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Klimarisikoversicherungen

Überschwemmung in der Regenzeit in Bentiu, Südsudan

Der Klimawandel beeinflusst die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse weltweit. Besonders betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer, in welchen die Veränderungen des Klimas bereits erreichte Entwicklungserfolge zunichtemachen können.

Die Zyklone Idai, Kenneth und Fani haben 2019 erneut gezeigt, dass die Welt und insbesondere die verwundbarsten (vulnerabelsten) Länder zunehmend extremen Wetterereignissen ausgesetzt sind. Das Wissenschaftsportal World Weather Attribution geht davon aus, dass zwei Drittel der untersuchten Extremwetterereignisse durch den menschgemachten Klimawandel schwerwiegender waren. Beobachtungen von Wetterextremen zeigen: fast überall heißere Hitzeextreme und weniger Kälteextreme, im Allgemeinen intensivere Niederschläge – aber mit Schwankungen von Region zu Region – und mehr Schäden durch Hurrikane aufgrund von stärkeren Regenfällen und höheren Sturmfluten.

Die Verwüstung, die der Zyklon Idai in Mosambik, Malawi und Simbabwe angerichtet hat, erforderte eine dringende Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Die UN bezeichnete den Zyklon als eine der bisher schlimmsten Wetterkatastrophen im südlichen Afrika, einer der ärmsten Regionen der Welt.

Der Zyklon hat erneut daran erinnert, dass eine nachhaltige Entwicklung nur durch Katastrophenvorsorge und durch Mechanismen, welche die Widerstandsfähigkeit steigern, erreicht werden kann. Eine punktuell wiederkehrende Katastrophenhilfe reicht nicht aus. Langfristig geraten die Länder, die bei der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung bereits weit zurückliegen, durch Katastrophen zusätzlich weiter in den Rückstand.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich weltweit für Klimarisikomanagement. Doch selbst gute Risikoanalysen und Präventionsmaßnahmen können Schäden durch Extremwetterereignisse nicht völlig verhindern. Prävention ist außerdem nur bis zu einer bestimmten Eintrittswahrscheinlichkeit ökonomisch sinnvoll.

Zu einem umfassenden Klimarisikomanagement gehören daher auch Strategien für den Umgang mit den Folgen extremer Wetterereignisse, die durch den Klimawandel häufiger auftreten können. Klimarisikoversicherungen sind ein Instrument, das betroffene Menschen im Umgang mit den Folgen extremer Wetterereignisse unterstützt.

Was ist eine Klimarisikoversicherung?

Klimarisikoversicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel immer häufiger und intensiver werden. Bei direkten Versicherungen sichern sich zum Beispiel Privatpersonen oder Unternehmen gegen Risiken ab – beispielsweise gegen Ernteausfälle. Im Schadensfall erhalten sie direkt Hilfe.

Bei indirekten Versicherungen sind es zum Beispiel Staaten oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich einzeln oder in sogenannten Risikopools gegen Klimarisiken absichern. Im Schadensfall erhalten sie schnell finanziellen Ausgleich, den sie für die betroffene Bevölkerung einsetzen, insbesondere für arme und gegenüber Extremwetterereignissen besonders verwundbare Menschen.

Überschwemmung in Mosambik. Menschen auf dem Weg zu einer Sammelstelle am Save-Fluss.

Was versteht man unter Risikofinanzierung?

Eine wirksame Risikofinanzierung umfasst eine Reihe verschiedener Instrumente, die den aus unterschiedlich starken und häufigen Extremwetterereignissen resultierenden Finanzierungsbedarf abdecken können. Klimarisikofinanzierung ist dann am wirksamsten, wenn sie in eine umfassende Risikomanagementstrategie zum Beispiel eines Landes eingebettet und in die Budget- und Kreditlinien eines Staatshaushaltes einkalkuliert ist.

Über Klimarisikofinanzierung haben Regierungen oder NGOs im Falle einer Katastrophe schnellen Zugriff auf finanzielle Mittel. Das entlastet den Staatshaushalt und schafft Sicherheit und Planbarkeit. Dabei ist es entscheidend, dass vorab definiert wird, wie im Katastrophenfall die Auszahlung der Mittel erfolgen soll, damit die ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen auch davon profitieren.

Eine Bäuerin mit ihrer Ziegenherde im Nordwesten Kenias, der von Dürre betroffen ist

Wozu werden Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen gebraucht?

Schnelle Nothilfe und rascher Wiederaufbau

Versicherungen und Risikofinanzierung ermöglichen schnelle Nothilfe und raschen Wiederaufbau nach einer Katastrophe. Während die Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen nach einer Katastrophe mühsam Geld einsammeln, verstreicht wertvolle Zeit. Oft dauert es Wochen oder gar Monate, bis die Betroffenen Hilfe erhalten. Immer mehr Regierungen und NGOs erkennen den Vorteil von vorsorgendem und somit kosteneffizienterem Handeln, weil Naturereignisse im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver werden. Sie beziehen diese Risiken vorab in ihre Finanzplanung ein, um Menschenleben, Existenzen, aber auch den nationalen Haushalt vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.

Durch den vorausschauenden Charakter von Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen kann so in Notsituationen schon nach wenigen Tagen Geld an Betroffene ausgezahlt werden. Das rettet Leben und Besitz und sichert Entwicklungserfolge ab. Risikofinanzierung und Versicherungen tragen somit zu Armutsminderung, nachhaltiger Entwicklung und auch zur Bekämpfung von ökonomischen Migrationsursachen bei.

Anspruch auf Ersatz erlittener Schäden

Klimarisikoversicherungen geben Versicherungsnehmern die Sicherheit, nach einer Katastrophe auch wirklich Hilfe zu erhalten, indem sie Ansprüche auf den Ersatz erlittener Schäden erwerben. Die Betroffenen sind nicht mehr länger in der Rolle eines Bittstellers und können selbst dazu beitragen, ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten

Risikofinanzierung und -versicherungen schaffen darüber hinaus Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten – für Regierungen aber auch einzelne Bürgerinnen und Bürger: So erfolgt der Abschluss einer Dürreversicherung beispielsweise auf Basis einer systematischen Risikobewertung. Durch risikomindernde Maßnahmen, wie zum Beispiel Anbau einer dürreresistenteren Frucht, kann die Höhe der Versicherungsprämie für den Kleinbauer in diesem Fall reduziert werden. Das fördert das Bewusstsein für die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen und Risikovorsorge für den Fall einer Katastrophe.

Zudem verlangen einige regionale Risikopools die Entwicklung von Notfallplänen als Vorbedingung für einen Versicherungsabschluss. Die Notfallpläne sorgen dafür, dass ausgezahlte Mittel effektiv eingesetzt werden. Im Schadensfall können Auszahlungen rasch der notleidenden Bevölkerung zugutekommen.

