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Cash for Work

Job-Offensive schafft neue Perspektiven

Die Karte mit der Übersicht über die Cash-for-Work-Projekte befindet sich im Aufbau, in Kürze finden Sie hier weitere Informationen. Die Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.


Wegen anhaltender Krisen und Konflikte sowie fehlender Bleibe- und Zukunftsperspektiven verlassen viele Menschen ihre Herkunftsregionen. Besonders davon betroffen sind die Nachbarländer Syriens, dort mangelt es zum Beispiel an Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. Einige Syrerinnen und Syrer, die in den Ländern rund um Syrien zunächst Zuflucht gefunden haben, setzen daher ihre Flucht in Richtung Europa fort, weil sie sich dort größere Chancen erhoffen.

Etwa 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer sind inzwischen vor dem Krieg in ihrem Land geflüchtet – die meisten von ihnen in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien. Und im Irak haben rund 2,5 Millionen Binnenvertriebene in anderen Landesteilen Schutz vor den Angriffen der Terrororganisation "Islamischer Staat" gesucht (Stand: April 2018).

Vor diesem Hintergrund übernimmt das BMZ folgende Kernaufgaben, um Bleibe-, Rückkehr- und Zukunftsperspektiven zu schaffen:

  • unmittelbare Unterstützung von Flüchtlingen und Verringerung akuter Fluchtursachen durch strukturbildende Sofortmaßnahmen
  • Erleichterung der Lebenssituation der Menschen durch Bildung für Kinder, Ausbildung für Jugendliche und Arbeit für Erwachsene
  • nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen durch den Aufbau von Infrastruktur sowie die Förderung der Privatwirtschaft und guter Regierungsführung

Schnell verfügbares Einkommen schaffen

Über die unmittelbare Sicherstellung der Grundversorgung (Ernährung, Wasser) hinaus unterstützen wir die Flüchtlinge durch Arbeitsmöglichkeiten und Einkommen. Die Bundesregierung hat daher auf der Syrienkonferenz im Februar 2016 eine "Beschäftigungsoffensive Nahost" gestartet. Über sogenannte Cash-for-Work-Maßnahmen (wörtlich übersetzt: "Bargeld gegen Arbeit", also direkt entlohnte Beschäftigungsmaßnahmen) können Flüchtlinge und Bewohner der aufnehmenden Gemeinden ein schnell verfügbares Einkommen erzielen.

Sie erhalten so die Möglichkeit, sich selbst und ihre Familien zu versorgen. Die finanzielle Notlage der Menschen wird gemindert, die soziale Anerkennung der Flüchtlinge im Gastland wächst und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird gestärkt, denn an den Programmen kann auch die lokale Bevölkerung teilnehmen.

Cash-for-Work-Maßnahmen sind:

  • kommunale Dienstleistungen (einfache Tätigkeiten wie Abfall entsorgen)
  • arbeitsintensive Infrastrukturvorhaben (Wohnungen, Schulen und Straßen bauen)
  • die Finanzierung von Löhnen (zusätzliches Lehrpersonal, Betreuerinnen und Betreuer sowie Gesundheitspersonal)
  • perspektivisch auch der Wiederaufbau befreiter Gebiete durch Instandsetzung der kommunalen Infrastruktur (Gebäude und Straßen)

Die Beschäftigungsoffensive wirkt

Das BMZ hat für Beschäftigungsoffensive Nahost 2017 insgesamt 426 Millionen Euro zugesagt – 231 Millionen Euro für 2017 und 195 Millionen Euro für die Folgejahre. Bis Ende 2017 wurden rund 85.000 Jobs geschaffen. Betrachtet man auch die Familienangehörigen der Arbeiterinnen und Arbeiter, dann wurden 2017 rund 425.000 Menschen dabei unterstützt, die Zeit bis zum Ende der Krise besser zu überbrücken.

Durch die Finanzierung von zusätzlichen Stellen für Lehr- und Assistenzkräfte erhalten mehr als 350.000 Kinder Unterricht.

Mehr als 8.750 Menschen erhalten eine berufliche Aus- oder Weiterbildung und damit mittelfristig eine berufliche Perspektive – auch im Hinblick auf den Wiederaufbau ihres Heimatlandes.

