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Migration und Klima

Ein Mann blickt auf das Meer bei Nouakchott, Mauretanien.

Extreme Wetterereignisse wie Zyklone und Dürren oder schleichende Umweltveränderungen wie die Versalzung von Böden und der Anstieg des Meeresspiegels haben langfristige Folgen für die wirtschaftliche Situation, Gesundheit und Sicherheit der Menschen vor Ort. Und auch gewaltsame Konflikte können durch die Folgen des Klimawandels ausgelöst oder verschärft werden.

Besonders stark davon betroffen sind Entwicklungsländer. Sie stehen vor der Herausforderung, trotz Ressourcen- und Kapazitätsmangel die direkten Folgen des Klimawandels abwehren, verringern oder zumindest abfedern zu müssen. Dadurch sehen sich Menschen teilweise zur Abwanderung, zum Beispiel vom Land in die Stadt, gezwungen, um mit den verschlechterten Lebensbedingungen umzugehen.

Überschwemmung in Mosambik

Durch den Klimawandel bedingte Mobilität

Für Menschen, die von den negativen Folgen der globalen Erwärmung besonders betroffen sind, ist Migration eine Anpassungsstrategie und erfolgt häufig nur vorübergehend. Diese Art der Migration sowie die Vertreibung durch Extremwetterereignisse und auch Umsiedlungen, die durch den Klimawandel verursacht werden, fasst man unter dem Begriff "klimawandelbedingte menschliche Mobilität" zusammen.

Nach Angaben des Global Report on Internal Displacement wurden allein im Jahr 2018 16,1 Millionen Menschen durch Extremwetterereignisse vertrieben. Das sind deutlich mehr, als die im gleichen Zeitraum durch Konflikte vertriebenen 10,8 Millionen Menschen.

Die Faktoren, die zu einer Migrationsentscheidung führen, sind komplex und individuell. Häufig stehen wirtschaftliche, politische, soziokulturelle, familiäre oder demographische Gründe im Vordergrund, die dann durch Umwelt- und Klimaeinflüsse verstärkt und ergänzt werden.

Binnenflüchtlinge in Südsudan

Prognosen über Migrationsbewegungen schwierig

Präzise Prognosen der regionalen und lokalen Ausprägungen des Klimawandels sind auf Basis des aktuellen Wissensstands nicht möglich. Klimabedingte Migrationsbewegungen lassen sich daher nicht genau voraussagen.

Klima- und Katastrophenrisikoanalysen können auf lokaler Ebene Gebiete ausmachen, die in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein werden. Wegen der Vielschichtigkeit der Migrationsgründe lassen sich davon jedoch keine wissenschaftlich fundierten Zahlen ableiten, wie viele Menschen wegziehen werden und ob es zu Vertreibung oder Umsiedlung kommen wird.

Vielen Menschen fehlen die finanziellen Möglichkeiten um abzuwandern - sie sind in ihren schlechten Umwelt- und Lebensbedingungen "gefangen" ("trapped populations").

Binnenflüchtlinge in Somalia

Zahl der Binnenmigrantinnen und Binnenmigranten wird künftig steigen

Klimamigration und -mobilität finden bisher überwiegend innerhalb von Landesgrenzen statt. Es ist davon auszugehen, dass dies auch zukünftig so bleibt. Die Weltbank rechnet bis 2050 mit zusätzlichen 143 Millionen Binnenmigrantinnen und -migranten in Subsahara-Afrika, Lateinamerika und Südasien falls der Klimawandel nicht durch entschlossenes Gegensteuern stärker gebremst wird.

Die meisten dieser Menschen werden voraussichtlich wieder in ihre Herkunftsländer und -regionen zurückkehren, sobald es ihnen möglich ist. Dies gilt insbesondere im Falle von Extremwetterereignissen oder Naturkatastrophen. Dennoch ist klar: Künftig werden immer mehr Menschen aufgrund von Klimaveränderungen ihre Heimatorte verlassen.

Trockener Boden

Minderung und Anpassung

Um gefährdeten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ist es notwendig, die weltweiten Treibhausgasemissionen durch entschlossene Maßnahmen zu mindern und den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen.

Dort, wo die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr abgewendet werden können, müssen die Betroffenen dabei unterstützt werden, sich auf die neue Situation einzustellen und sich an die negativen Folgen anzupassen. Geraten Menschen unter Migrationsdruck, benötigen sie Unterstützung – unabhängig davon, ob sie letztendlich migrieren.

