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Das BMZ-Programm "Perspektive Heimat"

Beratungszentrum für Jobs, Migration und Reintegration in Dakar, Senegal

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Warum engagieren wir uns?

Krieg, Gewalt und Verfolgung zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen: Mittlerweile sind weltweit mehr als 68 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Mehrheit bleibt im eigenen Land oder flieht in ein Nachbarland. Rund 85 Prozent der geflüchteten Menschen leben in Entwicklungsländern.

Neben Krisen und Konflikten gibt es viele andere Gründe, die Heimat zu verlassen. Hunger, Armut, die Folgen des Klimawandels, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit oder die Suche nach besseren Lebensperspektiven gehören dazu. Aktuell leben weltweit 258 Millionen Menschen in einem anderen Land als dem, in dem sie geboren sind.

Auf der Suche nach besseren Lebensperspektiven für sich und ihre Familien im Ausland begeben sich Migranten oft in große Gefahr. Viele liefern sich kriminellen und rücksichtslosen Menschenhändlern aus. Beim Versuch, das Mittelmeer oder die Wüsten Afrikas zu durchqueren, sterben Tausende.

Und nicht alle, die es nach Deutschland geschafft haben, fallen unter den internationalen Flüchtlingsschutz. Rund 240.000 Migranten sind derzeit ausreisepflichtig und müssen Deutschland wieder verlassen.

Die meisten Menschen leben gerne in ihrer Heimat und sie würden gerne dortbleiben oder dorthin zurückkehren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie menschenwürdige Lebensbedingungen haben, sich und ihre Familie ernähren können und Zukunftsperspektiven sehen. Wenn diese Möglichkeiten fehlen, denken Menschen darüber nach, ihre Heimat zu verlassen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des deutsch-ghanaischen Beratungszentrum für Migranten und Rückkehrer in Accra, Ghana. Das Beratungszentrum wurde im Dezember 2017 eröffnet und hat seitdem mehr als 7.000 Maßnahmen zur Jobvermittlung, Existenzgründung und Qualifizierung gefördert.

Hintergrund

Jedes Jahr kehren Menschen ohne Bleiberecht oder Bleibewunsch aus Deutschland in ihre Herkunftsländer zurück. 2018 reisten rund 16.000 Personen mit staatlicher Förderung aus (Zahl nach Rückkehrerprogramm REAG/GARP, Quelle: Bundesinnenministerium).

Rückkehrer stehen meistens vor großen Herausforderungen: Der Alltag muss neu organisiert, eine Existenz und soziale Kontakte müssen neu aufgebaut werden. Die Rückkehrer finden oft schwierige Verhältnisse auf ihrem heimischen Arbeitsmarkt vor: wenige formalisierte, sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse und viele unsichere Arbeitsstellen mit häufigen Jobwechseln. Bei gering qualifizierten oder abgeschobenen Personen, die zum Teil mit psychologischen Problemen wie Depression, Gewalterfahrungen und Sucht kämpfen, müssen erst die persönlichen Grundlagen geschaffen werden, eine Arbeit aufnehmen zu können.

Viele Menschen, die vor einer Rückkehr in ihr Herkunftsland stehen, wissen nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es dort gibt, um wieder Fuß zu fassen und eine positive Perspektive zu entwickeln. Zudem erschwert ihre Rückkehrentscheidung, dass sie von den aufnehmenden Gemeinden oft mit großen Erwartungen konfrontiert werden.

Hier setzt das Programm "Perspektive Heimat" an.

Was sind die Ziele des Programms?

1. Durch Beschäftigung Bleibe- und Zukunftsperspektiven in den Partnerländern schaffen

Wir wollen

  • vor Ort Alternativen zu irregulärer Migration aufzeigen.
  • konkrete Jobangebote in unseren Partnerländern machen.

2. Aus Rückkehr nachhaltige Reintegration machen

Wir wollen

  • möglichst allen Rückkehrern aus Deutschland ein Jobangebot im Herkunftsland machen.
  • Rückkehrer vor und während der Rückkehr sowie beim Wiedereinstieg begleiten.
  • bereits in Deutschland besser über die Angebote im Herkunftsland informieren (freiwillige Rückkehr und nachhaltige Reintegration als Alternative zur Abschiebung).

3. Irreguläre Migration mindern – zu sicherer, geordneter und regulärer Migration beitragen

Wir wollen

  • über die Gefahren irregulärer Migration aufklären.
  • die begrenzten Perspektiven irregulärer Migranten in Deutschland realistisch darstellen.
  • die Voraussetzungen für eine Migration auf regulärem Wege erklären.

Wie wollen wir diese Ziele erreichen?

