Hauptinhalt

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Eine Frau wird in einer Gesundheitsstation in Bujumbura, Burundi, zur Verwendung von Verhütungsmitteln beraten.

Sexualität und sexuelle Erfahrungen gehören zum Leben eines jeden Menschen.

Sich im Bereich der Sexualität und Familienplanung frei und ohne Zwang entfalten zu können, ist ein wichtiges Menschenrecht. Jede und jeder sollte selbstbestimmt darüber entscheiden können, ob und mit wem sie oder er sexuelle Beziehungen haben möchte, unabhängig von sexueller Orientierung und Identität.

Zu diesem Menschenrecht gehört auch, ein gesundes und befriedigendes Sexualleben führen zu können und dabei vor Diskriminierung, Missbrauch und sexuell übertragbaren Krankheiten geschützt zu sein. Alle Menschen haben zudem das Recht, frei zu bestimmen, ob, wann und mit wem sie Kinder haben wollen.

Voraussetzung dafür ist der Zugang zu Beratung und die Verfügbarkeit von modernen Verhütungsmethoden sowie weiteren Gesundheitsdiensten, die eine umfassende und professionelle Betreuung während Schwangerschaften und rund um die Geburt ermöglichen.

Demonstration einer Geburt auf der Geburtsstation des Nkhoma-Krankenhauses in Malawi, wo im sogenannten Skills Lab Hebammen und Geburtshelfer weitergebildet werden.
Hintergrund

Rechte für viele Menschen noch nicht gegeben

Die Menschenrechte im Bereich der Sexualität und Familienplanung sind bei weitem nicht für alle Menschen gesichert:

  • Täglich sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 830 Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Das sind mehr als 300.000 pro Jahr – 99 Prozent dieser Todesfälle ereignen sich in Entwicklungsländern.
  • Viele Schwangerschaften in Entwicklungsländern sind ungewollt. Insgesamt können dort schätzungsweise 214 Millionen Frauen ihren Bedarf an modernen Mitteln zur Familienplanung nicht decken.
  • In Folge von unzureichendem Zugang zu Familienplanung und sicherem Schwangerschaftsabbruch, entscheiden sich weltweit etwa 25 Millionen Frauen jährlich für eine nicht fachgerecht durchgeführte Abtreibung – oft mit schweren Konsequenzen für ihre Gesundheit und ihr Leben. Ein maßgeblicher Anteil der Müttersterblichkeitsfälle steht im Zusammenhang mit nicht fachgerecht durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika von einer Genitalverstümmelung betroffen sind.
  • Viele Mädchen und Frauen erleiden sexualisierte oder physische Gewalt – Schätzungen der WHO deuten darauf hin, dass weltweit mehr als ein Drittel aller Frauen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen damit machen.
  • In 68 Ländern sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften unter Strafe gestellt. In sechs dieser Länder kann sogar die Todesstrafe verhängt werden.
  • Weltweit heiraten jedes Jahr rund 12 Millionen Mädchen unter 18 Jahren, viele davon unfreiwillig. In 34 Ländern sind Kinderehen legal. In 93 Ländern sind Kinderehen mit Einwilligung der Eltern legal und in vielen weiteren werden sie akzeptiert.
  • 2018 infizierten sich täglich mehr als 4.500 Menschen neu mit dem HI-Virus. Besonders betroffen sind junge Frauen, Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, Menschen die Drogen nehmen, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und deren Klienten, Menschen in Gefängnissen und Personen mit Transgendergeschlechtlichkeit.
  • In vielen Ländern ist der Zugang zu Impfstoffen, die gegen sexuell übertragbare Infektionen mit den krebsauslösenden Humanen Papillomviren (HPV) oder Hepatitis-B-Viren schützen können, stark eingeschränkt.

Deutschland setzt sich für Selbstbestimmung und das Recht jedes Menschen auf sexuelle und reproduktive Gesundheit ein. Richtungsweisend für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sind das Aktionsprogramm der Kairoer Weltkonferenz von 1994 (PDF 8,4 MB, englisch) sowie die Ergebnisse des Guttmacher-Lancet Berichtes (englisch).

In Kairo entschied sich die Staatengemeinschaft von einem überwiegend bevölkerungspolitischen Ansatz, hin zu einem Ansatz, der sich am einzelnen Menschen und seinen Rechten orientiert.

