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Sensibilisierungsmaßnahmen zu Wetterversicherungen in Mumbwa, Sambia
Indien/Sambia/Paraguay/Madagaskar: Zusammenarbeit konkret

Entwicklung von Versicherungsmärkten

Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership fördert das Bundesentwicklungsministerium Maßnahmen zur Entwicklung der Versicherungsmärkte in Indien, Sambia, Paraguay und Madagaskar.

Indien

Ein im Rahmen der InsuResilience Global Partnership gefördertes Projekt in Indien zielt darauf ab, den Markt durch die Einführung innovativer Klimarisikoversicherungen nachhaltiger zu gestalten. Innovation bedeutet in diesem Kontext, Versicherungen für arme und verwundbare Menschen erschwinglicher und zugänglicher zu machen. Die Zielgruppe sind in erster Linie Landwirtinnen und Landwirte, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer, wobei die Zielgruppe sukzessive vergrößert werden soll. Das Projekt will den bisherigen Versicherungsschutz erweitern und neue Technologien einführen.

Die Aktivitäten in Indien teilen sich in zwei Hauptstränge: Der erste Strang konzentriert sich darauf, Versicherungen zur Abdeckung von Naturkatastrophen anzubieten. Durch die Verwendung parametrischer Methoden sollen Überschwemmungen, Dürren, Zyklone und Erdbeben in ländlichen Gegenden versichert werden. Die Naturkatastrophenversicherung hat zum Ziel, an Gruppenkredite geknüpft zu sein und durch Mikrofinanzinstitutionen vertrieben zu werden. Als Kundinnen und Kunden eines solchen Bündelprodukts kommen Landwirtinnen und Landwirte, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer in Frage. Die avisierte Wirkung des Produktes besteht darin, den Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern im Falle des Eintretens einer Naturkatastrophe schnelle finanzielle Hilfe zukommen zu lassen. Dies zielt darauf ab, negative Bewältigungsstrategien zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Hierzu zählen beispielsweise das Auflösen von Ersparnissen, der Verkauf von einkommensgenerierenden Vermögenswerten wie Vieh oder die Inanspruchnahme von Krediten bei informellen Gebern zu horrenden Zinsen.

Der zweite Strang hat das Ziel, eine satellitenbasierte Hochwasserindexversicherung konzeptionell zu entwickeln. Erste Arbeiten, um Hochwasserereignisse auf Basis von frei verfügbaren Satellitendaten, wie von den Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-1 und Sentinel-2, zu kartieren, wurden gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt.

Des Weiteren ist eine automatisierte Hochwasserdetektion in Planung, auf deren Grundlage Versicherungszahlungen erfolgen können. Eine satellitenbasierte Flutindexversicherung soll einkommensschwachen und vulnerablen Haushalten in Entwicklungs- und Schwellenländern ermöglichen, sich kostengünstiger und umfassender gegen Einkommensverluste abzusichern.

Sambia

In Sambia sind über 53 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Bei einem Großteil davon handelt es sich um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mit weniger als fünf Hektar Land, die oft kaum die Möglichkeit haben, sich vor Produktionsrisiken zu schützen. Wetterereignisse wie ein verspäteter Beginn der Regenzeit, Dürreperioden, unzureichender und unregelmäßiger Regen, aber auch Starkregen, können zu hohen Ernteverlusten führen.

Wetterversicherungen können dabei helfen, diese Risiken zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit der Landwirtinnen und Landwirte zu stärken. Hier setzt ein Projekt an, welches im Rahmen der InsuResilience Global Partnership gefördert wird, um die nachhaltige Entwicklung des Agrarversicherungsmarktes in Sambia zu unterstützen.

Die Baumwollfirma NWK Agri-Services (NWK) bietet seit der Saison 2013/14 index-basierte Wetterversicherungen für Trockenperioden, Dürren und Starkregen an, die auf Satellitendaten basieren.

