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Wasser und Klima

Die Ngomeni-Talsperre im Mwingi-Distrikt, Kenia, die Hunderte Haushalte versorgt, trocknet nach Angaben von Anwohnern zum ersten Mal seit Jahren aus.

Wasser ist Leben – und für Menschen, Tiere, Pflanzen sowie jede Art von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung unerlässlich. Doch gerade beim Wasser zeigen sich die Folgen des Klimawandels ganz unmittelbar, besonders durch Wasserknappheit bei Dürren und durch Überschwemmungen als Folge von starkem Regen oder Flusshochwasser.

Bereits heute leiden etwa vier Milliarden Menschen mindestens einen Monat im Jahr unter schwerer Wasserknappheit. Dass bei der Erderwärmung jedes Grad zählt, bestätigt der 1,5-Grad-Sonderbericht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) aus dem Jahr 2018. Demnach wird sich die Anzahl der Menschen, die unter zusätzlicher Wasserknappheit durch den Klimawandel leiden, voraussichtlich verdoppeln, wenn die globale Temperatur nicht um 1,5 Grad, sondern um zwei Grad Celsius steigt. Bis 2050 könnte die Nachfrage nach Wasser um 55 Prozent steigen und so den Druck auf die Ressource noch weiter erhöhen. Besonders Städte werden betroffen sein, denn ihnen werden zwei Drittel des heute noch verfügbaren Wassers fehlen.

Gleichzeitig leiden Teile von Mittelamerika und Asien bereits heute unter extrem starken Regenfällen. Der Klimawandel wird diese Probleme vielerorts weiter verschärfen – sei es durch zu viel, zu wenig oder durch verschmutztes Wasser.

Die Ressource Wasser trägt aber auch selbst zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Die Aufbereitung von und Versorgung mit Trinkwasser sowie die Klärung von Abwasser benötigen viel Energie und setzen große Mengen an Treibhausgasen frei. Jedoch kann durch energieeffizientere Versorgungsnetze und einen umwelt- und klimaschonenden Umgang mit Abwasser und Klärschlamm der Ausstoß von Kohlendioxid und Methan erheblich eingeschränkt werden.

Auch Feuchtgebiete, die auf die ständige Versorgung mit sauberem Wasser angewiesen sind, müssen für den Schutz des Klimas unbedingt erhalten werden: Es wird geschätzt, dass Moore weltweit doppelt so viel Kohlenstoff speichern wie alle Wälder der Erde zusammen.

Infografik zum Thema "Wasser und Klima"

Eisschmelze und Ozeanerwärmung

Der Meeresspiegel steigt kontinuierlich an. Grund dafür sind schmelzende Eiskappen an den Polen. Gleichzeitig erwärmen sich durch den globalen Temperaturanstieg die Ozeane, die sich in der Folge immer weiter ausdehnen. Das bedroht nicht nur kleine Inselstaaten in ihrer Existenz, sondern auch viele Städte und Ökosysteme. Vor allem in Küstennähe sind sie verschiedenen Gefahren ausgesetzt, die das steigende Meer mit sich bringt.

Neben den polaren Eiskappen sind auch Gletscher in Hochgebirgen durch die Erderwärmung vom Abschmelzen bedroht, zum Beispiel in den Anden und im Himalaya. Ein Abschmelzen der Gletscher wirkt sich auf die Wasserressourcen und deren Nutzung in und unterhalb von Hochgebirgsgebieten aus. Gletscher spielen oft eine entscheidende Rolle für die Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung. Wenn diese natürlichen Wasserspeicher verschwinden, ist die Trinkwasserversorgung auf lange Sicht gefährdet. Zudem erhöhen sie das Risiko von Naturgefahren wie Hochwasserlawinen und Erdrutschen für Infrastruktur, Kultur, Tourismus und Freizeitanlagen.

Der 2018 veröffentlichte 1,5-Grad-Sonderbericht und der 2019 veröffentlichte Sonderbericht zu Ozeanen und der Kryosphäre (Eisflächen) des Weltklimarats (IPCC) bestätigen die weitreichenden Auswirkungen von Eisschmelze und Meeresspiegelanstieg für Mensch und Natur. In den gefährdeten tiefliegenden Küstenzonen sowie Gebirgs- und arktischen Regionen leben heute über 1,3 Milliarden Menschen. Bis 2050 werden es noch deutlich mehr sein.

