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2014

Newsletter 04 | 2014


Schülerinnen in einer Schule in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik. Urheberrecht: Thomas Köhler/photothek

Spezialausgabe zum Thema Frauenrechte


Liebe Leserin, lieber Leser,

"Wir wollen die Gleich­stellung von Frauen und Männern und die Durch­setzung der Rechte von Mädchen und Frauen zu einer Quer­schnitts­aufgabe deutscher Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit machen."
(Aus dem Koalitionsvertrag von CDUCSU und SPD)

Unter dem Motto "Für Gerechtigkeit – für Frauenrechte – für nach­hal­tige Ent­wick­lung" disku­tierten am 22. Mai in Berlin rund 100 Bot­schaf­terinnen und Bot­schafter, Abge­ordnete des Deutschen Bundes­tages und Vertre­terinnen und Ver­treter der Zivil­ge­sell­schaft über Frauen­rechte.

Eingeladen zu dieser Kon­ferenz hatte das BMZ, denn die Durch­setzung des Menschen­rechts auf Gleich­berech­tigung der Geschlechter ist ein zentrales Anliegen der deutschen Politik. Die Bun­des­re­gie­rung hat darum in ihrem Koalitions­vertrag die Verwirk­lichung von Frauen­rechten als übergreifende Aufgabe der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit definiert.

Das BMZ hat für diesen Aufgabenbereich im Mai ein neues übersektorales Konzept erstellt. "Frauen müssen die Mög­lich­keit haben, sich aktiv an der politischen, wirt­schaft­lichen und gesell­schaft­lichen Gestal­tung der Ge­sell­schaft zu beteiligen", erklärte Bundes­ent­wick­lungs­mi­nister Dr. Gerd Müller bei der Vor­stellung des Gleich­be­rech­ti­gungs­konzepts. Das BMZ setzt sich unter an­derem dafür ein, die Gleich­berech­ti­gung der Ge­schlech­ter als Ziel­vor­gabe in der Post-2015-Agenda zu veran­kern.

Wie breit gefächert sich Deutsch­land mit seiner Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit auf diesem Gebiet enga­giert, darüber informiert Sie diese Spezial­ausgabe unseres Newsletters.

Ihre
BMZ-Internetredaktion


BMZ-Frauenkonferenz

BMZ-Konferenz: Für Gerechtigkeit – für Frauenrechte – für nachhaltige Entwicklung. Urheberrecht: BMZ

Für Gerechtigkeit – für Frauenrechte – für nachhaltige Entwicklung

"Gleich­berechti­gung ist nur zu erreichen, wenn sich Männer und Frauen in gleicher Weise dafür ein­setzen. Dazu gehört eine Bewusst­seins­änderung", betonte Kamla Bhasin in ihrer Rede auf der Kon­ferenz "Für Ge­rech­tig­keit – für Frauen­rechte – für nach­hal­tige Ent­wick­lung". Die indische Frauen­recht­lerin setzt sich seit mehr als 40 Jahren in Indien und Süd­asien für Frauen­rechte ein und war Ehren­gast der Kon­ferenz, zu der das BMZ einge­laden hatte.

Zu den Teilneh­merinnen gehörten unter anderem auch die ruandische Gesund­heits­ministerin Agnes Binagwaho, die Bot­schafterin von El Salvador, Anita Cristina Escher Echeverría, Ingrid Staehle, die Gründerin von Terre des Femmes, die Vize­präsi­dentin des Deutschen Bundes­tages, Claudia Roth, und Dagmar Wöhrl, die Vor­sitzende des Aus­schusses für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung.

In zahl­reichen Beiträgen berich­teten sie auf der Kon­ferenz über ihre tägliche Arbeit und darüber, wie in ihren Ländern die Frauen gestärkt werden können.


Fachgespräch

Im Gespräch: Agnes Binagwaho, Gesundheitsministerin von Ruanda, Melinda Gates, Co-Vorsitzende der Bill & Melinda Gates-Stiftung, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und der Moderator Ranga Yogeshwar

Gleiche Chancen auf Gesundheit weltweit

Das BMZ und die Bill & Melinda Gates-Stiftung haben am 22. Mai ein in­ter­na­ti­o­nales Fachgespräch zum Thema "Gleiche Chancen auf Gesundheit weltweit" organisiert. Neben Melinda Gates nahm auch die ruandische Gesundheitsministerin Agnes Binagwaho an dem Gespräch teil. Unter anderem ging es um die enge Verknüpfung zwischen Gesundheit und Ernährung und um die Senkung der Kinder- und Mütter­sterblichkeit.