Der Schutz dieser Rechte ist nicht nur wichtig für jede Einzelne und jeden Einzelnen. Er hat auch positive Wirkungen auf ganze Gesellschaften. So trägt umfassende Sexualaufklärung und der Zugang zu selbstbestimmter Familienplanung in der Regel auch zu geringeren Geburtenraten bei. Für viele Entwicklungsländer ist es eine große Herausforderung, ihrer wachsenden Bevölkerung gute Lebensbedingungen zu ermöglichen. Ein langsameres Bevölkerungswachstum kann für die Menschen in diesen Ländern die Chance auf eine bessere Zukunft erhöhen.

Gleichzeitig stellen junge Menschen eine große Ressource für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung dar. Gezielte Investitionen in Gesundheit, Bildung und Beschäftigung sowie Rechtssicherheit für junge Frauen und Männer ermöglichen eine nachhaltige Bevölkerungsentwicklung und die Chance für beschleunigtes wirtschaftliches Wachstum.

Verkauf von Kondomen an einem Kiosk in Bujumbura, Burundi
Internationale Zusammenarbeit

Weltweit für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Gemeinsam mit ihren Partnern hat sich die Bundesregierung intensiv dafür eingesetzt, dass die Stärkung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der entsprechenden Rechte in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 verankert wird (Sustainable Development Goals, SDGs). Dies ist in großen Teilen gelungen: Die Thematik wurde in SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) und in SDG 5 (Geschlechtergleichheit) aufgenommen.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Entwicklungsziels 3 zu Gesundheit liegt darauf, die Zahl der Todesfälle von Schwangeren, Müttern, Neugeborenen und Kindern weiter zu vermindern. Auch die Beendigung der HIV-Epidemie ist Teil des dritten Entwicklungsziels.

Das SDG 5 enthält ambitionierte Unterziele zur Gleichstellung von Frauen und Mädchen und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Dazu gehört, dass Praktiken wie die weibliche Genitalverstümmelung oder Kinderheirat beendet werden.

Die Bundesregierung setzt sich zusätzlich auch für Aspekte der sexuellen und reproduktiven Gesundheit ein, die nicht in die Ziele für nachhaltige Entwicklung aufgenommen wurden. Dazu gehören der Zugang von Jugendlichen zu umfassender Sexualaufklärung und die Beendigung jeglicher Diskriminierung wegen der persönlichen sexuellen Orientierung.

Weltweite Kooperation

Deutschland engagiert sich auf internationaler Ebene in verschiedenen Foren und Partnerschaften. Dazu gehören zum Beispiel die Partnerschaft für die Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern (Partnership for Maternal, Newborn and Child Health, PMNCH), die Initiative "Family Planning 2020" und die "Every Woman Every Child"-Kampagne des UN-Generalsekretärs.

Warnschild gegen HIV/Aids auf dem Schulhof einer staatlichen Mädchenschule in Abeokuta, Nigeria
Die Dorfeinwohner von Mahungo in Mosambik sprechen über Familienplanung

Große Fortschritte und vielversprechende Ansätze

Obwohl noch zahlreiche Herausforderungen bestehen, wurden in vielen Bereichen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit große Fortschritte erreicht.

Einige Beispiele:

  • Die Zahl der Todesfälle von Müttern in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt ist zwischen 1990 und 2015 um gut 44 Prozent gesunken. Dies wurde vor allem durch Verbesserungen beim Zugang zu Gesundheitsdiensten und zu professioneller Geburtsbegleitung erreicht.
  • Immer mehr Menschen erhalten Zugang zu Informationen über Methoden der Familienplanung und zu umfassender Sexualaufklärung. Zum Beispiel ist die Zahl der Nutzerinnen moderner Familienplanungsmethoden in den 69 ärmsten Ländern, die im Fokus der Anstrengungen von "Family Planning 2020" stehen, seit 2012 um 46 Millionen gestiegen (Stand: 07/2018).
  • Durch die Kombination von verschiedenen Präventionsmethoden und durch eine Ausweitung der sogenannten antiretroviralen Therapie von Infizierten wurde die Zahl der Neuinfektionen mit HIV und die Zahl der Todesfälle durch Aids stark verringert.

Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren hat die Fortschritte im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit möglich gemacht. Dazu gehören die Entwicklung von neuen oder wirksameren Medikamenten und Methoden zur Prävention, Diagnostik oder Behandlung, sowie ihre Verbreitung, genauso wie die Ausbildung von Fachkräften und andere Maßnahmen zur Stärkung von Gesundheitssystemen.

