Bangladesch: Zusammenarbeit konkret Wiederbelebung der Binnen­wasser­straßen in Bangladesch

Die Menschen in Bangladesch sind dem Klimawandel unmittelbar ausgeliefert. In dem dicht besiedelten Land, das von Tiefland und Flüssen geprägt ist, leben mehr als 28 Prozent der Bevölkerung in küsten­nahen Gebieten. Durch den steigenden Meeres­spiegel sowie Wirbelstürme und andere klima­bedingte Katastrophen kommt es regelmäßig zu Gefahren für die Menschen und zur Vernichtung von Ernten, Existenz­grund­lagen und Infrastruktur. Das klima­bedingte Abschmelzen der Gletscher im Himalaya verschärft das Problem zusätzlich.

Trotz und gerade angesichts dieser Heraus­forderungen hat Bangladesch eine Vor­reiter­rolle bei der Entwicklung einer kohlen­stoff­armen und wider­stands­fähigen Wirtschaft eingenommen, damit die Bürgerinnen und Bürger von den positiven Wirkungen einer langfristigen nachhaltigen Entwicklung profitieren können. Als Mitglied der NDC-Partner­schaft arbeitet das Land auch mit der "NDC Support Facility" der Weltbank zusammen. Dieses vom BMZ geförderte Programm unterstützt die bangla­deschi­sche Regierung bei der Erarbeitung einer Strategie für eine kohlen­stoff­arme Binnen­schiff­fahrt. Zugleich fördert es im Sinne des Übergangs zu einer emissionsarmen und widerstands­fähigen Wirtschaft die Erfassung der Treib­haus­gas­emissionen und ein Über­wachungs-, Bericht­erstattungs- und Prüfungs­system.

Ein Motorboot fährt durch den Hafen von Khulna, Bangladesch

Ein Motorboot fährt durch den Hafen von Khulna, Bangladesch

Ein Motorboot fährt durch den Hafen von Khulna, Bangladesch

Im Rahmen der Strategie für eine kohlen­stoff­arme Entwicklung wird eine Pilot­maßnahme durchgeführt, die einen Teil des Waren­trans­ports in Bangladesch auf die Binnen­schiff­fahrts­wege verlagern soll. Aktuell findet der Güter­transport vorwiegend auf der Straße statt (60 Prozent). Er trägt damit zu den wachsenden Treib­haus­gas­emissionen des Landes bei. Die hiermit einhergehende Luft­verschmut­zung wird zunehmend zu einem Problem für die öffent­liche Gesundheit. Insbesondere die Strecke zwischen der Hauptstadt Dhaka und dem stark frequen­tierten Seehafen Chittagong am Golf von Bengalen ist häufig von Staus betroffen, die zu beträchtlichen Verzögerungen beim Transport von Gütern innerhalb der export­orientierten Wirtschaft des Landes führen.

Zugleich werden weniger als fünf Prozent der Container­transporte von Binnen­schiffen durchgeführt. Eine Verlagerung des Güter­verkehrs auf die bestehende Binnen­schiff­fahrts­straße Dhaka-Chittagong ist entscheidend, wenn das export­basierte Wachstum des Landes nachhaltig gestärkt werden soll und zugleich die Emissionen im Verkehrs­bereich entsprechend dem nationalen NDC gesenkt werden sollen. Zudem würde die Nutzung der Binnen­wasser­wege die Trans­aktions­kosten für Zulieferer senken und die Zuverlässig­keit und Effizienz des Güter­transports im Land stärken.

Einbeziehung von öffentlichen und privaten Akteuren in Ent­schei­dungs- und Planungs­prozesse

Aus der Unterstützung der "NDC Support Facility" sind zwei vielver­sprechende Wirkungen hervorgegangen. Zum einen ist zur Förderung von partizipativen Planungs- und Ent­schei­dungs­pro­zessen eine breite Koalition öffentlicher und privater Akteure geschaffen worden. Zu ihr gehören Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien für Umwelt und Schifffahrt, der Binnen­schiff­fahrts- und Hafen­behörden, des Zollwesens und der Güter­verkehrs­wirt­schaft sowie multinationaler Unternehmen, die im bangla­deschischen Textil­sektor aktiv sind. Gemeinsam stehen sie für die Komplexität und den sektor­über­greifenden Ansatz, die ins Visier genommen werden müssen, um die Wett­bewerbs­fähig­keit der Binnen­schiff­fahrt zu stärken, die auf ein Netz von insgesamt 24.000 Kilometern zurück­greifen kann.

Zu den von der Koalition vorgeschlagenen kohlen­stoff­armen Lösungen zählen zum Beispiel garantierte Zahlungen an die Anbieter von Fracht­schiff­dienst­leistungen; kurzfristige Subventionen für Spediteure zum Ausgleich der Kosten für die Nutzung von Binnen­wasser­straßen anstelle von Straßen; sowie Maßnahmen zur Behebung der Probleme beim Waren­trans­port auf der letzten Meile und bei der Lager­logis­tik. Aufbauend auf diesen Empfehlungen hat die bangla­deschi­sche Regierung ein Pilot­projekt für den Korridor Dhaka-Chittagong auf den Weg gebracht. Unter­stützt wird sie dabei vom Bangladesh Regional Waterway Transport Project (Externer Link) der Weltbank.

Schaffung einer Wissens­basis zur Förderung von kohlen­stoff­armen und wider­stands­fähigen Poli­ti­ken und In­vestitio­nen

Zum anderen hat die Förderung es ermöglicht, dass eine Aufstellung der Emissionen vorgenommen wurde und Instrumente für ein Über­wachungs-, Bericht­erstattungs- und Prü­fungs­system entwickelt wurden. Diese haben zum Aufbau einer Wissens­basis beigetragen, anhand derer die Behörden erfolgreich zu den Emissionen der Binnen­schiff­fahrt Bericht erstatten können. Diese Maßnahmen bilden die Grundlage für evidenz­basierte Politiken und Investitionen für eine kohlen­stoff­arme Wirtschaft. Durch den Einsatz von effizien­teren Schiffen, alternativen Kraft­stoffen und Hilfs­energie sowie durch erhöhte Wege­effizienz könnte der Sektor dazu beitragen, dass die jährlichen Emissions­werte bis 2030 um vier bis zehn Prozent sinken. Dank neuer Daten­werk­zeuge und Empfehlungen von Fachleuten können die banglade­schischen Vertreterinnen und Vertreter von Behörden und Politik die Verkehrspolitik und Wirt­schafts­planung besser mit den NDC-Zielen in Einklang bringen. Die Maßnahmen haben auch bei den Binnen­schiff­fahrts­behörden und Privat­unter­nehmen Interesse an einer wider­stands­fähigeren Gestaltung von Häfen, Schiffen und Wasser­wegen ausgelöst.

Bangladesch ist gut aufgestellt, weltweit eine Führungs­rolle bei der Erfassung von Treib­haus­gas­emissionen und bei der Entwicklung von Über­wachungs-, Bericht­erstattungs- und Prü­fungs­syste­men für die Binnen­schiff­fahrt zu übernehmen. Die sich bei der verstärkten Nutzung von Binnen­schiff­fahrts­wegen ergebenden "best practices" beim Güter­transport lassen sich auch auf andere Länder mit bestehenden Wasser­wegen übertragen.