Synergien zwischen öffentlichen und privaten Bemühungen

Auch über öffentlich-private Partnerschaften können Ressourcen der Versicherungswirtschaft in den Dienst von Klimaanpassung und Entwicklung gestellt werden. So kann die Privatwirtschaft ihre Expertise sowie ihren Zugang zu Daten, Risikomodellen und Kapital für Klimarisikoversicherungen zugunsten von armen und verwundbaren Menschen nutzbar machen. Instrumente zur Fernerkundung ermöglichen beispielweise eine rasche und flächendeckende Ermittlung von Schäden nach einem Extremwetterereignis. Die Entwicklung von lokalen Versicherungsmärkten wird dadurch ebenso unterstützt.

Ein konkretes Beispiel für Synergien zwischen öffentlichen und privaten Akteuren ist der InsuResilience Investment Fund (IIF). Er investiert in private Versicherungen und Intermediäre mit Aktivitäten in Entwicklungsländern, um bis zu 100 Millionen armen und vulnerablen Menschen Zugang zu Klimarisikoversicherungen zu ermöglichen.

Indirekte Versicherungsansätze

Deutschland hat beim Aufbau von drei regionalen Risikopools in Afrika, in der Karibik und im Pazifik wesentlich mitgewirkt.

African Risk Capacity (ARC)

Die afrikanische Dürreversicherung African Risk Capacity (ARC) wurde auf Initiative der Afrikanischen Union ins Leben gerufen. Sie bietet afrikanischen Ländern Versicherungen gegen Extremwetterrisiken an. Im Vergleich zu anderen Risikopools zeichnet die ARC aus, dass sie die finanzielle Katastrophenabsicherung eng mit einem Frühwarnsystem und einer erforderlichen Nothilfeplanung durch die Länder verknüpft. Auf diese Weise kann der betroffenen Bevölkerung besonders schnell und gezielt geholfen werden.

Die ARC hat bisher bereits 36,8 Millionen US-Dollar an die Regierungen von Mauretanien, Senegal, Malawi und Niger ausgezahlt, wodurch mehr als 2,1 Millionen Menschen in akuten Dürrekatastrophen geholfen werden konnte.

Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI)

Im Jahr 2016 gründeten die G7-Staaten Deutschland, Großbritannien, USA und Japan gemeinsam mit den pazifischen Inselstaaten und der Weltbank eine neue Risikoversicherungsgesellschaft, die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI). Sie bietet Versicherungsprodukte gegen tropische Wirbelstürme und Erdbeben an. Versicherungsnehmer sind derzeit vier Inselstaaten: die Cookinseln, Tonga, die Marshallinseln und Samoa. So erhielt beispielsweise Anfang 2018 Tonga über die PCRAFI bereits sieben Tage nach Zyklon "Gita" eine Auszahlung von 3,5 Millionen US-Dollar.

Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF)

Die Versicherungsfazilität Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) in der Karibik wurde mithilfe von InsuResilience auf Mittelamerika ausgeweitet: 2016 trat Nicaragua als erstes mittelamerikanisches Land bei. Die CCRIF bietet Absicherung gegen Wirbelstürme, Erdbeben und Starkregen.

Die Fazilität hat am 1. Juli 2019 zwei ihrer Mitgliedsregierungen – Grenada und St. Lucia – eine parametrische Versicherung über COAST (Caribbean Oceans and Aquaculture Sustainability Facility) ausgestellt.

Parametrische Versicherungen zahlen im Gegensatz zur klassischen Schadenversicherung bei einer Über- oder Unterschreitung eines bestimmten Indexes, wie zum Beispiel Niederschlagsmenge, Temperatur oder Windstärke. Sie sind dadurch schneller und günstiger in der Abwicklung der Versicherungsleistung.

Die COAST-Versicherungspolicen bieten Fischern und anderen Akteuren der Fischereiindustrie finanziellen Schutz, um nach wetterbedingten Ereignissen eine schnelle Erholung gewährleisten zu können. Die Karibik ist die erste Region weltweit, die eine parametrische Klimarisikoversicherung für den Fischereisektor entwickelt und implementiert. Zum ersten Mal werden schutzbedürftige Fischergemeinden Zugang zu Versicherungen haben, die speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt wurden.

 

Vom Erdbeben zerstörtes Haus in Haiti

Direkte Versicherungsansätze

Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership werden Politikempfehlungen für Versicherungsmärkte in Entwicklungsländern erarbeitet. Private Unternehmen sind dabei wichtige Partner – nicht nur, weil sie Risikokapital bereitstellen können, sondern auch, weil sie über Wissen und Daten sowie innovative Technologien verfügen.

Deutschland fördert zudem die Entwicklung nachhaltiger Klimarisikoversicherungslösungen für private Marktteilnehmer wie Versicherer oder für Regierungsinstitutionen. Dazu werden Informationskampagnen für die breite Bevölkerung entworfen und innovative Ansätze (wie Blockchain-Technologie) zur Absicherung der armen und vulnerablen Bevölkerung unterstützt.

Durch die Blockchain-Technologie können die Auszahlungen einer index-basierten Extremwetterversicherungen auf Basis von öffentlich verfügbaren Wetterdaten transparenter gemacht werden. Fällt zum Beispiel die Regenmenge unter einen kritischen Wert oder überschreitet sie einen Grenzwert bei zu viel Regen, wird durch die Blockchain, für alle Teilnehmer ersichtlich, automatisch eine Ausfallsumme bereitgestellt.

Darüber hinaus können Daten zu Wasserverbrauch und Anbaupraktiken mithilfe der Technologie gespeichert werden. Auf Basis dieser besseren Informationslage kann die Versicherungsgesellschaft den Landwirtinnen und Landwirten günstigere Prämien anbieten. Die gewonnenen Daten können gleichzeitig für die Vermarktung von Produkten genutzt werden. Denn mit Produkten aus nachhaltigem Anbau lassen sich auch höhere Verkaufspreise erzielen.

Nomade mit Wasserkanister in Kenia

InsuResilience Global Partnership für Klimarisikofinanzierung und -versicherung

Zahlen der Munich Re Rückversicherung zufolge sind derzeit nur etwa drei Prozent der wetterbedingten Schäden in Entwicklungsländern versichert. Dabei zeigen empirische Untersuchungen, dass sich die Wirtschaft in Ländern mit funktionierendem Versicherungsschutz viel schneller wieder erholt.

Durch Extremwetterereignisse verlieren jedes Jahr viele Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern nicht nur ihr Hab und Gut, sondern durch ausbleibende Ernten oder Viehsterben auch ihre Einkommensgrundlage. Krankheiten, Mangelernährung und erzwungene Migration können die Folge sein. Die Bewältigung der Folgen von Extremwettereignissen kann zu weiterer Verschuldung der betroffenen Länder oder Regionen führen und deren wirtschaftliche Entwicklung erheblich zurückwerfen.

