Schülerinnen und Schüler einer Schule in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik

Kinderrechte und Jugendrechte durchsetzen – Zukunft sichern

Kin­der und Ju­gend­li­che bil­den in fast al­len Ent­wick­lungs­län­dern die grö­ß­te Be­völ­ke­rungs­grup­pe. So ist in Afri­ka im Durch­schnitt fast je­der zwei­te Mensch jün­ger als 18 Jah­re. Die­se jun­gen Men­schen sind die Hoff­nungs­trä­ger ih­rer Län­der: Von ih­nen wird es ma­ß­geb­lich ab­hän­gen, ob der drin­gend nö­ti­ge so­zia­le und po­li­ti­sche Wan­del ge­lingt.

Doch die Rech­te von Mil­lio­nen Kin­dern wer­den auf viel­fäl­ti­ge Wei­se ver­letzt. Ins­be­son­de­re ex­tre­me Ar­mut, schwe­re Krank­hei­ten wie Ma­la­ria oder Aids, feh­len­de Bil­dungs­an­ge­bo­te und schlech­te Re­gie­rungs­füh­rung min­dern ih­re Le­bens­chan­cen. Be­waff­ne­te Kon­flik­te ver­schär­fen die Si­tua­ti­on. Weiterlesen: Hintergrund – Kinder sind Hoffnungsträger

Men­schen­rech­te sind Leit­prin­zip  Deutschland übernimmt Verantwortung

Die Men­schen­rech­te – und da­mit auch die Kin­der- und Ju­gend­rech­te – bil­den das Fun­da­ment für die de­mo­kra­ti­sche, wirt­schaft­li­che, so­zia­le und kul­tu­rel­le Ent­wick­lung ei­nes Lan­des. Ach­tung, Schutz und Ge­währ­leis­tung der Men­schen­rech­te sind da­her Leit­prin­zip der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik.

Deutsch­land hat die grund­le­gen­den in­ter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­ver­trä­ge, dar­un­ter auch die UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on (Externer Link), ra­ti­fi­ziert und sich da­mit zur Ver­wirk­li­chung der Kin­der- und Ju­gend­rech­te ver­pflich­tet. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) hat als ei­ner der ers­ten bi­la­te­ra­len staat­li­chen Ge­ber welt­weit das The­ma Kin­der und Ju­gend be­reits En­de der 1990er Jah­re auf­ge­grif­fen.

An Kin­der und Ju­gend­li­che rich­tet sich di­rekt oder in­di­rekt ei­ne gro­ße Zahl von Ent­wick­lungs­maß­nah­men: Di­rekt zum Bei­spiel bei Pro­gram­men zur Ver­bes­se­rung der Er­näh­rungs­si­tua­ti­on, der Grund­bil­dung, der Ge­sund­heit, zur Be­kämp­fung der schlimms­ten For­men der Kin­der­ar­beit in­klu­si­ve Kin­der­han­del oder in der Ge­walt­prä­ven­ti­on. In­di­rek­te Ziel­grup­pe sind sie zum Bei­spiel bei Vor­ha­ben zur Po­li­tik­be­ra­tung und Wirt­schafts­för­de­rung, zum Um­welt- und Res­sour­cen­schutz, zur länd­li­chen Ent­wick­lung oder zur Stadt­teil­för­de­rung.

Ak­tu­ell trägt das BMZ mit rund 300 Pro­jek­ten und Pro­gram­men der staat­li­chen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit di­rekt zur Stär­kung von Kin­der- und Ju­gend­rech­ten bei. Hin­zu kom­men et­wa 60 Pro­jek­te in Zu­sam­men­ar­beit mit kirch­li­chen und So­zi­al­struk­tur­trä­gern so­wie mehr als 200 ge­för­der­te Pro­jek­te pri­va­ter Trä­ger.

Standbild aus dem BMZ-Video "Kinder haben ein Recht auf Rechte!"

Internationale Abkommen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen Interner Link

In der All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te von 1948 ha­ben die Ver­ein­ten Na­tio­nen be­tont, dass Kin­der ei­nen An­spruch auf be­son­de­re Für­sor­ge und Un­ter­stüt­zung ha­ben. Die ele­men­ta­ren Rech­te der Kin­der sind – gleich­falls völ­ker­recht­lich ver­bind­lich – in der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on von 1989 fest­ge­schrie­ben.

Auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne ist die­se Kon­ven­ti­on das zen­tra­le Ab­kom­men, das ei­nen Rechts­an­spruch auf men­schen­wür­di­ge Ent­wick­lungs­chan­cen für Kin­der ga­ran­tiert. Dar­über hin­aus ha­ben Kin­der­rech­te und die be­son­de­ren Schutz- und För­der­be­dürf­nis­se Ju­gend­li­cher Ein­gang in zahl­rei­che wei­te­re in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men und Er­klä­run­gen ge­fun­den.

Der Menschenrechtsansatz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Um die sys­te­ma­ti­sche Ver­an­ke­rung der Men­schen­rech­te in der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik zu ver­tie­fen, hat das BMZ im Mai 2011 das Kon­zept Men­schen­rech­te in der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik vor­ge­legt. Es knüpft an die ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Ak­ti­ons­plä­ne für Men­schen­rech­te für die Jah­re 2004 bis 2010 an. Mit dem Kon­zept macht das BMZ deut­lich, dass die Ver­wirk­li­chung der Men­schen­rech­te Grund­la­ge und Ziel sei­ner Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist.

Der Men­schen­rechts­an­satz um­fasst aus­drück­lich auch die Rech­te von jun­gen Men­schen, das hei­ßt die Rech­te von Kin­dern und Ju­gend­li­chen bis 24 Jah­ren.

Kinder in einem Fischerdorf in Brasilien
Kinder in einem Fischerdorf in Brasilien

Der Aktionsplan "Agents of Change"

Agents of Change - Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

"Agents of Change"

Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit | Aktionsplan

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 04/2017 | Dateigröße 666 KB, Seiten 34 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
Titelblatt: Endbericht "Agents of Change | Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit"

Endbericht zum Aktionsplan "Agents of Change"

Kinder- und Jugendrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 07/2021 | Dateigröße 2 MB, Seiten 32 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Die Ent­wick­lungs­zie­le der Agen­da 2030 bil­den für die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik ei­nen neu­en Re­fe­renz­rah­men mit kin­der­recht­li­chen Ziel­set­zun­gen. Das BMZ hat sich mit der Ver­ab­schie­dung des Ak­ti­ons­plans "Agents of Change – Kin­der- und Ju­gend­rech­te in der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit (2017)" zum Ziel ge­setzt, sein En­ga­ge­ment für jun­ge Men­schen welt­weit aus­zu­bau­en und Kin­der- und Ju­gend­rech­te sys­te­ma­ti­scher in die Vor­ha­ben der deut­schen staat­li­chen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu in­te­grie­ren.

Die zen­tra­len the­ma­ti­schen Be­rei­che des Ak­ti­ons­plans sind eng mit den Zie­len der Agen­da 2030 ver­bun­den: Ge­sund­heit, Bil­dung und Be­rufs­bil­dung, Ar­mut und Er­näh­rung, fai­re Ar­beits­be­din­gun­gen und die Ab­schaf­fung aus­beu­te­ri­scher Kin­der­ar­beit, Schutz vor Ge­walt und Dis­kri­mi­nie­rung, Ge­bur­ten­re­gis­trie­rung – all dies sind The­men, die spie­gel­bild­lich im Ak­ti­ons­plan wie­der­zu­fin­den sind.

Au­ßer­dem setzt sich das Stra­te­gie­pa­pier für die Ver­wirk­li­chung des Leit­prin­zips "Leave No One Be­hind" ("Nie­man­den zu­rück­las­sen") ein. Jun­ge Men­schen wer­den als Ak­teu­re des Wan­dels wahr­ge­nom­men und ge­schätzt. Ih­re Be­tei­li­gung ist für die er­folg­rei­che Um­set­zung (und das Mon­i­tor­ing) der Nach­hal­tig­keits­zie­le weg­wei­send.

Der Ak­ti­ons­plan sieht auch die en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit Wirt­schaft und Zi­vil­ge­sell­schaft so­wie mul­ti­la­te­ra­len Or­ga­ni­sa­tio­nen wie UNICEF vor und will in­ter­na­tio­na­le Part­ner­schaf­ten mit re­le­van­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen welt­weit in­ten­si­vie­ren.