"Jedes Kind, das an einer durch Impfung leicht vermeidbaren Krankheit stirbt, ist eines zu viel. Daher arbeiten wir gemeinsam mit der Bill & Melinda Gates-Stiftung entschlossen daran, die Kinder- und Müttersterblichkeit weiter zu senken", erklärte Bundes­ent­wick­lungs­mi­nister Dr. Gerd Müller.

Das BMZ und die Bill & Melinda Gates-Stiftung arbeiten seit einigen Jahren im Bereich globale Gesundheitspolitik zusammen – ins­be­son­dere bei der Förderung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) und der Globalen Impfallianz (GAVI). Im Bereich Er­näh­rungs­siche­rung kooperieren das Ministerium und die Stiftung beispielsweise in einem Projekt zur Minderung der Mangelernährung von jungen Frauen in Afrika und Südasien.


Frauen­rechte verwirklichen – Poten­ziale ent­falten

Welt­weit erle­digen Frauen den deut­lich größeren Teil der Arbeit –
sie verdie­nen aber erheblich weniger als Männer. In manchen
Regio­nen produ­zieren Frauen bis zu 90 Pro­zent der Lebens­-
mittel – ins­gesamt gehört ihnen aber noch immer
nur ein ver­schwin­dend kleiner Teil des Lan­des und
des glo­balen Ver­mö­gens. Auch in Poli­tik und
Wirt­schaft sind Frau­en noch nicht gleich-
­ge­stellt. Ihre Leis­tungs­fähig­keit wird
vieler­orts ignoriert, ihre Potenziale
bleiben un­ge­nutzt.

Die Gleichstellung von Frauen und Män­-
nern ist ein Men­schen­recht und trägt
zu einer um­fassen­den Ver­bes­se­rung der
Le­bens­qualität aller Men­schen bei: Sie min-
­dert die Armut, ver­bessert die Bil­dung, hilft bei
der Be­kämp­fung von Aids und an­deren
Krank­heiten und führt zu Wirt­schafts­wachs­tum.


Das deutsche entwicklungspolitische Engagement für Frauenrechte

Tamilinnen in Sri Lanka. Urheberrecht: Thomas Köhler/photothek

Hintergrund
Internationale Abkommen und Institutionen für Frauenrechte

Das Prinzip der Gleich­berech­tigung der Ge­schlech­ter ist Teil der UN-Charta, der "Ver­fassung" der Verein­ten Nationen, die seit 1945 gilt. Auch die Allge­meine Er­klä­rung der Men­schen­rech­te der Verein­ten Natio­nen von 1948 befasst sich mit dem Thema Gleich­berech­ti­gung. Sie enthält den Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung "auf­grund des Ge­schlechts". 1966 wurde das Dis­krimi­nie­rungs­verbot auch in zwei völ­ker­recht­liche Ver­träge ("Men­schen­rechts­pakte") auf­ge­nom­men. Seit­dem ist die Gleich­be­rech­ti­gung der Ge­schlechter für alle Staa­ten, die diese Pakte un­ter­zeich­net haben, zu einer rechts­ver­bind­lichen Norm ge­worden.

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Frau auf einem Markt in Rangun, Myanmar. Urheberrecht: Thomas Trutschel/photothek.net

Verantwortung übernehmen
Gleichberechtigung – Grundsatz der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik

Die Gleichstellung der Ge­schlechter und die Durch­setzung der Frauen­rechte sind entscheidende Fak­toren für eine men­schen­rechtsbasierte, sozial ge­rechte und nach­hal­tige Ent­wick­lung von Ge­sell­schaf­ten. Die Förderung der Gleich­be­rech­ti­gung ist darum eine übergreifende Aufgabe und auch ein Qualitäts­merkmal aller Bereiche der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit. Die Bun­des­re­pu­blik orientiert sich dabei an den in­ter­na­ti­o­nalen Vereinbarungen für Frauen­rechte. Ziel ist, Frauen und Männer gleich­be­rech­tigt am Ent­wick­lungs­prozess zu be­teiligen und lang­fristig eine Ver­bes­se­rung der Stellung von Frauen und ihre Macht­gleich­stel­lung (Empowerment) zu erreichen.