Das Programm "Perspektive Heimat" baut auf den bereits vorhandenen Maßnahmen, Initiativen und Strukturen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auf. Es konzentriert sich auf die Partnerländer, aus denen ein besonders hoher Anteil an ausreisepflichtigen Personen in Deutschland stammt.

Dazu gehören Afghanistan, Ägypten, Albanien, Gambia, Ghana, Irak, Kosovo, Marokko, Nigeria, Pakistan, Senegal, Serbien und Tunesien. Für jedes Land wird ein eigener Ansatz verfolgt, da die Situation in den verschiedenen Ländern sich stark unterscheidet.

Beratung vor Ort

Beratungsgespräch im Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration in Dakar, Senegal

Den Kern des Programms "Perspektive Heimat" bilden "Beratungszentren für Jobs, Migration und Reintegration". Sie werden in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen nationalen Arbeitsagenturen oder anderen Partnern aufgebaut und bieten:

  • Unterstützung bei der Jobsuche, Beratungen zu Beschäftigung, zum Beispiel in Kleinst- und Kleinunternehmen und Beratungen über Existenzgründungskredite
  • Jobmessen in Zusammenarbeit mit Partnerländern, Verbänden und Unternehmen
  • eine kostenlose und individuelle Beratung zu Fragen der Ausbildung und beruflichen Weiterbildung
  • Unterstützung bei sozialen Fragen wie der Wohnungssuche, Schulbeihilfe, Gesundheitsversorgung und der psychosozialen Hilfe
  • Aufklärung über die Gefahren irregulärer Migration auf Schlepperrouten sowie Beratung zu den realistischen, regulären Migrationsmöglichkeiten für Menschen, die darüber nachdenken, ihr Land zu verlassen
Darstellung der Zentren für Jobs, Migration und Reintegration auf der Weltkarte

Aktuell gibt es Beratungszentren in folgenden Ländern: Albanien (Tirana), Kosovo (Pristina), Serbien (Belgrad), Marokko (Casablanca), Tunesien (Tunis), Senegal (Dakar), Ghana (Accra), Nigeria (Lagos) und Irak (Erbil). In Afghanistan (in Kabul) wird die Beratung in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) angeboten.

Weitere Zentren sind in Planung, unter anderem in Pakistan und Ägypten.

Verbesserung der Situation vor Ort

Auszubildender in Tunis, Tunesien, der an einem von der GIZ durchgeführten Ausbildungsprogramm für Handwerker teilnimmt

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich dafür, Menschen Perspektiven in ihren Heimatländern zu bewahren oder zu schaffen. Allein im Jahr 2018 hat das BMZ fast 4,4 Milliarden Euro für die Minderung von Fluchtursachen und die Unterstützung von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten sowie aufnehmenden Gemeinden zur Verfügung gestellt. Umfassende Informationen über das deutsche Engagement in diesen Bereichen finden Sie hier.

Das Programm "Perspektive Heimat" baut auf diesem Engagement auf. Es ist zurzeit mit 39 laufenden Entwicklungsvorhaben in 13 Partnerländern verknüpft. Den Menschen dort werden so zusätzliche langfristig ausgerichtete Maßnahmen zur Verbesserung der Lebens- und Einkommensperspektiven angeboten.

"Perspektive Heimat" ermöglicht es Menschen, sich vor Ort gezielt beruflich weiterzubilden, einen festen Job zu finden oder ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zudem werden sie mit sozialen Maßnahmen wie Wohnraumbeschaffung, Gesundheitsdienstleistungen und (psycho-)sozialer Hilfe unterstützt.

Das Programm arbeitet dabei mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen in den Herkunftsländern zusammen, um gut auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können.

Beratung in Deutschland

Wand mit Broschüren in einem Beratungszentrum

"Perspektive Heimat" richtet sich aber auch an zugewanderte Menschen in Deutschland, die kein Aufenthaltsrecht haben oder nicht hierbleiben möchten und sich zu einer Rückkehr in ihr Heimatland entschließen.

Um Rückkehrinteressierte schon in Deutschland über die Möglichkeiten in den Herkunftsländern zu informieren, ist das Programm "Perspektive Heimat" mit den Beratungsstrukturen für Migrantinnen und Migranten in Deutschland vernetzt. So kann die Entscheidung, in der Heimat neu zu starten, besser vorbereitet und nachhaltig umgesetzt werden.

Aktuell sind bis zu 20 "Reintegrations-Scouts" als Berater in ganz Deutschland im Einsatz. Als Experten für Reintegrationsangebote im Ausland sind sie das Bindeglied zwischen den Rückkehrberatungsstellen in Deutschland und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Ausland.

Rückkehrinteressierte können zudem die Beratungsangebote der Bundesländer und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nutzen.