Hier setzt die von der Bundesregierung unterstützte globale Partnerschaft für Risikofinanzierung und -versicherung für Klima- und Katastrophenrisiken, die InsuResilience Global Partnership, an. Sie bringt Beauftragte der G20, der 20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer, mit Beauftragten der V20, der knapp 50 ärmsten und verwundbarsten Länder der Welt, zusammen. Zudem sind Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen, der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft eingebunden. Gemeinsam entwickeln und realisieren sie Lösungen für den Umgang mit Risiken, die durch den Klimawandel und Naturkatastrophen entstehen.

Die globale Partnerschaft gründet auf der G7-Initiative "InsuResilience", die aus dem G7-Gipfel 2015 in Elmau entstand und zum Ziel hat, zusätzlich 400 Millionen arme und verwundbare Menschen bis 2020 gegen Klimarisiken zu versichern. Die Partnerschaft arbeitet außerdem dafür, die Resilienz der Länder insgesamt zu stärken und neue Lösungen für Klimarisikofinanzierung und Versicherungen anzubieten.

Seit 2015 wurden für die Umsetzung der InsuResilience-Initiative 700 Millionen US-Dollar durch die G7-Länder bereitgestellt. Im Oktober 2018 hat die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien und der Weltbank ein neues Finanzierungsinstrument zur Ausweitung und Weiterentwicklung von Klimarisikoversicherungslösungen für vulnerable Länder gegründet, die Global Risk Financing Facility (GRiF). Sie soll mit 145 Millionen US-Dollar einen zentralen Beitrag zur Umsetzung der Ziele der InsuResilience Global Partnership leisten.

Ein weiteres neues und wichtiges Umsetzungsprogramm der globalen Partnerschaft ist der InsuResilience Solutions Fund (ISF). Dieser unterstützt die Entwicklung innovativer Klimarisikoversicherungsprodukte in Entwicklungs- und Schwellenländern, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Der ISF bietet Teilfinanzierung sowie Beratung für die Überführung neuer Klimarisikoversicherungskonzepte in marktreife Produkte und den Ausbau bereits bestehender, tragfähiger Klimarisikoversicherungsprodukte an.

Logo: InsuResilience Global Partnership
InsuResilience Global Partnership – A platform for action

Erfolge des BMZ im Bereich Klimarisikoversicherungen

Die InsuResilience Global Partnership hat seit ihrer Gründung große Fortschritte erzielt: Auf Basis von 700 Millionen US-Dollar an Zusagen bis 2018 konnten vorhandene Versicherungsansätze ausgeweitet und neue entwickelt werden.

Mit diesen Mitteln sollen nationale und subnationale Regierungen dabei unterstützt werden, ihre Risikofinanzierungen auszuweiten, damit sie mit umfassenden Strategien zum Risikomanagement besser gegen Naturkatastrophen und die negativen Auswirkungen des Klimawandels gewappnet sind.

Mitte 2019 wurden bereits rund 15,9 Millionen InsuResilience-Begünstigte abgesichert.

Im Oktober 2018 hat die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien und der Weltbank ein neues Finanzierungsinstrument mit dem Ziel gegründet, einen zentralen Beitrag zur Umsetzung der InsuResilience Global Partnership zu leisten, die Global Risk Financing Facility (GRiF).

Die African Risk Capacity (ARC) hat bisher 2,1 Millionen Menschen geholfen, die von akuten Dürren betroffen waren. Im Jahr 2019 zahlte die ARC 23,1 Millionen US-Dollar in Senegal und 738.835 US-Dollar in Côte d'Ivoire aus, um Ernteverluste aufgrund schwerer Dürre abzudecken.

  • Sturmschäden auf der Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan "Maria" im September 2017
    Im Detail: InsuResilience Global Partnership

    Eine globale Partnerschaft im Rahmen der G20 und der V20

    Während der deutschen G20-Präsidentschaft nahm das Thema Klimarisikofinanzierung und -versicherung einen prominenten Platz auf der Agenda der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ein.

  • Sturmschäden an der Infrastruktur in St. Lucia nach Hurrikan Matthew
    Die Zukunft der InsuResilience Global Partnership

    Vision 2025: Ziele und Meilensteine

    Zeitgleich mit der Klimakonferenz hat in Katowice im Jahr 2018 das höchste Gremium der InsuResilience Global Partnership – die High Level Consultative Group (HLCG) – zum ersten Mal getagt.

Sturmschäden auf der Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan "Maria" im September 2017
Im Detail: InsuResilience Global Partnership

Eine globale Partnerschaft im Rahmen der G20 und der V20

Während der deutschen G20-Präsidentschaft nahm das Thema Klimarisikofinanzierung und -versicherung einen prominenten Platz auf der Agenda der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ein. Zentrales Anliegen des Aktionsplans für Klima und Energie vom G20-Gipfel 2017 in Hamburg ist die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der ärmsten und gefährdetsten Menschen. Dazu gehört auch der weitere Ausbau von Finanzierungs- und Versicherungslösungen gegen Klimarisiken.

Die G20-Staaten befürworteten deshalb die Gründung einer "Globalen Partnerschaft für Finanzierungs- und Versicherungslösungen für Klima- und Katastrophenrisiken", die auf die 2015 in Elmau gegründete G7-Initiative "InsuResilience" aufbaut. Gleichzeitig äußerten die V20, die Gruppe der knapp 50 verwundbarsten Entwicklungsländer, ihr Interesse an einer verstärkten Zusammenarbeit mit den G20 bei diesem Thema.

Bei der Klimakonferenz 2017 in Bonn startete das BMZ gemeinsam mit Fidschi, Äthiopien, der Weltbank und Großbritannien offiziell die globale Partnerschaft für Finanzierungs- und Versicherungslösungen für Klima- und Katastrophenrisiken als gemeinsame Initiative von G20 und V20: die InsuResilience Global Partnership.

Resilienz gegen Klimarisiken stärken

Die globale Partnerschaft hat das Ziel, die Resilienz der ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern gegen Klimarisiken zu stärken: Regierungen und Haushalte sollen durch den Ausbau von Instrumenten der Klimarisikofinanzierung und -versicherung nach einer Naturkatastrophe schneller und gezielter reagieren können und dadurch mögliche Folgekosten reduzieren.

Die globale Partnerschaft will Regierungen außerdem durch entsprechende Anreize dabei unterstützen, sich besser auf Risiken durch den Klimawandel vorzubereiten, indem Notfallpläne erstellt werden. Beispielsweise werden Saatgutvorräte angelegt.