Äthiopische Nomaden, die sich wegen anhaltender Dürre in einem Dorf in der Somali-Region von Äthiopien angesiedelt haben.
Deutsches Engagement

Ansatzpunkte für die Entwicklungszusammenarbeit:

Minderung von Treibhausgasen

Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasen bremsen den Anstieg von Extremwetterereignissen und mildern die Effekte der Klimaveränderungen ab. Die Deutsche Entwicklungspolitik fördert ein umfassendes Klimarisikomanagement über diverse Initiativen, wie beispielsweise die NDC-Partnerschaft.

Solaranlage in Bangladesch

Anpassungsmaßnahmen

Anpassungsmaßnahmen, Katastrophenrisikomanagement sowie der richtige Umgang mit verbleibenden Klimarisiken (zum Beispiel mittels Klimarisikoversicherungen) stärken die Resilienz, also die Fähigkeit, die klimabedingten Veränderungen zu verkraften. Das ermöglicht es Menschen, in ihrer Heimat zu bleiben oder schnell dorthin zurückzukehren.

Resilienz von Städten stärken

Der Klimawandel führt vorrangig zu landesinternen oder regionalen Migrationsbewegungen. Häufig ziehen die Betroffenen in die nächstgelegene Stadt. Damit sie dort sichere Zufluchtsorte finden, hat die Stärkung der Resilienz von Städten eine besondere Bedeutung.

Verkehr in Colombo, Sri Lanka

Klimasensible Sektoren besonders berücksichtigen

Klimasensible Bereiche wie die Landwirtschaft, Fischerei oder der Wassersektor bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Dabei können Maßnahmen wie eine nachhaltige Landnutzungsplanung oder der ressourcenschonende Umgang mit Wasser den Migrationsdruck verringern.

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien

Migrationsentscheidungen begleiten

Das BMZ setzt sich dafür ein, dass die Betroffenen ihre Migrationsentscheidung auf Basis solider Informationen fällen. Migration kann eine Anpassungs- und Überlebensstrategie sein – wenn zum Beispiel abgewanderte Familienmitglieder durch Geldtransfers zum Familieneinkommen der Zurückgebliebenen beitragen.

Das BMZ hat in 13 Partnerländern Beratungszentren für Jobs, Migration und Reintegration aufgebaut. Sie richten sich unter anderem an Menschen, die in ihrem Herkunftsland oder einem anderen Land nach Zukunftsperspektiven suchen. Interessierte werden zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten, Unternehmensgründung sowie zu regulären Wegen der Migration und Risiken irregulärer Migration beraten.

Das Zentrum für Berufsorientierung und Umschulung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bizerte hilft jungen Menschen, sich im tunesischen Arbeitsmarkt zu orientieren.

Potenziale regulärer Migration nutzen

Reguläre Migration, zum Beispiel saisonale Arbeitsmigration, kann für manche Menschen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels unter Druck geraten, eine Lösung sein. Mit seinem Programm Unterstützung der Afrikanischen Union (AU) im Bereich Flucht und Migration stärkt das BMZ auf regionaler Ebene die Organe der AU, unter anderem in den Feldern "Diasporakooperation und Geldtransfers" sowie "Arbeitsmigration und Personenfreizügigkeit".

Ein Auszubildender bei der Arbeit

Unterstützung für "trapped populations"

Menschen in gefährdeten Regionen, die keine Möglichkeit haben zu migrieren, nennt man "trapped populations". Sie sind an ihrem risikoreichen Wohnort "gefangen", weil ihnen beispielsweise das Geld zum Zurücklegen weiter Wege fehlt. Sie sind den Risiken von Umweltveränderungen und Verarmung besonders ausgesetzt und benötigen Unterstützung. Das BMZ engagiert sich, um die Verwundbarkeit dieser Menschen zu verringern (siehe auch Klimarisikomanagement).

Eine Frau mit ihren Kindern in einem Binnenflüchtlingslager im Südsudan

Freiwillige, geplante Umsiedlung

In einigen Fällen ist absehbar, dass Anpassungsmaßnahmen nicht ausreichen und Gebiete durch den Klimawandel unbewohnbar werden. Die Entwicklungszusammenarbeit kann dort helfen, die freiwillige, geplante Umsiedlung von Menschen als "ultima ratio" sozialverträglich und gemeinsam mit den Betroffenen zu gestalten. So wird Menschen ein Neuanfang anderswo ermöglicht. Umsiedlungen können Risiken reduzieren und Menschenleben retten.

Beachcomber Island, Fidschi

Internationale Prozesse

Deutschland unterstützt relevante internationale Prozesse:

Task Force on Displacement

Deutschland hat sich bei der Klimakonferenz 2015 in Paris für eine Arbeitsgruppe zu klimabedingter Vertreibung, Migration und menschlicher Mobilität eingesetzt.

