Arbeit am Computer

openIMIS Gesundheitsversorgung für alle – eine Software schafft die technische Grundlage

"Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten" lautet Ziel 3 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Um dieses Ziel einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu erreichen, haben eine Reihe von Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit Reformprozesse angestoßen. Im Mittelpunkt dieser Reformen steht die effiziente Finanzierung eines leistungsfähigen Gesundheitssystems.

Die Modelle dafür unterscheiden sich von Land zu Land – einige setzen auf steuerfinanzierte Systeme, andere auf Sozialversicherungen, gemeindebasierte Krankenversicherungen, Mikroversicherungen oder auch auf gesundheitsbezogene Sozialtransfers. Vor einer Herausforderung stehen jedoch alle diese Länder: Wenn ein System effizient und in großem Maßstab funktionieren soll, müssen die komplizierten Datenverarbeitungsprozesse (Management von Kundendaten und Verträgen, Antragsbearbeitung, Zahlungsabwicklung …) digitalisiert ablaufen.

Die Regierungen stehen damit vor der Frage, ob sie eine maßgeschneiderte Software entwickeln lassen, die jedoch ständig – und oft mit großem Kostenaufwand – gepflegt, angepasst und aktualisiert werden muss. Oder ob sie eine kommerzielle Lizenz für ein bestehendes Programm erwerben. Für dieses werden zwar regelmäßig und automatisch Updates geliefert, aber es ist eben nicht auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Auch besteht die Gefahr, dass es mit anderen, bereits vorhandenen Systemen nicht kompatibel ist oder sich nicht auf andere Anwendungsbereiche übertragen lässt.


Patientinnen und Patienten im Warteraum eines Krankenhauses in Tansania

Patientinnen und Patienten im Warteraum eines Krankenhauses in Tansania

Patientinnen und Patienten im Warteraum eines Krankenhauses in Tansania

Flexibel, effizient, transparent, kostengünstig

An diesem Punkt setzt die openIMIS-Initiative an, die vom BMZ und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gemeinsam finanziert wird. openIMIS ist eine Open-Source-Software für das Management von Systemen zur sozialen Absicherung im Krankheitsfall. Das heißt, dass ihr Quelltext öffentlich verfügbar ist und gemeinschaftlich genutzt und weiterentwickelt wird.

openIMIS ermöglicht es, die Daten von Patienten, Dienstleistern und Beitragszahlern zu verbinden. So können Patienten identifiziert werden, und die digital erstellten und automatisch verschickten Rechnungen von Krankenhäusern schneller überprüft und bezahlt werden. Dies sichert den verlässlichen Finanzfluss in der medizinischen Versorgung. Die Software bietet Online- und Offline-Funktionen sowie Anwendungen für Mobiltelefone und kann somit auch in ländlichen Regionen eingesetzt werden.

Der Open-Source-Ansatz erlaubt es, dass eine breite internationale Entwicklergemeinde gemeinsam an dem Produkt arbeitet. Die Software kann an die speziellen Bedürfnisse einzelner Länder angepasst werden, gleichzeitig können Anwender von Verbesserungen in anderen Ländern profitieren.

Schweizer Projekt weiterentwickelt

Grundlage von openIMIS ist ein Informationsverwaltungssystem für Versicherungen, das vom Swiss Tropical and Public Health Institute entwickelt und 2012 erfolgreich in Tansania eingesetzt wurde. Später stellte es die Schweiz als Lizenzinhaber auch Kamerun und Nepal zur Verfügung.

Aufgrund der großen Nachfrage von Entwicklungs- und Schwellenländern nach verlässlichen und kostengünstigen digitalen Lösungen für ihre Sozialversicherungssysteme haben das BMZ und die DEZA ihre Kräfte gebündelt und das System zu openIMIS weiterentwickelt. 2017 hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Koordination der openIMIS-Initiative übernommen. Die Initiative unterstützt interessierte Länder bei der Einführung der Software.

Ausweitung auf andere Versicherungen möglich

Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist der digitale Lösungsansatz ein wichtiger Baustein in mehreren Arbeitsschwerpunkten (unter anderem Gesundheit, soziale Sicherung, gute Regierungsführung/Dezentralisierung). Er verwirklicht Kernaspekte des Marshallplans mit Afrika und des Positionspapiers Digitalisierung für Entwicklung des BMZ. Zurzeit liegt der Schwerpunkt von openIMIS noch im Gesundheitsbereich. Die Software besitzt jedoch das Potenzial, auf andere soziale Absicherungsbereiche ausgeweitet zu werden, in denen große Datenmengen verwaltet werden müssen.

Beispiel Nepal Digitale soziale Absicherung im Krankheitsfall

Krankenhaus in Nepal

Krankenhaus in Nepal

Krankenhaus in Nepal

Um Open-Source-Lösungen für soziale Siche­rungs­systeme erfolg­reich zu imple­men­tieren, ist nicht nur Fach­expertise für die technische Anpassung nötig. Eine enge Zusammen­arbeit mit lokalen Akteuren ermöglicht die bedarfs­gerechte Aus­rich­tung der Software. Gleich­zeitig können Erfah­run­gen in der Auswahl not­wen­diger Daten zur Erfassung in nationalen Kontexten zur besseren Prozess­steuerung auf­bereitet werden.

Neben der Anwendung von openIMIS für die nationale Kranken­versiche­rung unter­stützt die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit in Nepal – mit Ko­finan­zie­rung des Globalen Fonds und der korea­nischen Ent­wick­lungs­agentur KOICA – beispiels­weise ein System, in dem digitale Patienten­akten angelegt werden. Dabei greifen die Entwickler auf die Open-Source-Kranken­haus­manage­ment-Plattform Bahmni zurück. 

Zurzeit arbeitet ein lokales Ent­wickler­team an der Schnitt­stelle zwischen Bahmni und openIMIS, so dass die Daten aus der elektro­nischen Patienten­akte automatisch mit der Erfassung der erbrachten Leistungen in openIMIS über­tragen werden.