Regierungen dieser Länder bei der Ausgestaltung der Arbeits- und Umweltgesetzgebung beraten.

Frauen pflücken Baumwolle.

Mit der Wirtschaft kooperieren

Wenn es um die Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards geht, ist die Privatwirtschaft ein wichtiger Partner der Politik. Das BMZ arbeitet darum in vielfältiger Weise mit ihr zusammen. Im Rahmen von Kooperation zwischen deutscher Entwicklungszusammenarbeit und privaten Unternehmen werden zum Beispiel die Produktionsunternehmen in Entwicklungsländern dabei unterstützt, die Ziele des Textilbündnisses umzusetzen.

Näherinnen und Näher in einem Frauen-Café in Bangladesch

Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft

Bei der Einführung, Einhaltung und Kontrolle von Umwelt- und Sozialstandards in Entwicklungsländern spielen Nichtregierungsorganisationen eine wichtige Rolle. Sie verfügen meist über gute Kontakte zur Bevölkerung und genießen aufgrund ihrer Unabhängigkeit von staatlichen Stellen hohes Vertrauen. Sie nehmen Kontakt zum Beispiel zu den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf, organisieren Fortbildungen und Workshops und setzen sich in Betrieben und bei öffentlichen Stellen für die Belange der Belegschaft ein.

Kundin mit Einkaufstüten

Verbraucherinnen und Verbraucher aufklären

Durch ihr Konsumverhalten tragen deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher Mitverantwortung für die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie. Das heißt aber auch: Sie können durch bewusste Kaufentscheidungen dafür sorgen, dass nach und nach immer mehr umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte auf den Markt kommen. Dafür braucht es Transparenz – die Konsumentinnen und Konsumenten müssen erkennen können, unter welchen Bedingungen ihre Kleidungsstücke hergestellt wurden.

Bunte Garnrollen

"Wir machen jeden Tag Überstunden. In Spitzenzeiten arbeiten wir bis 2 oder 3 Uhr morgens. Obwohl wir erschöpft sind, haben wir keine andere Wahl. Wir können die Überstunden nicht ablehnen. Unser Grundlohn ist einfach zu niedrig."

Phan, 22-jährige Textilarbeiterin in Thailand
Hintergrund

Arbeitsbedingungen in der globalisierten Textilwirtschaft

Die Löhne, die in der Textilbranche gezahlt werden, reichen häufig nicht aus, um Miete, Essen, den Schulbesuch der Kinder oder eine ärztliche Versorgung der Arbeiterinnen und Arbeiter zu sichern. Selbst die gesetzlich festgelegten Mindestlöhne sind oft zu niedrig, um davon leben zu können. In Bangladesch erhalten ungelernte Näherinnen zum Beispiel nur einen Mindestlohn von ungefähr 85 Euro im Monat.

In Deutschland kostete eine Arbeitsstunde in der Bekleidungsindustrie im Jahr 2016 laut Angaben des Gesamtverbands der Textil- und Modeindustrie 32,00 Euro. In anderen EU-Ländern ist das Lohnniveau ähnlich. Aus Kostengründen werden viele Produktionsstufen in Niedriglohnländer in Asien oder Afrika verlagert.

Näher in einer Textilfabrik in Bangladesch

Textilfabrikantinnen und -fabrikanten in Asien sind oftmals aggressiven Einkaufspraktiken des internationalen, teilweise auch des deutschen Groß- und Einzelhandels ausgesetzt. Wenn sie die geforderten Preise und Liefertermine nicht einhalten können, besteht die Gefahr, dass sie ihre Aufträge an die Konkurrenz verlieren. Dieser Druck wird dann ebenso an die Beschäftigten weitergegeben: Sie müssen Überstunden leisten.

Viele Näherinnen und Näher arbeiten in solchen Situationen nicht nur 10 bis 12, sondern bis zu 16 Stunden am Tag. Trotz gesetzlicher Regelungen ist es in Spitzenzeiten üblich, dass an allen sieben Wochentagen gearbeitet wird. Krankheits- oder Urlaubsgeld gibt es nicht. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter arbeiten im Akkord und werden nach Stückzahl bezahlt. Verstöße gegen national oder international geltende Arbeitsrechtsbestimmungen werden selten verfolgt und bleiben somit oft ohne Konsequenzen.

Arbeiterin in einer Fabrik in Bangladesch

Die Vereinigungsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Sie ist in Artikel 20 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben. Und in Artikel 23 steht: "Jeder hat das Recht, zum Schutz seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten."

Wenn sich Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die die Baumwolle produzieren, beziehungsweise Arbeiterinnen und Arbeiter in Textilfabriken zusammenschließen, haben sie bessere Möglichkeiten für ihre Rechte und auch Lohnforderungen einzutreten. Gemeinschaftlich können sie erfolgreicher über Arbeitsbedingungen und Geschäftsbeziehungen verhandeln als allein. Aber oft kennen die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Rechte gar nicht.

In vielen Produktionsländern der Textilbranche sind Gewerkschaften in ihren Handlungsmöglichkeiten zusätzlich gesetzlich eingeschränkt. Es kommt häufig vor, dass Besitzerinnen und Besitzer von Plantagen und Textilfabriken Versuche der Belegschaft, sich zu organisieren be- oder verhindern. In einigen Ländern mit einem großen Textilsektor gibt es auch zunehmend informelle Beschäftigte, die nicht von der Arbeit der Gewerkschaften profitieren können.