Daraufhin erhielt der Warschau-Mechanismus (Warsaw International Mechanism for Loss and Damage associated with Climate Change Impacts (WIM)) das Mandat, eine Task Force on Displacement zu gründen.

Sie hat Anfang 2017 ihre Arbeit aufgenommen und legte bei der Konferenz im polnischen Kattowitz Ende 2018 ihre Empfehlungen vor. Deutschland ist über das BMZ im Exekutivkomitee des internationalen Warschau-Mechanismus vertreten.

Klimarisikoinitiativen

Das BMZ fördert die Umsetzung des Sendai-Framework for Disaster Risk Reduction der Vereinten Nationen sowohl auf politischer Ebene, als auch bei der Durchführung.

Das BMZ ist ferner in der Consultative Group der Global Facility for Disaster Reduction and Recovery der Weltbank vertreten und unterstützt deren Treuhandfonds sowie weitere Klimarisikoinitiativen finanziell (beispielsweise die Climate Risk Early Warning Systems, CREWS).

Zum besseren Klimarisikomanagement trägt vor allem auch die InsuResilience Global Partnership bei, die auf deutsche Initiative Ende 2017 bei der Klimakonferenz in Bonn gegründet wurde.

Schutzagenda

Das BMZ unterstützt die Vorschläge der "Schutzagenda", die von der früheren Nansen-Initiative im Oktober 2015 beschlossen wurden. Sie umfassen folgende prioritären Maßnahmen: besserer Umgang mit Vertreibungsrisiken innerhalb betroffener Länder, besserer humanitärer Schutz bei grenzüberschreitender Migration sowie eine bessere Daten- und Wissensbasis. Zur Umsetzung der Schutzagenda wurde eine Plattform zum Thema Vertreibung durch Naturkatastrophen (Platform on Disaster Displacement) geschaffen. Deutschland hatte bis Ende 2017 den Vorsitz und ist seitdem als gestaltendes Mitglied weiter aktiv.

Global Compact for Migration

Deutschland war aktiv in den Verhandlungen zum Globalen Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration (Global Compact for Migration, GCM) involviert und unterstützt die Umsetzung des Pakts. Der GCM empfiehlt unter anderem bessere Analysen und Austauschformate über Mobilitätsmuster, die durch klimabedingte Extremereignisse und langsam einsetzende Umweltveränderungen verursacht werden. Dies hat zum Ziel, die Entwicklung von Anpassungs- und Resilienzstrategien, insbesondere in Herkunftsländern, zu fördern.

Der GCM spricht sich darüber hinaus für die Entwicklung von Konzepten auf regionaler und internationaler Ebene aus, um der prekären Situation der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen entgegenzuwirken sowie den Herausforderungen der Migrationsbewegungen und Vertreibungen im Kontext des Klimawandels und von Naturkatastrophen zu begegnen.

  • Beachcomber Island, Fidschi
    Bangladesch: Zusammenarbeit konkret

    Neue Perspektiven in Khulna

    Bangladesch hat schwer mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. Das Land liegt zu weiten Teilen im Ganges-Brahmaputra-Delta, dem größten Flussdelta der Welt. Durch den steigenden Meeresspiegel könnte ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet werden. Zugleich hat Bangladesch schon heute die höchste Bevölkerungsdichte weltweit.

  • Küstenabschnitt auf den Fidschi-Inseln
    Pazifische Inseln: Zusammenarbeit konkret

    Geplante Umsiedlungen

    Die pazifischen Inselstaaten sind besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Während sie selbst nur geringfügig zur globalen Erwärmung beitragen, leiden sie aufgrund ihrer Geographie überproportional unter den Folgen.

  • Blick auf die Karibikinsel St. Lucia: links der Atlantik, rechts das Karibische Meer
    Ostkaribik: Zusammenarbeit konkret

    Kampagne zur Bewusstseinsförderung zu Klimarisiken auf St. Lucia

    Die Ostkaribik ist eine der am stärksten von Katastrophen gefährdeten Regionen der Welt. Die Bundesregierung unterstützt daher Aufklärungskampagnen, damit die Bevölkerung dort Risiken minimieren kann.

Blick auf die Karibikinsel St. Lucia: links der Atlantik, rechts das Karibische Meer
Bangladesch: Zusammenarbeit konkret

Neue Perspektiven in Khulna

Bangladesch hat schwer mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. Das Land liegt zu weiten Teilen im Ganges-Brahmaputra-Delta, dem größten Flussdelta der Welt. Durch den steigenden Meeresspiegel könnte ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet werden. Zugleich hat Bangladesch schon heute die höchste Bevölkerungsdichte weltweit.

