5. Oktober 2018 "Vergewaltigung ist Kriegsverbrechen"

Gastbeitrag von Bundesminister Gerd Müller in der Passauer Neuen Presse (Externer Link)

Das Nobelpreiskomitee hat mit seiner Wahl ein wichtiges Zeichen gesetzt: Es gibt keinen Frieden auf der Welt, solange sexuelle Gewalt als abscheuliche Waffe benutzt wird und Frauen und Mädchen nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. Beide Preisträger, die Jesidin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege, arbeiten mit bewundernswertem persönlichen Einsatz dafür, den Opfern sexueller Gewalt zu helfen. Das verdient unsere höchste Anerkennung. Denn Vergewaltigung ist Kriegsverbrechen! Hunderttausende Frauen, Mädchen, Kinder im Nordirak, Sierra Leone oder Myanmar sind betroffen. Es ist höchste Zeit, dieses Verbrechen auch konsequent zu ahnden. Das Völkerstrafrecht bietet die Grundlage, doch noch viel zu oft kommen die Täter ungestraft davon. Das darf nicht so bleiben! Die internationale Gemeinschaft muss die Bestrafung dieser Kriegsverbrecher mit deutlich mehr Nachdruck verfolgen.

Umso wichtiger sind Frauen wie Nadia Murad, die den Opfern eine Stimme geben: Jesidinnen, die wie sie von IS-Terroristen vergewaltigt, als Sklavinnen verkauft oder an Kämpfer "verschenkt" wurden. Ich habe selbst im Nordirak Jesidinnen getroffen, denen unermessliches Leid angetan wurde. Und noch immer sind 3.000 Frauen in IS-Gefangenschaft! Wir dürfen nicht wegschauen. Und wir müssen und können den Frauen helfen: mit Rechtsberatung, Traumabehandlung, medizinischer Hilfe.

Der Arzt und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege ist so für viele Frauen im Kongo zur Rettung geworden: Mehr als 50.000 Opfer sexueller Gewalt haben er und sein Team schon behandelt – bis heute unter Lebensgefahr. Zugleich ist Denis Mukwege Vorkämpfer gegen die Straflosigkeit für Massenvergewaltigungen. Ihn zu ehren, ist deshalb auch eine starke Botschaft an viele engagierte Menschen: Euer Mut wird gesehen! Deswegen freue ich mich sehr, dass mit Denis Mukwege und Nadia Murad zwei mutige Menschen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, um den Rechten von Frauen und Mädchen endlich weltweit Geltung zu verschaffen.