Ein sudanesischer Bauer erntet Hirse.

Wirtschaftliche Situation Land in tiefer Krise

Die Wirtschaftspolitik des Baschir-Regimes war von staatlicher Lenkung, Korruption und Bevorzugung einzelner Gruppen geprägt. Sie konzentrierte sich stark auf die Ölförderung und den Abbau von Gold; Eliten aus Staat und Sicherheitsapparat schöpften den Großteil der Gewinne ab. Das landwirtschaftliche Potenzial des Landes wurde nicht entwickelt, weite Teile der verarbeitenden Industrie liegen brach.

Die Abspaltung Südsudans im Jahr 2011 bedeutete einen harten Einschnitt: Sudan verlor 75 Prozent seiner Öleinnahmen. Das Land war darauf nicht ausreichend vorbereitet und leidet seitdem unter einer schweren Wirtschaftskrise. In den vergangenen fünf Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um nahezu 80 Prozent eingebrochen. Der globale wirtschaftliche Abschwung in Folge der Corona-Pandemie ist auch in Sudan deutlich zu spüren und verschärft die Wirtschaftslage zusätzlich. Anfang 2021 stieg die Inflationsrate auf über 300 Prozent.

Subventionen für Benzin werden im Zuge eines IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)-Reformprogramms schrittweise abgebaut. Viele Güter sind durch die Wirtschaftskrise kaum mehr verfügbar. Auch wenn die Preise für Grundnahrungsmittel über Subventionen niedrig gehalten werden, sind sie für weite Teile der Bevölkerung aufgrund der Preissteigerungen oftmals unerschwinglich.

Entsprechend steht die neue Regierung unter großem Druck, die Lage spürbar zu verbessern, das Wirtschaftssystem grundlegend zu reformieren, für mehr Transparenz zu sorgen, die Staatsverschuldung zu senken, Subventionen weiter abzubauen und gleichzeitig dadurch entstehende soziale Auswirkungen abzufedern.

Neben dem Bergbau haben vor allem die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion erhebliche Entwicklungspotenziale. Sudan verfügt über nutzbare Ackerflächen in der Größe Frankreichs.

Regionales Konfliktpotenzial birgt der Bau eines Staudamms am Blauen Nil in Äthiopien. Das Nachbarland will damit seine Stromversorgung sichern. Sudan befürchtet, dass künftig deutlich weniger Wasser stromabwärts fließt und dadurch der eigenen Landwirtschaft fehlt. Im Sommer 2020 hat Äthiopien mit der Stauung begonnen, ohne dass eine Einigung mit den betroffenen Anrainerstaaten Sudan und Ägypten erreicht worden war.

Staatsverschuldung

Die Staatsverschuldung Sudans ist extrem hoch. Im Jahr 2020 betrug die Schuldenlast nach Angaben des IWF über 260 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und war damit für das Land nicht mehr tragbar.

Sudan ist neben Eritrea das einzige hoch verschuldete arme Land, das noch nicht an der HIPC-Initiative (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) teilnimmt. Mit Unterstützung von IWF, Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und Afrikanischer Entwick­lungs­bank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) wird ein Plan erarbeitet, wie Sudan den Weg zur Entschuldung beschreiten könnte.