Deut­sche Bun­des­wehr­sol­da­ten, die im Rah­men der UN-Mis­si­on MI­NUS­MA im Camp Cas­tor in Gao, Ma­li, sta­tio­niert sind

Frieden und Sicherheit Deutsche Friedenspolitik

Die Bun­des­re­gie­rung en­ga­giert sich res­sort­über­grei­fend für ihr Ziel, Kri­sen zu ver­hin­dern und sta­bi­le Rah­men­be­din­gun­gen für die fried­li­che Lö­sung von Kon­flik­ten zu schaf­fen. Im Sin­ne ei­ner "ver­netz­ten Si­cher­heit" stimmt sie ih­re Ent­wick­lungs­po­li­tik sys­te­ma­tisch mit der Au­ßen-, Si­cher­heits-, Wirt­schafts-, Fi­nanz-, Um­welt-, So­zi­al-, Kul­tur- und Gleich­stel­lungs­po­li­tik ab. Da­durch wird ein ko­or­di­nier­tes Han­deln der deut­schen Ak­teu­re si­cher­ge­stellt.

Bei­spiel­haft für die Zu­sam­men­ar­beit von Ent­wick­lungs-, Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik vor Ort ist das En­ga­ge­ment der Bun­des­re­gie­rung in Af­gha­ni­stan.

Von 2001 bis En­de 2014 wa­ren Ein­hei­ten der Bun­des­wehr im Rah­men der In­ter­na­tional Se­cu­rity As­sis­tance Force (ISAF) in Af­gha­ni­stan sta­tio­niert. Bis zu 4.900 deut­sche Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten hal­fen, die Si­cher­heits­la­ge in ver­schie­de­nen Re­gio­nen des Lan­des zu ver­bes­sern. Seit An­fang 2015 be­tei­ligt sich die Bun­des­wehr im Rah­men der NATO-Mis­si­on "Res­olute Sup­port" an der Aus­bil­dung und Be­ra­tung af­gha­ni­scher Si­cher­heits­kräf­te.

Gleich­zei­tig en­ga­giert sich das Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um (BMZ) seit Jah­ren für den zi­vi­len Wie­der­auf­bau des Lan­des. Die af­gha­ni­sche Re­gie­rung und die Zi­vil­ge­sell­schaft wer­den bei der wirt­schaft­li­chen, po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung un­ter­stützt.


Leitlinien der Bundesregierung

Zwei Kinder spielen im Flüchtlingslager Hilac in Somalia.

Zwei Kinder spielen im Flüchtlingslager Hilac in Somalia.

Zwei Kinder spielen im Flüchtlingslager Hilac in Somalia.

Im Ju­ni 2017 ver­ab­schie­de­te die Bun­des­re­gie­rung un­ter dem Ti­tel Kri­sen ver­hin­dern, Kon­flik­te be­wäl­ti­gen, Frie­den för­dern (Externer Link) neue Leit­li­ni­en. Sie bil­den ge­mein­sam mit dem 15. Ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Be­richt der Bun­des­re­gie­rung und dem Weißbuch 2016 zur Si­cher­heits­po­li­tik (Externer Link) den ak­tu­el­len stra­te­gi­schen Rah­men für die deut­sche Frie­dens­po­li­tik.

Die Er­ar­bei­tung der Leit­li­ni­en wur­de von ei­nem öf­fent­li­chen Dis­kus­si­ons­pro­zess (Peace­Lab2016 (Externer Link)) be­glei­tet. In zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen und über ei­ne In­ter­net-Platt­form konn­ten in­ter­es­sier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger so­wie Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten aus Wis­sen­schaft, Po­li­tik, Wirt­schaft und Zi­vil­ge­sell­schaft ih­re Vor­schlä­ge und Ide­en ein­brin­gen.

Die Leit­li­ni­en be­nen­nen die Agen­da 2030 für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung als Grund­la­ge der deut­schen Au­ßen-, Si­cher­heits- und Ent­wick­lungs­po­li­tik. Sie schrei­ben den Vor­rang von Po­li­tik und Prä­ven­ti­on fest: Mi­li­tä­ri­sche Ge­walt darf erst zum Ein­satz kom­men, wenn al­le zi­vi­len Maß­nah­men aus­ge­schöpft sind. Der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit wird da­mit ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Rol­le in der Kri­sen­prä­ven­ti­on, Kon­flikt­be­wäl­ti­gung und Frie­dens­för­de­rung zu­ge­wie­sen.

Zu den Selbst­ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­gie­rung, die in den Leit­li­ni­en nie­der­ge­legt sind, zäh­len un­ter an­de­rem die För­de­rung von De­mo­kra­tie, Rechts­staat­lich­keit und Men­schen­rech­ten, au­ßer­dem die Wirt­schafts- und Be­schäf­ti­gungs­för­de­rung und die Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung. Die Bun­des­re­gie­rung ver­pflich­tet sich, Maß­nah­men der ein­zel­nen Bun­des­mi­nis­te­ri­en noch stär­ker auf­ein­an­der ab­zu­stim­men und die Zu­sam­men­ar­beit mit nicht staat­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen aus­zu­wei­ten. Un­ter an­de­rem sol­len be­stehen­de Platt­for­men wie die Ar­beits­ge­mein­schaft Frie­den und Ent­wick­lung (Fri­Ent) stär­ker ge­nutzt und aus­ge­baut wer­den.

