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Klimarisikoversicherungen

Warum Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen wichtig sind

Überschwemmung in der Regenzeit in Bentiu, Südsudan

Was ist eine Klimarisikoversicherung?

Klimarisikoversicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel immer häufiger und intensiver werden. Bei direkten Versicherungen sichern sich Privatpersonen oder kleine Unternehmen gegen Risiken ab – zum Beispiel gegen Ernteausfälle. Im Schadensfall erhalten sie direkt Hilfe.

Bei indirekten Versicherungen sind es Staaten, die sich einzeln oder in sogenannten Risikopools gegenseitig gegen Klimarisiken absichern. Im Schadensfall erhalten sie schnell Auszahlungen, die sie für die betroffene Bevölkerung einsetzen, insbesondere für arme und verwundbare Menschen.


Was versteht man unter Risikofinanzierung?

Klimarisikoversicherungen sind dann am wirksamsten, wenn sie in eine umfassende Risikomanagementstrategie eines Landes eingebettet sind. Es ist wichtig, dass diese Risikomanagementstrategie durch die sogenannte Risikofinanzierung entsprechend in die Budget- und Kreditlinien eines Staatshaushaltes einkalkuliert ist. So können Regierungen im Falle einer Katastrophe nach klaren Kriterien schnell und gezielt reagieren. Auch hier ist ein Fokus auf die ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen zentral.

Umfassendes Klimarisikomanagement ist kein starrer Prozess zur Umsetzung von Einzelmaßnahmen. Vielmehr handelt es sich um die gezielte Kombination von Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasen, von vorbeugenden Maßnahmen zum Umgang mit Klima- beziehungsweise Katastrophenrisiken im Rahmen des Katastrophenrisikomanagements sowie von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.


Warum werden Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen gebraucht?

Versicherungen ermöglichen schnelle Nothilfe und zeitnahen Wiederaufbau nach Katastrophen. Während die internationale Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen nach einer Katastrophe mühsam Geld einsammeln, verstreicht wertvolle Zeit. Oft dauert es Wochen oder gar Monate, bis die Betroffenen Hilfe erhalten. Immer mehr Regierungen erkennen den Vorteil von proaktivem und somit kosteneffizienterem Handeln hinsichtlich Klimarisiken und immer häufiger und in ihrer Intensität stärker auftretenden Naturkatastrophen. Sie beziehen diese Risiken vorab in ihre Finanzplanung mit ein, um Menschenleben und Lebensgrundlagen aber auch den nationalen Haushalt vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.

Durch den vorausschauenden Charakter von Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen kann so in Notsituationen schon nach wenigen Tagen Geld an Betroffene ausgezahlt werden. Das rettet Leben und Besitz und sichert Entwicklungserfolge ab. Risikofinanzierung und Versicherungen tragen somit zu Armutsminderung, nachhaltiger Entwicklung und auch zur Bekämpfung von ökonomischen Fluchtursachen bei.

Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen geben den Versicherungsnehmern Sicherheit, nach einer Katastrophe auch wirklich Hilfe zu bekommen: Mit dem Abschluss einer solchen Versicherung erwerben sie Rechtsansprüche auf den Ersatz erlittener Schäden. Die Betroffenen sind dadurch nicht mehr länger in der Rolle eines Bittstellers und können selbst dazu beitragen, ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Risikofinanzierung und Versicherungen schaffen darüber hinaus sowohl auf Regierungs- als auch auf individueller Ebene Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten. Durch risikomindernde Maßnahmen, wie zum Beispiel Küstenschutz, kann die Höhe der Versicherungsprämie reduziert werden. Der Abschluss einer Versicherung erfolgt auf Basis einer systematischen Risikobewertung. Das fördert die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen und entsprechender Katastrophenrisikovorsorge. Zudem fordern beziehungsweise fördern regionale Risikopools die Entwicklung von Notfallplänen. Diese Pläne helfen bei der wirksamen Bewältigung im Katastrophenfall und sorgen dafür, dass die ausgezahlten Mittel effektiv eingesetzt werden. Im Schadensfall können Auszahlungen so rasch der notleidenden Bevölkerung zugutekommen.

Über öffentlich-private Partnerschaften können auch Ressourcen der Versicherungswirtschaft in den Dienst von Klimaanpassung und Entwicklung gestellt werden. So kann die Privatwirtschaft ihre Expertise sowie ihren Zugang zu Daten, Risikomodellen und Kapital für die Förderung von Klimarisikoversicherung für arme und verwundbare Menschen nutzbar machen. Instrumente für Fernerkundung ermöglichen beispielweise eine rasche und flächendeckende Ermittlung von Schäden nach einem Extremwetterereignis.