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Technische Angestellte in der Schaltzentrale der Pumpstation eines Wasserprojekts der KfW Entwicklungsbank in Bujumbura in Burundi. Urheberrecht: Ute Grabowsky/photothek

Arbeitsfelder und Instrumente
Maßnahmen zum Abbau der Diskri­mi­nierung von Mädchen und Frauen

Durch seine Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit fördert Deutsch­land viel­fältige Maßnah­men zum Ab­bau der Dis­kri­mi­nierung von Mädchen und Frauen. Auf inter­natio­naler Ebene setzt sich die Bun­des­re­gie­rung vor allem für die Ver­bes­se­rung der recht­lichen Situation von Frauen ein. In den Ko­ope­ra­tions­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit fördert das BMZ unter an­derem die aktive Teil­habe von Frauen an politi­schen, wirt­schaft­lichen und ge­sell­schaft­lichen Pro­zessen und un­ter­stützt den gleich­berech­tig­ten Zu­gang zu Land, Bil­dung, produk­tiven Ressour­cen und Fi­nanz­dienst­leistun­gen.

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In einem Krankenhaus in Goma in der Demokratischen Republik Kongo wird eine Frau nach einer Vergewaltigung behandelt. Urheberrecht: Kate Holt/IRIN

Frieden und Sicherheit
Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Gewalt gegen Frauen ist eine der am weitesten ver­breiteten Men­schen­rechts­ver­letzungen. Jedes Jahr werden un­zählige Frauen miss­handelt oder sogar er­mor­det. Die wenig­sten Fälle werden ange­zeigt oder vor Gericht ge­bracht. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hilft Frauen da­bei, ihre Rech­te ken­nen­zu­lernen und Hilfs­ange­bote zu finden. Deutsch­land setzt sich zudem für die Um­setzung der Reso­lution 1820 des UN-Si­cher­heits­rats ein, die sexuali­sierte Ge­walt als Kriegs­ver­bre­chen de­fi­niert. Auch für die Be­kämpfung von Frauen­handel, Zwangs- und Kin­der­prosti­tution engagiert sich Deutschland in seinen Ko­ope­ra­tions­ländern.

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Frau in Gan, Côte d'Ivoire, beim Initationsfest. Sie zeigt durch die Bemalung, dass eine ihrer Töchter beschnitten worden ist. Urheberrecht: BMZ

Körperliche Unversehrtheit
Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung

Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) sind weltweit etwa 125 Millionen Frauen, Mädchen und Säuglinge Opfer von Genital­ver­stümmelung. Weitere 30 Millionen junge Mädchen unter 15 leben mit dem Risiko, verstümmelt zu werden. Weibliche Genital­ver­stümmelung wird heute vor allem in Ländern Afrikas und des Nahen Ostens, aber auch innerhalb von Migrantengemeinden praktiziert – auch Deutschland ist hiervon betroffen. Weltweit wird mit großem Einsatz versucht, die Praktik der Genital­ver­stümmelung zu über­winden. Insgesamt hat die Zahl der Eingriffe und der Betroffenen dadurch bereits deutlich abgenommen.

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Eine Frau begutachtet den Mais auf einem Feld am Rande von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik. Urheberrecht: Thomas Köhler/photothek

Ländliche Entwicklung
Förderung von Frauen im Be­reich Ernährungssicherung

Der Lebensunterhalt der Armen in den Ent­wick­lungs­ländern hängt weit­gehend von der Land­wirt­schaft – und damit von den Frauen ab: Sie produzieren den größten Teil der Nahrungsmittel. Trotzdem haben sie häufig nur wenige Gestaltungsmöglichkeiten. Ihnen fehlen die dazu nötigen Rechte und auch das Land ist fast immer im Besitz der Männer. Frauen, die in länd­lichen Gebieten leben, haben dadurch sehr häufig geringere Ent­wick­lungs­chancen als Männer: Die Armut unter ihnen ist besonders hoch und die Bildungschancen sind besonders niedrig. Das BMZ engagiert sich darum intensiv für die Gleich­be­rech­ti­gung von Frauen bei der länd­lichen Ent­wick­lung.

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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