Expertise und Erfahrungen aller wichtigen Akteure bündeln

Zur Erreichung dieser Ziele bündelt die globale Partnerschaft unter ihrem Dach Expertise und Erfahrungen aller wichtigen Beteiligten. Die Partnerschaft bringt deshalb Vertreterinnen und Vertretet aus Entwicklungs- und Industrieländern, internationalen Organisationen und Entwicklungsbanken, dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Ansätze zur finanziellen Absicherung von Klima- und Naturkatastrophenrisiken und setzen sie um – jeweils zugeschnitten auf landesspezifische Bedürfnisse und Herausforderungen der besonders armen Bevölkerung.

Mehr als 70 Partner aus den verschiedenen oben genannten Bereichen haben sich der InsuResilience Global Partnership bereits angeschlossen.

Neben dem Ausbau von Versicherungsschutz zielt die Partnerschaft darauf ab, vulnerable Länder durch die Entwicklung von übergreifenden Klimarisikofinanzierungsstrategien auf ihrem Weg zur langfristigen Resilienz gegenüber Klimarisiken umfassend zu unterstützen.

Die globale Partnerschaft wird durch ein hochrangiges Steuerungsgremium strategisch geleitet. Dazu kommt zum einen das "Partnership Forum", das Mitgliedernetzwerk der Partnerschaft, in dem über verschiedene Kanäle und Plattformen Wissen ausgetauscht wird und Kooperationspotenziale ausgeschöpft werden und zum anderen die "Program Alliance", eine Allianz von Implementierungsprogrammen zur Finanzierung und Beratung von Entwicklungsländern. Beide Gremien haben zum Ziel, internationale Bemühungen zu Klimarisikofinanzierung und -versicherung zu einer größeren Wirkung für arme und vulnerable Menschen zu bündeln.

Detaillierte Informationen zur Partnerschaft sind im Joint Statement InsuResilience Global Partnership und in der entsprechenden Concept Note enthalten.

Welche Vorhaben unterstützt die InsuResilience Global Partnership?

Das ehrgeizige Ziel der globalen Partnerschaft soll durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen in unterschiedlichen Regionen erreicht werden: Im Fokus steht zum einen die Ausweitung bereits etablierter Klimarisikoversicherungsmechanismen, zum anderen die Entwicklung neuer und innovativer Versicherungs- und Finanzierungsansätze.

Auf dieser Basis soll die Umsetzung umfassender Katastrophenfinanzierungsstrategien auf nationaler und lokaler Regierungsebene unterstützt werden sowie die Versicherung von Kooperativen, Mikrofinanzinstitutionen und NGOs in gefährdeten Regionen ausgeweitet werden. Ergänzt wird dies durch die Entwicklung von Versicherungsmärkten, Präventions- und Anpassungsmaßnahmen sowie Kapazitätsaufbau unter anderem für die Erstellung von Notfallplänen in armen und verwundbaren Ländern.

Weitere Informationen zu den von InsuResilience geförderten Projekten finden Sie auch auf der Internetseite der Initiative: www.insuresilience.org (englisch)

BMZ-Publikationen

Sturmschäden an der Infrastruktur in St. Lucia nach Hurrikan Matthew
Die Zukunft der InsuResilience Global Partnership

Vision 2025: Ziele und Meilensteine

Zeitgleich mit der Klimakonferenz hat in Katowice im Jahr 2018 das höchste Gremium der InsuResilience Global Partnership – die High Level Consultative Group (HLCG) – zum ersten Mal getagt.

Auf der Tagung haben 19 hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Stakeholder-Gruppen der Partnerschaft die Erstellung einer Vision 2025 mit einem dazugehörigen Arbeitsplan beauftragt.

Während des UN-Klimagipfels im September 2019 wurden als Beitrag zur Umsetzung der Ziele der Vision 2025 fünf Milliarden US-Dollar von Seiten der im Insurance Development Forum (IDF) organisierten Versicherungsunternehmen zugesagt sowie eine Aufstockung von 20 Millionen Euro von deutscher Seite und 90 Millionen Pfund von britischer Seite angekündigt.

Im Juni 2019 hat die HLCG die vom InsuResilience-Sekretariat gemeinsam mit den technischen Ansprechpartnern der HLCG-Mitglieder erarbeitete Vision 2025 befürwortet. Sie enthält genaue Ziele bis 2025, entlang der für die Partnerschaft festgelegten Wirkungsbereiche. Eines der Ziele ist beispielsweise, dass 80 vulnerable Länder zum Beispiel aus dem Kreis der V20 umfassende Risikofinanzierungsstrategien implementieren.

Die Partnerschaft wird dabei über vier Arbeitsstränge zur Zielerreichung hinarbeiten: (I) strategische Führung und Konvergenz; (II) Umsetzung und Implementierung; (III) Kapazitätsausbau und Wissensmanagement und (IV) gemeinsame Netzwerkgestaltung.

 

BMZ-Publikationen

  • Dorf in der Somali-Region in Äthiopien, in dem sich wegen der anhaltenden Dürre Nomaden angesiedelt haben
    Afrika: Zusammenarbeit konkret

    Policen gegen Dürrefolgen

    Afrikanische Länder sind besonders von Dürren bedroht, die infolge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Hier setzen die Dürreversicherungen African Risk Capacity (ARC) und ARC Replica an.

  • Überschwemmung in der peruanischen Stadt Piura im März 2017
    Zusammenarbeit konkret

    InsuResilience Investment Fund

    Der von Deutschland über die KfW konzipierte und mitfinanzierte InsuResilience Investment Fund (IIF) investiert in private Versicherungen und Intermediäre mit Aktivitäten in Entwicklungsländern, um bis zu 100 Millionen armen und vulnerablen Menschen Zugang zu Klimarisikoversicherungen zu ermöglichen.

  • Farmer in Südafrika
    Zusammenarbeit konkret

    Implementierung: Der InsuResilience Solutions Fund

    Als zentraler Baustein der InsuResilience Global Partnership wurde der InsuResilience Solutions Fund (ISF) von der KfW im Auftrag des BMZ etabliert. Ziel des ISF ist es, bedürftige Haushalte besser gegen Klima- und Naturkatastrophen abzusichern.

  • Sensibilisierungsmaßnahmen zu Wetterversicherungen in Mumbwa, Sambia
    Zusammenarbeit konkret

    Entwicklung von Versicherungsmärkten

    Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership fördert das Bundesentwicklungsministerium Maßnahmen zur Entwicklung der Versicherungsmärkte in Indien, Sambia, Paraguay und Madagaskar.

  • Reisernte in Bangladesch
    Indien: Zusammenarbeit konkret

    Satellitentechnologie schützt Reisbauern vor Ernteausfällen

    Im Jahr 2017 erhielten mehr als 200.000 Kleinbauern und -bäuerinnen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu nach einer extremen Dürre Kompensationszahlungen. Gemessen wurden die Schäden dabei schnell und präzise mittels Satelliten.