In Projekten zur Verbesserung der Infrastruktur wurden 1,7 Millionen Bäume gepflanzt, außerdem wurden Straßen und Abwasserkanäle ausgebessert.

2017 konnten durch Sanierungsprogramme mehr als 1.700 Wohnungen renoviert werden, in denen geflüchtete Familien leben können.

Das BMZ achtet in seinen Projekten besonders auf eine Beteiligung von Frauen. Der Anteil der beschäftigten Frauen liegt im Baugewerbe bei 10 Prozent, im Bildungsbereich sogar bei über 60 Prozent.

Mit all diesen Maßnahmen wird das Lebensumfeld in den Aufnahmeregionen spürbar verbessert. Die aufnehmenden Städte und Gemeinden werden entlastet und Spannungen verringert.

Die steigende Kaufkraft von Menschen mit Einkommen sowie die verbesserte Infrastruktur stärken zudem die lokale Wirtschaft. Die Beschäftigungsinitiative wirkt so auch als lokales Wirtschaftsförderprogramm.

Beispiel Jordanien

Abfallbeseitigung und Recycling: In vielen Gemeinden im Norden Jordaniens hat sich die Einwohnerzahl seit Beginn der Syrienkrise verdoppelt. Die Kommunen stehen vor enormen Herausforderungen – insbesondere die Abfallentsorgung ist ein großes Problem. Im Rahmen eines Cash-for-Work-Vorhabens wurden – durch das BMZ finanziert – bis Ende 2017 rund 13.800 syrische Flüchtlinge und Jordanier eingestellt, um in zahlreichen jordanischen Gemeinden und dem Flüchtlingslager Za'atari Abfall zu sammeln und zu recyceln. Parallel dazu entstehen Wertstoffhöfe mit dauerhaften Arbeitsplätzen.

Berufsbildungsangebote: Gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fördert das BMZ Berufsbildungsangebote für junge Menschen. Experten beraten sie bei ihrer beruflichen Orientierung, bieten ihnen Qualifizierungsmaßnahmen und unterstützen sie bei der Vermittlung in den Arbeitsmarkt.

Zusätzliche Lehrkräfte: Der Bedarf an Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die aus Syrien fliehen mussten, ist groß. Deshalb finanziert das BMZ in Jordanien die Gehälter von 7.200 Lehrern und administrativem Personal. Dadurch erhalten bis zu 63.000 Flüchtlingskinder einen Schulplatz.

Instandsetzung und Bau von Infrastruktur: Bis Ende 2017 haben etwa 1.300 syrische Flüchtlinge und Jordanier durch die Instandsetzung oder den Bau von Infrastruktur einen Job erhalten. Sie setzen Wege und ländliche Straßen instand, legen Grünflächen an und säubern öffentliche Einrichtungen, zum Beispiel Parks und Straßen. Von diesen Maßnahmen werden die jordanischen Gemeinden auch langfristig profitieren. Zusätzlich werden bedürftige jordanische Landwirte durch den Bau von Zisternen und die Errichtung von Gewächshäusern unterstützt.

Beispiel Libanon

Sanierung von Wohnungen: Im Nordlibanon und in der Bekaa-Ebene im Osten des Landes unterstützt das BMZ die Sanierung von Wohnungen. Dadurch sind 6.000 Jobs entstanden. Die Arbeiter, größtenteils syrische Flüchtlinge, renovierten bis Ende 2017 mehr als 3.400 Wohnungen. Nach den abgeschlossenen Bauarbeiten stellen die Vermieter diese Wohnungen eine Zeit lang für Flüchtlinge mietfrei zur Verfügung.

Instandsetzung von Infrastruktur: Syrische Flüchtlinge und Bewohner libanesischer Aufnahmegemeinden reparieren gemeinsam Straßen. Sie errichten öffentliche Plätze, die allen Gemeindemitgliedern zugutekommen. Dadurch sind rund 100 existenzsichernde Jobs mit Wirkung für das Gemeinwohl entstanden.

