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Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung

Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

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Unsere Informationen zum Themenbereich Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung werden zurzeit grundlegend überarbeitet. Die aktualisierte Version finden Sie demnächst hier.


Auszubildende im Siripi Youth Skills Trainings Center in der Flüchtlingssiedlung Rhino in Uganda

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehören zu den Hauptursachen für die Armut weiter Bevölkerungskreise in Entwicklungs- und Transformationsländern. Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind weltweit mehr als 190 Millionen Menschen ohne Arbeit. Frauen und Jugendliche sind überproportional von Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung sowie schlechten Beschäftigungsbedingungen (Working Poor) betroffen – und das oft ohne jegliche soziale Absicherung.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat diese Probleme weiter verschärft. Die Welt steht vor der Herausforderung, in den nächsten zehn Jahren über 600 Millionen zusätzliche guter Jobs zu schaffen, um auch den neu auf den Arbeitsmarkt kommenden Jugendlichen menschenwürdige Beschäftigung bieten zu können.

Wirtschaftliche Entwicklung ist eine notwendige Voraussetzung für die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass die Gründe für die unzureichende Beschäftigungssituation vielfältig und landesspezifisch ausgeprägt sind: Sie umfassen sowohl Engpässe auf der Nachfrage- und Angebotsseite des Arbeitsmarktes als auch ineffektive Arbeitsmarktinstitutionen und ungünstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.

Defizite bei Angebot, Nachfrage und Vermittlung

Das Entwicklungspotenzial des Privatsektors – der Arbeitskraft nachfragt – wird häufig durch ein schlechtes Geschäfts- und Investitionsklima, beschränkten Zugang zu Kapital oder mangelnde Kapazitäten des öffentlichen Sektors beeinträchtigt. Arbeitnehmer – die Anbieter von Arbeitskraft – haben wiederum oft keinen ausreichenden Zugang zu Bildung. Die vorhandenen Qualifizierungssysteme sind zudem wenig leistungsfähig und nicht auf die Nachfrage der Wirtschaft ausgerichtet.

Die Vermittlungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt funktionieren zudem oft nur ungenügend: Arbeitsmarktinformationen werden nicht in ausreichendem Maße erhoben, die zuständigen Institutionen arbeiten ineffektiv. Dies führt dazu, dass trotz hoher Arbeitslosigkeit offene Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Bewerbern besetzt werden können.

Eine wirksame Beschäftigungsförderung muss daher in allen drei Bereichen ansetzen.


Der integrierte Ansatz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland unterstützt die Regierungen von Entwicklungsländern und auch internationale Organisationen dabei, beschäftigungsorientierte Entwicklungsstrategien zu entwerfen und umzusetzen. Dabei verfolgt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit einen integrierten Ansatz der Beschäftigungsförderung, der im Wesentlichen drei sich ergänzende Dimensionen umfasst:

  • Ansatz bei der Arbeitsnachfrage der Unternehmen: Schaffung neuer produktiver und menschenwürdiger Arbeitsplätze, vor allem durch wirtschaftspolitische Beratung, Privatwirtschaftsförderung und Finanzsystementwicklung
  • Ansatz beim Arbeitsangebot der Arbeitnehmer: Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitssuchenden durch berufliche Bildung und Qualifizierung, inklusive Programme für besondere Problemgruppen (zum Beispiel non-formale Trainingsangebote für benachteiligte Jugendliche)
  • Verbesserung der Abstimmung zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt durch effektive Berufsberatung und -orientierung, Arbeitsvermittlung und Arbeitsmarktinformationen 

Vor dem Einsatz dieser Werkzeuge muss untersucht werden, welche Hemmnisse für Beschäftigung in bestimmten Regionen und Teilmärkten eines Landes vorliegen. Dann können die Instrumente gezielt zur Aufhebung der Hemmnisse eingesetzt werden.

Mit der im Jahr 2015 verabschiedeten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung hat sich die Weltgemeinschaft als achtes Ziel gesetzt, "Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum" zu fördern. Dies spiegelt die Erkenntnis wider, dass Wirtschaftswachstum mit genügend hochwertigen und menschenwürdigen Arbeitsplätzen einhergehen muss. Beschäftigung ermöglicht vielfältige positive Wirkungen auf das Individuum sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und trägt zur Erreichung weiterer Ziele der Agenda 2030 bei.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit will nicht nur zu mehr Beschäftigung in den Kooperationsländern beitragen. Sie strebt auch an, die Qualität von Arbeit zu verbessern. Vor allem informell Beschäftigte arbeiten häufig unter gesundheitsschädigenden und gefährlichen Arbeitsbedingungen. Es fehlen angemessene gesetzliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, die eigenen Rechte zu vertreten. In der Regel reicht ihr Einkommen nicht aus, um ihnen und ihrer Familie eine menschenwürdige Existenz zu ermöglichen. Gemäß des ILO-Konzepts der menschenwürdigen Arbeit (Decent Work) strebt die deutsche Regierung daher neben der Beschäftigungsförderung immer auch die Stärkung von sozialer Sicherung, die Respektierung der Kernarbeitsnormen und einen verbesserten sozialen Dialog an.


Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung

Pro Jahr werden rund 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze gebraucht, um Afrikas Jugend Zukunftsperspektiven zu bieten. Gleichzeitig bieten Afrikanische Staaten zunehmend attraktive Perspektiven für Unternehmen und Investoren: Eine junge Bevölkerung, wachsende Verfügbarkeit von Arbeits- und Fachkräften, steigende Kaufkraft, neue Absatzmärkte und eine Einbindung in globale Wertschöpfungsketten.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich mit der Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung zum Ziel gesetzt, deutsche, europäische und afrikanische Unternehmen und Investoren bei ihrem Engagement in Afrika zu unterstützen.

Damit sollen 100.000 gute Arbeits- und 30.000 Ausbildungsplätze geschaffen sowie die Arbeitsbedingungen verbessert werden – als Beitrag zur Umsetzung des Marshallplans mit Afrika und des G20-Compacts with Africa.

Weitere ausführliche Informationen zur Sonderinitiative finden Sie hier.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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