Textilarbeiter in Jakarta, Indonesien, fordern menschenwürdige Arbeit für alle.

Große Baumwoll-Monokulturen werden unter Einsatz von Pestiziden vor Schädlingen geschützt. Die Gifte werden oft per Hand ausgebracht oder sogar von Flugzeugen auf die Felder gesprüht, während dort Menschen arbeiten. Wenn keine angemessene Schutzkleidung zur Verfügung gestellt wird, können gesundheitliche Schäden die Folge sein. Erkrankungen der Atemwege, der Haut, der Augen und des Nervensystems sind meist die Folge.

In vielen Textilfabriken werden Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz vernachlässigt. Bei der Verarbeitung von Stoffen werden zum Beispiel Chemikalien unsachgemäß eingesetzt, so dass schwere Krankheiten ausgelöst werden können. Gesundheitsgefährdend ist beispielsweise das Sandstrahlen von Jeans, die dadurch den modischen "Used Look" erhalten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter, die mit der Sandstrahltechnik arbeiten, tragen ein hohes Risiko, an einer lebensbedrohenden Staublunge (Silikose) zu erkranken. Trotz der Gefahren werden die Angestellten oft weder ausreichend im Umgang mit gefährlichen Substanzen geschult, noch steht ihnen entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung.

Arbeitsschutzmaßnahmen in einer vietnamesischen Textilfabrik

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil Sicherheitsstandards ignoriert werden. 2013 stürzte in Bangladesch in der Nähe von Dhaka das Rana Plaza, ein neunstöckiges Geschäfts- und Fabrikgebäude ein, in dem viele westliche Textilkonzerne produzieren ließen. Mehr als 1.100 Menschen starben, mehr als 2.000 wurden verletzt. Eine Untersuchung ergab, dass mehrere Geschosse des Gebäudes ohne Genehmigung errichtet worden waren. Außerdem wurden minderwertige Baumaterialien verwendet.

Nach dem Unglück wurde ein Entschädigungsfonds für die Opfer der Katastrophe eingerichtet, der von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verwaltet wird. Inzwischen sind die Entschädigungszahlungen abgeschlossen, mehr als 5.700 Opfer und Hinterbliebene haben finanzielle Unterstützung erhalten.

Beim Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes wurden mehr als 1.100 Menschen getötet, mehr als 2.000 wurden verletzt.

Wenn Umweltstandards fehlen oder ignoriert werden, hat das gravierende Folgen für die Natur und die Gesundheit der Menschen. Ein Beispiel dafür ist die Entsorgung von giftigen Chemikalien, die in Textilfabriken verwendet werden. Gelangen diese ins Abwasser, werden Flüsse und Gewässer in den Produktionsländern stark verschmutzt und die Gesundheit der einheimischen Bevölkerung bedroht.

Baumwollanbau führt ebenfalls vielerorts zu Umweltproblemen. Über die Böden der Baumwollfelder gelangen Pestizide ins Grund- und Trinkwasser. Der Anbau in riesigen Monokulturen sorgt außerdem dafür, dass die Böden auslaugen.

Rote Farbe aus der Textilindustrie wird in einen Fluss in Bangladesch geschüttet.
Jeans-Hosen auf einem Stapel
Mitmachen!

Tipps für verantwortungsvollen Kleidungskauf

Wer Kleidung kauft, trägt Mitverantwortung für die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern – und kann durch bewusste Kaufentscheidungen darauf Einfluss nehmen. 

Hier ein paar Tipps für den verantwortungsvollen Kleidungskauf:

  • Kaufen Sie in Läden, Versandhäusern oder über Internetportale, die sich auf ökologische und fair gehandelte Kleidung spezialisiert haben.
  • Achten Sie auf Gütesiegel, die die Einhaltung ökologischer und/oder sozialer Standards bestätigen. Dazu gehören zum Beispiel das Fairtrade-Siegel sowie die Label "GOTS" und "IVN Best". Wer sozial und ökologisch produzierte Mode kaufen möchte, sollte auf den "Grünen Knopf" (www.gruener-knopf.de) achten. Siegelinhaber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
  • Nutzen Sie das Internetportal www.siegelklarheit.de und die dazugehörige App "Siegelklarheit". Diese bewerten die Glaubwürdigkeit von Umwelt- und Sozialsiegeln für Textilien.
  • Kaufen Sie weniger, aber hochwertigere Kleidung, die länger als nur eine Saison hält.
  • Kaufen Sie Secondhand-Kleidung.
  • Informieren Sie sich und äußern Sie Ihre Meinung. Fragen Sie in Ihrem Lieblingsgeschäft oder bei Ihrer Lieblingsmarke nach, unter welchen Bedingungen die angebotene Ware hergestellt wird. Kein Unternehmen kann es sich auf Dauer leisten, die Wünsche der Kundinnen und Kunden zu ignorieren.
  • Vermeiden Sie Fehlkäufe, indem Sie sich bewusst darüber Gedanken machen, in welchen Farben, Formen und Materialien Sie sich erfahrungsgemäß am wohlsten fühlen.

Weiterführende Informationen

Deutschsprachige Informationen

Englischsprachige Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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