Windenergie-Labor Danotek in Addis Abeba. Hier werden Hochleistungs-Generatoren für Windräder entwickelt, die später in den USA und in Europa produziert werden.

Wirtschaftliche Situation Industrie und Landwirtschaft im Blick

Äthiopiens Wirtschaft erreichte in den Jahren 2007 bis 2017 Wachstumsraten zwischen 8,6 und 12,6 Prozent. Im Jahr 2018 fiel das Plus mit 6,8 Prozent etwas geringer aus, für die folgenden Jahre rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) ebenfalls mit Werten zwischen sieben und acht Prozent (Stand: Oktober 2019).

Ziel ist, bis zum Jahr 2025 den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen (middle income country) zu erlangen. Mit ihrem Fünfjahresplan 2016–2020 (Growth and Transformation Plan II) verfolgt die Regierung einen Wachstumskurs mit klaren Zielvorgaben: Ausbau der verarbeitenden Industrie, Exportorientierung sowie Modernisierung und kommerzielle Ausrichtung der Landwirtschaft.

Reformprogramm

Um die Wirtschaft weiter zu beleben und die lokale Privatwirtschaft zu stärken, setzt die Regierung von Premierminister Abiy strukturelle Reformen um. Dazu zählen die Zulassung von Wettbewerb in Wirtschaftsbereichen, die bisher von Staatsunternehmen dominiert wurden, mehr öffentlich-private Partnerschaften und die (Teil-)Privatisierung von Staatsbetrieben in den Bereichen Logistik, Transport, Luftfahrt, Telekommunikation und Elektrizität.

Um die Staatsverschuldung abzubauen, setzt die Regierung auf ein verantwortungsvolles Schuldenmanagement. Sie will verstärkt Eigeneinnahmen mobilisieren und hat sich dem IWF gegenüber verpflichtet, zunächst keine neuen Kredite zu Marktkonditionen mehr aufzunehmen. Der Regierungschef geht außerdem entschieden gegen Ineffizienz und Korruption bei Staatsunternehmen sowie gegen die weit verbreitete illegale Landnahme (Land Grabbing) vor. Problematisch bleibt die negative Handelsbilanz: Äthiopien importiert deutlich mehr Güter, als es exportiert.

Zwei Bauern bei der Feldarbeit in Äthiopien

Zwei Bauern bei der Feldarbeit in Äthiopien

Zwei Bauern bei der Feldarbeit in Äthiopien

Landwirtschaft

Wirtschaftliches Wachstum wird vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor verzeichnet. Basis der äthiopischen Wirtschaft ist jedoch die Landwirtschaft. Sie beschäftigt etwa zwei Drittel aller Erwerbstätigen und versorgt die Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie mit Rohstoffen. Außerdem zählt Äthiopien zu den größten Kaffeeproduzenten weltweit.

Bislang ist die Landwirtschaft noch kleinbäuerlich geprägt und zudem stark von Regenfällen abhängig. Dürreperioden verursachen immer wieder schwerwiegende Ernteausfälle. Die langfristige Ernährungssicherung der wachsenden Bevölkerung zählt daher zu den großen Herausforderungen des Landes.

Entwicklungspotenziale

Äthiopien hat große Entwicklungspotenziale. Unter anderem ist die Produktivität der Landwirtschaft noch enorm steigerungsfähig. Das Land verfügt außerdem über Bodenschätze wie Gold, Tantalerz, Phosphor, Eisen, Salz, Kaliumcarbonat (Pottasche), Natriumcarbonat, Edelsteine und Kohle. Große Hoffnungen werden auf die Nutzung der Erdgasvorkommen gesetzt, die im Ogaden-Becken entdeckt wurden.

Äthiopien verfügt zudem über gute Voraussetzungen für die Nutzung umweltfreundlicher Energiequellen wie Wasser-, Solar- und Windkraft sowie Erdwärme. Bereits heute exportiert das Land Strom in seine Nachbarländer Dschibuti, Kenia und Sudan. Die Erweiterung der Stromerzeugung sowie der Ausbau der Infrastruktur sollen auch dem Tourismus zugutekommen, der als neuer wachstumsfähiger Sektor gilt.