FriEnt – die Arbeitsgemeinschaft für Frieden und Entwicklung im BMZ

Die Ar­beits­ge­mein­schaft Frie­den und Ent­wick­lung (Fri­Ent (Externer Link)) ist ein Zu­sam­men­schluss von staat­lich­en Or­ga­ni­sa­tio­nen, zi­vil­ge­sell­schaft­lich­en Netz­wer­ken, kirch­li­chen Hilfs­wer­ken und po­li­tisch­en Stift­ung­en. Sie will in Po­li­tik und Öffent­lich­keit ein grö­ßer­es Be­wusst­sein für die viel­fäl­ti­gen An­sä­tze und Mö­glich­kei­ten der ent­wick­lungs­po­li­tisch­en Frie­dens­ar­beit schaf­fen.

Um den Wis­sens­aus­tausch zu för­dern und Netz­wer­ke zu knüp­fen, or­ga­ni­siert Fri­Ent un­ter an­de­rem Fach­ge­sprä­che, Kon­fe­ren­zen und in­ter­na­tio­na­le Work­shops. Au­ßer­dem bie­tet die Ar­beits­ge­mein­schaft län­der- und the­men­be­zo­ge­ne Be­ra­tung so­wie Qua­li­fi­ka­ti­ons­maß­nah­men an und er­stellt Kon­flik­t­ana­ly­sen, Leit­fä­den und Do­ku­men­ta­tio­nen.

Ne­ben dem BMZ ge­hö­ren noch fol­gen­de Or­ga­ni­sa­tio­nen zu Fri­Ent: Brot für die Welt (Externer Link) – Evan­ge­li­sches Werk für Dia­ko­nie und Ent­wick­lung, das ka­tho­li­sche Hilfs­werk Mi­se­re­or (Externer Link), die Fried­rich-Ebert-Stif­tung (Externer Link), die Deutsche Ge­sell­schaft für In­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit (GIZ (Externer Link)), das Kon­sor­ti­um Zi­vi­ler Frie­dens­dienst (ZFD (Externer Link)), die Platt­form Zi­vi­le Kon­flikt­be­ar­bei­tung und das In­sti­tut für Ent­wick­lung und Frie­den der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen (IN­EF (Externer Link)).

Schnittstelle Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit

Lang an­hal­ten­de und wie­der­keh­ren­de Kri­sen ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu­ge­nom­men. Dar­aus folgt ein wach­sen­der Be­darf an hu­ma­ni­tä­rer Hil­fe – und auch an ei­ner stär­ke­ren Ver­zah­nung zwi­schen hu­ma­ni­tä­rer Hil­fe und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ("Hu­man­i­tar­ian De­vel­op­ment Peace Nexus"). In Deutsch­land liegt die hu­ma­ni­tä­re Hil­fe in der Ver­ant­wor­tung des Aus­wär­ti­gen Am­tes, für die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist das BMZ zu­stän­dig.

Die Bun­des­re­gie­rung hat sich so­wohl auf dem Welt­gi­fel für hu­ma­ni­tä­re Hil­fe (World Hu­man­i­tar­ian Sum­mit) 2016 in Is­tan­bul als auch in ih­ren Leit­li­ni­en Kri­sen ver­hin­dern, Kon­flik­te be­wäl­ti­gen, Frie­den för­dern (Externer Link) da­zu ver­pflich­tet, die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Bun­des­mi­nis­te­ri­en zu ver­bes­sern. Von der La­ge­ana­ly­se über die Pla­nung und Durch­füh­rung kon­kre­ter Maß­nah­men bis zu ih­rer Aus­wer­tung sol­len die Mi­nis­te­ri­en eng zu­sam­men­wir­ken. So soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass Fach­wis­sen aus­ge­tauscht wird und dass al­le hu­ma­ni­tä­ren und ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Pro­jek­te und Pro­gram­me bes­ser auf­ein­an­der ab­ge­stimmt sind.

Die Leit­li­ni­en hal­ten fest:

"Die Res­sorts be­tei­li­gen sich ge­gen­sei­tig recht­zei­tig und um­fas­send und stel­len da­durch si­cher, dass in ih­re Pla­nun­gen auch die je­wei­li­ge Fach­ex­per­ti­se an­de­rer Res­sorts ein­flie­ßen kann. Da­bei ach­ten sie dar­auf, dass ih­re Maß­nah­men mit den An­sät­zen und Pro­gram­men der Ent­wick­lungs­po­li­tik und der Um­set­zung der Agen­da 2030 an­schluss­fä­hig sind."

