Mädchen lernen im Jugendzentrum von Tanga (Tansania) den Umgang mit Computern.

Kinderrechte und Jugendrechte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Die Mehrheit der Welt­bevölke­rung ist unter 25 Jahre alt. Und doch werden Kinder und Jugend­liche oft nicht als eigen­ständige Persön­lich­keiten mit eigenen Rechten wahr­genommen: Erwachsene regieren, planen und entscheiden für sie – und oft über ihre Köpfe hinweg.

Die Kinderrechte auf Partizipation (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Meinungs- und Informa­tions­freiheit sowie Vereinigungs- und Versamm­lungs­freiheit werden in vielen Ländern, darunter auch Deutsch­land, immer wieder verletzt. In einer von der älteren Generation dominierten gesell­schaft­lichen und politischen Ordnung ist es für junge Menschen oft schwer, für ihre Interessen und Belange Gehör zu finden. 

Dabei ist das Recht auf Partizipation nicht nur inter­national fest­geschrieben, sondern auch gesell­schaft­lich sinnvoll: Werden Kinder und Jugend­liche an politischen Prozessen beteiligt, können sie unmittelbar demo­kratische Erfahrungen sammeln und frühzeitig lernen, sich für das Gemein­wohl einzusetzen. Jugend­bewegungen wie FridaysForFuture zeigen eindrücklich, dass junge Menschen ihre eigenen Vor­stellungen haben, wie sie ihr Leben aktiv gestalten und wie sie zum Wandel der Gesell­schaft beitragen möchten.


Recht auf Beteiligung

Kinder und Jugend­liche müssen laut UN-Kinder­rechts­konvention (Externer Link) grund­sätzlich an allen Fragen und Angelegen­heiten der politischen Gemein­schaft beteiligt werden (Artikel 12).

Dieses Recht auf Teilhabe ermöglicht nicht nur den Einfluss von Kindern auf gesell­schaft­liche Prozesse, es hilft ihnen auch bei der Durch­setzung ihrer sonstigen Rechte: Kinder, die in ihren Familien, in der Schule, der Gemeinde und in der Politik respektiert und angehört werden, können dadurch gleich­zeitig alle ihre Rechte wirksamer einfordern und ausüben, zum Beispiel das Recht auf Bildung oder das Recht auf Schutz vor wirt­schaft­licher Ausbeutung.

Laut Kinder­rechts­ausschuss der Vereinten Nationen soll die Beteiligung von Kindern und Jugend­lichen transparent, informativ, freiwillig, respekt­voll, bedeutsam (für die Bedürf­nisse und den Erfahrungs­schatz von Kindern), kinder­freundlich, inklusiv, sicher und rechen­schafts­pflichtig gestaltet sein.

Kinderrechte einzufordern bedeutet, Generationen­gerechtig­keit einzufordern. Wir haben das Recht, über unsere Zukunft zu entscheiden. Wir fordern unser Recht ein. Die Beteiligung der Jugend sollte als Chance begriffen werden. Da Kinder aus verschiedenen Ländern unter­schied­liche Bedürf­nisse haben, muss man uns fragen, was wir wollen, denn wir wissen es am besten.
Aus einer gemeinsamen Rede von Jugendlichen aus sieben Ländern auf einer BMZ-Veranstaltung im November 2019 in Berlin

Das deutsche Engagement Aktive Einbindung von Kindern und Jugendlichen

Jugendliche bei der Vorstellung der Jugendstrategie der Bundesregierung im Dezember 2019
Jugendliche bei der Vorstellung der Jugendstrategie der Bundesregierung im Dezember 2019

Die Entwicklungs­zusammen­arbeit ist strukturell noch nicht ausreichend darauf vorbereitet, Kinder und Jugend­liche in die Planung, Umsetzung und Aus­wertung ihrer Vorhaben durch­gängig mit­einzu­binden. Daher besteht die Gefahr, dass sie nur symbolisch oder punktuell einbezogen werden.