Terrassierte Anbauflächen in Mali

Wasser in der nationalen Klimaplanung

Viele Entwicklungsländer setzen beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels gezielt auf das Thema Wasser: In den nationalen Klimabeiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs) zur Erreichung der Klimaziele von Paris ist Wasser der am häufigsten genannte Sektor, wenn es darum geht, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen.

Nehmen bestehende Wasserrisiken wie Dürren oder Überschwemmungen durch den Klimawandel noch dramatischere Formen an, kann dies zu Konflikten in einer Region führen. Seit 2013 zählt das Weltwirtschaftsforum daher Wasserrisiken und die Auswirkungen des Klimawandels zu den fünf wirkungsmächtigsten Risiken weltweit.

Ein nachhaltiges und ressourcenschonendes Wassermanagement kann sowohl dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen, als auch Klimarisiken zu minimieren. Dies müssen Länder in ihren NDCs verankern. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) unterstützt seine Partnerländer dabei, diese Ziele zu erreichen.

Bangladesch: Leben mit dem Klimawandel

Die BMZ-Wasserstrategie

Ziel der BMZ-Wasserstrategie ist unter anderem, das Potenzial des Wassersektors zur Erreichung der Klimaziele noch stärker zu nutzen und klimabedingte Wasserrisiken zu reduzieren. Ergänzend zur Wasserstrategie hat das BMZ die Querbezugsstrategie Wasser, Umwelt, Klimawandel vorgelegt. Diese zeigt neben den verschiedenen Gemeinsamkeiten und Konflikten zwischen den drei Themengebieten auch konkrete Handlungsoptionen für den Wassersektor auf.

Wird Wasser geschützt und nachhaltig genutzt, etwa durch eine effizientere Nutzung oder den Ausbau von Wasserspeichern, sind betroffene Regionen besser gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet. Gleichzeitig können eine Wasserversorgung, die weniger Energie benötigt, sowie eine nachhaltige Abwasserklärung den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verringern.

Auch der Schutz von Feuchtgebieten trägt dazu bei, dass Kohlenstoff gespeichert und so nicht in die Atmosphäre ausgestoßen wird.

Kläranlage in Gaza
Deutsches Engagement

Wasserressourcen nachhaltig nutzen

Ein zentrales Anliegen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, dass auch unter veränderten klimatischen Bedingungen allen Menschen dauerhaft eine sichere Wasser- und Sanitärversorgung zur Verfügung steht. Das setzt voraus, dass Wasserressourcen nachhaltig bewirtschaftet werden.

Gesellschaften müssen sich an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen und lernen, mit Hochwasser und Dürren sowie mit schwankender Wasserverfügbarkeit besser umzugehen. Dazu gehört zum Beispiel, bei der Planung von Infrastruktur auch das Klima zu berücksichtigen.

Weitere erprobte Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel sind der gezielte Einsatz von Wasserspeichern, die zunehmende Klimaschwankungen ausgleichen, sowie ein grüner Überflutungsschutz durch eine artenreiche und widerstandsfähige Vegetation, die gleichzeitig Treibhausgase speichert.

Jedes Jahr unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Projekte im Wasserbereich mit durchschnittlich 400 bis 450 Millionen Euro. Damit gehört die Bundesrepublik zu den weltweit wichtigsten Geldgebern für Wasserprojekte, in Afrika ist sie sogar der größte. Im Jahr 2017 wurde fast ein Viertel der bilateralen BMZ-Finanzierung in die Anpassung an den Klimawandel im Wassersektor investiert.

Die Herausforderungen im Wassersektor sind allerdings so groß, dass staatliche Mittel allein dafür nicht reichen. Die Bundesregierung setzt daher auch auf die Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft, um höhere Summen für Investitionen zu mobilisieren.

Integriertes Wasserressourcen-Management

Deutschland folgt seit Langem den Grundsätzen des Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM). Das Konzept berücksichtigt die verschiedenen Interessen bei der Wassernutzung: ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und ökonomische Effizienz.

