Schülerinnen und Schüler einer Schule in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik

Kinderrechte und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungspolitik

Kinder und Jugendliche bilden in fast allen Entwicklungsländern die größte Be­völ­ke­rungs­gruppe. Sie sind die Hoffnungs­träger­innen und -träger sowie kritischen Akteure in ihren Ländern: Von ihnen wird es maß­geblich abhängen, ob der dringend nötige soziale, wirt­schaft­liche und politische Wandel gelingt.

Doch die Rechte von Millionen Kindern werden auf vielfältige Weise verletzt. Extreme Armut, schwere Krankheiten, fehlende Bildungsangebote, schlechte Regierungsführung, bewaffnete Konflikte und der Klimawandel rauben ihnen die Chance auf ein glückliches und gelungenes Leben.


Deutschland übernimmt Verantwortung

Die Menschenrechte – und damit auch die Kinder- und Jugend­rechte – bilden das Fun­da­ment für die de­mo­kra­ti­sche, wirt­schaft­liche, so­ziale und kulturelle Ent­wick­lung eines Landes. Ihr Schutz und ihre Ge­währ­leis­tung sind darum Leit­prinzip der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik. Auch völker­recht­lich hat sich Deutsch­land zur Ver­wirk­lich­ung der Menschen­rechte ver­pflichtet und alle grund­le­gen­den inter­na­tio­nalen Menschen­rechts­ver­träge, da­runter die UN-Kinder­rechts­kon­ven­tion (Externer Link), ratifiziert.

Eine große Zahl der deutschen Ent­wick­lungs­vor­haben ist auf Kinder und Jugend­liche aus­ge­richtet: Direkt im Mittel­punkt stehen junge Menschen und die För­de­rung ihrer Rechte zum Bei­spiel bei Pro­gram­men zur Ver­besse­rung der Er­nährungs­situa­tion, der Grund­bil­dung, der Ge­sund­heit, zur Ge­walt­prä­ven­tion und zur Be­kämpfung von Kinder­arbeit und Kinder­handel. Indirekt profitieren Kinder und Jugend­liche unter anderem von deutschen Ent­wick­lungs­pro­grammen zur Ver­besse­rung der Re­gierungs­führung, zur Wirt­schafts­för­de­rung, zum Umwelt- und Re­ssourcen­schutz, zur länd­lichen Ent­wick­lung oder zur Stadt­ent­wicklung.

Allein im Zeitraum 2017 bis 2019 hat das Bundes­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ) 1.107 Projekte mit Bezug zu Kinder- und Jugendrechten mit insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro gefördert. Davon gehörten 324 Projekte zur zwischen­staat­lichen Ent­wick­lungs­zu­sammen­arbeit (sogenannte bilaterale Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und 42 zur Zu­sammen­arbeit mit inter­na­tio­nalen Or­ga­ni­sa­tionen (sogenannte multilaterale Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)). 283 Vorhaben wurden in Ko­opera­tion mit kirchlichen Trägern oder Ländern und Kommunen, 458 gemeinsam mit privaten Trägern verwirklicht.

Standbild aus dem BMZ-Video "Kinder haben ein Recht auf Rechte!"
Video: Kinder haben ein Recht auf Rechte!

Die Agenda 2030 und der Aktionsplan "Agents of Change"

Kinder- und Jugendrechte prägen als wichtiges Anliegen die gesamte Agen­da 2030: Alle 17 Nach­haltig­keits­ziele haben Bezug zu Kindern und Jugendlichen, die in der Agenda als entscheidende Akteure des Wandels ("critical agents of change") bezeichnet werden. Die Agenda spricht sich dafür aus, das Potenzial junger Menschen gezielt zu fördern, um Ent­wick­lung inklusiv und nach­haltig zu gestalten.

Das BMZ hat 2017 den Aktionsplan "Agents of Change – Kinder- und Jugend­rechte in der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit" verabschiedet. Er enthält konkrete Maß­nahmen zur Förderung der Kinder- und Jugend­rechte. Der Schwer­punkt liegt regional auf Afrika und Nahost und thematisch auf Berufs­bildung, Ge­sund­heit und Flucht. Der End­bericht des Aktions­plans zog eine positive Bilanz.

Die Vorgaben des Aktionsplans sind eng mit den Zielen der Agenda 2030 verknüpft und folgen ihrem Leitprinzip "Leave No One Behind" ("niemanden zurücklassen").

Die Schutz-, Entwicklungs- und Beteiligungsrechte junger Menschen zu verwirklichen, ist nach Ansicht der deutschen Ent­wick­lungs­politik die beste Strategie, um dieses Leitprinzip umzusetzen.

Agents of Change - Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

"Agents of Change"

Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit | Aktionsplan

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 04/2017 | Dateigröße 666 KB, Seiten 34 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
Titelblatt: Endbericht "Agents of Change | Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit"

Endbericht zum Aktionsplan "Agents of Change"

Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 07/2021 | Dateigröße 2 MB, Seiten 32 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Engagement auf mehreren Ebenen

Um die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu verwirklichen, setzt die deutsche Ent­wick­lungs­politik auf mehreren Ebenen an:

  • Politik
    Die Regierungen der Ko­opera­tions­länder werden bei der Um­setzung der Kinder­rechts­kon­ven­tion und anderer inter­na­tio­naler Ver­ein­ba­rungen beraten. Sie erhalten zum Beispiel Unter­stützung dabei, ent­sprech­ende Gesetze und politische Stra­te­gien zu er­ar­beiten, weiter­zu­ent­wickeln und um­zu­setzen sowie nationale und kommunale Kinder- und Jugend­aktions­pläne zu erstellen.
  • Institutionen
    Das Leistungs­vermögen wichtiger Ein­richtungen wie zum Beispiel von zu­stän­digen Mi­nis­te­rien, kom­mu­nalen Ein­rich­tungen der Kinder- und Jugend­arbeit oder von zivil­ge­sell­schaft­lichen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Jugend­or­ga­ni­sa­tionen wird ver­bessert. Auch die Ver­netzung dieser Akteure spielt eine wichtige Rolle und wird von Deutschland gefördert.
  • Einzelpersonen
    Auf der individuellen Ebene steht die Aus­bildung von Jugend­referentinnen und -referenten, Jugend­sozial­arbeiterinnen und -sozial­arbeitern und Jugend­leiterinnen und -leitern im Mittel­punkt. Dabei liegt der Schwer­punkt auf dem Empowerment (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von Kindern und Jugendlichen. Sie stehen nicht nur im Mittel­punkt vieler Programme, sondern engagieren sich auch selbst als Akteure und Partner­innen und Partner der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit. Kinder und Jugend­liche können dadurch ihre eigenen Interessen artikulieren und daran mitwirken, sie in nationalen und kom­munalen Ent­wick­lungs­strategien und -prozessen zu verankern.
  • Bundesentwicklungsministerium
    Auch im BMZ selbst sollen die jungen Menschen mehr Gehör finden. Das BMZ hat dafür einen eigenen Jugendbeirat gegründet.

Arbeitsfelder des deutschen Engagements

Ein Junge in Mali arbeitet an einer Nähmaschine.
Schul­un­ter­richt für Mäd­chen in ei­ner Kin­der- und Fa­mi­li­en­schutz­zo­ne für sy­ri­sche Flücht­lin­ge in Hashe­mi al-Shi­ma­li in Jor­da­ni­en