Zudem sind immer auch die örtlichen Gegeben­heiten zu berück­sichtigen. In vielen Partnerl­ändern wider­spricht das Prinzip der Teilhabe von Kindern den gesell­schaft­lichen Werte­vorstellungen. Die Einbindung der jungen Menschen muss dann sehr sensibel erfolgen, um keine Konflikte hervor­zurufen. Auch muss die Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit immer den Schutz der beteiligten Kinder und Jugend­lichen gewähr­leisten. Es muss zum Beispiel verhindert werden, dass sie sich in Krisen­situationen oder in autoritär regierten Ländern durch ihre Meinungs­äußerungen in Gefahr bringen.

Die Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und ins­besondere die Jugend­lichen selbst fordern seit Langem vom Bundes­ministerium für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Entwicklung (BMZ), die Jugend­beteiligung zu verbessern und fest in den Arbeits­abläufen des Ministeriums zu verankern. Denn nur so kann das BMZ aus erster Hand erfahren, wie es um die Ver­wirk­lichung von Kinder­rechten aus Sicht von Kindern und Jugend­lichen bestellt ist und wie ihre Umsetzung verbessert werden kann.

Ministerium gründet Jugendbeirat

Agents of Change - Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

"Agents of Change"

Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit | Aktionsplan

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 04/2017 | Dateigröße 666 KB, Seiten 34 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

In einem ersten Schritt hat das BMZ Jugend­liche an der Erstellung des Aktions­plans "Agents of Change – Kinder- und Jugend­rechte in der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit" beteiligt. Im Rahmen einer Jugend­kon­sul­ta­tion in den Jahren 2015 und 2016 er­ar­bei­te­ten 24 Jugend­liche aus Deutsch­land Positionen zu ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Themen und konkrete Vor­schläge für den Aktions­plan.

Um sich künftig kontinuierlich von Jugend­lichen be­raten zu lassen und die junge Per­spek­ti­ve in ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Pro­zessen zu berück­sich­tigen, richtet das BMZ einen Jugend­beirat ein. Im Oktober 2019 trafen sich Jugend­liche aus ganz Deutsch­land zu einem Workshop, um Ideen zur Vision, Funktion, Zu­sam­men­setzung, Or­ga­ni­sa­tion und Ar­beits­weise dieses Bei­rats zu ent­wickeln. Eine "Task Force Jugend­beirat" be­stehend aus zehn deutschen Jugend­lichen wurde ge­grün­det und be­glei­tete seit­her den Grün­dungs­pro­zess.

Einen Monat später wurde eine BMZ-Fest­veranstaltung zum 30-jährigen Bestehen der UN-Kinder­rechts­konvention genutzt, um auch Jugend­liche aus Afrika, Nahost, Asien und Latein­amerika in die Diskussionen einzubinden. Der Auswahl­prozess für den BMZ-Jugend­beirat startete im Sommer 2020 und der Bewerbungs­aufruf traf auf hohe Resonanz. Eine Auswahl­kommission bestehend aus Erwachsenen und Jugend­lichen wählt die 16 Mitglieder des BMZ-Jugend­beirats aus. 2021 soll der Jugend­beirat seine Arbeit beginnen können.

Engagement in den Partnerländern

Honduras

In Honduras hat ein vom BMZ gefördertes Bildungsprogramm gezeigt, wie der Teilhabeansatz in der Praxis angewendet und staatlich verankert werden kann. Mehr als 400 Schülerinnen und Schüler im Alter von fünf bis 21 Jahren aus neun repräsentativen Bezirken waren am Reformprozess beteiligt: Sie formulierten in eigenen Worten eine nationale Verordnung, die regelt, wie die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen in Form von Schülervertretungen organisiert werden soll. Die Verordnung wurde 2018 offiziell vom honduranischen Bildungsministerium verabschiedet und gilt nun in 23.000 Schulen.