Das Abschmelzen der Gletscher, stärkere Monsun-Regenfälle, häufigere Zyklone, der Anstieg des Meeresspiegels und eine stärkere Erosion an Flussläufen zerstören den Lebensraum von Millionen Menschen. Insbesondere einkommensschwache Gruppen bekommen die Auswirklungen des Klimawandels zu spüren.

Najma und Qulsum sind zwei Binnenmigrantinnen, die nun in den Slums von Khulna wohnen, der im Südwesten gelegenen drittgrößten Stadt in Bangladesch. Davor lebten Sie in den besonders gefährdeten Gebieten entlang der zahlreichen Flussläufe und Küstenstreifen.

Die starke Flusserosion zerstörte das gesamte nutzbare Ackerland der Familie von Qulsum und zwang sie, in die nächstgrößere Stadt zu ziehen. Najma musste ihren Heimatort verlassen, nachdem ein Zyklon ihr weniges Hab und Gut zerstört hatte. Sie fand Zuflucht in einer ärmlichen Behausung ohne Fenster in einer der informellen Siedlungen von Khulna. Während Qulsum und Najma nun zu niedrigsten Löhnen als Hausangestellte arbeiten, sind viele andere Bewohnerinnen und Bewohner dieser Siedlungen arbeitslos, zu ihnen gehört die 18-jährige Rokeya.

Circa 70 Prozent der Slumbewohnerinnen und Slumbewohner in Khulna sind wegen des Klimawandels zugezogen. Die Stadt liegt mit ihren 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern allerdings selbst nur zwei bis vier Meter über dem Meeresspiegel. Die Deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die Stadtverwaltung von Khulna daher beim städtischen Management der klimawandelbedingten Binnenmigration.

Lebensbedingungen in Khulna verbessern

Durch lokale Weiterbildungsangebote für kleine und mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer sowie arbeitsintensive Maßnahmen zum Auf- und Ausbau von Wasser-, Sanitär- und Energieversorgung verbessern sich die Lebensbedingungen in den Slums, gleichzeitig steigen die Chancen auf Beschäftigung.

So freut sich Rokeya aus dem Slum Rupsha Shashan Ghat: "Mit meiner Fortbildung in Elektrotechnik habe ich als Frau bessere Aussichten auf einen Job; vor allem in Haushalten, die in Abwesenheit eines männlichen Familienmitglieds keinen männlichen Techniker akzeptieren. Ich bin daher sehr froh über diese Fortbildung."

Stadt gegen Überschwemmungen schützen

Um die Stadt besser gegen regelmäßige Überschwemmungen zu schützen und an den Klimawandel anzupassen, unterstützt die regionale Initiative für Stadtentwicklung in Asien (Cities Development Initiative Asia, CDIA) mit Mitteln der deutschen Entwicklungszusammenarbeit die Stadtverwaltung in Khulna dabei, Straßen zu befestigen, mit Drainagen zu versehen und Entwässerungskanäle anzulegen. Dadurch stehen die Stadtgebiete nun nicht mehr wochenlang unter Wasser. Besonders die Slums profitieren, weil sie durch die besseren Straßen nun dauerhaft an das Verkehrsnetz angebunden sind und damit neue wirtschaftliche Möglichkeiten entstehen.

Khulna

Blick auf die Karibikinsel St. Lucia: links der Atlantik, rechts das Karibische Meer
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Dammstraße zum Schutz eines Wohnviertels am Hafen von Khulna in Bangladesch
Dammstraße zum Schutz eines Wohnviertels am Hafen von Khulna in Bangladesch
Zwei Arbeiter auf einer Baustelle am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna an einer Uferbefestigung.
Projektmarkierung im Sanierungsgebiet Jessore-Joragate in Khulna, Bangladesch
Straßenbau in Khulna, Bangladesch
Küstenabschnitt auf den Fidschi-Inseln
Pazifische Inseln: Zusammenarbeit konkret

Geplante Umsiedlungen

Die pazifischen Inselstaaten sind besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Während sie selbst nur geringfügig zur globalen Erwärmung beitragen, leiden sie aufgrund ihrer Geographie überproportional unter den Folgen.

Viele der Bewohnerinnen und Bewohner sind bereits heute Extremwetterereignissen wie Zyklonen und Dürren ausgesetzt. Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels, höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und die Versauerung der Ozeane verschärfen diese Risiken und gefährden die Lebensgrundlagen der Menschen.

