20. Juni 2022 Gemeinsam für globale Ernährungs­sicherheit

Gastbeitrag von Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze auf der Website der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger (Externer Link)

Das Bundesentwicklungsministerium sieht in der deutschen G7-Präsidentschaft eine Chance für die Entwicklungszusammenarbeit. Bundesministerin Svenja Schulze zum Arbeitsprogramm und zu den Zielen der G7-Entwicklungsminister*innen.

Die Welt steht vor großen Herausforderungen: die durch den Klimawandel verursachten Dürren in West- und Ostafrika, die Folgen der Covid-19-Pandemie oder die lokalen und regionalen Konflikte. Jetzt kommen noch die Auswirkungen von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hinzu. Es droht die schlimmste Hungerkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die unmittelbaren Folgen für die globale Ernährungssituation erfordern eine geschlossene Reaktion der führenden Volkswirtschaften in enger Abstimmung mit den betroffenen Partnerländern des Globalen Südens sowie internationalen Organisationen.

Um gemeinsam eine schnelle, wirksame und nachhaltige Antwort auf die verschärfte Ernährungslage zu geben, haben wir als G7-Entwicklungsminister*innen auf unserem Treffen am 18./19. Mai in Berlin ein Bündnis für globale Ernährungssicherheit (Global Alliance for Food Security, GAFS) initiiert. Ziel des Bündnisses ist es, eine enge Koordination der Maßnahmen zur Ernährungssicherung zu gewährleisten. In den vergangenen Wochen konnten wir zahlreiche Regierungen, internationale Organisationen sowie Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft für dieses Bündnis gewinnen. Am Freitag, dem 24. Juni, habe ich gemeinsam mit meinen Ministerkolleg*innen des Auswärtigen sowie für Ernährung und Landwirtschaft nach Berlin zur Internationalen Konferenz „Uniting for Global Food Security“ eingeladen. Es ist uns wichtig, im gemeinsamen Schulterschluss mit unseren Partner*innen Antworten auf die vielfachen Herausforderungen der multidimensionalen Krisensituation zu finden.

Dabei müssen wir nicht nur für eine effektive Krisenreaktion sorgen, sondern zugleich auch sicherstellen, dass unser Handeln die Anstrengungen für die notwendige Transformation der globalen Agrar- und Ernährungssysteme hin zu Resilienz und Nachhaltigkeit nicht untergräbt. Diese müssen unbedingt gestärkt werden, um die Basis für globale Ernährungssicherheit und – mehr noch – gesunde Ernährung besonders in unseren Partnerländern zu verbessern. Das heißt auch, dass die Agrar- und Ernährungssysteme weder zu Entwaldung und Walddegradierung beitragen noch die globalen Maßnahmen zu Klimaschutz und Klimaanpassung konterkarieren dürfen.

Zudem haben wir erneut unser volles Engagement versichert, das G7-Elmau-Ziel aus dem Jahr 2015 zu erreichen: Um 500 Millionen Menschen bis 2030 aus Hunger und Mangelernährung zu befreien, werden wir als G7 einen starken Fokus auf nachhaltige und inklusive Transformation der globalen Agrar- und Ernährungssysteme beibehalten.

Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität und Ernährungssicherheit müssen gemeinsam betrachtet werden. Hier wird vor allem die Wissenschaft eine Schlüsselrolle übernehmen, um Landwirtschafts- und Handelspolitik im Sinne der Transformation anzupassen. Zur Unterstützung dieser „Beyond Elmau“-Agenda stimmen wir uns mit Initiativen zum Ausbau eines Wissensnetzwerks zur Transformation von Landwirtschaftspolitik ab und setzen uns für einen Fokus auf Agrar- und Ernährungssysteme auf der nächsten UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh (Ägypten) ein. Zudem ermuntern wir als G7 im Nachgang des UN Food Systems Summit (UNFSS) weiterhin alle relevanten Stakeholder, sich in der Zero Hunger Coalition zu engagieren.

Vor allem aber müssen wir es für eine erfolgreiche Transformation des Agrar- und Ernährungssektors mit dem Ziel echter Nachhaltigkeit schaffen, jegliche Formen von Diskriminierungen abzubauen. So gilt es zum Beispiel, die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken. Unterschiede beim Zugang zu Landrechten, Eigentum und Finanzen, im Erbrecht oder in der Berufsausübung müssen für nachhaltige und gerechte Agrar- und Ernährungssysteme abgebaut werden. Daher ist es mir auch im Rahmen der G7-Präsidentschaft ein zentrales Anliegen, mit einer feministischen Entwicklungspolitik einen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit zu leisten. Wer die Rolle von Frauen und Mädchen in der Landwirtschaft stärkt, leistet der Gesamtgesellschaft einen außerordentlich wichtigen Dienst – auch und gerade in den Ländern des Globalen Südens. Es freut mich besonders, dass sich die G7-Minister*innen in Berlin auf unserem Treffen gemeinsam zu diesem Ansatz bekannt haben.

Nach dem diesjährigen Gipfel in Elmau gilt es, die Beschlüsse des Abschlusskommuniqués genau in den Blick zu nehmen. Ich rechne fest mit Ergebnissen, die im Sinne einer gerechten und humanen Welt wirken können und deshalb mit vereinten Kräften so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen – damit wir als Weltgemeinschaft nicht an den zunehmenden Herausforderungen scheitern.