Ein Mann sitzt an einem Bewässerungskanal in der Nähe von Qena am Nil, Ägypten.

Schwerpunkt Nutzung und Management der Was­ser­res­sour­cen/Ab­fall Ressourcen schützen, Konflikte vermeiden

Ägypten gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt – es regnet selten und es gibt nur geringe Grundwasservorräte. 95 Prozent des Landes sind Wüste, weniger als vier Prozent der Fläche können landwirtschaftlich genutzt werden.

Landwirtschaft, Industrie und Bewohner sind in hohem Maße vom Nil abhängig. Um die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen erfüllen zu können, muss das vorhandene Wasser noch wirtschaftlicher als bisher genutzt werden. Zudem steht das Land vor großen Herausforderungen bei der Abfallsammlung und -entsorgung. Diese ist bislang mit erheblichen Belastungen für Klima, Umwelt und Gesundheit verbunden.

Deutsches Engagement

Deutschland unterstützt Ägypten bei der Reform des Wassersektors und verfolgt dabei folgende Ziele:

  • Ressourcenschonender Umgang mit Wasser
  • Zugang der armen Bevölkerungsgruppen zu Trinkwasser
  • Verbesserung der Gesundheit durch geregelte Abwasserentsorgung
  • Effizienzsteigerungen bei der landwirtschaftlichen Nutzung von Wasser
  • Modernisierung der Infrastruktur der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
  • Finanzielle Nachhaltigkeit des Sektors und Stärkung öffentlicher und privater Institutionen
  • Dezentralisierung des Sektors sowie Aufbau von lokalen Wassernutzergemeinschaften
  • Aus- und Weiterbildung von Fachleuten sowie Aufklärung der Bevölkerung

Integriertes Wasserressourcenmanagement

Bei der Umsetzung dieser Ziele verfolgt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit einen ganzheitlichen Ansatz: Das sogenannte integrierte Wasserressourcenmanagement (IWRM) bringt Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen mit den Erfordernissen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung in Einklang.

Gefördert wird zum Beispiel die Modernisierung der landwirtschaftlichen Bewässerungsinfrastruktur. Zusammen mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern werden Strategien für eine sparsamere Nutzung des Wassers entwickelt. Deutschland unterstützt die Familienbetriebe dabei, sich in Wassernutzungsgemeinschaften zusammenzuschließen und die Bewässerungszyklen untereinander abzustimmen.

Zugleich unterstützt das BMZ das ägyptische Wasser- und das Landwirtschaftsministerium dabei, Wassernutzerorganisationen und landwirtschaftliche Kooperativen stärker in Planungs- und Beratungsprozesse einzubinden. Das vorhandene Wasser kann so viel effizienter eingesetzt werden; Wasserkonflikte werden vermieden.

Abfallwirtschaft

In der Abfallwirtschaft steht der Reformprozess noch am Anfang. Die Luftverschmutzung in der Megacity Kairo mit ihren mehr als 20 Millionen Einwohnern wird nicht nur durch Industrie und Autoverkehr verursacht, sondern auch durch das unkontrollierte Verbrennen von Müll.

Zwar gibt es Zehntausende informelle Müllsammler, ihr Arbeitsgebiet ist aber auf wohlhabende Stadtteile mit entsprechender Ausbeute begrenzt. Landesweit werden nur rund 60 Prozent der Abfälle gesammelt, weniger als 20 Prozent werden ordnungsgemäß deponiert oder wiederverwertet; es gibt zahlreiche wilde Müllkippen. In den landwirtschaftlichen Anbaugebieten verschmutzt der Abfall die Wasserressourcen und beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit der Entwässerungskanäle.

Durch ein nationales Siedlungsabfallwirtschaftsprogramm unterstützt Deutschland die ägyptischen Partner dabei, die dringend notwendige Infrastruktur für die Müllentsorgung zu schaffen und die entsprechenden Verwaltungsstrukturen aufzubauen. In Zusammenarbeit mit der EU wird ein bedarfsgerechtes und kostendeckendes Abfallwirtschaftssystem aufgebaut. Durch die Entwicklung neuer, dezentraler Ansätze für Abfallsammlung und Recycling sollen auch "grüne Jobs" entstehen.