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Newsletter 03 | Juni 2016


Collage zum Thema Stadtentwicklung

Spezialausgabe: Thema Stadtentwicklung



Liebe Leserin, lieber Leser,

Städte sind die dynamischen Wachstumszentren unserer Zeit, in ihnen konzentrieren sich die Chancen der globalen Entwicklung und auch ihre Herausforderungen: Wohnraum schaffen, soziale Ungleichheiten abbauen, Luftverschmutzung vermindern, Ressourcenverbrauch senken, Wasser- und Energieversorgung sichern, Abfall und Abwasser beseitigen, den Straßenverkehr reduzieren und vieles mehr.

Städte sind schon immer Orte des Wandels und der Innovation und sie haben das Potenzial, die beschriebenen Herausforderungen zu meistern. Die dafür erforderlichen Konzepte waren Thema des Deutschen Habitat Forums am 2. und 3. Juni in Berlin. Mehr als 1.000 internationale Expertinnen und Experten für Stadtentwicklung sowie Vertreter aus Politik, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus aller Welt haben dort Empfehlungen für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung erarbeitet.

Mehr Informationen darüber und über das Engagement des BMZ für eine nachhaltige Stadtentwicklung erhalten Sie in dieser Spezialausgabe unseres Newsletters.

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BMZ-Internetredaktion


Deutsches Habitat Forum

Übergabe der "Empfehlungen von Berlin" an den Generalsekretär der Habitat III-Konferenz, Joan Clos

Empfehlungen von Berlin geben Impulse für eine nachhaltige Stadtentwicklung weltweit

"Lebenswerte Städte bieten Entwicklungschancen für alle Einwohner auf unserem Planeten, ob reich oder arm. Gemeinsam mit den Städten müssen wir dafür Lösungen erarbeiten", erklärte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Eröffnung des Deutschen Habitat Forums in Berlin.

Dort ging es um gemeinsame Strategien für nachhaltige Stadtentwicklung. Ergebnis der Konferenz sind die "Empfehlungen von Berlin" als ein wichtiger Beitrag zur neuen Stadtentwicklungsagenda, die die Vereinten Nationen im Oktober auf dem dritten Weltsiedlungsgipfel in Quito, Ecuador, verabschieden wollen.

Empfohlen wird eine stärkere Unterstützung der Städte bei der Erfüllung der Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und des Pariser Klimaabkommens. Dazu zählen auch verbesserte rechtliche, institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen für Städte sowie die Förderung der Zusammenarbeit der Städte. Städtischen Regierungen soll mehr Mitspracherecht bei der weltweiten Stadtentwicklung eingeräumt werden. Die Ergebnisse sollen fortlaufend überprüft und bewertet werden.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Thomas Silberhorn, und Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, übergaben die Empfehlungen an den Generalsekretär der Habitat III-Konferenz, Joan Clos.


Habitat-III-Konferenz in Quito

Logo der Habitat-III-Konferenz

Im Oktober 2016 findet in Quito (Ecuador) die Habitat-III-Konferenz statt, der dritte Weltgipfel zu Siedlungswesen und nachhaltiger Stadtentwicklung. Er schließt an die Konferenzen von 1976 und 1996 in Vancouver und Istanbul an. Ziel ist, eine universell gültige Stadtentwicklungsagenda für die nächsten zwei Jahrzehnte zu verabschieden. Sie soll staatliche und nicht staatliche Akteure auf allen Umsetzungsebenen einbeziehen. Auf der Konferenz soll ein gemeinsames Verständnis für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung geschaffen werden.

Informationen dazu finden Sie auf der Website der Konferenz hier.



Deutsches Engagement

Wohnhaus in Algier

Lebenswerte Städte für alle

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten – im Jahr 2050 werden es voraussichtlich mehr als zwei Drittel sein. Auf diesen Trend zur Urbanisierung muss mit angepassten und nachhaltigen Siedlungskonzepten reagiert werden. Ohne eine zukunftsweisende Stadtentwicklung können die globalen Klimaschutzziele und die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 nicht erreicht werden.

Stadtentwicklung ist daher ein wichtiges Handlungsfeld der deutschen Entwicklungspolitik. Derzeit unterstützt das BMZ städtische Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 15 Milliarden Euro in mehr als 50 Ländern. Ziel sind lebenswerte Städte, die vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für ihre Bevölkerung bieten. Es gilt, allen Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen Zugang zu Infrastruktur, Dienstleistungen und Wohnraum zu verschaffen. Zugleich müssen der Ressourcenverbrauch der Städte gesenkt und Umwelt- und Klimaschäden vermieden werden.


 
Städte sind Schlüsselakteure für das Erreichen der Ziele, die die Weltgemeinschaft sich gesetzt hat.

Gerd Müller


Deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Stadtentwicklung

Blick über Tel Aviv bei Nacht

Internationale Zusammenarbeit

Deutschland kooperiert im Bereich der Stadtentwicklung intensiv mit internationalen Akteuren. Unter anderem unterstützt die Bundesregierung das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-Habitat), die zentrale UN-Organisation im Bereich Stadtentwicklung, Siedlungswesen und Wohnungsversorgung.

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Ein Mann steht vor seiner Hütte in Kibera, einem Slum im Südwesten von Nairobi, Kenia. Urheberrecht: David Gough/IRIN

Städtische Armut bekämpfen

Deutschland unterstützt Stadtverwaltungen in den Partnerländern bei der Minderung der Armut. Dazu wird der Zugang zu Basisdienstleistungen verbessert, zum Beispiel zur Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Nahverkehrssysteme werden klimaschonend ausgebaut, Slums saniert und Wohnungen, Schulen und Gesundheitszentren errichtet.

