Menschen auf der Flucht im Sudan

Soziale Situation Grundversorgung nicht gesichert 

Die humanitäre Situation in Sudan ist besorgniserregend und hat sich im Laufe des Jahres 2020 weiter verschlechtert. 60 Prozent der Bevölkerung sind von extremer Armut betroffen, in Randregionen wie Südkordofan oder Darfur teilweise bis zu 90 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung gibt mindestens 75 Prozent ihrer Einkünfte für Ernährung aus. Die Anzahl der von akuter Unter­ernährung betroffenen Kinder unter fünf Jahren ist 2020 auf 2,7 Millionen gestiegen. Mehr als 9,6 Millionen Menschen – fast ein Viertel der gesamten sudanesischen Bevölkerung – leiden Hunger oder sind von Hunger bedroht. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben die ohnehin schlechte wirt­schaft­liche und humanitäre Lage verschärft.

Unter Macht­haber Baschir wurde wenig in die öffent­liche Daseins­vorsorge investiert. Dem Gesund­heits­system fehlt es an Personal und Ausstattung. Durch­schnitt­lich stehen knapp zwei Ärzte pro 10.000 Einwohner zur Verfügung, die meisten davon allerdings nur in urbanen Gebieten. Wasser-, Sanitär- und Energie­versorgung sind in vielen Teilen des Landes keine Selbst­verständ­lich­keit. Selbst in urbanen Ballungs­zentren ist die Versorgung unzureichend.

40 Prozent der sudanesischen Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Das Bevölkerungs­wachstum betrug zuletzt etwa 2,4 Prozent jährlich. Das Bildungs­system ist nicht in der Lage, den wachsenden Bedarf zu decken, so dass nur knapp ein Viertel aller Kinder die Grund­schule besucht. Etwa drei Millionen Kinder zwischen 5 und 13 Jahren haben keinen Zugang zu schulischer Bildung. In vielen Schulen findet nur dann Unter­richt statt, wenn die Eltern die Lehr­kräfte direkt bezahlen.

Mehr als drei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene

Flüchtlingslager in Nigeria

Besonders betroffen von der schlechten Versorgungs­lage sind Menschen, die in Armut leben, darunter viele Binnen­vertriebene und Flüchtlinge. Etwa 2,6 Millionen Menschen haben im Zuge bewaffneter Konflikte ihre Heimat­regionen verlassen und Schutz in anderen Landes­teilen gesucht. Mehr als eine Million Menschen, vor allem aus Süd­sudan, Eritrea und zuletzt auch Äthiopien, sind über die Grenzen nach Sudan geflohen, das damit zu den Haupt­aufnahme­ländern von Flüchtlingen weltweit zählt.

Die Übergangs­regierung hat angekündigt, auch die Flücht­lings­politik im Vergleich zur Baschir-Regierung zu verbessern. So sollen Flüchtlinge und Binnenvertriebene künftig früh­zeitig in die staatliche Planung, etwa in den Bereichen Bildung und Gesundheit, einbezogen werden. Außerdem sollen sie einen besseren Zugang zum Arbeits­markt erhalten.

Vom Klimawandel bedroht

Dürreperioden und Über­schwemmungen führen immer wieder zu Eng­pässen bei der Nahrungs­mittel­versorgung der Bevölkerung. Weite Teile des Landes sind von Wasser­mangel und Wüsten­bildung betroffen. Im August 2020 verzeichnete Sudan dagegen den höchsten Nil­pegel in seiner Geschichte – von den Auswirkungen der Über­flutungen waren mehr als eine Million Menschen direkt betroffen. Die im Zuge des Klima­wandels steigende Konkurrenz um Wasser, Acker­boden und Weide­flächen könnte zu neuen Konflikten und Flucht­bewegungen führen.