  • Farmer in Äthiopien
    Äthiopien: Zusammenarbeit konkret

    Regionen für den Klimawandel fit machen

    Deutschland finanziert im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" über die KfW eine Ausweitung der vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und Oxfam gegründeten Rural Resilience Initiative (R4) auf die äthiopischen Regionen Tigray und Amhara.

Dorf in der Somali-Region in Äthiopien, in dem sich wegen der anhaltenden Dürre Nomaden angesiedelt haben
Afrika: Zusammenarbeit konkret

Policen gegen Dürrefolgen – ARC und ARC Replica

Afrikanische Länder sind besonders von Dürren bedroht, die infolge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Hier setzen die Dürreversicherungen African Risk Capacity (ARC) und ARC Replica an. Die ARC richtet sich dabei an Länder, die ARC Replica an humanitäre Hilfsorganisationen, die zusätzlichen Versicherungsschutz für ein Land erwerben wollen. Über 30 afrikanische Staaten sind Mitglied der ARC und haben dadurch Zugang zu den Risikomanagement- und Versicherungsprodukten.

Im Fall einer Dürre in einem versicherten afrikanischen Land finanziert die ARC ein mit dem Land vereinbartes und durch ein unabhängiges Expertengremium geprüftes Notfallprogramm. Die Versicherung ist so gestaltet, dass sie Anreize schafft, die Widerstandsfähigkeit gegen Dürren zu steigern.

Neben Dürre entwickelt die ARC derzeit auch neue Versicherungsprodukte für Überschwemmungen und Starkwinde für afrikanische Länder.

Die ARC hat Dürrerisiken in Höhe von über 400 Millionen US-Dollar abgesichert und nach Dürrekatastrophen in den jeweiligen Ländern bisher 36,8 Millionen US-Dollar an die Regierungen von Mauretanien, Senegal, Malawi und Niger ausgezahlt. Hierdurch konnte mehr als 2,1 Millionen Menschen in akuten Dürrekatastrophen geholfen werden.

Im Jahr 2019 wird die ARC mindestens 22 Millionen US-Dollar an die Regierung von Senegal zahlen, um Ernteausfälle zu kompensieren. Durch das Dürrevorhersage-Instrument African Risk View konnte die ARC bereits im August 2019 die Regierung Senegals darüber informieren, dass knapp eine Million Menschen von einer Dürre betroffen sein würden. Mit dem Saisonende am 21. November 2019 erfolgte eine Auszahlung innerhalb von nur 14 Tagen, die der lokalen Bevölkerung direkt zugutekommt.

Die African Risk Capacity wird im Rahmen der InsuResilience Global Partnership von der Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien unterstützt. Der deutsche Beitrag wird über die KfW umgesetzt.

Deutschland unterstützt über die KfW zudem im Rahmen der ARC Replica humanitäre Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) oder das internationale humanitäre NGO-Netzwerk Start Network dabei, selbst Versicherungsnehmer bei der African Risk Capacity zu werden und Nothilfemaßnahmen in afrikanischen Staaten abzusichern. Im Katastrophenfall können damit mehr Nothilfemaßnahmen als bisher finanziert werden und es kann schneller und effektiver geholfen werden. Durch die vorherige Abstimmung von Nothilfeplänen greifen die ländereigenen und internationalen Maßnahmen ineinander, was zu einer effektiveren Hilfe für die von Dürre betroffenen Menschen führt. Durch die ARC Replica werden Klimarisikoversicherungen zu einem wichtigen Baustein bei der Reform des humanitären Nothilfesystems hin zu einer vorausschauenden Handlungsweise.

Überschwemmung in der peruanischen Stadt Piura im März 2017
Zusammenarbeit konkret

InsuResilience Investment Fund

Der von Deutschland über die KfW konzipierte und mitfinanzierte InsuResilience Investment Fund (IIF) investiert in private Versicherungen und Intermediäre mit Aktivitäten in Entwicklungsländern, um bis zu 100 Millionen armen und vulnerablen Menschen Zugang zu Klimarisikoversicherungen zu ermöglichen.

Mit den Investitionen des IIF können zum Beispiel in Indien die Infrastruktur zur Messung von Wetterdaten (vor allem automatisierte Wetterstationen) und andere Serviceleistungen in vielen weiteren ländlichen Distrikten ausgebaut werden. Damit werden die für die indischen Agrarversicherungen notwendigen Daten erhoben, was zusätzlichen 24 Millionen armen Landbewohnern Zugang zum Agrarversicherungsprogramm ermöglicht.

Der IIF ist der erste privatwirtschaftlich organisierte Investmentfonds, der sich der finanziellen Absicherungen armer und vulnerabler Menschen verschrieben hat. Auf Initiative und Finanzierung Deutschlands und auf Basis der umfangreichen Erfahrung der deutschen finanziellen Zusammenarbeit (FZ) mit Impact-Investmentfonds wurde der Fonds aufgesetzt. Er traf auf großes Interesse seitens privater Akteure, mit vertrauenswürdigen und erfahrenen FZ-Akteuren im Bereich Klimarisikoversicherung investieren zu können.

Mit den rund 70 Millionen Euro von Deutschland hebelt der IIF in seiner Kapitalstruktur bis zu 180 Millionen US-Dollar von privaten Investoren zugunsten der armen und vulnerablen Zielgruppe. Weltweit agierende Versicherungsgesellschaften beteiligen sich am IIF.

Über den IIF unterstützt Deutschland auch das größte private Klimaversicherungsprogramm African and Asian Resilience in Disaster Insurance Scheme (ARDIS).

Beispiel Peru

Der Klimawandel macht sich bemerkbar, auch in Peru: Im Frühjahr 2017 wurde das Land von den schwersten Regenfällen und Erdrutschen seit 1998 heimgesucht. Öffentliche Einrichtungen, darunter auch Krankenhäuser, standen unter Wasser, Häuser wurden zerstört und kleine Dörfer waren teilweise komplett isoliert. Über eine halbe Millionen Menschen waren von den Überschwemmungen betroffen, mindestens 70 von ihnen sind dabei ums Leben gekommen. Unter den Langzeitfolgen leiden besonders Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie kleinere Unternehmen, die durch die Katastrophe ihren Lebensunterhalt teilweise komplett verloren haben.

Gegen die Auswirkungen von Überflutungen, Starkwinden und Dürren sind die meisten Menschen in Entwicklungsländern nicht abgesichert. Im Schadensfall sind sie schnell von Armut bedroht. Bei jedem Sturm und jedem Regenschauer fürchten sie um den Ausfall ihrer Ernte. Doch wer zahlt am Ende für gebrochene Dämme, zerstörte Gebäude und verlorene Ernten?

Der InsuResilience Investment Fund (IIF), von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit 2015 gegründet, unterstützt die Einführung und Weiterentwicklung von Versicherungsprodukten, die unter anderem in Peru Menschen vor Klimaschäden absichern. Der IIF investiert in Versicherungsunternehmen und Finanzinstitutionen vor Ort, wie zum Beispiel in die lokale Mikrofinanzinstitution "Caja Sullana" und unterstützt diese mit technischer Expertise.