Dieses freiwillige Versicherungsmodell beinhaltet keine Zahlung von Prämiensubventionen. NWK finanziert die Versicherungsprämie zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Saatgut und Düngemittel im Rahmen des Vertragsanbaus für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vor.

Diese stimmen wiederum zu, ihre Baumwolle am Ende der Saison an NWK zu verkaufen. Der Verkaufserlös und die potenziellen Auszahlungen der Wetterversicherung werden verwendet, um den Kredit abzubezahlen. Entstandene Überschüsse gehen direkt an die Bäuerinnen und Bauern.

Die Absicherung kann den kleinen bäuerlichen Betrieben die Sicherheit und das Vertrauen geben, mehr zu investieren. Dies resultiert in einer größeren Ankaufsmenge von Baumwolle für Unternehmen wie zum Beispiel NWK und stärkt in der Folge das Geschäftsmodell des sambischen Agrarunternehmens.

Seit 2016 finanziert das BMZ in Sambia Maßnahmen, die darauf abzielen, Nachfrage und Angebot im Klimarisikoversicherungsmarkt zu stärken. Versicherer wie Mayfair und Hollard sowie Agrarunternehmen wie NWK und Alliance Ginneries werden bei der Entwicklung nachhaltiger Klimarisikoversicherungsmodelle unterstützt. Zusätzlich ging NWK im Juni 2018 eine dreijährige Entwicklungspartnerschaft im Rahmen des develoPPP.de-Programms des BMZ ein.

Insgesamt wurden rund 84.000 solcher Versicherungen bei NWK und anderen Agrarunternehmen von 2013/14 bis 2018/19 abgeschlossen. Bei der letzten schweren Dürre im Jahr 2016 erhielten etwa 23.000 Betroffene Auszahlungen. Zusätzlich schloss Alliance Ginneries für die Saison 2018/19 eine Portfolio-Wettersicherung für 20.000 Hektar Land ab, das von 18.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Vertragsanbau mit dem Agrarunternehmen bewirtschaftet wird.

Auf der Angebotsseite werden Kapazitäten bei lokalen Versicherern aufgebaut, damit mehr Versicherer Wetterversicherungen für kleine landwirtschaftliche Betriebe anbieten können. Dies geschieht im Rahmen von Workshops sowie gezielter Beratung zur Produktentwicklung. Zwei zusätzliche lokale Versicherer planen in der Saison 2019/20 Wetterversicherungen anzubieten.

Auch auf der Nachfrageseite wird das Verständnis gegenüber Agrarversicherungen gestärkt. Bäuerinnen und Bauern werden zum Thema "Agrarversicherungen" fortgebildet; Informationen werden über Poster und Flyer sowie Mobiltelefone bereitgestellt.

Ein Mann auf einem Feld in Paraguay mit Maniokwurzeln

Paraguay

Für Paraguays rund sieben Millionen Einwohner ist die Landwirtschaft einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Sie macht etwa 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und bietet rund 40 Prozent der Bevölkerung Arbeit. Knapp ein Drittel der armen Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen Gebieten und sieht sich zunehmend mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Laut der internationalen Desasterdatenbank (EM-DAT) sind Überschwemmungen, Stürme und Dürren die häufigsten Extremwetterereignisse in Paraguay – und ihre Häufigkeit nimmt genauso zu, wie die Schäden, die sie anrichten.

Um die Resilienz der ländlichen Bevölkerung gegenüber Katastrophen zu stärken, fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Vorhaben "FortaleceRES" seit 2016 die Entwicklung von Agrar-, Klima- und Lebensversicherungen in Ostparaguay. Es richtet sich vornehmlich an kleine Betriebe, die in vielen Fällen von Frauen bewirtschaftet werden.

Konkret entwickelt die staatliche Landwirtschaftsbank, "Crédito Agrícola de Habilitación (CAH)" index-basierte Wetterversicherungen für ihre Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer. Im Fall von Extremwetterereignissen erhalten sie Auszahlungen und können dadurch schneller und gezielter auf die Katastrophe reagieren.