Auch auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne wird ei­ne en­ge­re Ver­zah­nung von hu­ma­ni­tä­rer Hil­fe und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit an­ge­strebt. So ha­ben zum Bei­spiel die Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­mein­sam mit der Welt­bank­grup­pe die Hu­man­i­tar­ian-De­vel­op­ment-Peace Ini­tia­tive (Externer Link) (HD­PI) ins Le­ben ge­ru­fen, um Pro­zes­se mit­ein­an­der ab­zu­stim­men und neue We­ge der Zu­sam­men­ar­beit zu ent­wi­ckeln.

Un­ter dem Dach der OECD und in der Eu­ro­päi­schen Uni­on gibt es eben­falls ent­spre­chen­de Ak­ti­vi­tä­ten. Die EU-Kom­mis­si­on und die EU-Mit­glieds­staa­ten wol­len ih­re Pro­gram­me zu­nächst in sechs Pi­lot­län­dern (Irak, Myan­mar, Ni­ge­ria, Su­dan, Tschad und Ugan­da) zu ei­nem ge­mein­sa­men An­satz bün­deln.

Das BMZ im Bundessicherheitsrat

Das BMZ ist Mit­glied im Bun­des­si­cher­heits­rat (BSR) und bringt dort ent­wick­lungs­po­li­ti­sche As­pek­te in die Ent­schei­dun­gen zur Frie­dens- und Si­cher­heits­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung ein.

Der Bun­des­si­cher­heits­rat ist ein Ka­bi­netts­aus­schuss der Bun­des­re­gie­rung, der et­wa vier­mal im Jahr tagt. Kern­auf­ga­be des BSR ist die Kon­trol­le der deut­schen Rüs­tungs­ex­por­te. Dar­über hin­aus hat das Gre­mi­um die Auf­ga­be, die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung deut­scher Si­cher­heits­po­li­tik zu dis­ku­tie­ren und ab­zu­stim­men. Das BMZ sieht sei­ne Auf­ga­be dar­in, ge­mein­sam mit der deut­schen Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik dem Ein­satz von Ge­walt, der durch die Ver­füg­bar­keit von Waf­fen be­güns­tigt wird, ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Rüs­tungs­ex­por­te wer­den von der Bun­des­re­gie­rung grund­sätz­lich nicht ge­neh­migt, wenn der hin­rei­chen­de Ver­dacht be­steht, dass die be­tref­fen­den Gü­ter zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen oder zur in­ter­nen Re­pres­si­on miss­braucht wer­den kön­nen. Au­ßer­dem wird ge­prüft, ob die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung des Emp­fän­ger­lan­des von Rüs­tungs­gü­tern durch un­ver­hält­nis­mä­ßi­ge Mi­li­tär­aus­ga­ben ernst­haft be­ein­träch­tigt wird.

Das BMZ hat sich im Bun­des­si­cher­heits­rat er­folg­reich für ei­ne ver­bes­ser­te Kon­trol­le des Ex­ports von Klein­waf­fen ein­ge­setzt. Denn so­wohl in in­ter­nen als auch in grenz­über­schrei­ten­den Kon­flik­ten wer­den die weit­aus meis­ten Men­schen durch den Ein­satz von klei­nen und leich­ten Waf­fen (zum Bei­spiel Ma­schi­nen­pis­to­len, Sturm­ge­weh­re, leich­te Mör­ser) ver­letzt oder ge­tö­tet. Sind in ei­nem Land Klein­waf­fen in gro­ßer Zahl ver­füg­bar (et­wa nach Bür­ger­krie­gen oder durch nach­läs­si­ge Kon­trol­len), steigt die Wahr­schein­lich­keit, dass ge­sell­schaft­li­che Kon­flik­te es­ka­lie­ren. Nicht sel­ten dro­hen ge­walt­sa­me Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die Ent­wick­lungs­er­fol­ge vie­ler Jah­re zu­nich­te­zu­ma­chen.

Mit den am 18. März 2015 be­schlos­se­nen Grund­sät­zen der Bun­des­re­gie­rung für die Er­tei­lung von Ge­neh­mi­gun­gen für die Aus­fuhr von klei­nen und leich­ten Waf­fen, da­zu­ge­hö­ri­ger Mu­ni­ti­on und ent­spre­chen­der Her­stel­lungs­aus­rüs­tung in Dritt­län­der soll das Ri­si­ko der Wei­ter­ver­brei­tung von Klein­waf­fen deut­lich ge­senkt wer­den.

Au­ßer­dem wur­de im Ju­li 2015 die pi­lot­mä­ßi­ge Ein­füh­rung von so­ge­nann­ten Post-Ship­ment-Kon­trol­len in Dritt­län­dern be­schlos­sen. Da­mit kön­nen nun auch nach Aus­lie­fe­rung der Rüs­tungs­gü­ter Kon­trol­len beim je­wei­li­gen staat­li­chen Emp­fän­ger vor Ort statt­fin­den, um zu über­prü­fen, ob Auf­la­gen ein­ge­hal­ten wer­den.