Das Dorf Narikoso in Fidschi ist vom steigenden Meeresspiegel bedroht. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Küstenlinie dort um 15 Meter in das Inland verschoben und die ersten Häuser stehen bereits im Wasser. Daher wurde eine Umsiedlung beschlossen. Neue Häuser werden 150 Meter entfernt vom alten Dorf errichtet – weit genug vom Meer entfernt, um nicht überflutet zu werden, nah genug am alten Dorf, um die Gemeinschaft zu erhalten. Die Gemeinde erhält Trainings, um ihre Lebensgrundlagen zu verbessern, zum Beispiel um die Landwirtschaft den geänderten klimatischen Bedingungen anzupassen.

Die Umsiedlung wird durch eine Kooperation zwischen EU und BMZ unterstützt. Die Erfahrungen in Narikoso dienten auch der Erstellung einer ersten Version neuer "Richtlinien für geplante Umsiedlungen". Diese sollen auch zukünftig sicherstellen, dass unvermeidbare Umsiedlungen unter Einbezug aller Betroffenen erfolgreich und nachhaltig ablaufen.

Die Aktivitäten sind Teil eines umfassenden Klimarisikomanagements, das die Fähigkeiten der lokalen Bevölkerung, der zivilgesellschaftlichen Partner, der regionalen Organisationen und der nationalen Behörden steigern soll, um den Klimawandel besser zu bewältigen.

Blick auf die Karibikinsel St. Lucia: links der Atlantik, rechts das Karibische Meer
Ostkaribik: Zusammenarbeit konkret

Kampagne zur Bewusstseinsförderung zu Klimarisiken auf St. Lucia

Der Klimawandel trifft die kleinen Inselstaaten in der Ostkaribik hart. Die sozialen und ökonomischen Folgen von Extremwettereignissen in der OECS-Region (Organisation Ostkaribischer Staaten) sind verheerend, wie die Hurrikane Irma und Maria im Jahr 2017 zeigten. Doch nicht nur Wirbelstürme sondern auch zunehmender Starkregen, der Flüsse über die Ufer treten lässt und zu Überschwemmungen und Erdrutschen führt, stellt eine Bedrohung für die lokale Bevölkerung dar.

So auch in der Gemeinde Anse-la-Raye auf St. Lucia, einem Inselstaat in der Karibik. In einem Tal an der Westküste der Insel liegt der 7.000-Einwohner-Ort Anse-la-Raye inmitten von zwei Flüssen. Bei Starkregen kommt es hier immer wieder zu Überschwemmungen und die Flüsse schneiden die Fluchtwege zu den sicheren Bergen ab.

Einige Bewohnerinnen und Bewohner folgten einer staatlichen Initiative und siedelten in die umliegenden Berge um. Viele Menschen blieben jedoch – teilweise weil sie ihr soziales Umfeld nicht verlassen möchten, aber auch, weil sie sich der Gefahren nicht bewusst sind.

Bewusstsein über die Gefahren und Folgen von Naturkatastrophen steigern

Die Bundesregierung unterstützt daher über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine Reihe von Aufklärungskampagnen der OECS-Kommission.

Auch in Anse-la-Raye hielten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der OECS-Kommission und der GIZ ein Bürgerforum ab. Dort wurde mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Kommunalpolitikerinnen und -politikern nicht nur über die Gefahren gesprochen, denen die Stadtbevölkerung durch Naturkatastrophen ausgesetzt ist, sondern auch über die eventuelle Notwendigkeit, umzusiedeln.

Herausforderungen bei Umsiedlungsmaßnahmen

Bei vielen im Ort besteht durchaus der Wille umzusiedeln. Jedoch fehlt es an finanzieller Unterstützung, wie etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums in Anse-la-Raye berichteten. Die Kleinstadt gilt als eine der ärmsten Regionen St. Lucias und nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner können die von der Regierung St. Lucias zur Verfügung gestellten Grundstücke erwerben, berichtet Stephen Griffith, Vorsitzender des Katastrophenkomitees von Anse-la-Raye.

Ortsteile vor Überschwemmungen schützen

Eines der zentralen Probleme, die von Überschwemmungen in Anse-la-Raye verursacht werden, ist die starke Verschmutzung des Flussbetts. Dies verlangsamt oder blockiert oft den Abfluss des Wassers. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat daher Aktionen zur Reinigung der beiden durch Anse-la-Raye fließenden Flüsse sowie die Wiederherstellung der natürlichen Überflutungsgebiete unterstützt. Die Restaurierung der stadtnahen Mangroven sichert einerseits den Durchlauf des Flusses, indem Flutflächen geschaffen werden, die einer Überschwemmung der Stadt vorbeugen sollen. Andererseits ergeben sich Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklungen im Tourismusbereich.

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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