Ein anderer Schlüsselpartner des Vorhabens ist das Ministerium für soziale Maßnahmen (Secretaría de Acción Social, SAS). Die 13.000 Begünstigten einer Lebens- und Invaliditätsversicherung sollen durch eine Katastrophenversicherung zusätzlich gegen Starkregen oder extreme Dürre abgesichert werden. Darüber hinaus erhält das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht (Ministerio de Agricultura y Ganadería) sowie die nationale Versicherungsaufsichtsbehörde (Superintendencia de Seguros) Beratung zu verschiedenen Arten von landwirtschaftlichen Versicherungen.

In dem von der EU kofinanzierten Projekt PROCADENAS wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Kooperation mit dem paraguayischen Viehzuchtministerium (Viceministerio de Ganadería, VMG) eine diversifizierte und nachhaltige Kleintierhaltung gefördert. Ziel ist die Stärkung verschiedener Wertschöpfungsketten der Kleintierhaltung, darunter Imkerei, Ziegen-, Schaf- und Fischzucht. Das Projekt will dies unter anderem durch eine Verbesserung des Risikomanagements erreichen.

Erste Ergebnisse von Risikoanalysen zeigen, dass Gesundheitsrisiken wie Tierkrankheiten, Klimarisiken, insbesondere Dürre und Frost, und Marktrisiken wie Preisfluktuation und Schmuggelei die Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. Darauf basierend werden nachhaltige Versicherungslösungen und Finanzprodukte für die Produzenten und andere Akteure entlang der Wertschöpfungsketten entwickelt.

Als Instrument für Risikotransfer haben Versicherungen das Potenzial, Investitionen in einer Wertschöpfungskette nachhaltiger zu gestalten. Sie helfen Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten dabei, besser und schneller auf katastrophale Ereignisse zu reagieren. Insgesamt tragen Versicherungen dadurch zur Bildung resilienter Wertschöpfungsketten bei. Weitere Handlungsstränge des Projektes umfassen die Förderung nachhaltiger Produktionspraktiken, die Integration in nationale und internationale Märkte und die Stärkung des Dialogs zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Damit leisten FortaleceRES und PROCADENAS einen Beitrag zum Ausbau der InsuResilience Global Partnership, die auf der Weltklimakonferenz 2017 in Bonn ins Leben gerufen wurde und zum Ziel hat, bis 2020 zusätzlich 400 Millionen arme und besonders verletzbare Menschen gegen Klimarisiken in Entwicklungsländern zu versichern.

Madagaskar

Madagaskar ist aufgrund seiner geographischen Lage und der Abhängigkeit seiner Bevölkerung von natürlichen Ressourcen in hohem Maße anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft als wichtigster Wirtschaftszweig des Inselstaates. Sie stellt zugleich eine bedeutende Lebensgrundlage für den Großteil der armen Bevölkerung dar.

Seit Anfang 2018 wird im Rahmen der InsuResilience Global Partnership im Vorhaben "Anpassung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten an den Klimawandel" (PrAda) auch die Verbreitung von Klimarisikoversicherungen gefördert. Dadurch können sich Akteurinnen und Akteure der Wertschöpfungsketten gegen Einnahmeverluste durch klima- und wetterbedingte Ereignisse absichern.

Die Entwicklung dieser innovativen Klimarisikoversicherungsprodukte findet in den drei südlichen Regionen Androy, Anosy und Atsimo-Atsinanana statt. Hauptpartner sind neben dem madagassischen Landwirtschaftsministerium (Ministère de l'Agriculture et de l'Elevage) Versicherungsregulierer sowie nationale Versicherungsfirmen.

Die Zusammenarbeit zwischen der InsuResilience Global Partnership und PrAda besteht darin, fachliche Unterstützung für die wichtigen Etappen der Umsetzung in Madagaskar zu leisten, die Kapazitätsentwicklung für die Themen Versicherungsmarktentwicklung und index-basierte Versicherungen zu unterstützen, sowie die Ergebnisse des Projektes international zu verbreiten.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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