Wichtig ist auch eine gute und engagierte Regierungsführung, die Korruption und Ineffizienz minimiert, Bürger und Patienten beteiligt und die richtigen Ziele formuliert und konsequent verfolgt. Dabei dürfen sich die Bemühungen nicht auf den Gesundheitssektor beschränken, sondern müssen auch andere Bereiche einschließen. So hat insbesondere der Zugang von Mädchen zu Bildung vielfältige positive Wirkungen auf ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit und stärkt gleichzeitig ihre Rechte und Teilhabe.

Traditioneller Liebestanz in der Versammlungshalle im Dorf Merasa auf Borneo, Indonesien
Das tut Deutschland

Umfassendes Engagement für Selbstbestimmung und Gesundheit

Die Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, der Schutz entsprechender Rechte sowie der Zugang zu Informationen und Diensten der selbstbestimmten Familienplanung sind wichtige Ziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Dafür stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit Partnerländern jährlich 100 Millionen Euro über die Initiative "Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit" bereit. Zwischen 2011 und 2018 wurden so bereits mehr als 840 Millionen Euro vor allem für Maßnahmen zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften und zur Förderung sicherer Schwangerschaften und Geburten zugesagt.

Bisher wurden über die Initiative Aktivitäten in 57 Ländern durch bilaterale oder regionale Vorhaben gefördert. Das deutsche Engagement trug beispielsweise dazu bei, dass zwischen 2011 und 2018 rund 24 Millionen Paare durch moderne Verhütungsmittel dabei unterstützt wurden, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Die Initiative wurde bis mindestens 2023 verlängert.

Das BMZ unterstützt auch wichtige internationale Partner in diesem Bereich. Dazu zählt die Internationale Föderation für Familienplanung (International Planned Parenthood Federation, IPPF). Die Mitgliedsorganisationen dieses Dachverbands ermöglichen Menschen in 170 Ländern direkten Zugang zu Methoden der Familienplanung und zu Gesundheitsdiensten. Die IPPF ist international eine wichtige Stimme für das Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit.

Das BMZ unterstützt auch die Arbeit des Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) durch finanzielle Beiträge. 2019 erhielt der UNFPA 33 Millionen Euro.

Deutschland ist außerdem ein wichtiger Geber für große Gesundheitsfonds wie die Impfallianz GAVI oder den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Zwischen 2002 und 2018 hat Deutschland mehr als 2,66 Milliarden Euro eingezahlt und ist damit viertgrößter staatliche Geber des Globalen Fonds.

Für die Förderung der Kinder- und Müttergesundheit stellt Deutschland jährlich insgesamt mindestens 380 Millionen Euro bereit.

Apotheke in Segala, Mali
Zusammenarbeit konkret

Westafrika: Besserer Zugang zu Verhütungsmitteln

Die Mitgliedsstaaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) gehören zu den Ländern mit dem höchsten Bevölkerungswachstum und der höchsten Müttersterblichkeit weltweit. Die Menschen in dieser Region nutzen bisher noch deutlich seltener moderne Verhütungsmittel als zum Beispiel die Bevölkerung in Nord- oder Ostafrika.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die KfW Entwicklungsbank die Westafrikanische Gesundheitsorganisation (WAHO) deshalb dabei, die Versorgung mit Produkten zur Familienplanung zu verbessern. Dadurch können ungewollte Schwangerschaften vermieden, Geburtenabstände vergrößert und das Risiko der Übertragung von sexuell übertragbaren Infektionen, insbesondere HIV/Aids, verringert werden.

Die nationalen Ministerien können bei der WAHO die finanzielle Förderung von Verhütungsmitteln und Maßnahmen zur Unterstützung der Familienplanung beantragen.

Bisherige Erfolge

Durch die Unterstützung der WAHO konnten die staatlichen Einkaufszentralen für Medikamente und auch nichtstaatliche Akteure von fünf westafrikanischen Ländern Verhütungsmittel beschaffen und verteilen. Damit half die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, dass sich der Anteil der Nutzerinnen moderner Verhütungsmittel in Benin, Guinea-Bissau und Niger zwischen 2010 und 2015 mindestens verdoppelt hat.

Weiterführende Informationen

Hier finden Sie eine Auswahl von Links auf Dokumente und Internetseiten mit weiterführenden Informationen zum Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte.

Weiterführende Informationen zum Oberthema Gesundheit finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Thema HIV/Aids finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Thema Bevölkerungsdynamik finden Sie hier.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen