Ehemalige Kriegsteilnehmer erhalten eine Ausbildung

Historischer und politischer Hintergrund Jahre der Spaltung und der Gewalt

Nachdem Côte d’Ivoire 1960 unabhängig von der Kolonial­macht Frankreich geworden war, wurde das Land mehr als 30 Jahre lang von Präsident Félix Houphouët-Boigny und seiner Einheits­partei "Parti Démocratique de Côte d’Ivoire" (PDCI) beherrscht.

Bis in die 1980er Jahre galt Côte d’Ivoire als wirtschaftlich stabilstes Land in Westafrika. Die Ent­wicklungs­erfolge basierten auf dem Export von Kakao und Kaffee. Der Verfall des Welt­markt­preises für Kakao in den 1990er Jahren stürzte das Land in eine tiefe Krise. Zur gleichen Zeit ent­brannte ein Macht­kampf um die Nachfolge des 1993 verstorbenen Präsidenten Houphouët-Boigny.

Teilung des Landes und erneuter Konflikt

Im Jahr 2002 eskalierte der Konflikt. Ein Teil der Armee erhob sich gegen die Regierung und brachte die nördliche Landes­hälfte unter ihre Kontrolle. Fünf Jahre lang war Côte d’Ivoire in zwei Teile gespalten, getrennt durch eine Puffer­zone, die durch die Vereinten Nationen über­wacht wurde. 2007 wurde der Bürger­krieg durch einen Friedens­vertrag beendet, der eine Aufteil­ung der Macht zwischen den gegnerischen Parteien vorsah.

Doch erst 2010 gelang es, Präsident­schafts­wahlen abzuhalten. Aus der Stichwahl zwischen dem amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo und dem Oppositions­kandida­ten Alassane Ouattara ging Ouattara als Sieger hervor. Gbagbo weigerte sich jedoch, seine Nieder­lage zu akzeptieren und das Amt abzu­geben.

Zwischen den Anhängern beider Lager kam es zu gewalt­samen Aus­einander­setzungen, die mit massiven Menschen­rechtsv­erletzungen verbunden waren. Mehr als 3.000 Menschen verloren ihr Leben, rund eine Million Menschen flohen vor den Kämpfen in andere Landes­teile oder in Nachbar­staaten. Côte d'Ivoire stand erneut am Rand eines Bürger­kriegs.

Stabilisierung seit 2011

Im April 2011 wurde Laurent Gbagbo fest­genommen und dem Inter­nationalen Straf­gerichts­hof in Den Haag überstellt. Ihm wurden Verbrechen gegen die Mensch­lichkeit vorgeworfen. Im Januar 2019 endete das Verfahren mit einem Freispruch, der im März 2021 im Berufungs­verfahren bestätigt wurde. Im Juni 2021 kehrte Gbagbo nach Côte d'Ivoire zurück.

Alassane Ouattara wurde 2010 als Präsident Côte d’Ivoires international anerkannt und 2015 in freien Wahlen im Amt bestätigt. Seine umstrittene Wieder­wahl 2020 war erneut von ge­walt­samen Protesten begleitet, die jedoch in keine erneute Staats­krise führten.