Der Prozess des Klimarisikomanagements 1. Analyse und Bewertung von Klimarisiken

Die Basis des Klimarisikomanagements bilden umfassende und kontinuierliche Risikobewertungen. Mit der Identifizierung von Risiken (Risikoanalyse) und der darauf aufbauenden Bewertung des Ausmaßes der Auswirkungen wird die Grundlage dafür geschaffen, Handlungsbedarfe zu priorisieren und Optionen zu ermitteln, die möglichst viele der Risiken abdecken.

Die Verwendung von Vorhersagen zur zukünftigen Entwicklung des Klimas, der Wirtschaft oder demographischer Aspekte erlaubt es, bereits heute mit Risiken zu planen, deren Auswirkungen zukünftige Entwicklung hemmen könnten.

Unter anderem werden dafür Sektoren untersucht, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind und für die Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern die Lebensgrundlage sichern, zum Beispiel die Landwirtschaft, die Fischerei oder der Wassersektor.

Das BMZ hat vor diesem Hintergrund das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (Externer Link) (PIK) mit der Erstellung von umfassenden Klimarisikoanalysen für den Landwirtschaftssektor in ausgewählten Partnerländern in Subsahara-Afrika beauftragt. So wurden im Rahmen des AGRICA (Externer Link)-Projekts Climate risk analyses for adaptation planning in sub-Saharan Africa (Externer Link) bereits Klimarisikoanalysen für Äthiopien, Ghana, Burkina Faso und Niger sowie eine Distriktstudie für den Norden Ghanas vom PIK durchgeführt.

Video: Auswirkungen des Klimawandels auf den Agrarsektor in Ghanas Upper West Region

Standbild aus dem Video "Impacts of climate change on crop production in Ghana's Upper West Region"
Dieser Film bietet eine Momentaufnahme der Klimaauswirkungen auf den Agrarsektor in Ghanas Upper West Region (UWR). Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen sind infolge des Klimawandels häufiger und stärker aufgetreten und haben die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung und das Wirtschaftswachstum der Region beeinträchtigt. Dieser Trend wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aber wirksame Anpassungsstrategien können die lokalen Kleinbauern in die Lage versetzen, diese Herausforderungen besser zu bewältigen.

Die Klimarisikoanalysen stellen bestehende und zukünftige Klimarisiken für die Partnerländer dar und zeigen unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen für deren Landwirtschaft auf. Zusätzlich untersuchen die Studien die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels durch Kosten-Nutzen-Analysen von konkreten Handlungsoptionen zur Klimaanpassung.

Auf Basis dieser umfassenden Informationen können Entscheidungsträgerinnen und -träger Risiken besser einschätzen und begrenzte Finanzierungsmittel gezielt für Maßnahmen zur Resilienz einsetzen. Im Rahmen der Klimarisikoanalysen arbeitet das PIK eng mit relevanten Partnerregierungen zusammen und bindet von Beginn an lokale Akteure und Wissen ein, um die Klimarisikoanalysen optimal an den lokalen Kontext anzupassen und Kapazitätsaufbau in den Partnerländern zu beitreiben.

Das PIK führt derzeit und wird zukünftig weitere Klimarisikoanalysen in Partnerländern in Subsahara-Afrika durchführen. Klimarisikoanalysen für Kamerun, Sambia und Uganda laufen gerade. Die zukünftigen Klimarisikoanalysen sollen den Ansatz auch auf weitere Themenfelder und Sektoren neben der Landwirtschaft, wie beispielsweise Wertschöpfungsketten, Gender (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Wasser, Entwaldung und Klimarisikofinanzierung, erweitern.

Darüber hinaus erstellt das PIK im Auftrag des BMZ Klimarisikoprofile auf Basis von Klima- und soziökonomischen Szenarien in vom Klimawandel besonders betroffenen afrikanischen Ländern (bereits fertiggestellt für Äthiopien, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Kenia, Kamerun, Madagaskar, Mali, Mauretanien, Niger, Sambia, Tansania, Tschad, Uganda und Senegal).

Die Klimarisikoprofile geben einen kurzen und prägnanten Überblick zu zusätzlich ausgewählten vulnerablen Schlüsselsektoren der Partnerländer: Neben der Landwirtschaft sind das auch Wasser, Infrastruktur, Ökosysteme und Gesundheit. Somit bieten sie großes Potenzial für das Mainstreaming (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von Klimaaspekten in die mittel- bis langfristigen Klima- und Entwicklungsstrategien der Partnerländer sowie eine fundierte Grundlage für die klimasichere Ausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.


Stand: 14.10.2022