Auch in der BMZ-Wasserstrategie ist IWRM als Leitbild verankert. Die lokale Bevölkerung kommt dabei genauso zu ihrem Recht wie die örtliche Wirtschaft. Gleichzeitig gilt es, Ökosysteme nicht dauerhaft zu beschädigen.

Meist wirken die BMZ-Maßnahmen nicht nur den langfristigen Folgen des Klimawandels entgegen. Oft helfen sie den Menschen vor Ort bereits bei aktuellen Herausforderungen, die durch den Klimawandel noch dringlicher werden könnten. Hierzu zählt beispielsweise die Verbesserung der Wassernutzung in Dürreregionen.

Außerdem unterstützt das BMZ Partnerländer gezielt dabei, Informations- und Analysesysteme aufzubauen und Wassernutzungspläne zu entwickeln, um besser auf Veränderungen durch den Klimawandel reagieren zu können. Dabei fördert das BMZ vor allem Länder, die mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich veränderte Niederschlagsmuster und Temperaturen erleben werden. Dazu zählen insbesondere Länder in Nordafrika und im Nahen Osten, aber auch Burundi, Uganda und Sambia.

Feldarbeit in Nordkenia

Wechselwirkung Wasser – Energie – Ernährung

Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Wasser und Energie wird in den kommenden Jahrzehnten stark steigen. Damit erhöht sich auch der Druck auf die Ökosysteme und die natürlichen Ressourcen. Ursachen sind vor allem die wachsende Weltbevölkerung, ein weltweit steigender Lebensstandard und der Klimawandel.

Es braucht daher einen umfassenden Ansatz, der die Versorgung der Menschen sicherstellt. Das bedeutet, dass Nutzerinnen und Nutzer innerhalb der drei Sektoren Wasser, Energie und Landwirtschaft über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen müssen: Sie müssen in ihre Planungen und Entscheidungen auch die Interessen und Bedürfnisse anderer einbeziehen, die ebenfalls auf die Ressourcen angewiesen sind. Denn ohne Energie fährt kein Mähdrescher, ohne Wasser wächst kein Getreide.

Vor diesem Hintergrund nimmt die deutsche Entwicklungspolitik verstärkt die Wechselwirkungen, den sogenannten Nexus, zwischen den drei Sektoren Wasser, Energie und Landwirtschaft in den Blick. Ziel des deutschen Ansatzes ist es, dass Ressourcen möglichst nachhaltig und sparsam verwendet und so eingesetzt werden, dass allen Menschen ausreichend Wasser, Nahrung und Energie zur Verfügung steht. Die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser oder die Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft schonen beispielsweise die Frischwasserressourcen und helfen Menschen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien
  • Wiederherstellung des Oracheruvu-Speichers im Garida-Kaskadensystem während der Pilotphase im Dorf Choadavaram zur Bewässerung der umliegenden Felder
    Indien: Zusammenarbeit konkret

    Traditionelles Speichersystem wiederhergestellt

    Im Bundesstaat Andhra Pradesh im Südosten Indiens liegt die Gemeinde Vizianagaram. Herr Gadanna ist wie über 80 Prozent der Einwohner im Reisanbau tätig. Für eine ausreichende Wasserversorgung sind Bauern wie er von drei Flüssen abhängig.

  • Helikopter-gestützte Grundwassererkundung in Afrika
    Namibia: Zusammenarbeit konkret

    Natürliche Speicher sichern Wasserversorgung

    Gesteinskörper mit Hohlräumen können Grundwasser leiten und speichern. Diese sogenannten Grundwasserleiter sind daher eine fast ideale Lösung für eine klimaangepasste Wasserversorgung. Im südwestlichen Afrika wird diese Methode bereits erfolgreich angewandt.

  • Blick auf Kapstadt
    Südafrika: Zusammenarbeit konkret

    Kapstadts Weg zu sauberem Wasser

    Kapstadt leidet seit einigen Jahren unter einer akuten Wasserkrise. BMZ und KfW Entwicklungsbank unterstützen die Stadt auf ihrem Weg zu sauberem Wasser. Um die Kläranlagen im Stadtgebiet zu erneuern und zu erweitern, stellt die KfW 80 Millionen Euro zur Verfügung.