Indirekte Versicherungsansätze

Die mit Unterstützung von Deutschland und Großbritannien gegründete afrikanische Dürreversicherung African Risk Capacity (ARC) wird unter InsuResilience systematisch ausgebaut. Eine Besonderheit der ARC liegt darin, dass jede Regierung einen Notfallplan ausarbeitet und darin im Vorhinein festlegt, wie Versicherungszahlungen im Katastrophenfall eingesetzt werden. Auf diese Weise kann der betroffenen Bevölkerung besonders schnell und gezielt geholfen werden. Mithilfe von InsuResilience werden aktuell neue Versicherungsprodukte gegen Überflutungen und Starkwinde entwickelt.

Mit InsuResilience unterstützt das BMZ zudem humanitäre Akteure wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) oder das Start Network dabei, selbst Versicherungsnehmer bei der African Risk Capacity zu werden. So können im Schadensfall zusätzlich Mittel ausgeschüttet werden, die vom WFP oder anderen humanitären Organisationen eingesetzt werden können (sogenannte ARC Replica). Klimarisikoversicherungen können dadurch ein wichtiger Baustein der Reform des humanitären Nothilfesystems sein, in deren Zentrum eine vorausschauende Planung und die Mobilisierung zusätzlicher Mittel zum Schutz bedürftiger Menschen steht.

Im Pazifik gründeten die G7-Staaten Deutschland, Großbritannien, USA und Japan gemeinsam mit den pazifischen Inselstaaten und der Weltbank im Juni 2016 eine neue Risikoversicherungsgesellschaft, die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI). Sie bietet Versicherungsprodukte gegen tropische Wirbelstürme und Erdbeben an. Versicherungsnehmer sind bereits fünf Inselstaaten: Cookinseln, Vanuatu, Tonga, Marshallinseln und Samoa.

Die Versicherungsfazilität Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) in der Karibik wurde mithilfe von InsuResilience auf Mittelamerika ausgeweitet. Mit Nicaragua trat 2016 das erste mittelamerikanische Land bei. Die CCRIF bietet Absicherung gegen Wirbelstürme und Erdbeben und konnte ihr Angebot mithilfe von InsuResilience um Versicherungen gegen Starkregen erweitern. Nach dem Wirbelsturm "Matthew" im Oktober 2016 erhielt Haiti dadurch mehr als 23,4 Millionen US-Dollar innerhalb von 14 Tagen nach Schadenseintritt. Hiermit konnten unter anderem Nahrungsmittel und Notunterkünfte für 1,4 Millionen Menschen bereitgestellt werden, Medikamente für Kinder gekauft und Dächer von Schulen, Kirchen und Gerichten erneuert werden.

Zuletzt wurden im September 2017 nach den verheerenden Auswirkungen der Wirbelstürme "Irma" und "Maria" in der Karibik mehr als 50 Millionen US-Dollar an Antigua und Barbuda, Anguilla, St. Kitts und Nevis, Turks- und Caicosinseln, Haiti, die Bahamas und Dominica ausgezahlt. Damit hat die CCRIF seit ihrer Gründung im Jahr 2007 bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar zur raschen Bewältigung der Folgen von Extremwetter an 12 der 17 Mitgliedsstaaten ausgezahlt.


Direkte Versicherungsansätze

Mit deutscher Unterstützung werden im Rahmen von InsuResilience Politikempfehlungen für die Ausgestaltung von Rahmenbedingungen für Versicherungsmärkte in Entwicklungsländern erarbeitet. Private Unternehmen sind dabei wichtige Partner – nicht nur, weil sie Risikokapital bereitstellen können, sondern auch, weil sie über Wissen und Daten sowie innovative Technologien verfügen.

Die Global Partnership fördert zudem die Entwicklung nachhaltiger Klimarisikoversicherungslösungen für private Marktteilnehmer wie Versicherer oder für Regierungsinstitutionen, indem sie Informationskampagnen für die breite Bevölkerung erarbeitet und innovative Ansätze (wie mobile Technologien) zur Absicherung der armen und verwundbaren Bevölkerung unterstützt.

Eine Übersicht aller von InsuResilience unterstützten Projekte finden Sie hier (englisch).


Weitere Informationen

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BMZ-Video über die Folgen des Klimawandels und Klimarisikoversicherungen

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Der Klimawandel ist in Bangladesch bereits deutlich spürbar. Deutschland unterstützt das Land gemeinsam mit der Asiatischen Entwicklungsbank dabei, die Folgen des Klimawandels zu mildern, zum Beispiel durch den Bau von Brücken, Dämmen und Uferbefestigungen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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