Zudem bieten wir Reintegrationsvorbereitung in Deutschland in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Partnern an, um den Menschen Informationen, Orientierung und erste Qualifikationen für Ihren Neustart in ihren Herkunftsländern an die Hand zu geben. Damit begleiten wir den Rückkehrprozess nachhaltig.

Digitale weltweite Beratung

Logo der Website www.startfinder.de

Zum Programm "Perspektive Heimat" gehört das Online-Angebot "Startfinder" (www.startfinder.de). Auf dieser Website finden rückkehrinteressierte Menschen in Deutschland und in den Partnerländern des Programms zahlreiche Informationen über Perspektiven in ihrem Herkunftsland, Beratungsangebote vor Ort sowie über Unterstützungsmöglichkeiten bei einer freiwilligen Rückkehr.

Das gesamte Online-Angebot ist in den jeweiligen Landessprachen der Zielgruppen auffindbar. Außerdem wird es die Möglichkeit einer virtuellen Beratung direkt durch das jeweilige Beratungszentrum vor Ort geben.

Per Live-Chat werden Interessierte mit den Beratenden in Kontakt treten können – unabhängig davon, ob sie sich in Deutschland oder in den Partnerländern befinden. Die Beratungen sind unverbindlich, vertrauensvoll und ergebnisoffen. Die Beratungszentren sind darüber hinaus auch in sozialen Medien präsent, vor allem auf Facebook.

Startfinder ist ein ergänzendes Online-Angebot zu weiteren Internetseiten der Bundesregierung wie www.returningfromgermany.de, das gemeinsame Informationsportal der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Rückkehrberaterinnen und Rückkehrberater in Deutschland finden auf der Seite Informations- und Beratungsangebote zu Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, die Reintegrationsmaßnahmen für Rückkehrer anbieten.

Links zu den Facebook-Accounts aller Zentren:

Was haben wir bislang erreicht?

Das Programm "Perspektive Heimat" ist 2017 gestartet. Innerhalb des ersten Jahres konnte schon viel erreicht werden:

  • 10 Beratungszentren wurden eröffnet, inklusive eines Beratungsprogramms in Afghanistan, das in Partnerschaft mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) angeboten wird.
  • Mit 13 Partnerregierungen wurde ein Dialog zum Thema Migration aufgenommen oder verstärkt.
  • 13 nationale Institutionen (zum Beispiel Arbeitsagenturen) wurden unterstützt und es wurde eine langfristige, strukturbildende Zusammenarbeit mit ihnen vereinbart.
  • 34 neue Partnerschaften mit zivilgesellschaftlichen Gruppen wurden in den Partnerländern gegründet.
  • 17 Reintegrationsscouts sind bei Rückkehrberatungsstellen in Deutschland im Einsatz. Sie bauen die Brücke hin zu Reintegrationsmaßnahmen im Herkunftsland.
  • 17 Reintegrationsvorbereitungskurse mit neun Bildungsträgern wurden deutschlandweit aufgesetzt.
  • Rund 250.000 Einzelmaßnahmen wie Beratungsgespräche, Trainings, Jobvermittlungen und psychosoziale Hilfe wurden in den Partnerländern des Programms für die lokale Bevölkerung, Binnenvertriebene und Rückkehrer durchgeführt, davon rund 24.000 Maßnahmen für Rückkehrer aus Deutschland. Darunter konnten auch mehr als 10.000 kleine und mittelständische Unternehmen in unseren Partnerländern gefördert werden, um Arbeitsplätze entweder zu sichern oder zu schaffen.

Von den direkten Erfolgen des Programms profitieren indirekt noch viele weitere Personen:

  • Jeder durch das Programm vermittelte Job hilft im Durchschnitt fünf Familienmitgliedern.
  • Von den Personen, die sich durch Unterstützung von "Perspektive Heimat" selbstständig gemacht haben oder ein Unternehmen gegründet haben, profitieren zahlreiche weitere Personen, wie Angestellte oder Zulieferer.
  • Die Beratung vermindert irreguläre Migration, denn viele Personen, die sich in einem Beratungszentrum informieren, entscheiden sich danach gegen eine irreguläre Migration. So wird auch die Finanzierung von Schleusern reduziert.

Die Maßnahmen des Bundesinnenministeriums zur Rückkehrförderung und die Reintegrationsunterstützung des Bundesentwicklungsministeriums sind eng miteinander verzahnt. So kann aus Rückkehr nachhaltige Reintegration werden. Deutschland ist damit ein internationaler Vorreiter bei der Unterstützung der Rückkehr.

Persönliche Erfahrungsberichte

Welchen Menschen konnten wir helfen?

Lexikon der Entwicklungspolitik

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