  • Nachhaltiger Ackerbau mit einem Tropfbewässerungssystem in Timor-Leste
    Timor-Leste: Zusammenarbeit konkret

    Bewässerungssystem als Antwort auf den Klimawandel

    Timor-Leste ist immer wieder von Dürren betroffen, die durch den Klimawandel weiter verstärkt werden. In der Gemeinde Lautem hat die Bevölkerung Wasserspeicher installiert und ein klimafreundliches solarbetriebenes Tropfbewässerungssystem aufgebaut.

  • Durch Verdunstung und Dürreperioden ist die derzeitige Trinkwasserversorgung in Tansania nicht mehr sicher.
    Tansania: Zusammenarbeit konkret

    Anpassung an die Folgen des Klimawandels

    In der Region Simiyu im Norden Tansanias, zwischen dem Victoriasee und dem Serengeti-Nationalpark, gibt es viel Wasser – zumindest während der Regenzeit. Doch die anschließende Trockenzeit dauert immer länger.

Wiederherstellung des Oracheruvu-Speichers im Garida-Kaskadensystem während der Pilotphase im Dorf Choadavaram zur Bewässerung der umliegenden Felder
Indien: Zusammenarbeit konkret

Traditionelles Speichersystem wiederhergestellt

Im Bundesstaat Andhra Pradesh im Südosten Indiens liegt die Gemeinde Vizianagaram. Herr Gadanna ist wie über 80 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in der Landwirtschaft tätig, vorwiegend im Reisanbau. Für ihre Versorgung sind Bäuerinnen und Bauern wie Gadanna von drei großen Flüssen abhängig. Doch die Flussgebiete sind starken Wetterextremen ausgesetzt, die durch den Klimawandel noch verstärkt werden könnten. In den vergangenen 30 Jahren hat die Gegend 18 schwere Hochwasser, elf Zyklone und acht Dürren erlebt.

Infolge der Naturkatastrophen werden Anbauflächen durch Erdrutsche und Hochwasser zerstört, in den regenarmen Zeiten trocknen die Felder aus. Bereits vor vielen hundert Jahren haben die Bewohnerinnen und Bewohner Wasserspeicher aus Lehmwällen entlang der Flüsse errichtet, um Regenwasser für trockene Monate zu speichern. Insgesamt wurden am Champavathi-Fluss über 3.500 solcher Speicher errichtet. Sie sind alle miteinander verbunden und bilden so eine zusammenhängende Kaskadenstruktur.

Viele der Speicher wurden jedoch im Zuge von Naturkatastrophen beschädigt und nicht wieder repariert. Dadurch hat das Kaskadennetz einen Großteil seiner Speicherkapazität verloren.

Herr Gadanna am Champavathi-Fluss

64.000 Arbeiterinnen und Arbeiter für die Renovierung der Speicher geschult

Seit 2016 unterstützt das BMZ mit einem Projekt der GIZ die Regierung von Andhra Pradesh dabei, die traditionelle Speicherstruktur wiederherzustellen.

Gemeinsam mit den Kommunalregierungen aus 350 Dörfern wurden mit Hilfe von Geoinformationssystemen (GIS) und dem Know-how der lokalen Bevölkerung die Grenzen der historischen Speicher nachgezeichnet. Das Projekt arbeitete zudem mit dem staatlichen Mahatma-Gandhi-Beschäftigungsprogramm zusammen, das ländlichen Familien bis zu hundert Tage Arbeit beschaffen soll. So konnten 64.000 Arbeiterinnen und Arbeiter für die Renovierung der Speicher geschult werden. Eine erste Pilotphase war erfolgreich. Nun sollen alle 124 Kaskadenstrukturen erneuert werden. Die Wartung soll künftig in der Hand von Nutzergemeinschaften liegen.

