Drei Frauen nutzen ein Smartphone.
Urheberrecht© Goethe-Institut Südafrika
Digitalisierung Auswirkung der Digitalisierung auf die Entwicklungszusammenarbeit
Als Orientierungsrahmen diente dazu das Positionspapier „Digitalisierung für Entwicklung“. Es trägt zur Implementierung der 2019 veröffentlichten Umsetzungsstrategie der Bundesregierung zur Gestaltung des Digitalen Wandels bei. Durch den Einsatz digitaler Technologien sollen Effizienz, Transparenz und Nachhaltigkeit gesteigert werden.
Motor für nachhaltige Entwicklung
Ein digitaler Thermometerfühler wird geprüft.
Digitale Technologien werden vermehrt genutzt, da sie verbesserten Zugang zu Basisdienstleistungen schaffen können, transparentere und effizientere Verwaltungssysteme bilden oder neue Innovationschancen in der Wirtschaft erschließen.
Darüber hinaus verändert sich auch die Organisation der Entwicklungszusammenarbeit selbst. Digitale Technologien ermöglichen zum Beispiel eine verbesserte Kommunikation mit Partnern sowie Zielgruppen oder schaffen neue Planungs- und Rechenschaftsinstrumente.
Digitale Technologien sind ein Motor für nachhaltige Entwicklung und spielen damit eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).
Das Kernstück der Agenda bildet ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Ausdrücklich erwähnt werden die Informations- und Kommunikationstechnologien zum Beispiel in den Zielen zu Bildung (SDG 4), zu Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5), zu Infrastruktur, Industrialisierung und Innovation (SDG 9) und zu den globalen Partnerschaften (SDG 17).
Insgesamt beeinflussen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) jedoch alle 17 Ziele. Ihre Bedeutung spiegelt sich im Technology Facilitation Mechanism (Externer Link) (TFM) wider, der im Rahmen der Agenda 2030 ins Leben gerufen wurde. Der TFM fördert den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Mitgliedsstaaten, UN-Organisationen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung und stellt den systematischen Einsatz von Wissenschaft, Technik und Innovationen für die Erreichung der 17 Ziele in den Mittelpunkt.
Digitale Kluft
Einsame Straße in Uganda
Der digitale Wandel schafft aber auch neue Herausforderungen, mit denen sich die Entwicklungszusammenarbeit auseinandersetzen muss. So können bestehende Unterschiede beim Zugang zu und der Nutzung von digitalen Technologien Einkommensunterschiede noch verstärken.
Wie groß die sogenannte „digitale Kluft“ ist, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab: Neben der Verfügbarkeit entsprechender Infrastruktur und einem bezahlbaren Zugang spielen auch Wissen über den Umgang mit digitalen Technologien und das Vorhandensein relevanter Inhalte eine Rolle. Nur wenn alle Dimensionen berücksichtigt sind, ist eine vollumfängliche Teilhabe an der Wissens- und Informationsgesellschaft gegeben.
Chancen für mehr Teilhabe
Schülerinnen in Kolumbien
Digitale Anwendungen eröffnen darüber hinaus Chancen, Bildung in ländliche Gebiete zu bringen oder das Gesundheitssystem zu reformieren. IKT ermöglichen auch mehr Teilhabe marginalisierter Gruppen – inklusive Menschen mit Behinderungen – und damit eine ganz praktische Verwirklichung des übergeordneten Prinzips der Agenda 2030, niemanden zurückzulassen („leave no one behind“).
Auch in der Landwirtschaft entstehen neue Möglichkeiten: Kleinbauern nutzen ihre Mobiltelefone, um Wetterinformationen abzurufen und dementsprechend planen zu können. Sie erfragen Marktpreise per SMS und sind so weniger abhängig von Zwischenhändlern. IKT sind schließlich auch wichtige Werkzeuge für einen globalen Klimaschutz und das Ziel, alle Menschen mit nachhaltiger Energie zu versorgen.
IKT machen es technisch möglich, dass Bürgerinnen und Bürger sich informieren, an politischen Entscheidungen teilhaben und sich engagieren können. Regierungen müssen diese Möglichkeiten jedoch aufgreifen und in ihre Politik einbetten.
IKT helfen ihnen dabei, Verwaltungsabläufe effizienter und transparenter zu organisieren, Daten und Informationen offen zu kommunizieren, die Korruption zu verringern und Steuern effizienter zu erheben. Damit können sie nicht nur die Staatseinnahmen erhöhen, sondern auch die Beziehung zwischen Bürger und Staat verbessern. Viele Staaten wollen solche Lösungen mit der deutschen Entwicklungspolitik zusammen entwickeln. Zusätzlich eröffnen sogenannte „Crowdfunding-Plattformen“ neue Wege, Entwicklungsvorhaben jenseits staatlicher Quellen zu finanzieren. Die Entwicklungszusammenarbeit kann einen entsprechenden Austausch fördern.