Wirtschaftliche Stärkung von Frauen Gleichberechtige Teilhabe am wirtschaftlichen Leben

Lobna Dams, Gründerin der Firma Nakawa Biokosmetik, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin (Jemmal, Tunesien).
Lobna Dams (links), Gründerin der Firma Nakawa Biokosmetik, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin (Jemmal, Tunesien)

Die Leistungsfähigkeit von Frauen wird vielerorts unterbewertet oder sogar missachtet, ihr wirtschaftliches Potenzial bleibt ungenutzt. Das Know-how, die Erfahrungen, die Kreativität und die Schaffenskraft von Frauen sind jedoch unverzichtbar für die weltweite Entwicklung.

Wird die Wirtschaftskraft von Frauen gestärkt, wirkt sich das unmittelbar auf die Gleichstellung der Geschlechter, die Verringerung der Armut, die Gesundheit und Bildung der Kinder und das Wirtschaftswachstum aus. Dagegen verstößt die wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen nicht nur gegen ihre Grundrechte, sondern ist auch volkswirtschaftlich kurzsichtig. Schätzungen zufolge würde das Bruttoinlandsprodukt weltweit um etwa 15 Prozent steigen, wenn Frauen gleichberechtigt am wirtschaftlichen Leben teilhaben könnten.

Den Frauen selbst bietet finanzielle Unabhängigkeit einen besseren Schutz vor Ausbeutung, Unterdrückung und Missachtung ihrer Rechte. So können sie sich zum Beispiel aus gewaltsamen Beziehungen besser befreien, wenn sie sich und ihre Kinder selbst ernähren können.

Deutsches Engagement

Deutschland engagiert sich weltweit und intensiv für das Empowerment (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von Frauen, um kulturelle, gesellschaftliche und rechtliche Hürden für die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen zu überwinden. Das Bundes­ent­wick­lungs­ministerium (BMZ) hat dazu in allen Konzepten der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit geschlechts­spe­zi­fische As­pekte fest verankert, zum Beispiel in den Be­reichen Pri­vat­wirt­schafts­för­de­rung, Wirt­schafts­po­li­tik, Fi­nanz­sys­tem­ent­wick­lung, Bil­dung sowie In­for­ma­tions- und Kom­mu­ni­ka­tions­tech­nik. Ein be­sonderer Schwer­punkt des deutschen En­ga­ge­ments liegt in der be­ruf­lichen Bil­dung von Frauen.

Laos: Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkundinnen Geld beim Dorfbankenkomitee der Dorfbank in Pung ein. Zwei Frauen in traditioneller Kleidung sitzen hinter einem Tisch, eine weiterer steht davor und unterschreibt in einem Buch.

Laos: Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkundinnen Geld beim Dorfbankenkomitee der Dorfbank in Pung ein.

Laos: Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkundinnen Geld beim Dorfbankenkomitee der Dorfbank in Pung ein.

In seinen Ko­operations­ländern unterstützt das BMZ Rechts­re­formen, die zum Ab­bau von ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Be­nach­tei­li­gungen in der Wirt­schaft führen. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit setzt sich in­tensiv für den Auf­bau von so­zialen Sich­erungs­sys­temen für Frauen und die Ver­bes­ser­ung ihrer Ar­beits­platz­be­ding­ungen ein.

So engagiert sich das BMZ für eine ge­schlechter­ge­rechte Aus­ge­stal­tung glo­baler Liefe­rketten und ruft Unter­nehmen dazu auf, die UN-Grund­sätze zur Stärkung der Frauen in Unternehmen (Women’s Empowerment Principles) in ihre Unternehmensstrategien einzubetten. Diese Prinzipien bieten Unternehmen eine Anleitung, wie sie die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft fördern können. Dazu gehören gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, geschlechtsspezifische Maßnahmen zur Förderung von Frauen und Nulltoleranz gegenüber sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Hintergrund Rechtliche und soziale Benachteiligung von Frauen

Eine technische Angestellte in der Schaltzentrale der Pumpstation eines Wasserprojekts der KfW Entwicklungsbank in Bujumbura in Burundi sitzt an einem Tisch und schreibt mit einem Kugelschreiber in ein Formular.

Technische Angestellte in der Schaltzentrale der Pumpstation eines Wasserprojekts der KfW Entwicklungsbank in Bujumbura in Burundi

Technische Angestellte in der Schaltzentrale der Pumpstation eines Wasserprojekts der KfW Entwicklungsbank in Bujumbura in Burundi

Bislang liegt die Erwerbsquote von Frauen deutlich unter der von Männern. In zahlreichen Ländern werden sie beim Zugang zum Arbeitsmarkt diskriminiert, etwa in Bezug auf Land-, Eigentums- und Erbrechte, die freie Berufswahl und den Zugang zu Krediten und anderen Finanzdienstleistungen. Frauen werden für gleiche Tätigkeiten sehr häufig schlechter bezahlt als Männer und arbeiten öfter in ungesicherten Verhältnissen. In Leitungspositionen sind sie unterrepräsentiert.

Um ein eigenständiges Einkommen zu erwirtschaften, sind Frauen häufiger als Männer im sogenannten informellen Sektor tätig. Sie arbeiten beispielsweise als Haushaltshilfen, Kleinunternehmerinnen, Straßenverkäuferinnen oder in kleinbäuerlichen Betrieben. Ihre Arbeit wird volkswirtschaftlich nicht erfasst und ist rechtlich und sozial nicht abgesichert, etwa in Bezug auf maximal zulässige Arbeitszeiten und den gesetzlichen Mindestlohn. Darüber hinaus haben Frauen in der informellen Wirtschaft keinen Anspruch auf eine staatliche soziale Absicherung wie beispielsweise Mutterschutz, Krankengeld, Arbeitslosenunterstützung oder Rente.

Doch auch wenn ihre Arbeit nur im geringen Umfang von offiziellen Wirtschaftsstatistiken erfasst wird, sind Frauen in vielen Bereichen Leistungsträgerinnen ihrer Gesellschaft. In den meisten Entwicklungsländern produzieren sie beispielsweise den Großteil der Grundnahrungsmittel. Darüber hinaus verrichten sie weltweit fast die gesamte Fürsorge- und Hausarbeit, die privat in den Familien anfällt – und die nirgendwo auf der Welt bezahlt wird.