Pazifik und Karibik: Zusammenarbeit konkret Klimaschutz in den kleinen Inselstaaten

Die kleinen Inselstaaten unter den Entwicklungsländern (Small Island Developing States, SIDS) sind von den Folgen des Klimawandels besonders bedroht. Mit deutscher Unterstützung helfen Initiativen im Pazifik und in der Ostkaribik den Inselstaaten bei der Umsetzung und Aktualisierung ihrer nationalen Klimabeiträge (NDCs).

Die Weltmeere bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche und enthalten etwa 97 Prozent des weltweit vorhandenen Wassers. Sie beherbergen einzigartige Lebensräume und sind Teil des globalen Wasser-, Energie- und Kohlenstoffkreislaufs. Die Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (IPCC) hat in ihrem jüngsten Bericht zum Thema Weltmeere (Externer Link) dargelegt, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf den Ozean eine Bedrohung für 65 Millionen Menschen in Küstenregionen und auf kleinen Inseln darstellen.

Zerstörte Gebäude nach einem Wirbelsturm im Inselstaat Dominica

Zerstörte Gebäude nach einem Wirbelsturm im Inselstaat Dominica

Zerstörte Gebäude nach einem Wirbelsturm im Inselstaat Dominica

Kleine Inselstaaten wie die Pazifikinseln und die Länder der Ostkaribik (Eastern Caribbean Countries, ECC) gehören zu den am frühesten und am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern, obwohl sie für weniger als ein Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Der Anstieg des Meeresspiegels in Verbindung mit häufigeren und stärkeren Extremwettereignissen wie zum Beispiel Tropenstürmen hat eine direkte Auswirkung auf die Ernährungssicherheit, Existenzsicherung und Gesundheit sowie das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger dieser Staaten.

In der Ostkaribik hat die Tropensturmsaison 2017 eine Spur der Zerstörung hinterlassen, insbesondere durch die Hurrikane Irma und Maria. Die Insel Dominica hatte viele Todesopfer und Schäden in Höhe von mehr als 226 Prozent des BIP (2016) zu beklagen. Durch den Wirbelsturm Maria wurden bei 98 Prozent der Gebäude auf der Insel die Dächer beschädigt. Die Landwirtschaft als lebenswichtiger Wirtschaftszweig des Landes war von flächendeckenden Zerstörungen betroffen.

Getragen von der Idee, mehr erreichen zu können, wenn die kleinen Inselstaaten zusammenarbeiten, ermöglichen Regionalinitiativen in der Pazifik- wie der Karibikregion es den jeweiligen Mitgliedsländern, besser mit den Herausforderungen des Klimawandels zurechtzukommen.

NDC-Finanz­initia­tive für die Karibik (NDCFI)

Dieselkraftwerk plus Solar-Photovoltaik- und Batterie-Hybrid-Anlage auf der Inselgruppe St.Vincent und die Grenadinen

Dieselkraftwerk plus Solar-Photovoltaik- und Batterie-Hybrid-Anlage auf der Inselgruppe St. Vincent und die Grenadinen

Dieselkraftwerk plus Solar-Photovoltaik- und Batterie-Hybrid-Anlage auf der Inselgruppe St. Vincent und die Grenadinen

Die „Caribbean NDC Finance Initiative (Externer Link)“ (NDCFI) ist eine gemeinsame Initiative der Kommission der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS) und der Regierung von Saint Lucia. Sie wird vom Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) unterstützt und unter dem Dach der NDC-Partnerschaft betrieben. Das BMZ unterstützt die NDCFI dabei, ihre Rolle als regionale Plattform zum Austausch von Erfahrungen und Wissen und zum Aufbau von Kapazitäten zum Thema NDC-Finanzierung auszubauen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Nutzung von Angeboten der Klimafinanzierung, der Verbesserung der Investitionsbedingungen, der Ermöglichung von wechselseitigem Austausch unter Betroffenen und der wirksamen Einbeziehung der Privatwirtschaft.

Im Mai 2021 hat die NDCFI die „Eastern Caribbean Solar Challenge“ auf den Weg gebracht. Mit diesem Leuchtturmvorhaben soll die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Technologien (Sonnenkollektoren) auf öffentlichen und privaten Gebäuden gefördert werden. Bei der Initiative sind staatliche Stellen, die Wirtschaft, Entwicklungspartner, Impact-Investoren und Haushalte aufgefordert, mit vereinten Kräften auf den Ausbau der Solarenergie in der Region hinzuwirken.

Regional Pacific NDC Hub

Regional Pacific NDC Hub: Vorstellung der Long-Term Strategy 2030

Regional Pacific NDC Hub: Vorstellung der Long-Term Strategy 2030

Regional Pacific NDC Hub: Vorstellung der Long-Term Strategy 2030

Die vom BMZ, Neuseeland und Australien finanzierte Anlaufstelle Regional Pacific NDC Hub (Externer Link) unterstützt die Inselstaaten im Pazifik beim Zugang zu den erforderlichen Daten, Mitteln und Fachkenntnissen für die Umsetzung ihrer NDCs. Sie soll damit zu einer kohlenstoffarmen und klimaresilienten Entwicklung in der Region beitragen.

Der Hub arbeitet derzeit für fünfzehn Mitgliedsstaaten, darunter Fidschi, die Marshallinseln und Tuvalu. Auf Unterstützungsanfragen dieser Mitglieder hin bietet er folgende Leistungen an:

  1. Unterstützung bei der Überarbeitung und Weiterentwicklung der NDCs
  2. Hebelfinanzierung zur Förderung der NDC-Umsetzung durch Investitionsplanung
  3. Beratung und technische Unterstützung für die Verzahnung der NDCs mit nationalen und regionalen Plänen und Prozessen
  4. Erarbeitung von Überwachungs-, Berichterstattungs- und Prüfungssystemen (MRV)
  5. Informations-, Wissens-, Lern- und Partnerschaftsmechanismen im Kontext der NDCs

Der Hub hat technische Unterstützung bei der Aktualisierung der NDCs von Tonga, Papua-Neuguinea, Vanuatu und Samoa geleistet. In Fidschi, Kiribati, Samoa, Tonga und Tuvalu war die Unterstützung des Hubs für Investitionsplanungen ein wichtiger Schritt zur Erschließung der für die Erreichung ihrer NDC-Ziele erforderlichen Klimafinanzierung. Palau hat eine Rechtsvorschrift zum Thema Energieeffizienz auf den Weg gebracht, die dafür sorgen soll, dass die Energieeffizienzziele aus dem NDC in die nationale Gesetzgebung einfließen. Zudem wurden die Salomonen Inseln, Marschallinseln, die Föderierten Staaten von Mikronesien, Fidschi, Cook-Inseln und Tonga bei der Ausarbeitung und Weiterentwicklung ihrer MRV-Systeme unterstützt.

Stand: 22.09.2022