Zusammenarbeit konkret Afghanistan: Ausbildungsplätze schaffen Perspektiven

In Afghanistan leben etwa 2,3 Millionen junge Menschen, die in einem Alter sind, in dem sie eine formale Berufsausbildung machen könnten. Die Kapazitäten hat der Staat jedoch nicht, weil er noch immer mit dem Aufbau eines Berufsbildungssystems befasst ist.

Außerdem steht der öffentliche Sektor vor der Aufgabe, die Berufsausbildung auf die tatsächlichen Bedarfe der Jugendlichen zuschneiden zu müssen. Denn faktisch werden alle Jugendlichen praktisch ausgebildet, entweder im Rahmen einer traditionellen Lehrlingsausbildung oder mit einfachen Anlerntätigkeiten.

Aufgrund der wirtschaftlichen Situation ihrer Herkunftsfamilien müssen viele Kinder und Jugendliche den kostenlosen Schulbesuch mit Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt kombinieren oder gar auf den Schulbesuch verzichten.

Vor diesem Hintergrund ist in einem Land wie Afghanistan eine subsidiäre berufliche Bildung sinnvoller und deutlich kostengünstiger als die Substituierung der betrieblichen Ausbildung in Berufsschulen.

Die Unterstützung der völlig informellen, traditionellen Lehrlingsausbildung in Afghanistan ist dafür ein Beispiel. Lehrlinge in Afghanistan – sie stellen etwa 20 Prozent einer Altersgruppe – besuchen an drei Vormittagen in der Woche eine Berufsschule, anschließend setzen sie in Betrieben ihre praktische Ausbildung fort.

2017 begonnen, wird diese Form des ausbildungsbegleitenden Berufsschulunterrichts für knapp 2.000 Lehrlinge an 27 Berufsschulen mit vorzeigbaren Ergebnissen durchgeführt. Diese Kombination von Arbeiten und Lernen soll auf analphabetische junge Frauen und Männer ausgeweitet werden.

Bisherige Ergebnisse (Auswahl)

  • Berufsbildungsstrategie: Der Beratungsansatz und die durch das Vorhaben erstellten Studien dienten als Basis für die von der Berufsbildungsbehörde verabschiedete neue Berufsbildungsstrategie des Landes "Technical and Vocational Education Strategy 2019-2023“. Diese schließt eine breite Zielgruppe ein, unter anderem auch analphabetische Frauen und Männer sowie Lehrlinge im informellen Sektor.
  • Ausbildungsstätten: 51 Berufsschulen wurden neu ausgestattet. Derzeit werden 19 Berufsschulen renoviert, bis 2020 sollen es insgesamt 30 sein.
  • Neue Berufsbilder: 2018 wurden acht reformierte arbeitsmarktorientierte Gesamtcurricula für den Schulunterricht der Klassen 10 bis 12 von der Berufsbildungsbehörde akkreditiert.
  • Duale Ausbildung: 834 Lehrlinge (23 Prozent weiblich), die informell in Handwerks- und Handelsbetrieben ausgebildet werden, erhalten neben der bisher ausschließlich praktischen Ausbildung im Betrieb nun auch Unterricht in 27 Berufsschulen. Frauen werden vor allem in Schneiderei und Kosmetik unterrichtet. Insgesamt wurden sechs an die Bedürfnisse der Lehrlinge angepasste und maßgeschneiderte Curricula entwickelt.
  • Lehrerfortbildungen: 2018 wurden 28 Master-Trainerinnen und Trainer qualifiziert, die bereits 13.222 Lehrkräfte weitergebildet haben.
  • Praktika: Im Zeitraum von 2012 bis 2018 haben 43.433 Jugendliche ein vierwöchiges Betriebspraktikum in 3.458 afghanischen Unternehmen absolviert.
  • Fortbildungen für Verwaltungsbeamte: 2018 bestanden 142 Schulverwaltungsbeamte Abschlusstests von 15 Weiterbildungsmaßnahmen, die nun dazu beitragen, das Management der Berufsschulen zu verbessern.