Wiederaufbau am zerstörten Al Shifaa Hospital in Mosul

Wirtschaftliche Situation Weiterhin großer Bedarf an inter­natio­naler Hilfe

Der Irak steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Der zuletzt stark gesunkene Weltmarktpreis für Erdöl und die Corona-Pandemie haben die Lage weiter verschlechtert: 2020 schrumpfte das irakische Bruttoinlandsprodukt um mehr als zehn Prozent.

Die Erlöse aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas, die mehr 90 Prozent der irakischen Haushaltseinnahmen ausmachen, sind um 50 Prozent zurückgegangen. Nach Schätzungen lebt fast ein Drittel der Bevölkerung inzwischen unterhalb der Armutsgrenze.

Experten gehen von einer Erholung der Wirtschaft ab 2021 aus. Voraussetzungen sind jedoch eine steigende Ölnachfrage, eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung sowie strukturelle Reformen in den Bereichen Staatsfinanzen, Geschäftsklima und Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Landwirtschaft und soziale Sicherung. Die irakische Regierung hat entsprechende umfassende Reformpläne vorgelegt.

Die Herausforderungen für den Irak bleiben immens: Durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahrzehnten wurde die Infrastruktur schwer beschädigt, immer wieder kommt es zu Engpässen in der Wasser- und Stromversorgung.

Der Streit um die Verteilung der Einnahmen aus dem Ölgeschäft und die weit verbreitete Korruption haben dazu geführt, dass viele Irakerinnen und Iraker nicht von den Öleinnahmen profitieren. Der Wirtschaftszweig bietet nur wenige Arbeitsplätze. Da sich die Weltwirtschaft im Rahmen der globalen Energiewende zunehmend vom Erdöl abwendet, werden die Einnahmen aus dem Ölgeschäft zudem tendenziell abnehmen.

Eine Diversifizierung der Wirtschaft und ein besseres Geschäftsklima für Unternehmen sind deshalb dringend erforderlich, um Beschäftigungsmöglichkeiten für die überwiegend junge, auf den Arbeitsmarkt drängende irakische Bevölkerung zu schaffen. Die Arbeitslosenquote lag nach Angaben der Weltbank 2020 bei fast 14 Prozent.