So hilft der IIF der "Caja Sullana", Versicherungen gegen die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie kleine bis mittelgroße Unternehmen anzubieten. Insgesamt erhielten 466 Bäuerinnen und Bauern sowie Kleinunternehmen in Folge von zwei Überflutungen, darunter auch die vom März 2017, und einer Dürre Versicherungsleistungen in Höhe von 630.000 US-Dollar. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern konnten damit ihre Felder neu anlegen und erneut aussäen, Unternehmen konnten beschädigte Gebäude reparieren.

Bisher stellte der IIF 89 Millionen US-Dollar sowie technische Unterstützung für 21 qualifizierte Versicherer und Unternehmen bereit. Diese bieten armen und verwundbaren Haushalten und kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern Versicherungslösungen für Klimarisiken an.

Um künftig noch mehr Versicherungsprodukte auf den Weg zu bringen, können seit Mitte 2017 auch private Anleger in den IIF investieren. 30 Millionen US-Dollar kamen inzwischen von Seiten privater Investoren.

Perspektivisch sollen rund 100 Millionen arme und vulnerable Menschen in Entwicklungsländern durch heutige und zukünftige Investitionen des IIF abgesichert werden.

Farmer in Südafrika
Zusammenarbeit konkret

Implementierung: Der InsuResilience Solutions Fund

Als zentraler Baustein der InsuResilience Global Partnership wurde der InsuResilience Solutions Fund (ISF) von der KfW im Auftrag des BMZ etabliert. Die Frankfurt School of Finance & Management wurde von der KfW mit dem Management und der wissenschaftlichen Begleitung des Vorhabens beauftragt.

Ziel des ISF ist es, bedürftige Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 15 US-Dollar pro Tag besser gegen Klima- und Naturkatastrophen abzusichern.

Zum einen bietet er bedarfsorientierte und datengestützte Klimarisikoforschung und -beratung vor Ort. Dies ermöglicht die Finanzierung umfassender Klimarisikoanalysen, wie beispielsweise Studien zur Ökonomie der Anpassung an den Klimawandel (Economics of Climate Adaptation Studies) für ausgewählte geografische Gebiete. Als wesentliches Element des Klimarisikomanagements ermöglichen diese Studien es den verantwortlichen lokalen Partnern, das Bedrohungs- und Schadenspotential spezifischer Klimarisiken genauer zu bewerten, kosteneffiziente Anpassungsmaßnahmen zu identifizieren sowie die Relevanz von Versicherungslösungen zu eruieren.

Um die Umsetzung neuer Konzepte und Ansätze von Klimarisikoversicherungen in konkrete Versicherungsprodukte zu fördern, unterstützt der ISF zudem die Entwicklung und Einführung zielgruppengerechter Klimarisikoversicherungen für Haushalte und Unternehmen sowie für kommunale und staatliche Infrastruktur über die Ko-finanzierung der Produktentwicklungskosten. Dies erfolgt im Kontext übergeordneter Klimarisiko-Managementstrategien, die auch Maßnahmen zur Anpassung an entsprechende Klimarisiken beinhalten.

So hat der ISF gemeinsam mit der südafrikanischen Land Bank Insurance Company und Celsius Pro eine Fördervereinbarung unterzeichnet, um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern den Zugang zu landwirtschaftlichen Versicherungen zu erleichtern. Der Zuschuss des ISF dient der Teilfinanzierung der Entwicklung und Markteinführung einer innovativen indexbasierten Versicherung für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Südafrika, die bis 2021 rund 240.000 Menschen Versicherungsschutz bieten soll.

Mit seinem einmaligen Ansatz unterstützt der ISF gemeinsame Initiativen von lokalen Partnern, Unternehmen der Versicherungsbranche und NGOs, um sowohl die Expertise des Versicherungssektors zu nutzen als auch die Nachfrage und Nachhaltigkeit der entwickelten Klimarisikoversicherungsprodukte sicherzustellen.

Sensibilisierungsmaßnahmen zu Wetterversicherungen in Mumbwa, Sambia
Indien/Sambia/Paraguay/Madagaskar: Zusammenarbeit konkret

Entwicklung von Versicherungsmärkten

Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership fördert das Bundesentwicklungsministerium Maßnahmen zur Entwicklung der Versicherungsmärkte in Indien, Sambia, Paraguay und Madagaskar.

Indien

Ein im Rahmen der InsuResilience Global Partnership gefördertes Projekt in Indien zielt darauf ab, den Markt durch die Einführung innovativer Klimarisikoversicherungen nachhaltiger zu gestalten. Innovation bedeutet in diesem Kontext, Versicherungen für arme und verwundbare Menschen erschwinglicher und zugänglicher zu machen. Die Zielgruppe sind in erster Linie Landwirtinnen und Landwirte, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer, wobei die Zielgruppe sukzessive vergrößert werden soll. Das Projekt will den bisherigen Versicherungsschutz erweitern und neue Technologien einführen.

Die Aktivitäten in Indien teilen sich in zwei Hauptstränge: Der erste Strang konzentriert sich darauf, Versicherungen zur Abdeckung von Naturkatastrophen anzubieten. Durch die Verwendung parametrischer Methoden sollen Überschwemmungen, Dürren, Zyklone und Erdbeben in ländlichen Gegenden versichert werden. Die Naturkatastrophenversicherung hat zum Ziel, an Gruppenkredite geknüpft zu sein und durch Mikrofinanzinstitutionen vertrieben zu werden. Als Kundinnen und Kunden eines solchen Bündelprodukts kommen Landwirtinnen und Landwirte, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer in Frage. Die avisierte Wirkung des Produktes besteht darin, den Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern im Falle des Eintretens einer Naturkatastrophe schnelle finanzielle Hilfe zukommen zu lassen. Dies zielt darauf ab, negative Bewältigungsstrategien zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Hierzu zählen beispielsweise das Auflösen von Ersparnissen, der Verkauf von einkommensgenerierenden Vermögenswerten wie Vieh oder die Inanspruchnahme von Krediten bei informellen Gebern zu horrenden Zinsen.

Der zweite Strang hat das Ziel, eine satellitenbasierte Hochwasserindexversicherung konzeptionell zu entwickeln. Erste Arbeiten, um Hochwasserereignisse auf Basis von frei verfügbaren Satellitendaten, wie von den Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-1 und Sentinel-2, zu kartieren, wurden gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt.

Des Weiteren ist eine automatisierte Hochwasserdetektion in Planung, auf deren Grundlage Versicherungszahlungen erfolgen können. Eine satellitenbasierte Flutindexversicherung soll einkommensschwachen und vulnerablen Haushalten in Entwicklungs- und Schwellenländern ermöglichen, sich kostengünstiger und umfassender gegen Einkommensverluste abzusichern.