Für Herrn Gadanna ist die Wiederherstellung der Speicher von großem Vorteil: Während der Regenzeit schützen die Speicher seine drei Äcker vor Überflutung. Und dank der nun größeren Speicherkapazität kann er seine Felder während der Trockenzeit jetzt bis März statt bislang nur bis Dezember bewässern. Dies ermöglicht ihm eine doppelte Ernte im Jahr, denn neben Reis kann er nun auch Mais anbauen.

Dorfbewohnerinnen und -bewohner in Indien, die an einer Schulung zur Wiederherstellung der Wasserspeicher teilgenommen haben
Helikopter-gestützte Grundwassererkundung in Afrika
Namibia: Zusammenarbeit konkret

Natürliche Speicher sichern Wasserversorgung

Gesteinskörper mit Hohlräumen können Grundwasser leiten und verlustarm speichern. Diese sogenannten Grundwasserleiter (Aquifere) bieten daher bei nachhaltiger Nutzung sehr gute Lösungsansätze für eine klimaangepasste Wasserversorgung. Vor allem tiefe, langsam zirkulierende Grundwasserleiter, die durch extreme Niederschläge ausreichend wiederaufgefüllt werden, sind hierfür geeignet. Sie verteilen das Wasser über weite Räume und können es ohne große Verluste speichern.

Im südwestlichen Afrika wird diese Methode der Wasserversorgung im Ohangwena-II-Aquifer bereits erfolgreich angewandt. Der Grundwasserleiter erstreckt sich über die semi-ariden Gebiete Südangolas und Nordnamibias.

Im Auftrag des BMZ unterstützt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) das namibische Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Forst dabei, diese tiefen Grundwasserleiter zu erkunden und nachhaltig zu bewirtschaften.

Daten aus Fernerkundungen, geophysikalischen Messungen und Bohrungen bestätigten die Existenz eines riesigen Grundwasservorkommens. Für Namibia wurde ein modernes Beobachtungsnetzwerk aufgebaut und eine nationale Grundwasserdatenbank entwickelt und so die Grundlage für eine moderne und nachhaltige Bewirtschaftung des Grundwassers gelegt. In Kooperation mit den staatlichen Wasserversorgern wurden bereits erste Anlagen zur Trinkwasserversorgung gebaut.

Das neu gefundene Grundwasser entlastet das vorhandene Wasserversorgungssystem, das Mängel aufweist und zudem viel Energie benötigt, weil das Wasser über große Entfernungen transportiert wird. So schützt das Projekt bereits heute Zehntausende Menschen in der Wachstumsregion Nordnamibias vor massivem Wassermangel.

Die Ergebnisse aus Namibia zeigen, dass auf diese Weise noch viele Grundwasserressourcen in weiten Teilen der Erde entdeckt werden können. Die Erkundungsstrategien sind daher ein wichtiger Baustein, um die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen und weltweit eine Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen.

Blick auf Kapstadt
Südafrika: Zusammenarbeit konkret

Kapstadts Weg zu sauberem Wasser

Kapstadt leidet seit einigen Jahren unter einer akuten Wasserkrise. Dadurch stößt die Versorgung mit sauberem Wasser in der wachsenden Metropole an ihre Grenzen. Die meisten der 26 städtischen Kläranlagen wurden vor über 50 Jahren gebaut, sind technisch veraltet und verbrauchen im Betrieb extrem viel Energie. Zudem sind ihre Belastungsgrenzen längst erreicht: Die Kapazitäten sind nicht für eine rasant wachsende Metropole wie Kapstadt mit inzwischen 4,5 Millionen Einwohnern ausgelegt.

Genau hier setzt ein Vorhaben der KfW Entwicklungsbank an. Im Auftrag der deutschen Bundesregierung stellt die KfW der Stadt Kapstadt 80 Millionen Euro zur Verfügung, um die Kläranlagen im Stadtgebiet zu erneuern und zu erweitern. Ein Fokus liegt darauf, die Energieeffizienz der Anlagen zu steigern – in einem Land, das seinen Strom immer noch zu fast 75 Prozent aus Kohle gewinnt. Dadurch sparen die Kommunen nicht nur Betriebskosten, sondern es werden auch weniger Treibhausgase ausgestoßen.