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Ein Beamter in Uganda. Urheberrecht: Khristopher Carlson/IRIN

Dezentrale Verwaltungsstrukturen aufbauen

Stadtverwaltungen haben einen engeren Bezug zum Bürger und seinen Bedürfnissen als die Zentralregierung eines Landes. Durch Dezentralisierung wird Demokratieentwicklung, lokales Wirtschaftswachstum und klimaschonendes Handeln in Städten unterstützt, gesellschaftliches Konfliktpotenzial verringert und die Effizienz von Verwaltungshandeln gesteigert. Deshalb fördert Deutschland seine Partnerländer beim Aufbau dezentraler Verwaltungsstrukturen.

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Tram in Addis Abeba, Äthiopien

Städtisches Management unterstützen

Ein funktions- und leistungsfähiges Stadtmanagement kommt unmittelbar der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zugute. Deutschland hilft den Kommunen in den Partnerländern dabei, ihre Fähigkeit zu verbessern, alle lokalen Angelegenheiten eigenverantwortlich zu regeln. Dazu gehören zum Beispiel die Erhebung von Steuern und die Ausübung der lokalen Planungshoheit. Wichtige Partner sind dabei die deutschen Kommunen, die im Rahmen kommunaler Partnerschaften Gemeinden in den Partnerländern beratend unterstützen.

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Straßenmarkt in Beira, Mosambik

Nachhaltige Regionalentwicklung erreichen

Städtische und ländliche Entwicklung sind eng miteinander verzahnt: Städte erfüllen wichtige Aufgaben, von denen ihr Umland profitiert. Sie bieten Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Märkte, Banken sowie staatliche Institutionen. Für Städte wiederum ist es überlebenswichtig, dass die Landwirtschaft in ihrem Hinterland gut funktioniert, damit die Versorgung der Bevölkerung gesichert werden kann. Deutschland unterstützt die Kommunen in den Partnerländern bei einer Regionalpolitik, die diese Wechselwirkungen berücksichtigt.

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Straßenverkehr in Neu-Delhi, Indien

Umweltgerechte Stadtentwicklung fördern

Das Leben und Arbeiten in den wachsenden Städten belastet zunehmend die lokale Umwelt und das globale Klima: Städtische Abwässer und Abgase verschmutzen die Luft und tragen zur Klimaerwärmung bei; Grüngürtel werden durch den Bau von Straßen, Gewerbegebieten und Wohnvierteln verdrängt. Internationale Klima- und Umweltschutzbemühungen können darum nur erfolgreich sein, wenn sie in den Ballungszentren umgesetzt werden. Deutschland engagiert sich in seinen Partnerländer für eine umweltgerechte Stadtentwicklung.

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Beispiel Vietnam: Anpassung an den Klimawandel in Küstenstädten

Hafenarbeiter in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Vietnams Küstenstädte sind vom Klimawandel besonders betroffen: Starkregenfälle und Überschwemmungen werden häufiger. Sie gefährden die Sicherheit der Bevölkerung an der 3.440 Kilometer langen Küste des Landes – Überflutungen fordern dort immer wieder Todesopfer. Die betroffenen Städte wachsen; es ist zu befürchten, dass sich die Situation dadurch weiter verschärft.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Vietnam dabei, sich an die veränderte Situation anzupassen. Gemeinsam mit der Regierung wurde eine Strategie für verbesserten städtischen Hochwasserschutz entwickelt. Inzwischen arbeiten drei Städte aktiv daran, Überflutungen durch Baumaßnahmen und verbesserte Stadtplanung langfristig zu reduzieren. Dadurch wird die Sicherheit von mehr als einer Million Menschen verbessert.



Beispiel El Salvador: Lebensbedingungen in Armutssiedlungen verbessern

Junge in einem Slumgebiet, El Salvador. Urheberrecht: Thomas Köhler/photothek.net

El Salvador ist das kleinste Land Zentralamerikas, hat aber im regionalen Vergleich die höchste Bevölkerungsdichte. Und die Bevölkerung wächst weiter – eine große Herausforderungen für das Land. Am Rand der großen Städte sind inzwischen Armutssiedlungen entstanden. Fehlende Rechtssicherheit, schlechte hygienische Bedingungen und Kriminalität prägen dort den Alltag der Menschen.

Deutschland unterstützt El Salvador dabei, die Bedingungen in diesen Vierteln zu verbessern und zu legalisieren. So wurden im Großraum von El Salvador Wege ausgebaut, Sportanlagen, Spielplätze und Gemeindehäuser gebaut. Außerdem wurden mit deutscher Unterstützung 1.235 Trinkwasser- und Abwasseranschlüsse installiert. Durch diese und weitere Maßnahmen hat sich die Wohn- und Lebenssituation von mehr als 3.000 Familien verbessert.




Beispiel Marokko: Flüchtlinge und Migranten integrieren

Marokko ist in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Transit- und Aufnahmeland für Flüchtlinge und Migranten geworden. Zudem kehren immer mehr im Ausland lebende Marokkanerinnen und Marokkaner in ihre Heimat zurück. Die Situation führt zu sozialen Spannungen. Um Konflikten vorzubeugen, unterstützt Deutschland Marokko bei Integrationsprojekten auf lokaler Ebene.

Im Rahmen der Zusammenarbeit wurde eine "Strategiegruppe für Integration gegründet". Sie dient dem Erfahrungsaustausch zwischen politischen Entscheidungsträgern und zivilgesellschaftlichen Vertretern und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen werden außerdem die Kompetenzen von Flüchtlingen und Migranten erfasst, damit sie besser in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können.





Lexikon der Entwicklungspolitik

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