Berufsbildung: In Gemeinden, die besonders viele Flüchtlinge beherbergen, unterstützt das BMZ syrische Flüchtlinge und bedürftige Gemeindemitglieder dabei, eine menschenwürdige Arbeit zu finden. Dafür werden ihnen in speziell dafür aufgebauten Zentren eine berufliche Weiter​- beziehungsweise Ausbildung (Handel und Dienstleistung), betriebswirtschaftliche sowie rechtliche Fortbildungs­- und Beratungsangebote, aber auch Starthilfen in die Selbstständigkeit geboten. Temporäre Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es beispielsweise bei der Instandsetzung von Parkanlagen. Durch diese Maßnahmen sind 800 Jobs entstanden.

Für etwa 8.750 Jugendliche finanziert das BMZ die Ausbildung an Berufsschulen sowie Weiterbildungen zur Unternehmensgründung und -führung. Zusätzlich finden Qualifizierungen für im Alltag erforderliche Fertigkeiten (Life skills) und Konfliktbewältigung statt. Damit legt das BMZ den Grundstein dafür, dass die jungen Menschen den Wiederaufbau ihres Heimatlandes mitgestalten können.

Beispiel Irak

Instandsetzung von Infrastruktur: In Flüchtlingscamps befestigen etwa 6.000 irakische und syrische Flüchtlinge Straßen und Abwasserkanäle und bauen Spielplätze und Sportanlagen. Außerdem setzen sie dort wie auch in Gemeinden, die Flüchtlinge aufnehmen, Klassenzimmer instand. Dadurch kann Ergänzungsunterricht für syrische Flüchtlinge stattfinden.

In den von der Terrororganisation "Islamischer Staat" befreiten Gebieten unterstützt das BMZ den Wiederaufbau von Krankenhäusern, Schulen und Einrichtungen der Elektrizitäts- und Wasserversorgung. So wird der vertriebenen Bevölkerung die Rückkehr erleichtert. In diesen Gebieten sind durch das Cash-for-Work-Programm rund 4.400 Jobs entstanden.

Beispiel Türkei

Zusätzliche Lehrkräfte: Um möglichst viele syrische Kinder in türkischen Flüchtlingslagern und Aufnahmegemeinden unterrichten zu können, werden zusätzliche Lehr- und Betreuungskräfte benötigt. Das Cash-for-Work-Programm des BMZ hat rund 11.000 Stellen für die Schuljahre 2016/2017 sowie 2017/2018 geschaffen. Dadurch konnten 2016/2017 bis zu 280.000 Kinder unterrichtet werden.

Fortbildungen: Durch berufsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen, beispielsweise in der Textilverarbeitung oder in Handwerksberufen, werden syrische Flüchtlinge und türkische Bedürftige für den lokalen Arbeitsmarkt ausgebildet. Durch diese Maßnahmen sind etwa 2.300 Jobs entstanden.

Abfallentsorgung und Instandsetzung kommunaler Infrastruktur: In vier türkischen Kommunen werden durch das Cash-for-Work-Programm Parks und Waldflächen gesäubert. Außerdem setzen syrische Flüchtlinge und türkische Bedürftige Schulen und Moscheen instand. Im Rahmen des Projekts sind 4.200 Jobs entstanden. Durch die gemeinsamen Tätigkeiten wird zugleich das gesellschaftliche Miteinander gestärkt.

Beispiel Syrien

Einkommensschaffende Maßnahmen: In Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und lokalen Nichtregierungsorganisationen hat das BMZ rund 25.000 Jobs in Syrien geschaffen. Binnenvertriebene beseitigen Trümmer, entsorgen Müll und reparieren Wasserleitungen. Menschen, die durch den Krieg Behinderungen erlitten haben, können sich in Kursen fortbilden: Reparatur von elektrischen Geräten, Fahrrädern und Motorrädern, Näherei, Friseurhandwerk und Schuhreparatur. Auf diese Weise leistet das BMZ einen Beitrag zur Grundversorgung und hilft den Menschen, mit der schwierigen Situation besser zurechtzukommen.

Wie geht es weiter?

Die Beschäftigungsoffensive Nahost wird vom BMZ auch 2018 fortgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Wiederaufbau im Irak.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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