In den Kläranlagen entsteht nach der Abwasserreinigung Klärschlamm. Dieser wurde bisher meist in offenen Gräben gelagert. Das hat Konsequenzen für das Klima, denn bei dieser unkontrollierten Faulung entsteht Methan, eines der schädlichsten Treibhausgase. Geeignete Faulbehälter sollen das nun verhindern. Auf diese Weise wird die Freisetzung einer Methan-Menge vermieden, die in ihrer Klimaschädlichkeit 50.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr entspräche. Das ist so viel, wie 6.700 Südafrikanerinnen und Südafrikaner in einem Jahr ausstoßen.

Zusätzlich fangen die modernisierten Anlagen täglich Unmengen an Plastik auf, bevor dieses im Ozean landet. Damit leisten sie auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Meere.

Mittelfristig will die Stadt am Kap die Nutzung von aufbereitetem Abwasser steigern, um sich besser an das veränderte Klima und häufigere Dürren anzupassen. Nach drei niederschlagsarmen Jahren drohte 2018 der komplette Zusammenbruch der Wasserversorgung. Diese akute Bedrohung hat gezeigt, wie massiv sich der Klimawandel auf die südafrikanische Bevölkerung auswirken kann.

Im Vergleich zur Grundwasserförderung oder Meerwasserentsalzung ist die Aufbereitung von Abwasser eine günstige und nachhaltige Alternative, vor allem für Landwirtschaft und Industrie. Das erhöht die Bedeutung der verbesserten Kläranlagen für Kapstadt – und für das Klima.

Von der Modernisierung der Kläranlagen in Kapstadt profitiert auch die Landwirtschaft: Aufbereitetes Wasser soll für die Bewässerung genutzt werden.
Nachhaltiger Ackerbau mit einem Tropfbewässerungssystem in Timor-Leste
Timor-Leste: Zusammenarbeit konkret

Bewässerungssystem als Antwort auf den Klimawandel

Der Klimawandel zeigt sich in Timor-Leste in Form von verkürzten Regenzeiten und schweren Dürren. Diese beeinträchtigen den Ackerbau erheblich – mit negativen Folgen für die Wasser- und Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung. Doch drei Jahre nachdem Dürren ihre Äcker unfruchtbar gemacht hatten, ernten 15 Haushalte in Timor-Leste heute wieder Mais, Wassermelonen und Gemüse.

Im Auftrag des BMZ und der Europäischen Union unterstützt die GIZ gemeinsam mit der Regierung von Timor-Leste die Bevölkerung der Gemeinde Lautem dabei, sich an den Klimawandel anzupassen: Sie setzt nun auf ein neues, solarbetriebenes Tropfbewässerungssystem sowie auf Schulungen für einen nachhaltigen Ackerbau. Das innovative Bewässerungssystem ist das erste in der Gemeinde und ermöglicht den Landwirtinnen und Landwirten, bis zu 60.000 Liter Wasser in neu installierten Tanks zu sammeln. Das Wasser kann nun problemlos aus einem nahegelegenen Fluss entnommen und langfristig gespeichert werden. So sollen Ernteerträge gesteigert und von Dürre betroffene Familien unterstützt werden.

Das Dorfoberhaupt Aderito Morais erzählt, dass die neue Pumpe den Landwirtinnen und Landwirten hilft, die Produktion von traditionell angebautem Mais zu steigern. Dieser konnte in den vergangenen drei Erntejahren aufgrund von Dürren nicht wachsen. Um die Ernährungssicherheit weiter zu verbessern, werden zudem weitere Pflanzen auf ihre Eignung getestet. Morais berichtet, dass sein Dorf begonnen hat, verschiedene Nutzpflanzen anzubauen – darunter Wassermelonen, Bohnen, Kürbis, Tomaten und das regional beliebte Wurzelgemüse Taro.

Olinda da Costa, Mutter von sechs Kindern, profitiert von der europäisch-deutschen Unterstützung: Durch den Anbau und Verkauf eigener Feldfrüchte hat sie im Verlauf des Erntejahrs umgerechnet etwa 245 Euro verdient. Zusätzlich ist sie nun in der Lage, Lebensmittel für den täglichen Hausgebrauch zu ernten und damit ihre Familie zu unterstützen.