Sambia

In Sambia sind über 53 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Bei einem Großteil davon handelt es sich um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mit weniger als fünf Hektar Land, die oft kaum die Möglichkeit haben, sich vor Produktionsrisiken zu schützen. Wetterereignisse wie ein verspäteter Beginn der Regenzeit, Dürreperioden, unzureichender und unregelmäßiger Regen, aber auch Starkregen, können zu hohen Ernteverlusten führen.

Wetterversicherungen können dabei helfen, diese Risiken zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit der Landwirtinnen und Landwirte zu stärken. Hier setzt ein Projekt an, welches im Rahmen der InsuResilience Global Partnership gefördert wird, um die nachhaltige Entwicklung des Agrarversicherungsmarktes in Sambia zu unterstützen.

Die Baumwollfirma NWK Agri-Services (NWK) bietet seit der Saison 2013/14 index-basierte Wetterversicherungen für Trockenperioden, Dürren und Starkregen an, die auf Satellitendaten basieren.

Dieses freiwillige Versicherungsmodell beinhaltet keine Zahlung von Prämiensubventionen. NWK finanziert die Versicherungsprämie zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Saatgut und Düngemittel im Rahmen des Vertragsanbaus für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vor.

Diese stimmen wiederum zu, ihre Baumwolle am Ende der Saison an NWK zu verkaufen. Der Verkaufserlös und die potenziellen Auszahlungen der Wetterversicherung werden verwendet, um den Kredit abzubezahlen. Entstandene Überschüsse gehen direkt an die Bäuerinnen und Bauern.

Die Absicherung kann den kleinen bäuerlichen Betrieben die Sicherheit und das Vertrauen geben, mehr zu investieren. Dies resultiert in einer größeren Ankaufsmenge von Baumwolle für Unternehmen wie zum Beispiel NWK und stärkt in der Folge das Geschäftsmodell des sambischen Agrarunternehmens.

Seit 2016 finanziert das BMZ in Sambia Maßnahmen, die darauf abzielen, Nachfrage und Angebot im Klimarisikoversicherungsmarkt zu stärken. Versicherer wie Mayfair und Hollard sowie Agrarunternehmen wie NWK und Alliance Ginneries werden bei der Entwicklung nachhaltiger Klimarisikoversicherungsmodelle unterstützt. Zusätzlich ging NWK im Juni 2018 eine dreijährige Entwicklungspartnerschaft im Rahmen des develoPPP.de-Programms des BMZ ein.

Insgesamt wurden rund 84.000 solcher Versicherungen bei NWK und anderen Agrarunternehmen von 2013/14 bis 2018/19 abgeschlossen. Bei der letzten schweren Dürre im Jahr 2016 erhielten etwa 23.000 Betroffene Auszahlungen. Zusätzlich schloss Alliance Ginneries für die Saison 2018/19 eine Portfolio-Wettersicherung für 20.000 Hektar Land ab, das von 18.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Vertragsanbau mit dem Agrarunternehmen bewirtschaftet wird.

Auf der Angebotsseite werden Kapazitäten bei lokalen Versicherern aufgebaut, damit mehr Versicherer Wetterversicherungen für kleine landwirtschaftliche Betriebe anbieten können. Dies geschieht im Rahmen von Workshops sowie gezielter Beratung zur Produktentwicklung. Zwei zusätzliche lokale Versicherer planen in der Saison 2019/20 Wetterversicherungen anzubieten.

Auch auf der Nachfrageseite wird das Verständnis gegenüber Agrarversicherungen gestärkt. Bäuerinnen und Bauern werden zum Thema "Agrarversicherungen" fortgebildet; Informationen werden über Poster und Flyer sowie Mobiltelefone bereitgestellt.

Ein Mann auf einem Feld in Paraguay mit Maniokwurzeln

Paraguay

Für Paraguays rund sieben Millionen Einwohner ist die Landwirtschaft einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Sie macht etwa 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und bietet rund 40 Prozent der Bevölkerung Arbeit. Knapp ein Drittel der armen Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen Gebieten und sieht sich zunehmend mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Laut der internationalen Desasterdatenbank (EM-DAT) sind Überschwemmungen, Stürme und Dürren die häufigsten Extremwetterereignisse in Paraguay – und ihre Häufigkeit nimmt genauso zu, wie die Schäden, die sie anrichten.

Um die Resilienz der ländlichen Bevölkerung gegenüber Katastrophen zu stärken, fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Vorhaben "FortaleceRES" seit 2016 die Entwicklung von Agrar-, Klima- und Lebensversicherungen in Ostparaguay. Es richtet sich vornehmlich an kleine Betriebe, die in vielen Fällen von Frauen bewirtschaftet werden.

Konkret entwickelt die staatliche Landwirtschaftsbank, "Crédito Agrícola de Habilitación (CAH)" index-basierte Wetterversicherungen für ihre Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer. Im Fall von Extremwetterereignissen erhalten sie Auszahlungen und können dadurch schneller und gezielter auf die Katastrophe reagieren.

Ein anderer Schlüsselpartner des Vorhabens ist das Ministerium für soziale Maßnahmen (Secretaría de Acción Social, SAS). Die 13.000 Begünstigten einer Lebens- und Invaliditätsversicherung sollen durch eine Katastrophenversicherung zusätzlich gegen Starkregen oder extreme Dürre abgesichert werden. Darüber hinaus erhält das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht (Ministerio de Agricultura y Ganadería) sowie die nationale Versicherungsaufsichtsbehörde (Superintendencia de Seguros) Beratung zu verschiedenen Arten von landwirtschaftlichen Versicherungen.

In dem von der EU kofinanzierten Projekt PROCADENAS wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Kooperation mit dem paraguayischen Viehzuchtministerium (Viceministerio de Ganadería, VMG) eine diversifizierte und nachhaltige Kleintierhaltung gefördert. Ziel ist die Stärkung verschiedener Wertschöpfungsketten der Kleintierhaltung, darunter Imkerei, Ziegen-, Schaf- und Fischzucht. Das Projekt will dies unter anderem durch eine Verbesserung des Risikomanagements erreichen.

Erste Ergebnisse von Risikoanalysen zeigen, dass Gesundheitsrisiken wie Tierkrankheiten, Klimarisiken, insbesondere Dürre und Frost, und Marktrisiken wie Preisfluktuation und Schmuggelei die Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. Darauf basierend werden nachhaltige Versicherungslösungen und Finanzprodukte für die Produzenten und andere Akteure entlang der Wertschöpfungsketten entwickelt.

