Women in Tech Janina Kugel

"Dis­kri­mi­nie­rung kön­nen wir nicht hin­neh­men", meint Ja­ni­na Ku­gel. Als Per­so­nal­che­fin des Tech­no­lo­gie­kon­zerns Sie­mens ist sie an der rich­ti­gen Po­si­ti­on, um ge­gen Miss­stän­de vor­zu­ge­hen.

Ja­ni­na Ku­gel, Ar­beits­di­rek­to­rin und Mit­glied des Vor­stands der Sie­mens AG, Deutsch­land

Ja­ni­na Ku­gel, Ar­beits­di­rek­to­rin und Mit­glied des Vor­stands der Sie­mens AG, Deutsch­land

Ja­ni­na Ku­gel, Ar­beits­di­rek­to­rin und Mit­glied des Vor­stands der Sie­mens AG, Deutsch­land

Es ist 18 Uhr und Ja­ni­na packt den Lap­top ein. Wenn sie nicht auf Rei­sen ist, geht sie zei­tig nach Hau­se, um mit ih­rer Fa­mi­lie zu Abend zu es­sen. Das war in der Ma­nage­ment­eta­ge ei­nes Welt­kon­zerns vor ei­ni­gen Jah­ren noch un­denk­bar. Ja­ni­na ist ver­ant­wort­lich für rund 379.000 Mit­ar­bei­ter, ver­teilt über den ge­sam­ten Glo­bus. Trotz­dem nimmt sie sich im All­tag Zeit für die Fa­mi­lie und macht dann spät abends den Rech­ner noch­mal an.

"Tech­no­lo­gie­the­men be­geis­tern mich schon lan­ge", er­zählt sie. Zu Be­ginn ih­res VWL-Stu­di­ums träum­te sie noch da­von, ein­mal bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen zu ar­bei­ten. In ih­rem ers­ten Job bei ei­ner Un­ter­neh­mens­be­ra­tung lern­te sie dann aber ver­schie­de­ne In­dus­trie­bran­chen ken­nen – das war die Ba­sis für ih­ren Ein­stieg bei Sie­mens. "Ich fin­de es ex­trem span­nend, wenn ein Un­ter­neh­men wie Sie­mens gro­ße An­la­gen und In­fra­struk­tu­ren baut, die gan­ze Län­der nach­hal­tig ver­bes­sern."

Dass Ja­ni­na Vor­stand in ei­nem Tech­no­lo­gie-Kon­zern ist, ist in dop­pel­ter Wei­se be­son­ders: Zum ei­nen sind Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men nach wie vor eher män­ner­do­mi­niert – bei Sie­mens zum Bei­spiel liegt der An­teil an In­ge­nieu­rin­nen bei rund 20 Pro­zent. Zum an­de­ren nimmt der An­teil an Frau­en ten­den­zi­ell ab, je hö­her man in der Hier­ar­chie­ebe­ne geht – und zwar in al­len Bran­chen.

"Bei Sie­mens wür­den wir uns über mehr Mä­dels in MINT-Be­rei­chen – al­so Ma­the­ma­tik, In­for­ma­tik, Na­tur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik – freu­en", meint Ja­ni­na. Da­für bräuch­ten wir aber auch mehr weib­li­che Azu­bis und Uni-Ab­sol­ven­tin­nen in die­sen Fä­chern. Kli­schees und Rol­len­bil­der müs­sen sich al­so än­dern, ge­nau­so Bil­dung und Schul­sys­te­me. "Wenn wir er­folg­rei­chen Frau­en mehr Sicht­bar­keit ver­lei­hen, se­hen Mäd­chen, dass ih­nen al­le Be­ru­fe of­fen­ste­hen."


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Janina Kugel

In ih­ren Jobs war Ja­ni­na häu­fig die ein­zi­ge Frau am Tisch. "Das war an­fangs un­ge­wöhn­lich und ich ha­be ler­nen müs­sen, dass man­che Re­geln und Dy­na­mi­ken an­ders sind", er­zählt sie. Aber das hat sie auch stark ge­macht – zum Bei­spiel da­für, auf Zeit mit der Fa­mi­lie zu be­stehen. "Wä­re das nicht mög­lich ge­we­sen, hät­te mein Weg viel­leicht an­ders aus­ge­se­hen. Fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten sind für Men­schen heu­te wich­tig, nicht nur für Frau­en. Des­we­gen auf Ta­len­te zu ver­zich­ten, kann sich heu­te kein Un­ter­neh­men mehr leis­ten."

Auch man­chen plum­pen Spruch hat Ja­ni­na schon ab­be­kom­men – manch­mal, weil sie ei­ne Frau ist, manch­mal we­gen ih­rer Haut­far­be. "Oft sind das Macht­spiel­chen, die von Men­schen aus­ge­hen, die selbst un­si­cher sind – zum Teil auch ein­fach 'Dumm­heit'." Schlie­ß­lich kom­me es aber dar­auf an, wie man da­mit um­ge­he: "Ich fin­de es wich­tig, dass man auf­steht und sich da­ge­gen wehrt. Das ver­langt Mut, aber der zahlt sich aus. Dis­kri­mi­nie­rung kön­nen wir nicht hin­neh­men, egal in wel­cher Form."

Als Per­so­nal­che­fin setzt sich Ja­ni­na für Chan­cen­ge­rech­tig­keit ein. Al­le Mit­ar­bei­ter sol­len ihr vol­les Po­ten­zi­al ein­brin­gen kön­nen – egal ob Frau oder Mann, egal wel­che Haut­far­be oder ob je­mand ei­ne Be­hin­de­rung hat. "Denn letzt­lich sind es ge­ra­de die un­ter­schied­li­chen Sicht­wei­sen und Er­fah­run­gen, die ein Team und ein Un­ter­neh­men be­rei­chern."