Damit leisten die Europäische Union und Deutschland nicht nur einen Beitrag zur Wasser- und Ernährungssicherheit angesichts des Klimawandels, sondern verbessern auch die Energieeffizienz in der Landwirtschaft vor Ort. Innovative Technologien im Wassersektor, beispielsweise Solarpumpen und nachhaltige Speicherung, können dazu beitragen, klimaschädliche Gase zu reduzieren und so die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Durch Verdunstung und Dürreperioden ist die derzeitige Trinkwasserversorgung in Tansania nicht mehr sicher.
Tansania: Zusammenarbeit konkret

Anpassung an die Folgen des Klimawandels

In der Region Simiyu im Norden Tansanias, zwischen dem Victoriasee und dem Serengeti-Nationalpark, gibt es viel Wasser – zumindest während der Regenzeit. Doch die anschließende Trockenzeit dauert immer länger.

Durch den Klimawandel verändert sich das ursprüngliche Regenfallmuster mit jährlich zwei Trocken- und Regenperioden. Dürren und heftige Regenfälle werden immer häufiger. Die Folge sind Überschwemmungen und Bodenerosion. Der ehemals ganzjährig fließende Simiyu-Fluss trocknet inzwischen regelmäßig und für längere Zeit aus. Gleichzeitig verdunstet mehr Wasser aus den Böden. So steht neben dem ausbleibenden Regen auch deutlich weniger Oberflächenwasser zur Verfügung. Weniger als die Hälfte der Bevölkerung hat einen sicheren Zugang zu Trinkwasser.

Eine große Herausforderung, auch für die Bäuerinnen und Bauern: Rund 80 Prozent betreiben Landwirtschaft, die auf regelmäßigen Regen angewiesen ist. Sie ist mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle der Region. Der Ackerbau wirft jedoch nicht genug ab, um Ernteausfälle überbrücken zu können. In den vergangenen Jahren hat die Region Simiyu daher regelmäßig Nahrungsmittelhilfen erhalten. Immer mehr Menschen entschließen sich abzuwandern.

Ein Projekt der KfW Entwicklungsbank will die Widerstandsfähigkeit der vom Klimawandel am stärksten betroffenen Bereiche stärken. Durch Mittel aus Deutschland und Tansania selbst sowie des Green Climate Fund (GCF) stellt die KfW insgesamt mehr als 170 Millionen Euro als Zuschuss zur Verfügung. Damit wird in eine nachhaltige Wasserversorgung und eine klimaangepasste Landwirtschaft investiert – beispielsweise in Feldschulen, Sicherungssysteme für Futtermittel in Trockenperioden und in eine Wissensplattform, über die sich die örtlichen Bäuerinnen und Bauern über Möglichkeiten der Klimaanpassung informieren können.

Zusätzlich werden Aufforstungen finanziert. Die Bäume verringern die Bodenerosion und binden 767.000 Tonnen Kohlendioxid. Außerdem wird die Sanitärversorgung verbessert, denn in der ohnehin benachteiligten Region fehlt es aktuell an sanitären Einrichtungen für über 1,4 Millionen Menschen.

Das Projekt ist das erste Projekt des Green Climate Fund in Tansania und stellt einen der bisher größten Einzelzuschüsse des Fonds dar. Das Projekt soll als Vorbild für weitere dienen – und so die Anpassung an den Klimawandel in ganz Tansania voranbringen.

Videos zum Thema "Wasser und Klima"

Bolivien

Klimawandel – Gletscherschmelze in Bolivien

Die Gletscher Boliviens schmelzen. Wenn die Gletscher verschwunden sind, wird den Menschen, die an ihrem Fuß leben, das Trinkwasser fehlen und ihr landwirtschaftlicher Ertrag wird zurückgehen.

Bolivien

Der Klimawandel und die Apfelernte in Bolivien

Die Äpfel im Hochland von Bolivien werden als Folge des Klimawandels zu früh reif, die Bauern können nicht fristgerecht liefern. Es kommt aber auch vor, dass unerwartet die Kälte hereinbricht und die gesamte Ernte vernichtet.

Wasser und Klima

BMZ-Publikationen

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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