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Hintergrund Trans­pa­ren­te öf­fent­li­che Fi­nan­zen als Grund­la­ge nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung

Staat­li­che Dienst­leis­tun­gen wie Bil­dung, Ge­sund­heits­ver­sor­gung oder die Be­reit­stel­lung von sau­be­rem Trink­was­ser sind in vie­len Ent­wick­lungs­län­dern noch nicht selbst­ver­ständ­lich. Um die­se Leis­tun­gen der Grund­ver­sor­gung für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zur Ver­fü­gung stel­len zu kön­nen, braucht je­der Staat ein funk­tio­nie­ren­des Sys­tem der öf­fent­li­chen Fi­nan­zen.

Ein sol­ches öf­fent­li­ches Fi­nanz­sys­tem ver­sorgt den Staat mit Ein­nah­men, er­mög­licht ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Ver­wen­dung der Mit­tel zum Woh­le der Be­völ­ke­rung und setzt die Rah­men­be­din­gun­gen für pri­vat­wirt­schaft­li­ches En­ga­ge­ment. Es um­fasst die Steu­er­po­li­tik und -ver­wal­tung, das Haus­halts­we­sen, die öf­fent­li­che Auf­trags­ver­ga­be, die Fi­nanz­kon­trol­le und das Schul­den­ma­nage­ment.

Ein recht­mä­ßi­ges, trans­pa­ren­tes und ent­wick­lungs­ori­en­tier­tes öf­fent­li­ches Fi­nanz­we­sen bil­det die Grund­la­ge für lang­fris­tig wir­ken­de Ent­wick­lungs­er­fol­ge. Da­zu braucht es leis­tungs­fä­hi­ge und re­chen­schafts­pflich­ti­ge staat­li­che Fi­nanz­ver­wal­tun­gen, funk­tio­nie­ren­de Rech­nungs­hö­fe so­wie po­li­tisch und ge­sell­schaft­lich ver­an­ker­te Kon­troll­me­cha­nis­men.

Deutsch­land för­dert die­se Prin­zi­pi­en gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung im Be­reich der öf­fent­li­chen Fi­nan­zen und hat den Be­griff der "Good Fi­nan­cial Gov­er­nance", der sich all­mäh­lich auch in­ter­na­tio­nal durch­setzt, we­sent­lich mit­ge­prägt.


Eigene Einnahmen mobilisieren

Wie wich­tig ei­ge­ne staat­li­che Ein­nah­men für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung sind, wur­de auf den UN-Kon­fe­ren­zen zur Ent­wick­lungs­fi­nan­zie­rung (Mon­ter­rey 2002, Do­ha 2008, Ad­dis Abe­ba 2015) be­son­ders her­vor­ge­ho­ben. In Ad­dis Abe­ba wur­de im Ju­li 2015 die Ad­dis Tax Ini­tia­tive (Externer Link) ge­star­tet. Ziel ist, die Zu­sam­men­ar­beit im Be­reich öf­fent­li­che Fi­nan­zen deut­lich zu ver­stär­ken und die Ent­wick­lungs­län­der bei der Ent­wick­lung ih­rer Steu­er- und Zoll­sys­te­me zu un­ter­stüt­zen. Das The­ma stand auch im Mit­tel­punkt der Fo­ren zur Wirk­sam­keit der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit (Pa­ris 2005, Ac­cra 2008, Busan 2011).

Vie­le Nied­ri­gein­kom­mens­län­der sind noch sehr stark von ex­ter­ner fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung ab­hän­gig. Ih­re ei­ge­nen Fi­nanz­quel­len wer­den in vie­len Fäl­len nicht aus­rei­chend ge­nutzt. Das be­trifft nicht nur die Staats­ein­nah­men aus Roh­stoff­ex­por­ten wie Erd­öl, Gas und Mi­ne­ra­li­en. Auch das Steu­er­auf­kom­men reicht in vie­len Län­dern nicht aus, um al­le staat­li­chen Auf­ga­ben er­fül­len zu kön­nen.

In vie­len Ent­wick­lungs­län­dern ist die Steu­er­ba­sis zu ge­ring, weil ein Gro­ß­teil der wirt­schaft­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten im in­for­mel­len Sek­tor statt­fin­det. Wich­ti­ge Ein­nah­men ge­hen ih­nen au­ßer­dem durch Steu­er­hin­ter­zie­hung, Steu­er­ver­mei­dung und durch Kor­rup­ti­on ver­lo­ren. Die­se Mit­tel feh­len dann für die Fi­nan­zie­rung von öf­fent­li­chen Gü­tern und Dienst­leis­tun­gen. In vie­len Fäl­len muss das durch die Auf­nah­me von Kre­di­ten aus­ge­gli­chen wer­den – ei­ne zu­sätz­li­che Be­las­tung der öf­fent­li­chen Haus­hal­te.

Steu­er­hin­ter­zie­hung, Steu­er­ver­mei­dung und Kor­rup­ti­on trü­ben dar­über hin­aus das Ver­hält­nis zwi­schen Bür­gern und Staat – die Be­völ­ke­rung ver­liert das Ver­trau­en in die öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen und in die Recht­mä­ßig­keit des staat­li­chen Han­delns; die Mo­ti­va­ti­on sich po­li­tisch zu en­ga­gie­ren sinkt.

Deutsche Unterstützung

Nur durch aus­rei­chen­de ei­ge­ne Ein­nah­men kön­nen die Ent­wick­lungs­län­der lang­fris­tig un­ab­hän­gig von ex­ter­ner Hil­fe wer­den und Ei­gen­ver­ant­wor­tung für die Ver­wirk­li­chung ih­rer Ent­wick­lungs­zie­le über­neh­men.

Deutsch­land un­ter­stützt sei­ne Part­ner­län­der des­halb bei der Re­form ih­rer Steu­er­sys­te­me und en­ga­giert sich auch auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne für die Ein­däm­mung von Steu­er­hin­ter­zie­hung und -ver­mei­dung.