Als Instrument für Risikotransfer haben Versicherungen das Potenzial, Investitionen in einer Wertschöpfungskette nachhaltiger zu gestalten. Sie helfen Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten dabei, besser und schneller auf katastrophale Ereignisse zu reagieren. Insgesamt tragen Versicherungen dadurch zur Bildung resilienter Wertschöpfungsketten bei. Weitere Handlungsstränge des Projektes umfassen die Förderung nachhaltiger Produktionspraktiken, die Integration in nationale und internationale Märkte und die Stärkung des Dialogs zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Damit leisten FortaleceRES und PROCADENAS einen Beitrag zum Ausbau der InsuResilience Global Partnership, die auf der Weltklimakonferenz 2017 in Bonn ins Leben gerufen wurde und zum Ziel hat, bis 2020 zusätzlich 400 Millionen arme und besonders verletzbare Menschen gegen Klimarisiken in Entwicklungsländern zu versichern.

Madagaskar

Madagaskar ist aufgrund seiner geographischen Lage und der Abhängigkeit seiner Bevölkerung von natürlichen Ressourcen in hohem Maße anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft als wichtigster Wirtschaftszweig des Inselstaates. Sie stellt zugleich eine bedeutende Lebensgrundlage für den Großteil der armen Bevölkerung dar.

Seit Anfang 2018 wird im Rahmen der InsuResilience Global Partnership im Vorhaben "Anpassung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten an den Klimawandel" (PrAda) auch die Verbreitung von Klimarisikoversicherungen gefördert. Dadurch können sich Akteurinnen und Akteure der Wertschöpfungsketten gegen Einnahmeverluste durch klima- und wetterbedingte Ereignisse absichern.

Die Entwicklung dieser innovativen Klimarisikoversicherungsprodukte findet in den drei südlichen Regionen Androy, Anosy und Atsimo-Atsinanana statt. Hauptpartner sind neben dem madagassischen Landwirtschaftsministerium (Ministère de l'Agriculture et de l'Elevage) Versicherungsregulierer sowie nationale Versicherungsfirmen.

Die Zusammenarbeit zwischen der InsuResilience Global Partnership und PrAda besteht darin, fachliche Unterstützung für die wichtigen Etappen der Umsetzung in Madagaskar zu leisten, die Kapazitätsentwicklung für die Themen Versicherungsmarktentwicklung und index-basierte Versicherungen zu unterstützen, sowie die Ergebnisse des Projektes international zu verbreiten.

Reisernte in Bangladesch
Indien: Zusammenarbeit konkret

Satellitentechnologie schützt Reisbauern vor Ernteausfällen

Im Jahr 2017 erhielten mehr als 200.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im indischen Bundesstaat Tamil Nadu nach einer extremen Dürre Kompensationszahlungen aus dem nationalen Ernteversicherungsprogramm. Gemessen wurden die Schäden dabei schnell und präzise mittels Satelliten, so dass die Landwirte rasch für die ausgefallene Reisernte kompensiert wurden. Grundlage bildete dabei das Projekt "RIICE".

RIICE (Remote Sensing-based Information and Insurance for Crops in Emerging Economies) hilft seit 2012 Südostasien und Indien dabei, im Falle von drohenden Ernteausfällen schnell zu reagieren und die Einkommenssicherheit von Landwirten zu erhöhen. Die Initiative, bei der Reisanbaugebiete überwacht und gegen Extremwetterereignisse abgesichert werden, ging aus einer Partnerschaft zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Swiss Re Rückversicherung, dem International Rice Research Institute (IRRI), dem Software-Unternehmen sarmap und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hervor.

Etwa 90 Prozent der weltweiten Reisproduktion kommen aus Asien. Reis sichert dort die Existenz vieler Landwirtinnen und Landwirte. Allerdings hat die gesamte Region mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen: Überflutungen, Taifune und Dürreperioden sind an der Tagesordnung, immer wieder werden ganze Ernten vernichtet. RIICE ermöglicht effiziente Ernteausfallversicherungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, um im Schadensfall schnell einen finanziellen Ausgleich zu leisten und Regierungen die notwendigen Informationen für Nothilfemaßnahmen an die Hand zu geben.

Im Jahr 2015 überfluteten heftige Regenfälle ganze Regionen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu; dabei wurde die Saat von über 400 Reisbäuerinnen und Reisbauern vernichtet. Mithilfe der Satellitendaten konnten die Schäden innerhalb weniger Tage geschätzt, und die Bäuerinnen und Bauern mit neuen Setzlingen versorgt werden.

Zwei Jahre später traf es Tamil Nadu noch härter: Wegen der schlimmsten Dürreperiode seit über 140 Jahren bestand die Region nur noch aus brachem Land. Mit Informationen von RIICE wurden mehr als 200.000 Reisbauern innerhalb von drei Monaten mit durchschnittlich 195 Euro für den Ernteausfall entschädigt, was sonst bis zu einem Jahr gedauert hätte.

Gagandeep Singh Bedi, ranghöchster Regierungsbeamter für Agrarangelegenheiten im indischen Südstaat, sagte dazu: "Die RIICE-Technologie ermöglicht es uns, Ernteverluste und Schäden transparenter und zeitnah zu bewerten. Das war besonders während der letzten Erntesaison nützlich, um von Dürre betroffene Dörfer in Rekordzeit zu identifizieren."

Farmer in Äthiopien
Äthiopien: Zusammenarbeit konkret

Regionen für den Klimawandel fit machen – Rural Resilience Initiative

Deutschland finanziert im Rahmen der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger über die KfW eine Ausweitung der vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und Oxfam gegründeten Rural Resilience Initiative (R4) auf die äthiopischen Regionen Tigray und Amhara. Diese sind besonders extremen Veränderungen durch den Klimawandel ausgesetzt. Das Vorhaben ist Teil der G7-Initiative InsuResilience.

Der ganzheitliche Ansatz R4 umfasst vier Maßnahmen zum besseren Umgang mit den Folgen des Klimawandels und mit Extremwetterereignissen:

Zum einen werden wirtschaftlich und finanziell nachhaltige Dürreversicherungen für die ansässige Bevölkerung bereitgestellt, zum anderen werden Maßnahmen zum Erosionsschutz und zur Wasserrückhaltung im Fall von Starkregen eingeleitet, um die Zielgruppe weniger anfällig gegenüber Risiken zu machen. Darüber hinaus können die kleinbäuerlichen Betriebe über Mikrokredite in die Diversifizierung ihrer Einkommen investieren, zum Beispiel, indem sie Bienen für die Honigproduktion und -vermarktung erwerben. Schließlich wird auch das Sparverhalten der Landwirte durch spezielle Trainings gestärkt und so ermöglicht, ein finanzielles Polster für mögliche Ernteausfälle anzusparen.

Neben diesem umfassenden Ansatz zeichnet sich R4 durch ein weiteres innovatives Element aus: Im Rahmen von "Insurance-for-Work" können die ärmsten Landwirte ihre Versicherungsprämien mittels Arbeitsleistungen erwerben.

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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