Flaggen verschiedener Nationen vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen

Hintergrund Internationale Vereinbarungen zur Föderung von guter Regierungsführung

Die Be­deu­tung ver­ant­wor­tungs­vol­ler Aus­übung staat­li­cher Macht wur­de nach dem Zwei­ten Welt­krieg in zahl­rei­chen Ver­ein­ba­run­gen und Be­schlüs­sen fest­ge­hal­ten – zum Bei­spiel in der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on von 1950 und in den Men­schen­rechts­pak­ten der Ver­ein­ten Na­tio­nen von 1966.

In der Ent­wick­lungs­po­li­tik wur­de gu­te Re­gie­rungs­füh­rung zu ei­nem Schlüs­sel­fak­tor für Frie­den, Si­cher­heit und die Über­win­dung der Ar­mut. Vie­le Zie­le der im Sep­tem­ber 2015 be­schlos­se­nen Agen­da 2030 für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung kön­nen nur mit­hil­fe ei­ner ver­ant­wor­tungs­vol­len Re­gie­rungs­füh­rung er­reicht wer­den.

Und beim Ziel 16 geht es so­gar ganz kon­kret um die­ses The­ma: Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft will bis zum Jahr 2030 "(…) al­len Men­schen Zu­gang zur Jus­tiz er­mög­li­chen und leis­tungs­fä­hi­ge, re­chen­schafts­pflich­ti­ge und in­klu­si­ve In­sti­tu­tio­nen auf al­len Ebe­nen auf­bau­en". Im Ver­hand­lungs­pro­zess zur Agen­da 2030 hat sich Deutsch­land für die in Ziel 16 ver­an­ker­ten As­pek­te be­son­ders stark ge­macht.

Um die Wirk­sam­keit der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu er­hö­hen, ver­pflich­te­te sich die Staa­ten­ge­mein­schaft in der Er­klä­rung von Pa­ris (Externer Link) (2005), dem Aktionsplan von Accra (Externer Link) (2008) und im Rah­men der Ent­wick­lungs­part­ner­schaft von Busan (Externer Link)(2011), Good Gov­er­nance in den Part­ner­län­dern ver­stärkt zu för­dern.


OECD

Das Gov­er­nance-Netz­werk (Externer Link) (Gov­Net) des Ent­wick­lungs­aus­schus­ses der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD/DAC) för­dert den Er­fah­rungs­aus­tausch zwi­schen Fach­leu­ten aus Wis­sen­schaft und Pra­xis.

Ziel ist, die Wirk­sam­keit der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit im Gov­er­nance-Be­reich und die Leis­tungs­fä­hig­keit der staat­li­chen Ein­rich­tun­gen in den Ent­wick­lungs­län­dern zu er­hö­hen.

Europa

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on be­ruht nach Ar­ti­kel 6 Ab­satz 1 ih­res Grün­dungs­ver­trags auf den Grund­sät­zen "der Frei­heit, der De­mo­kra­tie, der Ach­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten so­wie der Rechts­staat­lich­keit". An die­sen Good-Gov­er­nance-Prin­zi­pi­en ist auch das au­ßen- und ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Han­deln der EU aus­ge­rich­tet.

So wur­de im Ju­li 2015 der EU-Ak­ti­ons­plan für Men­schen­rech­te und De­mo­kra­tie (Externer Link) (2015–2019) ver­ab­schie­det. Mit ihm be­kräf­tigt die Eu­ro­päi­sche Uni­on, dass sie sich über­all auf der Welt für den Schutz der Men­schen­rech­te und die För­de­rung der De­mo­kra­tie en­ga­giert.

Auch in der im Ok­to­ber 2011 vor­ge­stell­ten Agen­da für den Wan­del (Externer Link) wird die Be­deu­tung ver­ant­wor­tungs­vol­ler Staats­füh­rung für ei­ne brei­ten­wirk­sa­me und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung her­vor­ge­ho­ben. Ent­spre­chend sol­len sich die ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Maß­nah­men der EU künf­tig stär­ker auf die För­de­rung von De­mo­kra­tie, Men­schen­rech­ten und Rechts­staat­lich­keit kon­zen­trie­ren.

Afrika

Die Afri­ka­ni­sche Uni­on (AU) hat den An­spruch, zur gu­ten Re­gie­rungs­füh­rung in ih­ren Mit­glieds­staa­ten bei­zu­tra­gen: Im Grün­dungs­pro­gramm der AU von 2002 er­klä­ren die un­ter­zeich­nen­den Staa­ten die För­de­rung von Good Gov­er­nance zu ei­nem wich­ti­gen Ziel. Be­kräf­tigt wur­de es 2004 in der Afri­ka­ni­schen Char­ta für De­mo­kra­tie, Wah­len und Re­gie­rungs­füh­rung (African Char­ter on Democ­racy, Elec­tions and Gov­er­nance (Externer Link)).

2001 wur­de die Neue Part­ner­schaft für Afri­kas Ent­wick­lung (NE­PAD (Externer Link)) ins Le­ben ge­ru­fen. Kern­stück der In­itia­ti­ve ist der African Peer Re­view Mech­a­nism (Externer Link) (APRM). Im Rah­men die­ses frei­wil­li­gen und trans­pa­ren­ten Pro­zes­ses füh­ren die afri­ka­ni­schen Staa­ten un­ter­ein­an­der ei­nen of­fi­zi­el­len Dia­log über ver­ant­wort­li­ches Re­gie­rungs­han­deln und gu­te Wirt­schafts- und Fi­nanz­po­li­tik. An ihm neh­men mitt­ler­wei­le 38 Mit­glie­der der Afri­ka­ni­schen Uni­on teil (Stand: April 2020).

Lateinamerika

Die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten (OAS (Externer Link)) be­wer­tet De­mo­kra­tie als bes­te Grund­la­ge für Frie­den, Si­cher­heit und Ent­wick­lung in der Re­gi­on. In Ar­ti­kel 1 der 2001 ver­ab­schie­de­ten In­ter-Amer­i­can De­mo­c­ra­tic Char­ter (Externer Link) ist fest­ge­schrie­ben, dass al­le ame­ri­ka­ni­schen Völ­ker das Recht auf De­mo­kra­tie ha­ben und ih­re Re­gie­run­gen die Pflicht, die­se zu för­dern und zu ver­tei­di­gen.

Eben­so wie an­de­re re­gio­na­le Ent­wick­lungs­ban­ken hat die In­ter­ame­ri­ka­ni­sche Ent­wick­lungs­bank (Externer Link) ih­re Ak­ti­vi­tä­ten im Gov­er­nance-Be­reich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­stärkt. 2018 wur­den Kre­di­te in Hö­he von rund 2,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar für Pro­jek­te im Be­reich Staats­re­form/-mo­der­ni­sie­rung be­wil­ligt. 2004 be­trug die Kre­dit­sum­me noch knapp 884 Mil­lio­nen US-Dol­lar.