Der Wettbewerb "Agents of Change"

"In­no­va­ti­on braucht Kin­der und Kin­der­rech­te brau­chen In­no­va­ti­on!" Un­ter die­sem Slo­gan star­te­te im März 2018 der Wett­be­werb "Agents of Change – In­no­va­ti­on für Kin­der- und Ju­gend­rech­te".

In zwölf Pi­lot­pro­jek­ten wer­den Kin­der­rech­te auf in­no­va­ti­ve Art und Wei­se ge­stärkt. So er­mög­licht es ei­ne App in Ma­da­gas­kar, Kin­der schnell und ein­fach zu re­gis­trie­ren. Vor al­lem auf dem Land wer­den vie­le Kin­der nach Haus­ge­bur­ten nicht an­ge­mel­det. Oh­ne Ge­burts­ur­kun­de ha­ben sie je­doch kei­nen Zu­gang zu Bil­dung, so­zia­ler Si­che­rung und Ge­sund­heits­ver­sor­gung. Durch das Pro­jekt sol­len 7.000 Kin­der aus 14 länd­li­chen Ge­mein­den in der Re­gi­on Dia­na im Nor­den Ma­da­gas­kars re­gis­triert wer­den.

Al­le Er­geb­nis­se des Wett­be­werbs wur­den do­ku­men­tiert und im No­vem­ber 2019 zum 30-jäh­ri­gen Be­stehen der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on auf ei­ner Ver­an­stal­tung zum Kin­der­rechts­ak­ti­ons­plan des BMZ vor­ge­stellt.

Jugendliche spielen Basketball in Kismaayo, Somalia

Jugendliche spielen Basketball in Kismaayo, Somalia

Jugendliche spielen Basketball in Kismaayo, Somalia

Arbeitsfelder Engagement auf mehreren Ebenen

Um die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu verwirklichen, setzt die deutsche Entwicklungspolitik auf mehreren Ebenen an:

  • Politik
    Die Regierungen der Ko­opera­tions­länder werden bei der Um­setzung der Kinder­rechts­kon­ven­tion und anderer inter­na­tio­naler Ver­ein­ba­rungen beraten. Sie erhalten zum Beispiel Unter­stützung dabei, ent­sprech­ende Gesetze und politische Stra­te­gien zu er­ar­beiten, weiter­zu­ent­wickeln und um­zu­setzen sowie nationale und kommunale Kinder- und Jugend­aktions­pläne zu erstellen.
  • Institutionen
    Das Leistungs­vermögen wichtiger Ein­richtungen wie zum Beispiel von zu­stän­digen Mi­nis­te­rien, kom­mu­nalen Ein­rich­tungen der Kinder- und Jugend­arbeit oder von zivil­ge­sell­schaft­lichen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Jugend­or­ga­ni­sa­tionen wird ver­bessert. Auch die Ver­netzung dieser Akteure spielt eine wichtige Rolle und wird von Deutschland gefördert.
  • Einzelpersonen
    Auf der individuellen Ebene steht die Aus­bildung von Jugend­referentinnen und -referenten, Jugend­sozial­arbeiterinnen und -sozial­arbeitern und Jugend­leiterinnen und -leitern im Mittel­punkt. Dabei liegt der Schwer­punkt auf dem Empowerment (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von Kindern und Jugendlichen. Sie stehen nicht nur im Mittel­punkt vieler Programme, sondern engagieren sich auch selbst als Akteure und Partner­innen und Partner der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit. Kinder und Jugend­liche können dadurch ihre eigenen Interessen artikulieren und daran mitwirken, sie in nationalen und kom­munalen Ent­wick­lungs­strategien und -prozessen zu verankern.
     
  • Bundesentwicklungsministerium
    Auch im BMZ selbst sollen die jungen Menschen mehr Gehör finden. Das BMZ hat dafür einen eigenen Jugendbeirat gegründet.
Schü­ler der Be­rufs­schu­le ETE­KA im ru­an­di­schen Kab­gayi Ru­an­da ar­bei­ten an ei­nem elek­tri­schen Schalt­sys­tem.
Kin­der spie­len ne­ben Was­ser­tanks in der Flücht­lings­un­ter­kunft 'Has­ans­ham U3' na­he Has­ans­ham im Irak
Ein Junge in Mali arbeitet an einer Nähmaschine.